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Bücher Satire
Buch Leseprobe Mein Autoleben, Margaretha Main
Margaretha Main

Mein Autoleben


Band 5 der Elfen-Reihe

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(4.5)
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Also: alles begann damals mit meinem kleinen Opel Kadett. Ich war von einem Opel Kadett eigentlich überhaupt nicht angetan. Er war mir viel zu klein und vor allen Dingen viel zu lahm. Ich gab ihm eigentlich keine rechte Chance, da ich sein Beschleunigungsverhalten immer mit dem rasanten Geschwindigkeitszuwachs meiner Motorräder verglich und da konnte er natürlich nicht mithalten. Eigentlich hätte ich mir lieber einen Ascona oder Manta gekauft. Der Ascona war größer und der Manta einfach schnittig und mit der großen Maschine auch wesentlich schneller. Mit heutigen Autos sind diese beiden Exponate natürlich nicht mehr zu vergleichen, aber damals waren 90 PS schon eine menge Holz und gut für 170 Sachen. Mein Kadett lief mit seinen 50 PS mal grade 140. Dafür war er günstig in Anschaffung und Unterhalt und brachte mich, wenn auch etwas beschaulicher, überall hin. Na ja, zumindest meistens. Wenn es einmal nicht so recht voran gehen wollte, lag es eigentlich nicht direkt an ihm, sondern daran, dass mir mein „freundlicher Opelhändler” statt neuer, gebrauchte Winterreifen verpasst hatte. Da ich damals noch nicht so viel Ahnung von Autoreifen hatte, fuhr ich mit diesen echt rutschigen Dingern doch eine ganze Weile durch die Gegend, d. h. eigentlich war Schliddern der bessere Ausdruck für das manchmal stoßweise Vorankommen und wieder Hängenbleiben.
Er hatte einfach die Spikes aus den Reifen gezogen und schon war er aus dem Schneider und ich im Dreck. Ich muss allerdings zugeben, dass ich damals auch noch recht blöde war, sonst hätte ich sofort meine ollen Winterreifen gegen neue getauscht. Aber na ja, so ist das eben, wenn frau keine Ahnung hat und obendrein noch ein bisschen faul ist.
Wenn ich im Winter schon früh morgens auf den Straßen unterwegs war, musste ich immer sehr aufpassen, nicht in den nächsten Graben zu juckeln. Ich konnte es damals absolut nicht verstehen, dass es Leute gab, die mich bei der Glätte noch überholten. Wie konnte das gutgehen, ohne dass die von der Straße abkamen? Ich konnte mir keinen Reim darauf machen. Auf die Idee, dass diese Menschen vielleicht einfach nur gute Reifen hatten, bin ich nicht gekommen. So kam es natürlich immer einmal wieder vor, dass ich zu spät zur Arbeit erschien, da ich wieder an irgendeiner winzigen Anhöhe liegen geblieben war.
Ein ganz Schlauer erklärte mir mal, dass es wichtig sei, bei Frontmotor und Heckantrieb die Hinterachse zu beschweren. So wuchtete ich also, mangels anderer schwerer Gerätschaften, einen vollen Düngersack in meinen Kofferraum. Und was passierte? Gar nix. Ich rutschte weiterhin genauso wie ohne Düngersack. Zu allem Überfluss riss ich das Ding dann auch noch kaputt, als ich eine Getränkekiste darüber hinweg bugsieren wollte. Jetzt hatte ich das ganze Zeug im Kofferraum und wer Kunstdünger kennt, weiß was für eine Schweinerei das ist. So blieb mir nichts anderes übrig, als an einem halbhellen, aber saukalten Wintertag, die ganze Innenverkleidung des Kofferraumes herauszureißen und, bis hinunter aufs Blech, alle Düngerkrümel einzusammeln.
Als ich fast fertig war, kam unsere Nachbarin und erklärte mir, dass ich mir viel Arbeit hätte ersparen können, wenn ich zum Einsammeln einfach einen Staubsauger benutzt hätte. Hätte mir diese vorwitzige Ziege das nicht auch ein bisschen eher sagen können? Sofort schwor ich mir, dieses blöde Weibsstück nie wieder zu beachten. Allerdings hielt dieser Vorsatz ihrem heißen Kaffee und ihren selbstgebackenen Plätzchen nicht sehr lange stand und schon musste ich mich mal wieder über meine Inkonsequenz kräftig abärgern.
Eine andere wissende Kreatur erklärte mir eines Tages, dass es wichtig sei, Fußmatten dabei zu haben. Die könnte frau im Notfall unter die Antriebsräder legen, wenn diese, bedingt durch erhebliches Glatteis, keinen Vortrieb mehr leisten konnten. Kaum hatte ich diesen phänomenalen Tipp gekriegt, blieb ich auch prompt liegen.
Fröhlich pfeifend entstieg ich meinem Renner, bückte mich, holte meine Fußmatte aus dem Wagen, ging einen Schritt weiter, bückte mich erneut und schob die Fußmatte unter das Hinterrad. Immer noch fröhlich pfeifend, stieg ich wieder ein und gab vorsichtig Gas. Der Motor heulte kurz auf, Vortrieb gab es aber keinen. Ich öffnete die Tür und schaute nach hinten. Die Matte lag immer noch an ihrem Platz. Wie konnte das sein? Sie hatte sich doch gefälligst unter den Reifen zu schieben und dafür zu sorgen, dass ich hier endlich vom Fleck kam. Als ich noch einmal Gas gab sah ich, dass sich das gegenüberliegende Hinterrad drehte. Aha, dachte ich so bei mir, da muss also die Matte drunter. Ich also wieder aus dem Auto und die Matte unter das andere Hinterrad geschoben.
Aber auch diesmal gab ich vergeblich Gas. Als ich wieder nach hinten schaute, stellte ich fest, dass sich jetzt das Rad auf meiner Seite drehte. Wollte mich mein liebes Auto hier vielleicht veräppeln oder was?
Da ja mein IQ weit über die neunzig reicht, konnte ich mich ja schlecht von so einem, eigentlich dummen, Auto nicht foppen lassen. Also stieg ich wieder aus, holte die zweite Fußmatte aus dem Wagen und legte diese un-ter das andere Rad. Jetzt konnte sich mein Auto aussuchen, welches Rad es zu drehen gedachte. Ich war in jedem Fall vorbereitet. Ich setzte mich also wieder hinein und stellte fest, dass es mittlerweile auf meinen Sitz geschneit hatte. Jetzt bekam ich zum allem Überfluss auch noch einen nassen Hintern. Aber was half es? Ich gab also wieder Gas und tatsächlich rührte sich mein Auto etwa einen halben Meter. Dann gab es plötzlich ein wischendes Geräusch und schon stand die Fuhre wieder. Ich sah nach hinten, konnte aber nichts sehen. So blieb mir nichts anderes übrig, als erneut auszusteigen und nach dem Rechten zu sehen.
Was ich dann gewahrte, versetzte mich doch glatt in Erstaunen. Eine Matte lag, ganz harmlos tuend, vor dem rechten Hinterrad. Die andere war wie vom Erdboden verschluckt. Ich ging mehrmals ums Auto herum, ohne sie allerdings entdecken zu können. Plötzlich hielt ein mutiger Autofahrer neben mir: „brauchen sie Hilfe?” Meine zartbestrumpften und in weißen hochhackigen Stiefeln steckenden Beine hatten wohl seine Aufmerksamkeit erregt. Woher ich das weiß? Weil er die ganze Zeit darauf starrte, während er mit mir sprach.
„Nein, nein, ich komme schon klar.” „Na ja, dann eben nicht.” Er kurbelte seine Scheibe wieder hoch und fuhr an. Schon nach einer Sekunde hielt er erneut, kurbelte das Fenster herunter und meinte: „ach ja, wenn sie ihre Fußmatte suchen. Die liegt etwa fünf Meter hinter ihrem Auto.” Ich ließ den Blödi einfach hinter mir und schritt davon. Richtig, da lag ja meine Fußmatte. Wie war die denn dahin gekommen?
Ihr seht schon, meine Verabredung mit einer sehr guten Freundin – andere hielten das mit mir wohl nicht lange aus – konnte ich mal wieder vergessen. Es dauerte mindestens ein oder zwei Tage bis ich es allein und nur mit Hilfe der beiden Fußmatten geschafft hatte, diesen vermaledeiten Platz zu verlassen.
Ein paar Tage später hatte es mal wieder kräftig gefroren. So blieb es nicht aus, dass die eine oder auch andere Straße etwas an Glätte zugelegt hatte. Schon vor ein paar Tagen hatte ich meiner damaligen Busenfreundin eine abendliche Abholung zugesagt. So fuhr ich, die Fußmatten bei mir wissend, fröhlich von dannen. Da die schöne Dame auf einem Bauernhof lebte, der etwas weiter von der Hauptstraße entfernt lag, musste ich auf einen kleinen Weg abbiegen. Das Abbiegen war kein richtiges Problem. Allerdings mit dem Spurhalten haperte es plötzlich, als ich den festen und vor allem gesalzenen Straßenbelag verlassen hatte. Urplötzlich wollte mein lieber Kadett eigene Wege gehen. Ich hatte eigentlich nichts gegen den Freiheitsdrang anderer. Ich konnte es nur nicht so gut haben, wenn dieser Freiheitsdrang eine Kollision mit einem Graben nach sich zog. Auch das abso-lut kräftige Treten auf das Bremspedal ließ meinen Wagen absolut kalt.
Dem Himmel sei Dank überlegte sich mein Auto seine Aktion noch im letzten Moment anders und hielt etwa drei Millimeter vor der Grabenkante an. Mit Schweißperlen auf meiner Denkerstirn stieg ich aus, um das Ausmaß der Beinahekatastrophe in Augenschein zu nehmen. Aus meinem letzten unfreiwilligen Stopp hatte ich gelernt und schlug die Tür diesmal hinter mir zu, um ein erneutes hineinschneien zu vermeiden. Allerdings hatte das böse Folgen. Das Türzuschlagen reichte aus, um mein Auto noch etwa zwei Millimeter auf den Graben zurutschen zu lassen.
Ganz vorsichtig stieg ich ein und schlug die Tür zu. Schwupps, schon waren mein Auto und ich dem Graben wieder einen halben Millimeter näher gekommen. Noch vorsichtiger legte ich den Rückwärtsgang ein, der jetzt natürlich hakte, was er sonst nur selten tat. Ohne viel Gas zu geben, ließ ich die Kupplung kommen. Das Auto bewegte sich aber nicht rückwärts, sondern rutschte nun endgültig in den Graben. Ich stieg aus und schlug die Tür zu. Dieses blöde, ganz sanfte Türzuschlagen reichte aus, um mein Auto jetzt ganz, im allerdings wasserlosen Graben, zu versenken. Es war seitlich herum gerutscht und stand nun breitseitig in der Tiefe.
Jetzt packte mich aber die Wut. Wollen mich hier alle veräppeln oder was? Ich stieg vorsichtig mit meinen Stiefeln in den Graben, rutschte prompt am Steilhang aus und saß mit hochgeschlagenem Mantel und hochgerutschtem Rock, also mit dem Hintern, in der weißen kalten Pracht. Dieser Umstand beflügelte mich doch augenblicklich so sehr, dass ich ruckzuck wieder auf den Beinen stand. Jetzt stemmte ich mich gegen die dem Auto gegenüberliegende Seite des Bachbettes und drückte gegen mein Auto. Mit aller Kraft schob ich. Und ihr werdet es nicht glauben, das Auto bewegte sich tatsächlich. Jetzt drückte ich noch fester und schob mein Auto so seitwärts aus dem Graben. Ich hatte gar nicht gedacht, dass ich in der Lage war, solche Kräfte zu entwickeln.
Noch einmal meinen Po mit Schnee benetzend, erreichte ich meinen lieben Kadett. Sofort stieg ich ein und bemerkte im selben Moment, dass ich nicht nur allein eingestiegen war. Nein, auch ein ganzer Batzen Schnee war mir, an meinem Mantel haftend, unaufgefordert gefolgt. So hatte mein Po also zum dritten Male direkten Kontakt mit der kalten und jetzt auch nassen Pracht. Um ja keine überflüssige Bewegung auszulösen, ließ ich diesmal die Tür einen Spalt breit offen. Ich legte den ersten Gang ein und versuchte loszufahren.
Aber anstatt sich auf den rechten Pfad zu bewegen, zog es mein Auto vor, erneut in den Graben zu rutschen. Ich stieg also wieder aus, stolperte und schlidderte in den Graben zurück, diesmal ohne mich hinzulegen, und stemmte mich nochmal gegen mein Auto. Es bewegte sich und schon nach ein paar Minuten stand es auf dem Weg. Wieder stieg ich ein und wollte losfahren und wieder verschwanden wir beide im Graben.
Jetzt kam mir eine zündende Idee. Ich zog den Choke etwas heraus – dadurch erhöhte sich minimal die Drehzahl des Motors – und ließ den ersten Gang drin. Jetzt drehten sich die Hinterräder langsam vor sich hin. Ich stieg wieder in den Graben – mittlerweile ließ mich der eine klitzekleine Ausrutscher völlig kalt – und schob mein Auto heraus. Ich ließ nicht locker und stützte mein Auto ab, während es ganz langsam auf den Weg zurückfuhr. So schnell ich konnte, hechtete ich aus dem Graben und rannte ihm nach. Gerade bevor es den Graben auf der anderen Wegseite erreichen konnte, war ich auf meinem Sitz und konnte die Fahrt in eine für mich angenehme Bahn lenken. Leider erreichten meine Busenfreundin und ich nicht mehr unseren bestellten Restauranttisch und nahmen mit einer kräftigen Brotzeit bei ihr zu Haus vorlieb. Der Abend gestaltete sich sehr heiter, da nicht nur sie, sondern auch ihre blöde Familie, immer wieder kräftig über meine Geschichte und meinen immer noch nassen Hintern lachen mussten.

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