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Leseprobe "glücksbehörde"
Seit ein paar Wochen habe ich einen neuen Job, ich arbeite bei einer Behörde. Ja, ich weiß, das klingt nach langweiligem Beamtentum, aber es ist doch recht abwechslungsreich. Man kann sich seine Arbeitsplätze ja nicht immer aussuchen, aber diesmal hatte ich Glück. Ich arbeite bei einer Beschwerdestelle, das klingt schon wieder nicht so lustig, aber ich will es schnell erklären.
Zu mir kommen alle Menschen, die mit der ihnen zugeteilten Portion an Glück nicht zufrieden sind. Die meinen, vom Schicksal benachteiligt worden zu sein und sich jetzt darüber beschweren wollen.
Und glaub mir, es sind viele, sie stehen Schlange. Wirklich, ich habe genug zu tun.
Schon morgens schaue ich in mürrische Gesichter, manchen Leuten steht ihre Unzufriedenheit direkt ins Gesicht geschrieben. Ich setze mich also hinter die Scheibe aus Panzerglas, diese wurde noch für meinen Vorgänger eingebaut, leider hat er trotzdem nicht überlebt ... Was wollte ich sagen?
Ja, ich setze mich also hin, schalte die Gegensprechanlage ein und nehme die erste Reklamation entgegen. »Ich gewinne nie im Lotto«, beschwert sich ein junger Mann. Ich schaue mir seine Glückszuteilungsrate an, sie liegt exakt bei den üblichen dreiunddreißig Prozent. »Na, dann haben Sie sicher Glück in der Liebe, seien Sie doch froh«, erwidere ich. Der junge Mann denkt kurz nach, ein Lächeln geht über sein Gesicht und mit einem »Recht haben Sie, danke« macht er dem nächsten Platz.
So einfach ist das nicht immer, manche sind ganz schön hartnäckig und pochen darauf, dass das Glück ihnen doch garantiert werden solle. Bitteschön, an mir liegt das nicht, ich habe doch das Universum nicht konstruiert und so muss ich mir eben immer neue Beschwichtigungen einfallen lassen. Ganz ehrlich, manchmal wäre ich lieber arbeitslos, der Job ist schon sehr anstrengend. Aber man gewinnt dabei auch eine Gelassenheit, die ich früher an mir nicht kannte.
Berechtigte Beschwerden muss ich an meine Vorgesetzten weiterleiten, aber es kam bisher nur ein paar Mal vor, dass jemand wirklich völlig vom Glück übersehen wurde.
Dann kommt einer, der schimpft herum, weil er immer alles verliert und dauernd seine Sachen kaputtgehen. Ich erzähle ihm etwas von Achtsamkeit, er wird böse und warnt mich, ich solle selbst acht geben, dass ich ihm nicht mal nachts begegne. Ich zucke nur mit den Schultern, so ein Grobian. Dass der Job nicht ganz ungefährlich ist, wurde mir ja anfangs schon gesagt.
Die Leute warten und nehme die nächste dran...
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Die hübsche Blondine, der einsame Workaholic, ein alter Mann und die wunderliche Nachbarin - das sind nur einige der Singles, über deren zum Teil phantastische Erlebnisse in diesem Buch erzählt wird. Trotz der vielen Unterschiede haben sie doch manches gemeinsam: die Suche nach dem Glück und ein halbvolles Doppelbett.
Ein Buch mit märchenhaften bis tiefgründigen Geschichten, nicht ohne Augenzwinkern - und nicht nur für Singles.
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