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Bücher Satire
Buch Leseprobe Surfen auf Akropolis, M. K. Ruppert
M. K. Ruppert

Surfen auf Akropolis



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Gastronomie (nochmal...)

Ich weiß nicht, ob Sie von dem Kerl gehört haben, der sich für eine Taube hält.

Er sitzt den ganzen Tag auf der kleinen Parkinsel am Piazza Brà in Verona und

wirft sich selbst Brotkrumen zu. Dabei machte er nur zwei Wochen Urlaub in Griechenland.Aber eine Woche Urlaub hatten wir ja bereits geschafft und man

soll nicht undankbar sein.Und man kann von Griechen ja einiges behaupten,

nur nicht, dass Touristen willkommen wären. Tourist ist allerdings jeder, der

sich 100 Meter von seinem Haus entfernt, denn Rassisten gegen Ausländer sind

Griechen nicht. Sie sind Rassisten gegen alle. Diese Griechen sind, bitte seien

Sie mir nicht böse, komische Leute. Ihre größten Philosophen sollen sie mit

Schierlingsbecher vergiftet haben, aber ich bin mir jetzt nicht mehr so sicher,

ob diese ihn nicht freiwillig genommen haben. Sie haben ihre eigene Sprache

und sie haben ihren Eigensinn. Natürlich kann man sie bewundern, weil sie

ihre Sprache in solchem Akzent zu reden vermögen, dass sie sich selbst untereinander

nicht verstehen. Aber wozu? Sie möchten es ja gar nicht. Man

kann sie natürlich auch verachten, weil sie arrogante, engstirnige und

abweisende Schurken sind. Den Griechen kann man grob gesehen, aber

wie sollte man ihn sonst sehen, auf keinen Fall lieben - oder schlimmer noch:

ihn dazu bringen, dich zu lieben. Dabei spielt es,wie gesagt keine Rolle,woher

man ist oder wo man in Gottes Namen herkommen mag. Sie verachten jeden

mit einer ausdauernden Intensität, die ihres Gleichen sucht. Das hat einen einfachen

Grund: Weil du ein schäbiger Tourist bist, der von außerhalb eingedrungen

oder gar immigriert ist und sich womöglich noch selbst einbildet, jetzt

Grieche werden zu können.

Mein Vater wohnte 2 Jahre nahe Athen und durch ihn haben wir wirklich gastfreundliche

Menschen und heitere Grillpartys erleben dürfen. Aber, wenn du

nicht das Glück hast, jemanden zu kennen, der jemanden kennt, wirst du einsam

sterben. Den ersten feindseligen Geschmack bekommt man bereits,wenn

man einen Passanten nach der Uhrzeit fragt,weil man sich erst, als verdammter

Tourist, an die Zeitumstellung gewöhnen muss. Eine derart intime Frage endet

nicht selten mit dem Bauch nach oben im ägäischen Meer schwimmend. Ich

kann ja verstehen, dass sie, wie wir in Italien, Angst vor japanischen Fotoapparaten

haben, die jeden Quadratzentimeter abfotografieren, um zuhause in

Asien angekommen,Verona nachkonstruieren zu wollen.Wie ich schon sagte,

man muss im Land eben Leute kennen, dann steht einem heiteren Urlaub nichts

im Wege.Aus diesem Grund beschlossen wir, das gleiche Lokal wie tags zuvor

aufzusuchen und zwar deshalb, weil uns deren Macken bereits vertraut waren

und wir so kein Risiko eines Überaschungsangriffs eingingen. Euphorie hin,

alte Bekannte her, wie lange frage ich Sie, kann man vom Frühstück zehren.

Wenn es reichhaltig genug war, vielleicht sogar bis 16 Uhr.


Kaum hatte ich 78 Mal Richtung Kellner gewunken, eilte dieser herbei.

Erschreckenderweise hatte er die Karte bereits dabei und legte sie auf den Tisch.

Ich erbat in leicht verständlicher, englischer Sprache ein Bier für mich selbst

und einen Kaffee für Susanna und dies war mein Fehler. Unsere Tarnung war

so gut, dass er uns auf den ersten Blick nicht als Touristen erkannte, also besann

er sich schnell und schob seinen Notizblock und den Schreiber in die Brusttasche

und enteilte. Ich war hart wie der berühmte Fels in der Brandung und

blieb im sonnigen Gartenlokal sitzen.Doch zum Unterschied eines Felsens, verspürten

wir Hunger...

„Schauen Sie lieber Mann", appellierte ich an das Gute im Menschen,„wir haben

seit heute Morgen um sieben nichts gegessen...Wir haben Hunger."

„Wenn Sie so früh aufstehen, ist das wohl nicht meine Schuld", gab er wahrheitsgemäß

zurück, zückte aber dennoch seinen heiligen Notizblock. Wahrscheinlich

hatte er in mir einen würdigen Gegner erkannt, gegen den er sichtbar

keine Chance hatte. Ich ließ mich zufrieden an die Lehne zurück sinken

und lauschte meinem kapitulierenden Widersacher...

„Darf ich abkassieren, gleich ist Schichtwechsel...Was hatten Sie?"

„Hunger... wir hatten Hunger..."

„Da haben Sie Glück, das war heute im Angebot..."



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