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Bücher Satire
Buch Leseprobe Schizophrene Übernahme, Gordon Mörike
Gordon Mörike

Schizophrene Übernahme



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Tag 48 nach Tag X - Prolog der Gleichgültigkeit
Hampy und ich bahnen uns unseren Weg durch die Einkaufsstraße der Altstadt auf der Suche nach einem Kaffee, der bitterer ist, als ein aberkannter Doktortitel.
Gedämpft flackern die blickenden Lichter der Werbereklamen durch den dichten Nebel, welcher sich seit dem Morgen in der Kleinstadt niedergelassen hat. Mit jedem vorangeschrittenen Meter verdeutlichen sich die grauen Konturen der Silhouetten einer Menschenmenge, welche kontinuierlich von dem Blaulicht eines Polizeiwagens in Farbe getaucht werden.
„Haben wir in letzter Zeit gegen das Gesetz verstoßen?“, frage ich Hampy vorbeugend, solange wir noch die Chance haben, in eine der Seitenstraßen auszuweichen.
Hampy hebt seine Arme und beginnt einige Zentimeter vor seinem Gesicht mit den Fingern zu wackeln: „Also ich habe meine Hände in Unschuld gebadet.“
„Willst du damit sagen, dass das 26-jährige Mäuschen von letzter Nacht Jungfrau war?“
„Nein, sie sagte, sie sei Steinbock.“
Über den schlechten Witz grinsend schreiten wir voran und streifen kurze Zeit später den Menschenauflauf, deren Sensationsgeilheit etwa genauso unersättlich wie die vier Mägen einer Kuh ist. Die ausgelernten Voyeure starren eine alte Dame an, welche in diesem Moment eine Aussage bei den zwei Polizeibeamten macht und erklärt ihnen, wie der junge Dieb ihr die Handtasche von ihrer von osteoporosegeplagten Schulter riss. Laut flucht sie über die Gier des Diebes, doch unüberhörbar klagt sie über die Gleichgültigkeit der Menschen, welche die Gelegenheit nicht wahrgenommen haben, ihr zur Unterstützung zu kommen.
In ihren glasig spiegelnden Augen kann man erkennen, wie ihr Glaube an die Menschheit zerbricht und ein kleiner Teil in ihr stirbt. Mit einer vor Enttäuschung zuckenden Oberlippe klagt sie ihr Leid in die Runde und meint, dass sie es nicht für möglich gehalten hätte, dass sie in ihren letzten Jahren noch so von der Gesellschaft enttäuscht werden würde.
Hampy hält schlagartig an und hat mal wieder diesen Blick im Gesicht, welcher meist signalisiert, dass ich jeden Moment gut unterhalten werde. Daher zögere ich nicht lange und überlasse Hampy die Motorik über meinen Körper, während ich es mir in unserem kranken Gehirn gemütlich mache und auf die Show warte. Dieser nutzt seine Chance unverzüglich aus und geht mit meinem Körper auf die alte Dame und die Menschenansammlung zu.
„Sie tun ja so, als hätten sie etwas anderes von der menschlichen Rasse erwartet. In dieser Welt ist sich jeder selbst der Nächste und somit wird das eigene Wohl immer eine höhere Priorität haben, als die Not eines anderen Menschen. Niemand besitzt mehr die Courage, für jemanden einzustehen, den er nicht kennt, beziehungsweise aus dessen Notsituation er keinen Profit schlagen kann.“
Hampy wendet sich von der alten Dame ab und beginnt von Mensch zu Mensch zu gehen, während er mit seinem Monolog fortfährt.
„Immerhin könnte man mit negativen Konsequenzen aus solch einem Konflikt herausgehen, welcher verhindern könnte, dass man in seinem bedeutungslosen Leben abends gemütlich vor dem Fernseher sitzen kann, während die Nachrichten einem aus sicherer Entfernung die Schrecken der Welt in kleinen gut verträglichen Dosen vor Augen führen. Der Mensch wäre dann nicht in der Lage für fünf Sekunden Entsetzen vorzutäuschen, um im Anschluss herzhaft und aus tiefstem Leib über die niveaulose Komödie zu lachen, welche ihm der nächste Sender vorsetzt.
Doch halt, da kitzelt ja bei manchen irgendwo noch das schlechte Gewissen, dass man der hilfsbedürftigen alten Dame nicht in ihrer größten Not geholfen hat. Da kommt die nächste Spendenhotline gut gelegen und schafft schnell Abhilfe. Also zückt man geschwind sein hoch modernes Handy und schickt ein paar Euro per SMS an die traurig schauenden Kinder eines Entwicklungslandes und redet sich erfolgreich ein, dass das Geld natürlich auch genau dort landet und nicht etwa in den Taschen skrupelloser Geschäftsleute.
Aber was soll es... man hat seinen Sold an der Menschheit für die nächsten Jahre mehr als ausreichend erfüllt und der bierbäuchige Buddha behält sein ansteckendes Dauergrinsen im Gesicht, während er einen im nächsten Leben zu einem höheren Wesen macht.“
Hampy grinst und geht zu einer Frau, welche ein Kreuz um den Hals trägt und predigt lautstark:
„Aber was, wenn Buddha das nicht reicht? Kein Problem, fragen wir doch einfach mal bei Gott nach. Dieser wirft rasch einen Blick mit der rosaroten Brille auf uns, mit der er seit Jahrtausenden die Korrumpiertheit seiner Mitglieder, welche vom Ablasshandel, über Glaubenskriege bis hin zu Pädophilie reicht, betrachtet und schon öffnen sich die lichtdurchfluteten Türen des Himmels mit einem kräftigen Schwung, während man von dem Gefühl der Zufriedenheit durchflutet wird und eine Welt ohne Schmerz und Sorgen kennen lernt. Und ich dachte immer, man müsse dafür auf Drogen sein.“
Hampy schaut sich kurz um, während die Gesichter der Menschen die verschiedensten Emotionen und eine Vielzahl geteilter Meinungen offenbaren, um anschließend noch einen drauf zu legen.
„Aber was, wenn auch Gott unseren Arsch nicht bei sich haben möchte. Dann fragen wir doch einfach mal beim Islam und seinem Koran an. Dieser wird doch sowieso von Typen, welche stets in Bombenstimmung sind und ihren Bart als natürlichen Lendenschutz voller Stolz tragen, je nach Tagesform ausgelegt. Und ganz ehrlich, wer will nicht im Paradies von 72 vollbusigen Schönheiten mit Wein und Whisky empfangen werden, welche sich für die Ewigkeit im Voraus eine Dauerkarte für vaginale Verjüngung bei dem Schönheitschirurgen ihres Vertrauens besorgt haben.
Also egal was auch passieren mag, wir alle haben für die Ewigkeit ausgesorgt und können weiterhin bequem dabei zuschauen, wie sich unser Arsch platt sitzt, während die Welt vor unserer Haustür sich langsam zu Grunde richtet.“
Hampy holt tief Luft und setzt ein weiteres Mal an um fortzufahren, während ich ihn völlig begeistert ansporne, weiter zu machen. Er fängt höhnisch an zu grinsen und geht auf die beiden Polizisten zu, die immer noch nicht ganz wissen, was sie mit uns anstellen sollen.
Dann sagt er: „Psychopathen und korrupte Politiker ziehen sich wie ein Krebsgeschwür durch unsere Gesellschaft und lassen Werte und Tugenden immer stärker verkommen, während sie den Samen neuer Bosheit durch ihr destruktives Handeln in den Köpfen der Menschen säen. Doch selbst die Institutionen, die sich eigentlich gegen diese stellen sollen, versagen auf ganzer Linie. Ja, liebe Polizeibehörden, hiermit seid ihr gemeint.“
Die Polizisten schauen uns mit einer arroganten Unantastbarkeit an und scheinen darauf zu hoffen, dass wir sie in irgendeiner Weise beleidigen, damit sie uns auf den Rücksitz ihres Wagens verfrachten können.
„Wenn ihr euch mal etwas weniger als Hobbyfotografen betätigen würdet, so könnte doch Tatsache mal ein Kind weniger entführt oder ein Mann weniger ins Koma geprügelt werden“, sagt Hampy zu ihnen, bevor diese auf uns zu kommen.
Hampy streckt die flache nach oben gebogene Hand aus und findet genau im richtigen Moment die passenden Worte, um einem Tag hinter Gittern aus dem Wege zu gehen: „Doch was sollt ihr machen, wenn die eigenen Taschen leer sind, weil die Steuern lieber in weitere sinnlose Autobahnen oder Flughäfen gesteckt werden, anstatt sie in die Sicherheit der Bürger zu investieren.
Somit kann ich euch wahrlich nicht Schuld an der zerfallenden Gesellschaft und der Zunahme an Verbrechen geben. Denn was will man auch von einem Staat erwarten, der denkt, er sei kultiviert, weil er seine Verbrecher gut behandelt. Mördern wird das Gefängnis erlassen, damit sie in einer psychiatrischen Anstalt ihre ach so schlimme Kindheit verarbeiten können, auf welche sie erfolgreich plädiert haben. Vergewaltiger bekommen einen kleinen Klaps auf die Hände und machen anschließend für ein paar Jahre Erholungsurlaub in einem Gefängniszimmer, welches besser eingerichtet ist, als so manches Hotelzimmer, was ich hatte.
Hier hast du was Warmes zu essen, da sind die Duschen, der Fernseher steht in der Ecke und hier sind noch ein paar Kippen zum selber Drehen, damit du siehst, dass deine Hände nicht nur dafür da sind, um kleine Kinder anzufassen." „Wo bleibt da bitte die Prävention?“, fragt Hampy mit zur Seite ausgestreckten Armen in die Runde und fährt fort mit: „Und wo zur Hölle sind die Zeiten hin, wo noch Gleiches mit Gleichem vergolten wurde. Zerstörst du ein Leben, zerstören wir dich, sollte die Devise sein. Doch sind die Menschen leider nur ein Haufen Feiglinge und Narren, welche es bevorzugen, mit in Unschuld gebadeten Händen die weiße Weste anzuziehen, während sie insgeheim hoffen, eines Tages ohne Angst vor die Haustür gehen zu können, mit der Gewissheit, dass keine Mörder, Vergewaltiger und Schläger durch unsere Straßen ziehen, welche zu jeder Sekunde nur einen Impuls ihres kranken Hirnes davon entfernt sind, ihre Maske fallen zu lassen, um in ihrer wahren Gestalt über das nächste Opfer herzufallen.
Wann erheben wir uns endlich aus unserem Gefängnis der Angst und zeigen den Verbrechern, dass das Wort Gerechtigkeit seine Bedeutung noch nicht verloren hat.“
Ein paar Leute fangen an zu klatschen, andere wiederum schütteln mit dem Kopf und einer fordert die Polizisten, welche sich noch immer im Zwiespalt befinden, auf, uns zu verhaften.
Hampy überlässt mir schlagartig wieder die Kontrolle über meine Motorik und manifestiert sich in alt bekannter Weise neben mir, während er empfiehlt, dass wir die Unentschlossenheit der Uniformträger nutzen und schnellstmöglich wieder im Nebel untertauchen, aus welchem wir gekommen waren.

Tag 51 nach Tag X - Auf der Suche nach Atompilzen
„Kennt ihr das? Ihr fahrt hinter einem Konvoi von Armeefahrzeugen, dessen einzige Mission es zu sein scheint, das Volk vor einer Fettleber zu schützen, indem sie durch ihre regelmäßigen Besuche bei Fastfoodrestaurants alle frisch gebratenen Hamburger während ihrer stundenlangen Aufenthalte allen anderen wegfressen.
Da fühlt man sich doch in seinem Land gleich um einiges sicherer, wenn man die Gewissheit hat, dass die Menschen, welche auf Grund ihres von der schicksalhaften DNA geschenkten Intelligenzquotienten für die Tätigkeit bei der Armee scheinbar vorbestimmt waren, nun auch noch ihre Fitness durch das besonders nährreiche und konservierungsstoffarme Essen aufs Spiel setzen.
Aber wenn ich gerade mal darüber nachdenke, wofür müssen heutzutage Soldaten noch fit beziehungsweise intelligent sein.
Immerhin kann doch jeder Affe den Abzug eines Gewehres ziehen, um dem Feind des befehlsgebenden Ministers feige aus dem Hinterhalt in den Rücken zu schießen. Ganz ehrlich, Soldaten verdienen Respekt. Nicht ohne Grund erhält ein Killer... ähh Kriegsheld, sobald dieser stolz in seine Heimat zurückkehrt ist von seinem Befehlshabenden jede Menge Anerkennung dafür, dass er für ihn Männchen gemacht hat. Diese Anerkennung erhält der ehrenhafte Soldat meist in Form eines lächerlichen Ansteckers für seine Sammlung, welcher ihm von einem Wicht, der sich in seiner Uniform nur halb so unsicher fühlt, feierlich und zeremoniell überreicht wird.
Jede Person mit einem nennenswerten Intellekt würde sich über diese Form der Wertschätzung, über welche sich vielleicht ein Fünfjähriger freuen würde, wundern, doch nicht einer dieser masochistisch veranlagten Menschen, die es lieben, sich anschreien zu lassen und nicht mal in der Lage wären, ihre Stiefel blitzblank zu lecken, wenn der Kommandant ihnen nicht den Befehl dazu erteilt.
Und ganz ehrlich, das ist auch gut so, denn wie wären Soldaten sonst in der Lage, Befehle anzunehmen, die von Kommandanten und Generälen kommen, die keinerlei eigene Ideale besitzen und mir nichts dir nichts in ein Land einwandern, tausende Menschen töten, von denen mindestens die Hälfte Unschuldige waren und das bloß, um dem Angriffsbefehl eines Politikers gerecht zu werden, welcher mit diesem lediglich versucht, sein verkümmertes Glied zum Wachsen anzuregen.
Jetzt sollte man sich fragen, ob in dieser Welt nicht irgendetwas falsch läuft, wenn eierlose Politiker jemanden den Befehl zum Massenmord geben dürfen, während diese selbst gemütlich daheim sitzen und lediglich den Kampf zwischen ihrem Darmverschluss und einer vergoldeten Toilette austragen.
Warum steigen eigentlich nicht mal die Politiker selbst in den Ring, wenn sie unbedingt kämpfen wollen und erfahren, wie es sich anfühlt über die Leichen unschuldiger Kinder und Frauen zu stolpern. Mal schauen, ob diese den Tod Unschuldiger dann immer noch lediglich als Kollateralschäden bezeichnen würden.“
Der Hörsaal, in welchen wir während unserer Suche nach der universitätsinternen Mensa stinkbesoffen hinein getorkelt sind, applaudiert laut.
Kopfnickend schaue ich zu Hampy rüber, während ich mich auf dem Rednerpult abstütze, welches bei unserem Eintreffen noch nicht von einem Professor belegt war.
„Wie heißt der Studiengang nochmal?“, frage ich über das Mikrophon die Studenten.
„Friedens- und Konfliktforschung“, erwidert ein Student aus der ersten Reihe.
„Dann ist es wohl euer zweifelhaftes Vergnügen, den Menschen klar zu machen, dass niemand einen weiteren Weltkrieg überleben wird.
In einer dunklen Zukunftsvision sehe ich Kinder an der Seite ihrer verzweifelten Eltern, die Pilze nicht länger in Wäldern suchen, sondern lediglich aus den Fenstern ihres Zuhauses schauen müssen, um diese weit und breit zu erspähen und zu erkennen, dass keinerlei Menschlichkeit mehr im Wort Menschheit steckt.
Die gigantischen Rauchschwaden rasen mit dem apokalyptischen Reiter Tod an der Spitze über die Landschaften, Täler und Wiesen und hinterlassen brennende Kargheit und dampfende Leere, während sie Millionen Jahre der Evolution in Sekunden verschlingen und alles ins Reich der Vergessenheit schicken.
In den herunterfließenden Tränen der Eltern spiegelt sich die unaufhaltsame Flut der Endgültigkeit, indessen die Lüge, dass alles gut wird, das Ohr des Kindes erreicht, als die Druckwelle der Atombombe kurz vor dem Haus..... steht heute eigentlich Bier und Milchreis auf dem Speiseplan der Mensa?“, frage ich in die traurig schauende Runde, als der nächste Hungerschub uns überkommt.
Die Studenten verneinen dummerweise, als der Professor des Kurses sich endlich auch die Ehre gibt, zu erscheinen.
Hampy und ich ziehen an ihm vorbei gen Mensa und sagen zeitgleich etwas lallend: „Leg da erst einmal einen drauf.“


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