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20. „Der hauseigene Neger"
Ein fast schon philosophischer Gedanke beschäftigt mich zurzeit ständig. Als
wir vor ca. 20 Jahren das erste Mal auf Koh Tao auftauchten, kostete unsere
Billighütte, incl. American Standard Sitztoilette, sage und schreibe 350 Bath.
Heute, ein ganzes Dackelleben später, kostet die gleiche Hundehütte immer
noch 350 Bath. Selbstverständlich ist die Kloschüssel noch dieselbe und die
Matratze kommt mir auch irgendwie bekannt vor. Doch die Frage, die mich
lange Zeit beschäftigt hat, war: Wie kann man die Mietpreise über die Jahre
hinweg auf diesem niedrigen Niveau halten?
Dass die Jugend dieser Welt, auch die der westlichen Welt, meistens nicht
allzu viel Kohle in der Tasche hat, ist an sich irgendwie logisch! Doch diese
Tatsache allein erklärt die Stagnation der Preise auf diesem niedrigen Level
bei Weitem nicht. Es gibt hier etwas ganz Besonderes, was die Preise auf
indischem Niveau hält. Auf Koh Tao haben etliche Thais ihren hauseigenen
„Neger"! Natürlich würde ich so eine sozial unkorrekte Aussage niemals zu
Papier bringen, aber ich weiß nicht, wie ich es anders formulieren könnte.
Da sich der kleine Siamese schon aus traditionellen Gründen nicht gern unnütz
bewegt, hatte er eine geniale Geschäftsidee. Um die Lohnnebenkosten
niedrig und sich selbst ruhig zu halten, holt sich Klein Thai seine Vettern und
Cousinen aus Birma auf die Insel. Der Burmese ist in Thailand in etwa das,
was für den deutschen Bauunternehmer der Albaner, der Rumäne oder der
Bulgare ist. Es sind meistens einfache, fleißige Leute, die von diesen Halsabschneidern,
natürlich nur aus reiner Menschenfreundlichkeit, ausgebeutet und
versklavt werden. Es ist schon erstaunlich, wie einfach man acht Weißrussen
und vier Ukrainer in einem Baucontainer unterbringen kann, ohne dass einer
von ihnen über Platzangst klagen würde. Aber der Burmese ist noch um einiges
flexibler in der Lagerhaltung. Ähnlich wie Weinflaschen, kann man die
Burmesen im Regal auf und nebeneinander lagern. Erstaunlicherweise kommen
die allermeisten von ihnen dabei nicht ins Kippen. Dieses abartige Stapelsystem
macht es möglich, dass es einige Ferienanlagen auf Koh Tao gibt,
deren gesamte „Manpower" aus Burma stammt. Obwohl das Wort „Manpower"
eigentlich nicht wirklich passt, da der Burmese, ähnlich wie sein thailändischer
Blutsbruder, auch nicht gerade zur Hyperaktivität neigt. Seine
Begeisterung für körperliche Bewegung hält sich ebenfalls in Grenzen. Dafür
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bewegt sich die Burmesin mindestens fünfmal schneller als ihr männlicher
Landsmann.
Der entscheidende Vorteil beim Burmesenimport liegt natürlich im Großeinkauf.
Es gibt Rabatte ohne Ende auf dem Burmesenmarkt. Überall stehen
unsichtbare Verkaufsschilder auf denen geschrieben steht: „Nimm 3, aber
bezahle nur 2!" Bequeme Ratenzahlung möglich!
Du bekommst ein Dutzend Burmesen zum Preis von zwei thailändischen
Arbeitskräften. Und der Burmese schreit nicht nach Gewerkschaft, Betriebsrat,
Mindestlohn, 38,5-Stunden-Woche oder Pendlerpauschale. Blöd „Verdi"
sein, sagt sich der Burmese. In diesem Fall ist er biegsam wie ein Bambus und
das schätzt der kleine Siamese an seinem Vetter. Ich habe auch noch nie davon
gehört, dass ein Burmese vor ein thailändisches Arbeitsgericht gezogen
wäre, um seinen Arbeitgeber wegen Ausbeutung und illegaler Sklavenhaltung
zu verklagen. Natürlich würde die Justiz in einem solchen Fall mit aller Härte
erbarmungslos zuschlagen. Allerdings nur auf den kleinen Burmesen! Das
kleine Männlein würde sehr wahrscheinlich nach einem Standgericht nie wieder
gesehen und seine Stelle durch einen anderen Burmesen besetzt werden.
„Advokat und dein Anwalt hilft", aber nicht überall und auch nicht jedem,
würde Novalis an dieser Stelle wohl anmerken.
In Deutschland arbeitet diese Art von Tagelöhner oft schwarz, aber in Siam
arbeiten die Burmesen bis sie schwarz werden. Während der Albaner auf einer
Baustelle in Deutschland immerhin 30 Euro Cash am Tag einschiebt, zumindest
wenn er an demselbigen 12 Stunden ohne Pause arbeitet, steckt der Burmese
diesen astronomisch hohen Betrag im Monat ein. In seltenen Fällen
bekommt der kleine Burmese einen noch kleineren „Bangladeschi" zur Seite
gestellt. Das ist der Mann fürs Grobe!
Mit der Anstellung eines „Bangladeschis" spart sich der Siamese auch das
Geld für eine Motorspirale, eine Saugglocke und all das andere teure Werkzeug,
das der Rohrreiniger normalerweise so braucht.
Dieser kleingewachsene Spezialist wird überwiegend im Sanitär- und im
Rohrreinigungsbereich erfolgreich eingesetzt. Mit seinen feingliedrigen Händen
befreit er wirklich jede Abwasserleitung von Verstopfungen aller Arten.
Denn wie gesagt, die Zauberkraft des Sanitärspezialisten liegt in seinen
schmalen Händen! Wenn die Kacke aber wirklich am Dampfen ist, dann greift
auch dieser kleine Mann auf eine ganz spezielle Geheimwaffe zurück:
Auf seine Frau! Die anmutige „Bangladeschi-Frau" steht auf der untersten
Stufe der Arbeiterhierarchie und verflucht insgeheim die „anderen", die sie
dort unten abgestellt haben.
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So schließt sich der Kreislauf des Lebens wieder einmal in der untersten
Schublade im Kasten des Systems. Sperrt man einen Europäer in die unterste
Lade des Lebens ein, dann fällt er wahrscheinlich in eine nicht enden wollende
Dauerdepression. (Warum ausgerechnet ich? Warum nicht jemand anders?
Wieso? Weshalb? Warum?) Der Asiat ist anders. Er sieht Licht am Ende des
Tunnels. Denn auch er hört eine innere Stimme, die ihm leise zuflüstert:
>Hast du in diesem Leben schlechte Karten, dann musst du auf das Nächste
warten!< (Asiatische Bauernregel.)
Gemäß der hinduistisch-buddhistischen Vorstellung von der Wiedergeburt ist
auch für die Unterschicht im Lande noch nicht alles verloren. In einfachen
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Worten ausgedrückt: Wer in diesem Leben die Arschkarte gezogen hat, der
bekommt im nächsten Leben ein besseres Blatt.
Und so träumt die „Bangladeschi-Frau" davon, als „Bangladeschi-Mann" zu
reinkarnieren, die Frau des Burmesen wünscht sich ebenfalls eine Geschlechtsumwandlung
fürs nächste Leben und ...! Dieses an sich männliche
Prinzip sorgt dafür, dass in diesem Leben alles beim Alten und der Asiat in
seiner Grundeinstellung optimistisch bleibt. Ich kann mir sehr gut vorstellen,
dass diese „Im nächsten Leben wird alles besser"-Philosophie von denjenigen,
die in diesem Leben schon alles haben, sehr geschätzt und gefördert wird. Zu
den glühendsten Verfechtern dieser im Hinduismus wurzelnden Glaubenslehre
gehören in erster Linie Geschäftsleute, Großgrundbesitzer, Politiker und
Männer im Allgemeinen! Obwohl ich ein vollwertiges Mitglied der zuletzt
genannten Gruppe bin, lehne ich diese realexistierende, speziell von Männern
gelebte Lebensphilosophie entschieden ab. (Meine Frau übrigens auch!)
Das ist zumindest unsere Sicht der Dinge. Doch was ich eigentlich damit
sagen wollte, ist: Auch Siamesen haben mitunter ihren „Neger"! Leider!
Good night, Siam!
21. Koh Phangan, wir kommen! („Alle Vögel sind schon da ...!")
Koh Phangan ist die wunderschöne Schwesterninsel von Koh Samui. Sie ist
flächenmäßig etwas kleiner und die Elektropower wird nicht aus dem Kohlekraftwerk,
sondern in den meisten Anlagen noch vom hauseigenen Dieselgenerator
geliefert. Wenn man ein scheinbar ganz besonderes Schnäppchen in
der Ferienanlage macht, was den Preis der Hütte betrifft, dann steht dieser
Schuppen wahrscheinlich genau zwei Meter Luftlinie neben dem Dieselmotor!
Was nicht unbedingt jeder schlecht findet. Wir haben vor ein paar Jahren
einen völlig durchgeknallten Schalke-Fan kennengelernt, der seine Hütte
genau neben dem Dieselmotor stehen hatte. Gleichzeitig mit dem Start des
Motors um 18.00 Uhr hörte man aus der Hütte des Gelsenkircheners einen
wahren Jubelgesang. „Jetzt geht's los, jetzt geht's los!" Der Bursche war irgendwie
anders als andere. Ja, das war er!
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Oh, geliebtes Koh Phangan! Allein schon die Erwähnung dieses verzauberten
Namens lässt farbenfrohe Bilder in der Fantasie des Reisenden entstehen. Der
Neckermann Pauschaltourist denkt an schöne Sandstrände, herrliche Sonnenuntergänge,
einsame Buchten, also an die Insel seiner Träume. Doch die
Träume der Reisenden haben sich im Laufe der Jahre etwas verändert. Für die
Liebhaber der Opiumpflanze und den Genießern des Schlafmohns ist Koh
Phangan nur noch das verlorengegangene Paradies. Sie wurden von reichen
Baulöwen aus dem Paradies vertrieben und befinden sich jetzt, „jenseits von
Eden".
Ich erkläre meiner Tochter, dass hier in den 70er- und 80er-Jahren die
Opiumpfeife zur Standardausrüstung in jede Strandhütte gehörte. Am Strand
musste man abends regelmäßig Turnschuhe anziehen, da durchaus die Gefahr
bestand, in eine gebrauchte Kanüle reinzutreten. Zumindest am Hat Rin Beach
war das seinerzeit so. Auch die Musik war damals ein bisschen farbenfroher:
Bob Marley, Pink Floyd, Deep Purple, Tangerine Dream und all die anderen
Freunde des Cannabisblattes, die seinerzeit die Strände Koh Phangans mit
ihrer Musik beschallten. Vom Musikalischen wie auch vom Publikum her,
war alles irgendwie etwas „bunter und breiter".
Zu dieser Zeit konnte man sie noch massenweise beobachten. Die Verwandlung
der Tänzer in eine Fledermaus, einen Seeadler oder in eine Blindschleiche.
Diese Zustände dauerten oft wochenlang an. Noch heute sitzen einige
Aussteiger von damals vor ihren Hütten, bei denen dieser Zustand des psychedelischen
Dornröschenschlafes immer noch andauert. Wie es scheint, weigern
sich alle Frösche, die auf Koh Phangan beheimatet sind, mit Händen und
Füßen dagegen, diese Typen zu küssen. Was mich allerdings nicht im Geringsten
wundert? Diese Freaks behaupten, dass sie meditieren, aber im
eigentlichen Sinne befinden sie sich noch am „Full Moon Abend" anno 1973
und hören gerade im Unterbewusstsein die Stimme von Janis Joplin nach
einem Mercedes Benz und einer Flasche Johnny Walker schreien. Koh Phangan
sah in diesen Jahren vom Wasser aus betrachtet wie London im Nebel
aus.
>Aber heute<, so sage ich zu meiner Tochter, >hüpft an Full-Moon-Nächten
nur noch der Vorschulkindergarten an den Stränden Phangans rum und lutscht
an irgendwelchen Extasy Pillen. Na ja! The times are changing!<
Daraufhin meint meine Tochter zu mir: >Dafür dass du seit Jahren immer
pünktlich mit den Japanern zu Bett gehst, weißt du ja erstaunlich gut Bescheid.
Ich wusste gar nicht, dass auf Phangan die Post schon vor 22.00 Uhr
abging. Oder gab's damals auf der Insel sonntags auch schon einen Kindernachmittag
in der Disco? Lass mich mal raten! Hab ich da nicht ein paar Originalszenen
aus „The Beach" mit Leonardo DiCaprio rausgehört? Roberto
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würde wohl sagen: >Hatte de Bradewuast, de Film mit de bleede De Cabrio
gesehe?<< Manchmal könnte ich sie ...!
Als mein Vater mir seinerzeit eine links und eine rechts auf die Backe gegeben
hat, waren das Gesetz, das Volk und auch meine Mutter voll und ganz auf
seiner Seite. Doch kaum sind ein paar Jahrzehnte vergangen, sind weder das
Volk noch das Gesetz und schon gar nicht meine Frau auf meiner Seite, wenn
ich meiner Tochter mal eine scheuern möchte. Oh, ich könnte sie manchmal
wirklich ... mit einer Stange Hartwurst windelweich prügeln! Was ich aber
besser nicht tue, da meine Frau noch in unmittelbarer Nähe ist.
>Natürlich kennt sie den Film, du Depp!<, höre ich eine innere Stimme zu mir
sagen. >Du hast ihn dir doch schon mindestens fünfmal aus der Videothek
ausgeliehen und jeden in der Familie mit deinem Geschrei >da waren wir
schon mal, und da, und da auch< genervt!< Da jetzt nicht der geeignete Zeitpunkt
dafür ist, um mit meiner Tochter Spitzfindigkeiten auszutauschen, beende
ich das Gespräch. Aber es ist genau so, wie ich es sage. Das Ziel der
pickelgesichtigen Teenager ist der Hat Rin Beach. Wie jeder Traveller genauestens
weiß, geht dort der Rave ab - hab ich zumindest mal gehört.
Heinz und Inge, ein nettes, aber durchaus nicht mit überdurchschnittlicher
Intelligenz gesegnetes Pärchen aus Wuppertal, wollen abends auch dort hin.
Mir sind die Netten und die Harmlosen um einiges angenehmer als die vermeintlich
Intelligenten und die Intellektuellen. Denn welcher einigermaßen
normale Mensch möchte sich schon den ganzen Tag das Geschwätz über
„salzlose Kost nach dem georgischen Eremiten Gregoris" oder ähnlichen
Schwachsinn anhören? Erst neulich erzählte Chantal aus Pirmasens meiner
Frau, sie müsse ihren Mann immer wieder therapieren. Es steht, wie sie selbst
behauptete, äußerst schlecht um ihren Wolf-Rüdiger. (Es handelt sich hier
nicht um einen zugelaufenen Strandhund. Ihr Mann heißt in der Tat Wolf-
Rüdiger! Was haben sich dem Wolf seine Eltern bei der Wahl dieses Vornamens
bloß gedacht - gleich „zerreißt`s" mich). Der Wolf hat auf alle Fälle ein
Riesenproblem.
Eigentlich lag ich völlig entspannt, ein Handtuch weiter, neben meiner Frau.
Aber diese Thematik ließ mich hellhörig werden. Wolf-Rüdiger, Riesenproblem,
Therapiegespräch? Was mir jetzt seelisch gerade noch fehlte, war eine
menschliche Katastrophe, gewissermaßen ein Handtuch weiter, neben mir!
Augenblicklich schoss mir die quälende Frage in den Sinn: >Was hat der arme
Hund, äh der arme Wolf, bloß angestellt?<, fragte ich mich. >Seine Frau geschlagen,
die Kinder unter Drogen gesetzt, seinen Chef ermordet?<
Gleich darauf erzählte Chantal meiner Frau: >Weißt du, der Wolf hat praktisch
den totalen Filmriss, den absoluten Blackout! Stell dir vor, er kann sich
überhaupt nicht mehr an die ersten sechs Monate seines Lebens erinnern!
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Dieser Teil seines Lebens ist praktisch nicht mehr vorhanden! Weg, einfach
so! Für immer verloren!<
Augenblicklich hörte ich meine innere Stimme, die sich wie das Sprechorgan
von Roberto anhörte, zu mir sagen: >Valta! Wie iste das möglich? Überalle,
wo du biste, sind de Verruckte und de Kranke!<
Ich weiß zwar nicht warum, aber da ist was dran. Ich ziehe die Verrückten
und die Schwachsinnigen wie der Honig die Bären an, äh, wie der Nektar die
Bienen. Meine Frau behauptet jeweils, sie wüsste auch warum! Ich drehte
mich vorsichtshalber gleich auf die andere Seite und stöpselte augenblicklich
meinen MP3-Player ein. Noch ein gekünsteltes Gähnen und spätestens jetzt
müsste jedem klar sein, auch dem Allerdümmsten auf Gottes Erdboden: „Ich
werde mich keinesfalls an diesem Gespräch beteiligen! Basta!"
Eines muss ich allerdings zugeben. Ich hätte ihn wirklich gern aus der Nähe
gesehen, praktisch Auge in Auge, den Wolf-Rüdiger.
Ja, sie laufen hier massenhaft frei herum. Die Dichter und Denker, die Gehirnakrobaten,
die vom Schwachsinn gerittenen und vom Wahnsinn getriebenen,
die kein normaler Mensch je in seiner Firma einstellen würde. Als Probanden
zum Testen neuer Medikamente sind einige von ihnen gerade noch zu
gebrauchen, aber die meisten von ihnen sind nahezu lebensunfähig. Zum
Glück gehören Heinz und Inge zu den „Netten" und wir wohnen in derselben
Anlage, weit weg vom Disco-Strand.
>Aber<, so behauptet Heinz stolz, >heute wollen wir mal einen „losmachen"!<,
was immer das auch bedeuten mag. Die Situation schaut mir aber
irgendwie gar nicht danach aus. Inge ist bereits komplett aufgestylt, mit diversen
Farben und Düften veredelt und wartet auf ihren Mann an der Rezeption.
Ich kenne diese Konstellation nur allzu gut, allerdings jeweils andersherum.
Meine Frau und ich sitzen derweilen bei einem Glas Elefantenwasser an der
Rezeption zusammen. Inge wartet jetzt schon eine halbe Stunde, nach meinem
Zeitgefühl entspricht das zwei Gläser Chang-Bier, auf ihren Mann.
Ich sage noch zu ihr: >Hey Inge! Dreht sich dein Mann für heute Abend noch
eine Dauerwelle ins Haar?< Daraufhin kommt sie zu uns rüber und da sie
schon etwas genervt ist, erzählt sie uns die ganze Wahrheit. >Wisst ihr, der
Heinz hat sich heute am Hafen für 800 Bath eine Tüte voll mit „Leckerlis"
gekauft, so ein Beutelchen mit Muntermachern. Der Name des Säckchens ist
„Fly like a beagle"! Da wir zum Hat Rin fahren wollen, hat er sich vorsichtshalber
gleich mal zwei von den „Gute-Laune-Machern" eingeworfen. Allerdings<,
so fuhr sie fort, >stellte sich nach drei Minuten heraus, dass es sich
bei den Pillen wohl eher um eine Art von Viagra handeln muss. In diesem
Zustand traut er sich nicht runter! Unter einem fliegenden Beagle haben wir
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uns dann doch etwas anderes vorgestellt!<, meint Inge noch völlig desillusioniert.
>Wir gehen an die Strandbar „chillen"!< rutscht es mir heraus. >Bei Heinz
kann das ja doch noch ein bisschen dauern. Also wenn du Lust hast ...?<
>Ich stehe ja nicht so auf diese scharfen Chilly-Sachen, aber man kann ja
sicher auch etwas anderes bestellen< meint Inge.
>Logisch Inge<, sage ich. >Es gibt auch Spaghetti und Pizza, also all die
guten Sachen, von denen du dich zu Hause auch ernährst.<
Inge ist übrigens blond und arbeitet in Wuppertal im Einwohnermeldeamt!
Diesmal gingen wir nicht mit den Japanern ins Bett. Nein, es war die Zeit der
Holländer! Der Heinz tauchte leider nicht mehr auf, da die Pillen ihre Energie
gleichmäßig über die Nacht verteilten und das völlig rezeptfrei. Allerdings mit
unabsehbaren Nebenwirkungen. Er klagte noch drei Tage über heftige Migräneanfälle!
Na ja, „Viagra, Made in Bangladesch"!
Was macht der Tourist auf Koh Phangan den ganzen Tag, wenn er mal nicht
im Massagesalon liegt oder sich am Strand die Haut verbrennen lässt? Er lässt
sich Zöpfe flechten. Oder besser gesagt, sie lässt sich Zöpfe flechten. Nein,
nicht zum Komplettpreis! Der listige Germane will den Einzelpreis! Der deutsche
Tourist ist in der Regel in etwa genauso dämlich wie mein Bruder zu der
Zeit, als wir noch Kinder waren. Ich erinnere mich noch gerne an die „gute,
alte Zeit" zurück. Es war die Epoche meiner größten Erfolge! Es war einmal:
mein Bruder und ich in der Küche beim Mittagessen. Es gab Grillhähnchen!
Jeder hatte seine eigene Hälfte, bis ich das Tauschgeschäft eröffnete. Ich
machte meinen Bruder auf eine nicht unwesentliche Tatsache aufmerksam:
>Schau mal, in deinem Hühnerschenkel steckt eine blaue Ader. Die schaut
genauso aus wie die Krampfader am Unterschenkel von der Oma!<
Mein Bruder mit angewiderten Gesichtsausdruck: >Wirklich? Ist ja ätzend!<
Ich behauptete mit fester Stimme: >Die Dinger sind bloß ein bisschen kleiner,
aber ansonsten ist es das gleiche Blau! Aber Ader hin und Ader her, vergiss
nicht - du kriegst einen Riesenärger mit der Mutter, wenn du den Teller nicht
leer machst. Und das wollen wir doch beide nicht. Also gib das Teil rüber!<
Damit der Gerechtigkeit genüge getan wurde, bekam er jeweils meine Semmel
im Tausch gegen den Schenkel. Das gleiche Tauschprinzip funktionierte
auch bei Schnitzel, Ente, Schweinebraten, Pute ..., ich fand immer irgendwo
eine versteckte Ader! Sogar in der Schwarzwälder Kirschtorte fand ich diverse
Venen und Adern, die zwar ähnlich wie Kirschen aussahen, aber es waren
mit Sicherheit geplatzte Blutgefäße! In ähnlicher Weise funktionierten auch
die Tauschgeschäfte zwischen Cowboys und Indianern, Spaniern und Azteken,
„Wise man and fool" ...!
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Mein Bruder aß regelmäßig, aber mit mäßigem Apetitt meine Semmel und ich
seine mit Adern durchzogenen Fleisch- und Kuchenteile. Bis zum heutigen
Tag ist er davon überzeugt, dass auch die Schwarzwälder Kirschtorte nicht
wirklich genießbar ist. Irgendwie verfolgen ihn diese unvorteilhaften Tauschgeschäfte
bis zum heutigen Tag. Bei einem unserer seltenen Familientreffen
meinte er neulich zu mir: (Jetzt im Originalton)
>Woast as no?<
Ich daraufhin wahrheitsgemäß: >Wos?<
Er: >De Sach mid de Adern?<
Ich: >Wos füa Adern? Liegst vielleicht auf oana? Elektromagnetisch
gseng?<
Er: >Na, i moan de Adern in da Kirschtortn?<
Ich: >In wos füa oana Kirschtortn? Wos füa Adern?<
Er: >Du Depp! Deseibm wia in da Hendlhaxn, im Schnitzl und im
Kaisaschmarrn!<
Ich: >Ah, deh moanst du. Des häd i scho fast vagessn!<
Er: >I hoff, du host as auf ewig vagessn!<
(Mit meinem Bruder spreche ich im ausgeprägten bayrischen Dialekt, damit
er auch alle Feinheiten versteht!) Ich höre mich noch zu meinem Bruder sagen
(jetzt wieder in bereinigtem hochdeutschen Text):
>Natürlich rede ich mit anderen nicht über die „gute, alte Zeit". Mit völlig
Fremden schon überhaupt nicht. Das würde mir sowieso kein Schwein glauben!
Krampfadern in einer Schwarzwälder Kirschtorte. Hör auf, das ist doch
Kinderkacke!< Jetzt, wo er es sagt, könnt ich laut Scheiße schreien! Abschließend
sage ich im Charles-Bronson-Stil zu ihm:
>Vergiss es einfach! Die Dinge sterben, nur die Zeit läuft weiter!<
Ich habe allerdings nie gesagt, dass ich nicht darüber schreiben werde. Ich bin
mir sicher, er wird mich dafür hassen! Leider hat er nicht nur die Figur, sondern
auch das Gedächtnis eines Elefanten. In unseren gemeinsamen Tauschgeschäften
liegt freilich auch die Ursache, dass ich meinem Bruder nicht nur
verstandesmäßig, sondern auch gewichtsmäßig um ca. drei Kilo voraus bin.
Aber damit kann ich gut leben. Zwar nicht mehr allzu lange, wie mein Hausarzt
immer scherzhaft zu sagen pflegt, dafür aber gut gelaunt.
Wie dem auch sei, der deutsche Tourist ähnelt meinem Bruder in seinem damaligen
Geisteszustand in verblüffender Weise. Zumindest wenn es darum
geht, sich von ein paar Küchenangestellten, die gerade Pause haben, ein paar
Zöpfchen ins Haar flechten zu lassen. Lauter Vollblutgeschäftsleute, in Bargeschäften
genauso wie im Tauschhandel! Also, bei genauem Nachzählen
sind es dann doch ziemlich genau 120 kleine Zöpfchen geworden, die Inge
inzwischen auf ihrer Kopfhaut trägt. Meine Generation erinnert sich noch
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gern an Bo Derek, die hübsche Blondine mit den goldigen Zöpfchen. Der
steile Zahn von damals ist heute bestimmt schon mehrfache Großmutter oder
in der Zwischenzeit verstorben. Na ja, alles fließt ..., leider auch den Bach
runter!
Zurück zu den Eisenflechtern, äh, zu den Zopfflechtern. Der deutsche Urlauber
möchte den Preis pro Zopf aushandeln. Logisch! Das macht die Sache
gleich viel übersichtlicher. Diese Experten sind übrigens auch jene Touristen,
die sich selbst zu den Intelligenten zählen. Also, so höre ich gerade, pro Zopf
sind 30 Bath fällig! Bei 120 Zöpfen brauchen die siamesischen Frühlingsrollendreherinnen
etwa einen Monat nicht mehr arbeiten, dank der „Brainpower,
Made in Wuppertal". Für in etwa das gleiche Geld, bekommt man in einem
Bangkoker Hotelzimmer eine Niere oder eine Leber implantiert. Einem Österreicher
hatte man vor ein paar Monaten für dieselbe Summe sogar eine Gehirntransplantation
angeboten. (Der „Hirnspezialist" sagte ihm, es wäre in
seinem Fall ein reiner Routineeingriff.) Doch eines sei an dieser Stelle noch
angemerkt: Sowohl bei der Zopfflechterei als auch bei der Organverpflanzung,
gibt es Gemeinsamkeiten. Unglaublich, aber doch wahr! Dem einen
fallen danach die Haare aus und der andere verträgt die Niere des Schimpansen
nicht, die er scheinbar wirklich günstig erstanden hat.
Doch nun wieder zurück zur Insel der Träume. Auf Koh Phangan sind die
üblichen Verdächtigen wieder alle versammelt. Gestern trafen wir im „Seven
Eleven" den Franze. Er erwähnte so ganz nebenbei, dass es der Waste beim
letzten Tauchgang tatsächlich geschafft hat. Er hat die Sauerstoffflasche bis
auf den letzten Gaspartikel leergesaugt und daraufhin Pink Floyd und Nirwana
gleichzeitig in „Stereo Dolby-Surround-Sound" gehört. Gleich nachdem
ihn der wie immer leicht angekiffte holländische Tauchlehrer aus dem Wasser
gezogen hatte, stellte man bei ihm alle Anzeichen auf einen plötzlichen Gehirntod
fest! Das traf mich voll! Der Waste, unser Urviech, gehirntot? Was
mich fast noch mehr als dem Waste sein vorpünktliches Dahinscheiden niederwarf,
waren die Worte meiner Frau.
>Die Diagnose plötzlicher Gehirntod hat bei einem Niederbayern nicht viel zu
sagen. Das kann alles und gar nichts bedeuten!<
Ich schaute sie nur mit großen Augen an. Sie meinte weiter ganz lapidar zu
mir: >Jetzt stell dir vor, du bist im Internet. Im Ebay voll dabei, das erste
Gebot, noch mal drauf und noch mal und plötzlich hängt das Ding!< Meine
Frau schaute mich an, als ob ich vollkommen verblödet wäre und sagt dann zu
mir: >Was machst du dann? Du rutscht mit der Maus hin und her, aber das
Ding rührt sich einfach nicht mehr? Was machst du dann?<
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Ich hasse es, wenn meine Frau mit mir spricht, als ob ich ein Politiker wäre.
Aber in Anbetracht der dramatischen Lage sagte ich: >Ich lasse ihn komplett
abstürzen, Strom weg, Reset, Neustart!<
>So ist es<, fuhr sie weiter fort, >auch bei einem Niederbayern, wenn er einen
Gehirntod erleidet! Es ist in Wirklichkeit nur ein Absturz, der normalerweise
leicht zu „resetten" ist. Der Neustart ist relativ unkompliziert und er führt
meistens sogar zu Verbesserungen im System!<
„Was für eine kalte Hundeschnauze!", dachte ich bei mir. Sind das die dunklen
Seiten meiner Frau, die ich bis zum heutigen Zeitpunkt noch gar nicht
gesehen habe? Und ich Volldepp habe alle meine Lebensversicherungen auf
ihren Namen laufen, meine Rente und den Bausparer! >Was bist du nur für
eine kalte Hundeschnauze?<, sagte ich ganz fassungslos zu ihr.
Sie daraufhin völlig leidenschaftslos zu mir: >Apropos Hund. Als ich vorhin
mit deiner Tochter das Hundefutter für unsere Freunde am Strand eingekauft
habe, ist uns übrigens der Waste direkt in die Arme gelaufen. Da er für seine
Verhältnisse relativ gut sprechen und aufrecht gehen konnte, gehe ich mal
davon aus, dass auch sein Gehirn noch einigermaßen intakt war!<
Der Franze meinte dazu nur noch: >Man weiß nicht, in welche Richtung sich
diese Sache noch entwickeln wird.<
Daraufhin meine Frau: >Das weiß man bei einem Niederbayern nie!<
Diese Begebenheit bzw. die Nachwehen dieses Ereignisses, brachten mich
übrigens in eine sehr peinliche Situation. In unserer Nachbarschaft verstarb
neulich ein wirklich sehr netter Zeitgenosse. Der Nachbar von nebenan erzählte
es mir aus erster Hand.
>Der Neumaier Schorsch ist gestern gestorben!<
Ich daraufhin zu ihm: >Das gibt's doch gar nicht! Der Schorsch war doch erst
45 Jahre alt. An was ist er denn gestorben?< Er zu mir: >Plötzlicher Gehirntod!<
Und ich Depp zu ihm: >Na ja! Bei einem Niederbayern genügen in der
Regel ein Reset und ein Neustart. So ein Gehirntod mit anschließendem Reset
und Neustart ist für einen Niederbayern doch das reinste Gehirntuning!<
Das war wirklich peinlich. Schuld daran war nur meine Frau und dem Waste
sein undurchsichtiger, niederbayrischer Gehirntod. Mein Nachbar schaut mich
heute noch komisch an - wie übrigens alle anderen in der Nachbarschaft
auch!
Na denn,
Good night, Siam!
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22. Die Helden der spitzen Feder
Man kann hier in Thailand die verrücktesten Dinge anstellen, angefangen vom
Dschungeltrekking bis hin zum Bungee-Jumping. Die ganz Verwegenen
schwingen sich an Seilen durch den Dschungel und essen anschließend noch
ein Omelett mit Magic Mushrooms. (Das sind ganz spezielle Pilze, die auf
Büffelscheiße wachsen und der Welt noch etwas mehr Farbe geben. Der Waste
verzehrt die psychedelische Eierspeise hier regelmäßig zum Frühstück, weil
diese heimische Spezialität seine Verdauung so richtig in Schwung bringt.)
Wenn's nach mir ginge, wäre ich auch überall dabei. Da es aber wieder mal
nicht nach mir geht, schließe ich mich der Argumentation meiner Frau an, die
da lautet: >Für das Bungee-Jumping bist du viel zu schwer und vom Omelett
bekommst du mit ziemlicher Sicherheit einen Darmverschluss!<
Da sich die schlagkräftigeren Argumente leider wieder mal alle auf der Seite
meiner Frau versammelt haben, lege ich mich in den Schatten und lese ein
Buch. Natürlich mache ich nicht allzu lange auf „beleidigte Leberwurst", denn
ich liebe meine Helden, die Meister des geschriebenen Wortes und der geschmeidigen
Feder. Nur allzu gerne lasse ich mich durch ihre Geschichten
verzaubern, die in kürzester Zeit meine Fantasie anregen und Bilder wie im
Kino vor meinem geistigen Auge ablaufen lassen.
Eines ist mir allerdings schleierhaft: Wie kann ein Schreiberling auf die dämliche
Idee kommen, sich selbst und seine Familie via Foto auf dem Umschlag
seines Buches zu präsentieren? Das kann leicht ins Auge gehen, wenn man
beispielsweise wie Axel Hacke über „Das Beste aus meinem Leben" schreibt.
In diesem speziellen Fall ist ein Männlein auf dem Umschlag abgelichtet, das
in etwa so aussieht, als wäre es der Zwillingsbruder von Woody Allen. (Hab
ich schon mal erwähnt, aber bei jedem Hinschauen wird die Ähnlichkeit verblüffender!)
War das etwa ein braunes Cordsakko?
>D Mamma hod gsogt, des graislige Kanapäh schmaiß ma auf'm Misthaufa,
aba d' Oma hod aus'm Bezug dann doch noh a Jackn gnaht<, würde der Waste
in diesem speziellen Fall wohl sagen. Ich mach mir gleich in die Hose!
Dieses Bild passt perfekt zu einigen seiner Abenteuer, die sich im Dschungel
des Lebens abspielten. Er schreibt beispielsweise in einer seiner Geschichten,
dass ihn eines schönen Tages beinahe ein Radfahrer über den Haufen gefahren
hätte, was ja an sich noch nicht wirklich aufregend ist. So weit so gut, aber
jetzt steigert sich die Geschichte ins Grande Finale. „El Furioso!" Er berichtet
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folgendermaßen: >Wie laut muss ich denn noch klingeln?<, droht der Radfahrer,
während ich mir (also der Axel) die Watte aus den Ohren ziehe.
>Haben Sie was an den Ohren?<
>Ich nicht,< sage ich (also der Axel) und schnippe mit den Fingern einen
Zwiebelwattebausch in sein verständnisloses Gesicht.
„Hört, hört, hört!" Das Ganze grenzt ja fast schon an die Verletzung der Menschenwürde
des armen Radfahrers! Eine meiner inneren Stimmen meint ganz
empört, dass es sich hierbei um einen Fall für Amnesty International handeln
würde. Nachdem ich diesen Satz wiederholt gelesen habe und von seiner gesamten
Wucht getroffen werde, schaue ich mir das Männlein auf dem Foto
noch einmal genauer an. Geschlecht: männlich, Lebendgewicht: ca. 52 Kilo,
besondere Merkmale: keine, äh ein braunes Cordsakko. Ich bin ja wahrlich
kein Zyniker, aber der Radfahrer, der von Axel auf die übelste Weise beleidigt
wurde, hatte mit Sicherheit zwei Fahrstützen am Hinterrad montiert und war
in etwa fünf Jahre alt. Wäre er fünf Jahre älter gewesen, hätte er dem kleinen
Axel wahrscheinlich seine gebrauchten, in Zwiebel getunkten Ohrenwattestöpsel
verspeisen lassen.
Diese Geschichte, die ihren speziellen, tiefgründigen Witz eigentlich erst
vollständig entfaltet, wenn man sich das Bild des Autoren dazu noch mal
genau anschaut, hat mich Folgendes gelehrt: Sollte mich das Leben einmal
zutiefst langweilen und ich den Entschluss fassen, andere ebenfalls abgrundtief
zu langweilen, indem ich „Das Schrägste aus meinem Leben" zu Papier
bringe, dann werde ich niemals ein Bild von mir auf den Buchumschlag kleben.
(Obwohl meine Frau noch ein sehr interessantes Urlaubsfoto in der Hinterhand
hätte!) Wer entscheidet sich schon für die grausame Wahrheit, wenn
er doch auch die Poesie haben kann? Verzeih mir, Axel! Du kannst dich aber
damit trösten, dass der Rest deiner Familie optisch wirklich sehr passabel
rüberkommt. (Oder war es doch nicht Woody Allen, sondern Alfred E. Neumann
aus dem „MAD-Heftchen", an den mich der Axel so stark erinnert?)
Noch ein Gedanke verfolgt mich, seitdem ich diese Geschichte in Verbindung
mit seinem Foto gelesen habe. Wer war er wirklich?
Ich meine natürlich den Radfahrer!
„No more heroes"
(The Stranglers)
- 182 -
explodierte Schaffell dauerwellt sich wieder und das Schäflein säuselt nun
zufrieden: >Diese Wolle wurde mit Sanso gewaschen<
Die Hosen der Polizistinnen sehen in etwa so aus, als ob sie die Vorlage zu
Teil 1 der Sanso-Werbung gewesen wären. Auch ein nachträgliches Waschen
in der geschmeidigen Seifenlauge würde am desolaten Gesamtzustand dieser
Teile absolut nichts ändern!
Roberto meint zu diesen braunen Dingern: >Valta! I hab no nie gesehe so ein
Scheiße Hose wie von de Polizeifraue! Passte alles! De Farbe, de Schnitte,
wie de Sack von de Kartoffel!< Da aber auch Roberto manchmal ein Realist
ist, fügt er noch entschuldigend hinzu: >Aba, was kamma mache? Für funf
Euro kamma ned mache a Hose von de Joop!<
Selbst Heidi Klum würde darin ausschauen, als ob sie einen nicht unerheblichen
Hüftschiefstand hätte. Sie würde, von hinten betrachtet, ungefähr genauso
aussehen wie Tante Erna vor ihrer Hüftoperation. Da es in Thailand aber
keine Polizeibeamtinnen gibt bzw. da ich noch nie welche gesehen habe, sind
die Frauen Thailands von diesen Diskriminierungen glücklicherweise verschont
geblieben. Was ich eigentlich sagen wollte, ist Folgendes:
Falls dich ein abgebrannter thailändischer Polizist um 500 Bath erleichtern
möchte, dann gehst du wie folgt vor: Sprich am besten Niederbayrisch oder
Steirisch, aber zur Not geht auch Ostfriesisch, Plattdeutsch, Sächsisch und
Mittelfränkisch. Steck dir den kleinen Finger ins Nasenloch und habe stets ein
Lächeln auf den Lippen. Stell dich einfach blöd! Zu 99 Prozent kommst du
ohne zu bezahlen davon und kannst anschließend noch das Liedchen vor dich
hersummen, mit dem sich Heinz Rühmann einst das Sparschwein füllte:
„Ein Freund, ein guter Freund, ist das Schönste was es gibt auf der Welt!"
Na denn,
good night, Kojak!
38. Da Franze (der kein PM ist und wahrscheinlich auch nie
einer werden wird!)
Wie jedes Jahr treffe ich auch dieses Jahr den Franze wieder. Der Franze und
der Waste stammen beide aus dem tiefsten Niederbayern. Er ist wie immer
mit dem Mane, dem Harte und dem Sepp urlaubstechnisch unterwegs. Eigent-
183 -
lich haben alle, bis auf den Franze, gut bürgerliche Berufe. Der Mane ist
Metzger, der Sepp Friseur und der Harte ist Atomphysiker. (Dieser Harte ist
mit dem Harte aus dem Fitnessstudio weder verwandt noch verschwägert und
schon gar nicht befreundet!) Nur der Franze fällt mit seiner Berufswahl etwas
aus dem Rahmen, da er der Freund-und-Helfer-Fraktion angehört.
Er ist Polizist und das mit Leib und Seele. Der Franze verteilt seine Strafzettel
wirklich an jeden, an Freunde und Verwandte, an Nachbarn und Bekannte.
Und trotzdem hasst ihn niemand wirklich. Enge Freunde, also der Sepp, der
Mane und der Harte, sagen zum Franze nur Biba. Als Außenstehender könnte
man meinen, dass jemand, der auf diesen Spitznamen hört, einen nicht unerheblichen
Zahnschiefstand aufweisen muss. Aber dem Franze seine Zähne
sind, soweit ich das beurteilen kann, einigermaßen normal gewachsen. Nicht
mehr wirklich weiß, aber auch noch kein Fall für die Zahnklinik der Uni. Die
Abkürzung Biba hat rein gar nichts mit dem gemeinen Flussbiber zu tun. Biba
ist lediglich die Abkürzung für Birnbaum. Ist ja auch irgendwie logisch, oder?
Der Franze fiel nämlich in seiner frühesten Jugend einmal von einem Birnbaum
und er landete bedauerlicherweise genau auf dem Hinterkopf. Normalerweise
kann an einem niederbayrischen Hinterkopf nichts wirklich Wichtiges
kaputtgehen, aber in seinem speziellen Fall hat die Erschütterung der vorhandenen
Gehirnmasse das sogenannte Kojak-Syndrom hervorgerufen. Seitdem
hört er innere Stimmen, die beschwörend auf ihn einreden:
>Franze! Die Straßen von San Francisco müssen sauber bleiben!<
In seinem Fall sind es die Straßen Freyungs, die sauber bleiben müssen, so
rein aus der Sicht der Straßenverkehrsordnung gesehen. Seit dem Tag, als der
Franze vom Birnbaum fiel, spricht er neben seinem charmanten nieder(
ober)bayrischen Dialekt ein fast dialektfreies Hochdeutsch. Der schwere
Schlag auf den Hinterkopf führte bei ihm zu sensationellen Verbesserungen
im Sprachzentrum des Gehirns. Selbst mit einer kompletten Gehirntransplantation
hätte man kein besseres Ergebnis erzielen können. Wegen dieses Vorfalls
war damals seine komplette niederbayrische Verwandtschaft beim Bischof.
Sie waren allesamt der festen Überzeugung, dass dieser Schlag auf den
Hinterkopf und seine ominösen Auswirkungen von der Kirche als Wunder
anerkannt werden müsse. Der Bischof diagnostizierte aber seinerzeit:
>Beim Franze ist wahrscheinlich nur eine Verkrustung im Sprachzentrum des
Gehirns aufgebrochen. Dass er deswegen neuerdings Hochdeutsch spricht, das
wundert mich allerdings auch.< Nix war's mit dem Wunder. Viel Geschrei
wegen ein bisschen abgeplatzter Schlacke. Mit dieser, für einen Niederbayern
einzigartigen, Gabe standen für den Franze die Türen zum Polizeidienst sperrangelweit
offen. Er hatte sozusagen eine „Wildcard"! Hierzulande eine Wildcard
zu haben, bedeutet: Ganz egal, wie saumäßig schlecht dem Franze seine
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Noten auch ausfallen werden, nach Verlassen der Schule kann er sofort in den
Polizeidienst eintreten. Die Einstellung erfolgt quasi mit Handkuss. Doch der
Weg zur Beamtenlaufbahn des mittleren Dienstes war steinig und voller
Schlaglöcher. >As Englisch hod a bsondas dick ghabt<, meint der Sepp zum
Franze seiner kurzen Schullaufbahn. >Aba ah as Deitsch, Madde, d'Fysik und
d'Chemie, hod a ned bsondas meng. Dafüa hod a in Religion und in da Handarbeit
imma an Oansa ghabt<, fügt der Sepp noch hinzu.
Also die besten Voraussetzungen für seine künftige Laufbahn als Kommissar!
Der Franze schaffte letztendlich gerade noch so den „Quali" und seit jenem
Tag schreibt er in Freyung Strafzettel aus. Im Grunde seines Herzens ist er ein
gutmütiger und netter Kerl, der auf Samui Abend für Abend jeweils die Getränkerechnung
für seine Kumpel bezahlt. Das ist seine Art der Wiedergutmachung
für die Strafzettel, die er ihnen im Laufe des Jahres beharrlich und
leidenschaftslos hinter die Wischerblätter klemmt. Er kann halt einfach nicht
raus aus seiner Haut. Der Franze ist übrigens einer der wenigen, die ich persönlich
kenne, die mit drei Promille noch einwandfrei Fahrrad fahren können.
Selbst im Vollrausch grüßt er jeden, an dem er vorbeiradelt, stets mit einem
freundlichen „Habe die Ehre"! Eigentlich ein Pfundskerl, wie man in Bayern
so schön sagt. Was er allerdings überhaupt nicht verträgt, sind Verkehrsverstöße
jeglicher Art, weder in Freyung noch auf Samui. Er ermahnt hier auf der
Insel täglich mindestens zehn Falschparker mit den Worten: >Manderl! Jetz
host as aba gnau beinand!< Da der Biba ungefähr zwei Meter groß ist und
auch so ausschaut, als ob er in seiner Kindheit mal irgendwann von einem
Baum gefallen wäre, entschuldigen sich die abgemahnten Touristen in der
Regel höflich bei ihm. Für den Franze fallen diese Auslandseinsätze, die er für
die thailändischen Kollegen sozusagen ehrenamtlich erledigt, unter die Rubrik
Amtshilfe. Für ihn fällt diese grenzübergreifende Amtshilfe unter „Intanäschionäl
helping", wie er sich selbst auszudrücken pflegt. Der Sepp erzählt mir
gerade, dass der Franze in Ausübung seiner Pflicht, also beim Strafzettelverteilen,
auch schon mal eine Watschn bekommen hat. >Kaum zu glauben!<,
sage ich daraufhin.
>Der Kerl ist so groß wie Frankensteins Monster, schaut in etwa auch so aus
und hat noch dazu eine Polizeiuniform an. Wer gibt so jemand eine
Watschn?<
Daraufhin erzählt mir der Sepp, dass der Franze seinem eigenen Vater einen
Strafzettel hinter die Wischerblätter klemmte, als dieser in Freyung im eingeschränkten
Halteverbot parkte. Deswegen hat ihm sein Vater mitten am Stadtplatz
eine gelangt und den Strafzettel hat der Franze am nächsten Morgen
höchstpersönlich bei der Volksbank einbezahlt. Spätestens seit diesem Tag
haben seine Freunde wirklich Verständnis für den Franze und seinen Kojak-
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Wahn. Der Sepp sagt nur: >Beim Franze is des echt.< Seit diesem Tag ist der
Franze auch bei seinen Kumpels im Besitz einer Wildcard, was in seinem Fall
heißt: >Da Biba ko ja nix dafia!< So wie es scheint, ist auch dem Biba seine
Karriereleiter ziemlich kurz geraten. >A Wedafroosch in am Marmaladnglasl
hod a längare Loadda ois da Franze. Er kummt ums Varrecka ned weida!<,
bedauert der Mane. (Dead-end-street! Sackgasse!)
Letztes Jahr war's wieder einmal so weit. Tatort Freyung, absolutes Halteverbot.
Tatfahrzeug: Mercedes 500, Fahrzeughalter: Der Hr. Landrat von ...
Der Franze bemerkt diese Verkehrswidrigkeit natürlich und schreitet sofort
zur Aktion. >Füa so wos hod a einfach a Nosn<, behauptet der Mane. Der
Franze klemmt also dem Landrat einen Strafzettel hinter die Wischerblätter,
der Kerl kommt aus der Metzgerei raus und sagt wortwörtlich zum Biba:
>Sog amoi, du Depp! Woast du ned, wer ich bin?<
Daraufhin der Franze, wortwörtlich zum Landrat: >Sog amoi, du Rindviech!
Woast du ned, wo du stähst?<
Und dann erklärt der Franze dem Verkehrssünder in aller Geduld und Ausführlichkeit
seinen Regelverstoß, den dieser gegen die Straßenverkehrsordnung
begangen hat und meint noch abschließend zu ihm: >Des muaß jetzt a
da Dümmste verstandn hom! Dazua brauchst ned amoi an Hauptschuiabschluss!<
Auf gegenseitige Anzeigen wurde im Nachhinein verzichtet, aber
der Strafzettel blieb in Kraft. Dass der Franze auf der Karriereleiter auf der
untersten Sprosse stehen bleiben würde, war allen irgendwie klar. Er hängt
sozusagen in der untersten Schublade im Kasten fest, frei nach dem Titel des
Filmklassikers „Verdammt in alle Ewigkeit".
Ja, der Franze kriegt sie alle! Das ist allerdings auch der Grund dafür, dass er
in der hiesigen Polizeihierarchie immer unten bleiben wird. Vor der Straßenverkehrsordnung
ist für ihn dummerweise jedermann gleich und das hängt wie
Blei an seinen Schuhen. Obwohl er ein etwas schräger Vogel ist, haben wir
eines doch gemeinsam: Wir mögen beide keine Sextouristen.
Während ich die Typen in der Regel ignoriere, reagiert der Franze immer
etwas verschnupft, wenn sich in seiner Nähe so ein Kerl niederlässt. Der Mane
bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: >De hod da Franze reglrecht
gfressn!<
In dieser Angelegenheit ist der Franze hochsensibel. Daher kann es von seiner
Seite schon mal zu illegalen Verhaftungen auf Samui kommen, was für ihn
logischerweise ebenfalls unter die Rubrik Amtshilfe fällt. Ich war selbst dabei,
als ein deutscher Tourist, der in Begleitung eines etwa 12-jährigen Thai-
Mädchens das Lokal betrat, vom Franze kurzerhand verhaftet wurde.
Augenblicklich ging die Post ab, natürlich volles Kojak-Programm:
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An die Wand stellen, Beine auseinander, dem Kinderschänder auf die Schnelle
klargemacht, dass er auf asiatischem Boden de facto keinerlei Rechte besitzt.
Er ging fast ein bisschen ruppig zur Sache, als er den Burschen schließlich
mit Handschellen an den Tresen kettete. Soweit ich das als Nichtmediziner
beurteilen kann, stand der deutsche Rentner kurz vor einem Herzinfarkt.
Während der Festnahme gab der Sepp dem Franze noch eine aufschlussreiche
Information: >Franze! Der oide Depp stäht mid seim Saukarrn a no genau im
Hoitevabot!< Diese an sich unbedeutende Tatsache machte den Franze nicht
gerade lockerer. >Manderl! Jetz hosst as aba gnau beinand!<
Diese Worte schüchterten den alten Lustmolch dermaßen ein, dass er zitternd
vor dem Tresen niederkniete. Die hiesige Polizei traf etwa eine halbe Stunde
später ein. Ich beobachtete die Szene aus einer Entfernung von ungefähr fünf
Metern Luftlinie. Es muss ein herzliches „Habe die Ehre" gewesen sein, mit
dem der Franze seinen thailändischen Kollegen begrüßte. Beide standen sich
am Tresen Auge in Auge gegenüber, während der alte Strolch demütig neben
den beiden am Boden kniete. Der Thai-Polizist hatte den Finger in der Nase
stecken, während der Franze mit Händen und Füßen den Tathergang beschrieb.
Nach zehn Minuten wilden Gestikulierens steckte auch der Franze
den Finger in die Nase. (Meines Erachtens nach muss es der kleine Finger
gewesen sein.) Plötzlich drehte er blitzartig den Kopf in Richtung Kinderschänder,
zog den Finger aus der Nase und zeigte mit demselben auf den angeketteten
Rentner. Der Thai-Cop machte augenblicklich große Augen, verbeugte
sich vor seinem deutschen Kollegen und der „oide Depp" wurde abgeführt.
Im selben Augenblick zuckte der Franze zusammen. Er rannte auf die
Straße raus und schrie noch irgendwas in Richtung Thai-Polizist. Ich habe
keine Ahnung, was er sagte, auf alle Fälle kam nach ungefähr 20 Minuten ein
Abschleppwagen und nahm das Mietfahrzeug der Marke Mercedes Benz im
Huckepack mit in die Verwahrungsstelle. Der einzige Satz, den der Franze
abschließend zu dieser Sache noch sagte, war folgender: >A so geht's ja a
ned, oder?<
Der Franze muss noch irgendwo im Erdinger Hinterland einen Bruder haben,
davon bin ich zumindest felsenfest überzeugt. Immer wenn ich den Franze
sehe und höre, fällt mir eine Begebenheit ein, die sich in den 70er-Jahren in
Erding vor dem Cafe' Krönauer ereignete. Mein Vater war von Beruf ebenfalls
ein Freund und Helfer, was ihn unter anderem dazu berechtigte, den
landesüblichen Verkehrszeichen nicht immer die ihnen gebührende Aufmerksamkeit
zu schenken. Logisch, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus!
(Dieses Krähen-Sprichwort wurde im Mittelalter von den Schergen des Sheriffs
von Nottingham erfunden. Erstaunlicherweise hat das Sprüchlein die
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vergangenen Jahrhunderte fast unbeschadet überlebt und hat auch heute noch
seinen festen Platz im Sprachschatz deutscher Polizisten)
Wir standen also mit dem Auto in zweiter Reihe vor dem Cafe' Krönauer und
unser Vater ging nur mal schnell ein Eis für alle holen. Die Warnblinkanlage
angeschalten, wie es sich gehört. Kaum war er in der Türe zum Cafe' verschwunden,
da erschien auch schon dem Franze sein Bruder, den ich jetzt
einfachheitshalber auch Franze nenne. Also, der Franze baute sich vor unserem
Ford Taunus auf und begann frech grinsend einen Strafzettel auszuschreiben.
Meine Mutter sprang aus dem Taunus und versuchte, beschwichtigend
auf ihn einzureden. Sie sagte zu ihm: >Mein Mann ist doch gleich wieder
zurück. Er ist übrigens beim selben Verein in München beschäftigt und
soweit ich weiß, hackt doch eine Krähe der anderen kein Auge aus!< Aber
was soll ich sagen? Zwecklos! Der Franze meinte völlig leidenschaftslos: >Do
kannt ja a jeda kumma! Der Spaß kost eich an Fünfa!< Als er uns den Strafzettel
hinter die Wischerblätter klemmte, erschien auch mein Vater wieder am
Auto. Welch ein harmonisches Zusammentreffen zweier genetisch verwandter
Flugsaurier, äh Krähen! Mein Vater sagte zum Franze nur: >Bist auf da
Jagd?<
Daraufhin nahm er ihn kollegenmäßig in den Arm, zeigte ihm seinen Dienstausweis
und schenkte ihm überflüssigerweise auch noch einen Schlüsselanhänger
der GdP (Gewerkschaft der Polizei). Der Franze nahm den Anhänger
gerne entgegen, meinte aber, dass der Strafzettel natürlich seine Gültigkeit
behalte, denn Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps! Mein Vater wurde
daraufhin etwas lauter und belegte ihn mit diversen Kraftausdrücken, für die
der normale Steuerzahler mindestens eine Woche in den Knast gehen würde.
Wenn ich mich recht erinnere, behauptete er, der Franze wäre ein kompletter
Volldepp und er könne ihn mal am Arsch lecken und zwar kreuzweise! Anstatt
den Strafzettel zu bezahlen, zerknüllte er ihn, formte ein Kugel daraus
und warf sie dem Franze an die Schirmmütze. Wenigstens hat er damals unser
Eis nicht zweckentfremdet. Auch mein Vater gehörte zu den Menschen, die
gelegentlich etwas überzogen reagieren. Vom Franze seinem Bruder hörten
wir nie wieder was. Mein Vater war zwar mit vollster Überzeugung Polizist,
aber er meinte wahrheitsgemäß: >Es gibt leider in jeder Berufsgruppe den ein
oder anderen Deppen!< Wie wahr, wie wahr!
Der Franze selbst, also nicht sein Bruder, gehört zu den liebenswerten. Für ihn
sind ausnahmslos alle Menschen gleich. Er hat einen ausgeprägten Sinn für
Gerechtigkeit, ist großzügig zu seinen Freunden und er liebt seine ausländischen
Kollegen. Er ist also jederzeit zu einer unbürokratischen Amtshilfe
bereit. Er ist zwar kein PM, wird wahrscheinlich auch nie einer werden, aber
irgendwie ist er auch „nichte plemepleme", wie Roberto stets zu sagen pflegt.
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So gesehen sollten wir uns alle einmal rückwärts vom Birnbaum fallen lassen,
thailändische Polizisten „all inclusive".
Na dann,
Good night, Kojak!
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