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Bücher Satire
Buch Leseprobe Mädchenklo, Silke Boger
Silke Boger

Mädchenklo


Das gaanz normale Leben

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Firmenspiel Assistentin Paula ruft an und fragt, ob ich in meinem Büro eine Vereinsgründung oder ein Gottesdienst abzuhalten plane, da auf mich sieben Kunden warten würden, die allesamt wie die Könige aus dem Morgenland gekleidet seien. Familie Basmati ist da. Wir stellen in Zweierreihen Sitzgelegenheiten in meinem zwar nicht kleinen, aber auf solche Massenansammlungen nicht ausgerichteten Büro auf. Danach dauert es ungefähr dreiundzwanzig Minuten, bis ich mit sämtlichen Teilnehmern unseres inder-kulturellen Finanzierungstermins bekannt gemacht bin. Sie sind alle so aufgeregt, dass ich kurz überlege, ob ich den Kunden erklären soll, dass es sich lediglich um den Erwerb und die Finanzierung einer Immobilie und nicht eines Atomkraftwerkes handelt. Aber diesen Gedanken verwerfe ich schnell wieder. Wer weiß, ob meine Scherze in der indischen Mythologie ihren korrekten Platz finden. Stattdessen beschließe ich, blondes Vertrauen in meine Fähigkeiten als Bankberaterin zu haben und wir die heilige Kuh schon vom Eis bekommen werden. Der Informationsaustausch und die Kosten-zusammenstellung für das angedachte neue Zuhause des Familienclans erfolgt problemlos und zügig, ich wage mich tatsächlich – aufgrund des bis dahin reibungslosen Verlaufs unseres Finan-zierungsgesprächs – verhältnismäßig schnell in Richtung Kreditkosten vor. Oma Basmati verzieht bereits weinerlich ihr weitgehend zahnloses Gesicht, Papa Manjit beginnt zu beten, lediglich Töchterlein Indra daddelt von allem ungerührt weiter auf ihrem Handy. Gekonnt ziehe ich meinen größten Trumpf aus dem Ärmel, den Zinssatz der Kreditanstalt für Immerwiederaufbau, einsetzbar bei energetischen Sanierungen. Theatralisch mache ich eine Sprechpause und haue dann siegessicher die Zinshöhe von 0,75 % bei einer zehnjährigen Zinsbindung heraus. Es herrscht kurze Stille. Mama Basmati verschluckt sich an ihrem Mi-neralwasser, Sohn Ganesh fällt auf die Knie, Manjit beginnt einen mehrstimmigen, dravidischen Lobpreisgesang anzustimmen und Oma Jaswinder wirft Rosenblätter aus ihrer Handtasche in die Luft. Das Entzünden von bengalischen Feuern muss ich, mit Hinweis auf die Brandmelder an der Zimmerdecke, leider verbieten. Die älteste Tochter Rajani wird angewiesen, sofort einen Wasserbottich zu füllen und Schwager Sudhir zieht mir bereits meine Stiefel aus, um eine traditionelle Fußwaschung durchzuführen. Aus den Augenwinkeln sehe ich das völlig fassungslose Gesicht von Terry in meiner Bürotür und ich zeige ihm kurz mit einem breiten Grinsen das Siegeszeichen. So sieht Kundebegeisterung aus, junger Mann! Mit frisch gewaschenen Füßen, jeder einzelne Zeh mit Lavendelöl einbalsamiert, drucke ich die einzelnen Anträge aus und lasse vorsichtshalber noch einen größeren Bausparvertrag von Famili-enoberhaupt Manjit unterzeichnen, falls der Erwerb des Taj Mahals bei Familie Basmati ir-gendwann in naher Zukunft anstehen sollte. Denn dort ist sicherlich ein gehöriger Renovie-rungsstau vorhanden. Für Mai kommenden Jahres werden mein Mann und ich zur Hochzeit der mittleren Tochter Suri nach Zentralindien eingeladen. Ich verspreche, daran teilzunehmen und mich bis dahin nur noch mit Sandelholz-Seife zu waschen, dies soll wohl dem Brautpaar Glück bringen. Unter tiefen Verbeugungen hüben wie drüben verabschieden sich Basmatis nach rund zwei Stunden von mir und ich tanze wie der bescheuerte Glückspilz aus der Dreck-24-Werbung, der beim billigsten Stromanbieter gelandet ist, durch mein Büro. Schnell stanze ich noch mit dem Locher einige Konfetti aus und mische sie mit den umher-liegenden Rosenblättern. Kollegin Gigi kommt just in dem Augenblick in mein Arbeitszimmer, als ich die Rosenblätter von Oma Jaswinder samt meiner Faschingskon-fetti nochmals durch die Luft wirbeln lasse. „Yeah Peri, da hattest du ja einen echten Homerun. Vermutlich konntest du auch noch ein fettes Bausparbuch verkaufen und bist jetzt wie-der Spitzenreiterin in unserer internen Ranking-liste“, orakelt Gigi, während sie irritiert auf die Fußbadewanne neben meinem Schreibtisch blickt.


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