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Bücher Satire
Buch Leseprobe Liebes Katzentagebuch Teil 1, S.A.Michael
S.A.Michael

Liebes Katzentagebuch Teil 1


Kleine Geschichten aus alles Spähren

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Am Anfang war da ein riesengroßes, gewaltiges Nichts


 


 


Liebes Katzentagebuch.


Schaue ich heute auf mein langes, entbehrungsreiches, in allen unendlichen qualvollen dahinschreienden Einzelheiten meines Lebens zurück, würde ich sagen, dass sich jener schicksalsträchtige Tag meiner Zeugung nicht wiederholen bräuchte, oder um es kurz zu sagen, nie hätte stattfinden sollen, und sich meine Mutter einen Monat später auf den erstbesten Kater stürzen sollte, der da gerade des Weges lang schlawenzelte. Vielleicht, aber nur vielleicht, träfe meine Geschichte dann einen Lennie, Tiger, Charlie, Motte, Schnecke, Rindvieh, Streuner, Fresssack oder Stinktier, und er würde sich sein hübsches Köpfchen zerbrechen, um sein Tagebuch der Nachwelt zu erhalten. Sich über seinen Zweibeiner, alias Dosenöffner, alias Hausdiener, alias Sklave beschweren, welche man eh nicht so richtig erziehen kann, denn immer wieder machen diese Zweibeiner was sie wollen, gehen, wenn sie der Meinung sind, verlassen einfach einmal so das Haus, ohne sich die notwendige Genehmigung eingeholt zu haben. In dreifacher Ausführung natürlich.


Noch unhöflich ist die Tatsache, dass sie erst nach Stunden zurückkehren, wohlwissend, dass da einer zu Hause sitzt, der seiner Zuwendung bedarf. Das steht zumindestens im Vertrag, notariell beglaubigt und zehnfach abgesegnet von der Katzengewerkschaft „Ich mache eh was ich will“. Doch irgendwie lesen die Zweibeiner nie das Kleingedruckte unten auf der ersten Seite, die mit folgenden Worten der Anbetung beginnt.


Zurück zu mir und meinen Eintritt in eine verwirrende Welt, die ich mir so, aber absolut nicht so, vorstellte.


Am Anfang war da ein gewaltiges Nichts. Eine tiefe, schwarze Leere die um sich griff und erst an deren Ende, nur für eine kurze Sekunde, in einem gewaltigen Knall endete, durchflutet von unzähligen kleinen Teilchen. Katapultierend. Bahnbrechend. Rekordverdächtig dem Licht entgegen schwammen, durch Labyrinth und Höllen, Gänge und Schleim. Nur um am Ende vom erstbesten Verlierer verprügelt zu werden. Gewann er doch das stürmische Rennen um das letzte Ei des Monats.


Ein Augenblick später. Mamas lustvolles Mautzen erstarb unter dem zärtlichen Bissen meines Rabenvaters. Erschöpft durch jenes wochenlange, gebärdenstrotzendes Jaulen und Jammern auf dem harten Boden des Wohnzimmers.


( Anmerkung: Und das meine ich ernst. Die Mädels zu jener Zeit meiden. Erstens: Der nachfolgende Ärger wird vermieden. Zweitens: Die Nachbarschaft des Zweibeiners ist unter jenem nächtlichen Konzert äußerst gereizt, brauchen sie doch ihren Schönheitsschlaf. Drittens: Der Kauf von Blumentopfe nimmt dramatisch zu. Ebenso wie der Flug eben jener. )


Mein Vater, Bastet hab ihn selig, trottete nach erfolgreicher Arbeit von dannen, schlug seinen gewohnten Weg ein und wart nicht mehr gesehen. Seine Zweibeiner hatten andere Pläne mit ihrem Leben, sackten ihn kurzerhand ein und zogen in eine andere Stadt, wo er, wie sollte es auch anders sein, Bekanntschaft mit den grausamen Folterinstrumenten des Kerkermeisters machte, der ihm seiner Männlichkeit beraubte, auf das er nie wieder seinem Hobby frönte. Welch elendiges Leben, und hätte ich auch nur annähernd geahnt, dass mir eben jenes Schicksal auch noch bevorstand, hätte ich meine Koffer gepackt und wäre von dannen gezogen. Doch noch tümpelte ich im Tal der Ahnungslosen. Eine nackte Kaulquappe mit Kopf und Schwanz. Vier Gliedmassen. Plump. Durchsichtig in seinem Kokon. Nichtssagend. Nichtwissend, wie brutal die Welt da draußen ist, wuchs ich heran, bis meine Mutter, unförmig und fett, die Schnauze von mir voll hatte.


In einer lauen Frühlingsnacht vor vier Jahren schmiss sie ein schwarzes, wimmerndes Häufchen aus der mollig warmen Einzimmerwohnung hinaus in die kalte Wirklichkeit einer kratzenden Decke, die sie eigens für ihren Nachwuchs hergerichtet hatte. Liebevoll zerfleischt, zerfetzt und locker luftig aufgetürmt. Vorbei war der luxuriösen Standart. Dem Luxusapartment mit der aufregenden Dauerheizung, dem regelmäßigem Bad und der nährstoffreichen Kost. Es schmerzte innerlich wie äußerlich, und zu spät erkannte ich, dass sie tatsächlich mit ihrer rauen Zunge über meinen Kopf fuhr. Zerrend und zitternd. Mich kilometerweit weg schuppsend, nur um mich danach wieder einzufangen. Euphorisch mit der Vordertatze. Ein Ruck, kräftig und kraftvoll, wobei mir der Mageninhalt strafend gegen das Gehirn prallte. Mutterliebe extrem. Keiner braucht so etwas.


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