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Gastronomie (nochmal...)
Ich weiß nicht, ob Sie von dem Kerl gehört haben, der sich für eine Taube hält.
Er sitzt den ganzen Tag auf der kleinen Parkinsel am Piazza Brà in Verona und
wirft sich selbst Brotkrumen zu. Dabei machte er nur zwei Wochen Urlaub in Griechenland.Aber eine Woche Urlaub hatten wir ja bereits geschafft und man
soll nicht undankbar sein.Und man kann von Griechen ja einiges behaupten,
nur nicht, dass Touristen willkommen wären. Tourist ist allerdings jeder, der
sich 100 Meter von seinem Haus entfernt, denn Rassisten gegen Ausländer sind
Griechen nicht. Sie sind Rassisten gegen alle. Diese Griechen sind, bitte seien
Sie mir nicht böse, komische Leute. Ihre größten Philosophen sollen sie mit
Schierlingsbecher vergiftet haben, aber ich bin mir jetzt nicht mehr so sicher,
ob diese ihn nicht freiwillig genommen haben. Sie haben ihre eigene Sprache
und sie haben ihren Eigensinn. Natürlich kann man sie bewundern, weil sie
ihre Sprache in solchem Akzent zu reden vermögen, dass sie sich selbst untereinander
nicht verstehen. Aber wozu? Sie möchten es ja gar nicht. Man
kann sie natürlich auch verachten, weil sie arrogante, engstirnige und
abweisende Schurken sind. Den Griechen kann man grob gesehen, aber
wie sollte man ihn sonst sehen, auf keinen Fall lieben - oder schlimmer noch:
ihn dazu bringen, dich zu lieben. Dabei spielt es,wie gesagt keine Rolle,woher
man ist oder wo man in Gottes Namen herkommen mag. Sie verachten jeden
mit einer ausdauernden Intensität, die ihres Gleichen sucht. Das hat einen einfachen
Grund: Weil du ein schäbiger Tourist bist, der von außerhalb eingedrungen
oder gar immigriert ist und sich womöglich noch selbst einbildet, jetzt
Grieche werden zu können.
Mein Vater wohnte 2 Jahre nahe Athen und durch ihn haben wir wirklich gastfreundliche
Menschen und heitere Grillpartys erleben dürfen. Aber, wenn du
nicht das Glück hast, jemanden zu kennen, der jemanden kennt, wirst du einsam
sterben. Den ersten feindseligen Geschmack bekommt man bereits,wenn
man einen Passanten nach der Uhrzeit fragt,weil man sich erst, als verdammter
Tourist, an die Zeitumstellung gewöhnen muss. Eine derart intime Frage endet
nicht selten mit dem Bauch nach oben im ägäischen Meer schwimmend. Ich
kann ja verstehen, dass sie, wie wir in Italien, Angst vor japanischen Fotoapparaten
haben, die jeden Quadratzentimeter abfotografieren, um zuhause in
Asien angekommen,Verona nachkonstruieren zu wollen.Wie ich schon sagte,
man muss im Land eben Leute kennen, dann steht einem heiteren Urlaub nichts
im Wege.Aus diesem Grund beschlossen wir, das gleiche Lokal wie tags zuvor
aufzusuchen und zwar deshalb, weil uns deren Macken bereits vertraut waren
und wir so kein Risiko eines Überaschungsangriffs eingingen. Euphorie hin,
alte Bekannte her, wie lange frage ich Sie, kann man vom Frühstück zehren.
Wenn es reichhaltig genug war, vielleicht sogar bis 16 Uhr.
Kaum hatte ich 78 Mal Richtung Kellner gewunken, eilte dieser herbei.
Erschreckenderweise hatte er die Karte bereits dabei und legte sie auf den Tisch.
Ich erbat in leicht verständlicher, englischer Sprache ein Bier für mich selbst
und einen Kaffee für Susanna und dies war mein Fehler. Unsere Tarnung war
so gut, dass er uns auf den ersten Blick nicht als Touristen erkannte, also besann
er sich schnell und schob seinen Notizblock und den Schreiber in die Brusttasche
und enteilte. Ich war hart wie der berühmte Fels in der Brandung und
blieb im sonnigen Gartenlokal sitzen.Doch zum Unterschied eines Felsens, verspürten
wir Hunger...
„Schauen Sie lieber Mann", appellierte ich an das Gute im Menschen,„wir haben
seit heute Morgen um sieben nichts gegessen...Wir haben Hunger."
„Wenn Sie so früh aufstehen, ist das wohl nicht meine Schuld", gab er wahrheitsgemäß
zurück, zückte aber dennoch seinen heiligen Notizblock. Wahrscheinlich
hatte er in mir einen würdigen Gegner erkannt, gegen den er sichtbar
keine Chance hatte. Ich ließ mich zufrieden an die Lehne zurück sinken
und lauschte meinem kapitulierenden Widersacher...
„Darf ich abkassieren, gleich ist Schichtwechsel...Was hatten Sie?"
„Hunger... wir hatten Hunger..."
„Da haben Sie Glück, das war heute im Angebot..."
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die wirklich wichtigen Dinge des Lebens!
Wenn mein Vater Sie eines Tages fragen sollte, welches der Unterschied zwischen
gratis und umsonst sei, tun Sie ihm den Gefallen und antworten Sie mit
„keine Ahnung". Er wird schelmisch grinsen und entgegnen: „Meine Schulbildung
war gratis, deine umsonst."
Dass die meinige weder gratis noch umsonst war, möchte ich mit folgendem
Erlebnis, das schon einige Jahre zurückliegt beweisen.
Unser Philosophieprofessor D.Nowak stand an seinem Pult und vor staunenden
Studenten. Eine geheimnisvolle Schachtel stand vor ihm und er vermied es tunlichst,
dass auch nur einer der Studenten oder gar Studentinnen einen Blick
in seine kartongraue Zauberkiste werfen konnte. Als der Unterricht begann, nahm er ein großes leeres Einmachglas und füllte es bis zum Rand mit großen
Flusskieselsteinen.
Mit schweifendem Blick fragte er sein studierendes Publikum, ob das Glas denn
voll sei?
Wir stimmten ihm zu.
Herr Professor Nowak nahm eine Schachtel mit kleinen Schottersteinen, schüttete
sie in das Glas und schüttelte es leicht,wie ein alternder Barmixer.Die Schottersteine
rollten natürlich in die Zwischenräume der größeren Steine. Dann
fragte er uns Studenten, die eigentlich an Multiple-Choice-Quizsendungen
gewohnt waren erneut, ob das Glas jetzt voll sei.
Wir stimmten nickend zu und lachten.
Professor D.Nowak seinerseits zauberte eine Schachtel mit Sand aus dem Karton,
schüttete ihn in das Glas und mixte den Cocktail erneut. Natürlich füllte
der Sand die letzten Zwischenräume im Glas aus.
„Nun", sagte der Professor sichtlich überlegen, „ich möchte, dass Sie erkennen,
dass dieses Glas wie Ihr Leben ist!"
Die großen Steine sind die wichtigen Dinge im Leben: Ihr Partner, Ihre Gesundheit,
Ihre Kinder,Dinge, die - wenn alles andere wegfiele und nur Sie übrig blieben,
Ihr Leben immer noch erfüllen würden.
Die kleinen Schottersteine sind andere, weniger wichtige Dinge, wie z. B. Ihre
Arbeit, Ihre Wohnung, Ihr Wagen oder Ihr neuer Computer.
Der Sand symbolisiert die ganz kleinen Dinge und Freuden im Leben.Wenn
Sie den Sand zuerst in das Glas füllen, bleibt kein Raum für den Schotter oder
den großen Flusskiesel.
So ist es auch in Ihrem Leben, wenn Sie all Ihre Energie für die kleinen Dinge
in Ihrem Leben aufwenden, haben Sie für die großen keine mehr.
Achten Sie auf die wichtigen Dinge, nehmen Sie sich Zeit für Ihre Kinder oder
Ihren Partner, achten Sie auf Ihre Gesundheit. Es wird noch genug Zeit für
Arbeit,Haushalt, Partys usw. bleiben.Achten Sie zuerst auf die großen Steine,
sie sind es, die wirklich zählen. Der Rest ist nur Sand."
Nach dieser philosophischen Belehrung meldete ich mich zu Wort und trat an
sein Lehrpult, nahm das Glas mit den großen Steinen, dem Schotter und dem
Sand - bei dem mittlerweile sogar der Professor zustimmte, dass es voll war -
und schüttete, aus einer eben geöffneten Flasche,Wein hinein.
Der Wein füllte den noch verbliebenden Raum im Glas aus; dann war es wirklich
voll.
„Die Moral von der Geschichte", lächelte ich zufrieden, „ egal wie erfüllt dein Leben
ist, es ist immer noch Platz für ein Glas Bardolino."
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