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> Satire > Es war einmal der Tag, an dem ich
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Bücher Satire
Buch Leseprobe Es war einmal der Tag, an dem ich , Samy de Claire
Samy de Claire

Es war einmal der Tag, an dem ich


meine Kolegin nicht um die Ecke brachte

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Versuch Nummer Eins

Samantha war nie ein geborener Stalker gewesen. Doch langsam hatte sie den Bogen heraus, und gewann immer mehr Erfahrung in ihrem Kreuzzug der Verfolgung ihrer Erzfeindin.


Um einen genauen Plan zu fassen, der auch noch anständig funktionieren sollte, durfte sie sich nicht ablecken lassen, und ihr Ziel direkt vor Augen haben. Also vertröstete sie ihren neuen Lover immer wieder auf eine andere Woche. Irgendwann hatte er die Schnauze voll und rief nicht mehr an.


Das Thema mit dem Attentat in der Dusche hatte sie noch nicht verdaut, und so plante Sam mehrere Szenarien eines Mordkomplotts, wie sie diese, in ihren Auge, üble und böseartige Hexe von Kollegin entgültig um die Ecke bringen wollte, ohne das auch ein geringer Verdacht auf sie fallen könnte.


Ihre Planung war jedoch viel schwerer als geplant, denn Bianka permanent auf den Fersen zu sein, ruinierte ihre Kondition und versaute ihre kostbare Freizeit. Ihr festes Schuhwerk litt. Wetzte sich ab. Gute Nerven hatte Sam nach zwei Tagen nicht mehr, und ihr sonst sehr zuverlässiger Fotoapparat fing an zu streiken. Das anfänglich Glück, welches ihr zu Beginn ihrer Unternehmung freudig zu strahlte, verließ sie und lachte sie aus. Vernichtete gnadenlos ihren „Jagdschein“ schon beim ersten Versuch.


An diesem bewussten Tag des sogenannten ersten Versuchs hatten die beiden Kontrahenten frei. Passend wie Sam meinte, wähnte sie sich doch schon an ihrem Ziel. Nur hätte sie sich vorher über Biankas eigentlichen festen Tagesablauf informieren sollen, um etweilige Überraschungen ausschließen zu können.


Pünktlich fand sie sich an diesem geplanten Morgen ein. Das perfekte Versteck fand sie in einer Parklücke hinter einem riesigen Busch, durch dessen schmächtige Äste sie immer wieder Lücken fand, wo sie durch ihre Autoscheibe hindurchschielen konnte. Toll, wie sie dachte. Nur ihr Aufendhalt hatte einen gewaltigen Haken.


Die Müllabfuhr beseitigte erst am darauffolgenden Tag den Unrat und leerte die Tonne, die sich an ihren Wagen schmiegte. Sam stand in dem heillosen Durcheinander des Gestankes des Abfalls. Hungrige Fliegenschwärme schwirrten genervt hin und her, auf der Suche nach Wasser, in die sie sich stürzen konnten. Doch am allerschlimmsten fand Samantha die angriffslustigen Wespen im Inneren ihres Wagen, die sich aggressiv weigerten, ihn zu verlassen.


Sam verzweifelte und fuchtelte wild herum. Doch Herrin ihres Fords wurde sie kaum noch. Die Invasion der Insekten begann. Viel zu spät kam ihr die Einsicht, warum dieser Parkplatz nicht mehr genutzt wurde und verbrachte geschlagen von den Wespen drei Stunden schräg vor der Eingangstür ihrer Erzfeindin, nur um danach festzustellen, dass sie erst dann vom Jogakurs kam.


Ein Blick in den Spiegel auf dem Beifahrersitz. Sam schnaufte auf und krachte ihn tonlos frustriert wieder zu. Ihre Geiselnehmer surrten auf und verschwanden durch das Seitenfenster.


Der wilde Kampf des Herumschlagens mit den Armen nach den lästigen, gelben Insekten hatten ihre Spuren hinterlassen. Die sonst so perfekt sitzende Frisur war verwuschelt. Wüst hing es herunter. In einem Gestrüpp voller Knötchen und wirren Strähnen. Sam fand diesen Zustand ihres Kopfes überhabt nicht mehr lustig. Doch was dann folgte, ließ sie verzweifeln.


Der Wind, der vor ihrer Ankunft von hinten wehte, drehte sich plötzlich und wehte über den von Abfall überlasteten Platz. Beißender, süßlicher, magenaufreibender Gestank schoss in das Innere des Wagens und raubte ihr auch noch den letzten Atem und Nerven.


Die Gesichter des spazieren gehenden Pärchens sprach Bände. Nun fehlte nur noch, dass die arrogannten Zicke des Mannes ihr Deodorant zog, und es Sam entgegensprühte. Samantha schaute sie giftig an. Es war ja schließlich nicht ihre Schuld, wenn sich Berge um Berge von Unrat auf dem eng bemessenen Platz tummelten.


Das Miststück sah es jedoch anders. Verächtlich schnaufte diese Dame auf, verzog ihr schiefes Gesicht zu einer Grimasse des Grauens und glotzte die junge Frau wüst an. Sekunden vergingen, und Sam wäre am liebsten in den Boden versunken, wenn nicht sogar gleich ganz weg. Hätte sie doch gleich einen anderen Platz gesucht, dann müsste sie sich nun dieser Hexe nicht ausliefern, und ihre Nerven würden nicht so flattern, sondern ruhig und gelassen in ihrem Kopf herumspuken.


Die ältere Frau schlich starr an ihr vorbei, nur um sich nach fünf Meter noch einmal umzudrehen. Sam lies sie links liegen, konnte wieder freier atmen, trotz der widrigen Umstände um sie herum, während ihre neue Hassfreundin, wie eine Raubkatze auf Beutezug, davonschlich, und Samantha konnte sich ihrem eigentlichen Ziel wieder zuwenden. Es fixieren und in genau unter die Lupe nehmen.


Stundenlang passierte gar nichts, und gelangweilt tippte sie auf ihrem alten Armaturenbrett herum, als sich wie von Zauberhand eines ihrer Fenster öffnete, und sie ihren garstigen Kopf präsentierte. Sam schlüpfte hinab, denn sie war der Meinung, dass Bianka in ihre Richtung starrte und sie entdeckt hatte. Allerdings konnte sie sich das ja nur einbilden. Das hoffte sie in diesem Moment sehr. Als sich vorsichtig wieder aufschaute war ihr Erznemisis fort und, die Fensterflügel wieder geschlossen. Erleichtert atmete sie auf.


Fünfzehn Minuten später. Das Tiefgaragentor öffnete sich. Samantha erblickte Biankas silberfarbenen Mini mit den hässlichen, schwarzen Streifen an der Seite und schnitt in einem ihr üblichen Schneckentempo ein anderes Auto, dessen Fahrer absolut nicht über ihre Rücksichtslosigkeit begeistert war und kräftig in die Eisen steigen musste. Seine Reifen quietschten. Wild fuchtelte er mit seinen Armen.


Bianka interessierte es nicht. Sie konzentrierte sich auf ihre Lippen und zog sie mit dem üblichen penetranten Rot ihres Lieblingslippenstiftes nach.


Sam sah ihr nach. Quietschend fuhr sie an und folgte ihr mit einem gewissen Abstand durch die Stadt, ohne sie aus den Augen zu verlieren. Biankas Fahrstil war gewöhnungsbedürftig. In gewissen Abständen verlangsamte sie ihr Tempo. Sam erkannte nie den Grund dafür. Dann wieder wurde sie schneller und nahm keinerlei Rücksicht auf die anderen Fahrer, die genervt von ihrer Ignoranz ein Hupkonzert veranstalteten. Das interessierte sie noch weniger und bog ohne zu blinken in eine Seitestrasse ab. Eine befreiende Ruhe kehrte auf der Hauptstrasse ein. Alle atmeten auf, als sie den Stressfaktor verschwinden sahen, denn die Gefahr, mit ihr doch noch zu kollidieren sank zum Nullpunkt.


Sam hatte jedoch ein anderes Ziel und bog auf. Verfolgte ihr Opfer, und hatte ihre Feindin starr im Blick. Wo sich Samantha befand, konnte sie nicht sagen. Die Einfamilienhäuser waren ihr noch nie untergekommen. Ein kleiner Parkplatz zog ihre Aufmerksamkeit auf sie, den sie genau unter die Lupe nahm, denn sie wollte nicht noch einmal einen Müllplatz als Versteck auf sich nehmen.


Biankas Mini stand in der Ecke und brutzelte in der Sonne, während von seiner Besitzerin keinerlei Haarspitze zu sehen war. Sam`s Entschluss stand fest. Langsam griff sie nach ihrer Zange und malte sich in ihren Gedanken aus, wie Biankas Bremsen versagten. Nach Hilfe brüllend in ihrem Wagen den nächsten Abgrund hinunterstürzte. Sich überschlug und in ihrem Gurt festhing.


Bösartig grinste sie auf. Gehässig und ohne Gnade. Das heimtückiche Bild gefiel ihr einfach zu sehr, und sie hoffte inständig, dass es auch dazu kam. Was sie jedoch nicht im Voraus erahnte, war der schwarze Mercedes, der sich von hinten näherte. Euphorisch vergaß sie in den Spiegel zu schauen, was sie sonst wie im Schlaf beherrschte und hätte vielleicht so dem nahenden grausamen Desaster entkommen können. Doch sie tappte voll in die Falle.


Der Fahrer dieser Edelkutsche hatte keine Zeit mehr seinen Wagen zu stoppen und krachte ungebremst frontal in ihre Fahrerseite. Die Scheiben splitterten. Das Metall der Wagen knarrten zähneschmerzend, und ein Erdbeben erfasste ihren Sitz. Stärke 8,8 auf der bekannten Richtungsskala nach vorne.


Sam krallte sich an ihrem Lenkrad fest. Eine Vibration durchzog ihre Hände, hinauf zu ihrem Ellenbogen und konzentrierte sich in ihren Schultern. Gedämpft, hinter Watte, vernahm sie das Quietschen der Reifen, und als sie wieder bei Sinnen war, suchte sie ihre Fahrertür.


Ihr Ford war bei dem Aufprall ein paar Meter mitgerissen worden. Knutschte mit seiner Stoßstange dem nächst besten Baum und schrappte mit seinem Unterboden über den erhöhten Bordstein, der jedoch labil erschien, um noch weiterhin im Boden verhaften zu können.


Gaffer versammelten sich. Das Ereignis des Crashs entwickelte ein Eigenleben, und wie ein Lauffeuer in der Nacht ging es in der Siedlung um, dass sich ein etwas Seltenes ereignet hatte, welches die Anwohner so nur in größeren Ansammlungen von Menschen erblickte.


Sam sah auf. Der Fahrer tobte um seinen Wagen herum, wobei er immer wieder mit seiner Faust auf seine Motorhaube schlug und das Metall verbeulte. Sein Gesicht verwandelte sich in eine Tomate. Aus seinem Mund tropfte der Geifer, und irre fixierte er die Übeltäterin.


Sam verhielt sich still wie ein Mäuschen bei dem Anblick eines tollwütigen Katers und versteckte sich vor den nackten Fingern ihrer Ankläger da draußen auf der Straße in der brütenden Hitze des Spätsommers. Sie war schuldig, die Böse, die sich nicht umschauen konnte, und das wusste sie auch.


Ihr Kontrahent des Frontalunfalls fasste sich an seinen Ellenbogen. Er hatte einmal zuviel auf seinen Wagen geschlagen und fühlte sich nun männlich genug, um ihr einen Einlauf zu geben. Wütend rollte er heran. Seine überdimensionale Körperfülle wirkte der Schnelligkeit seines Tempos entgegen und bremste ihn nach einem Meter aus. Schweiß rannte über seine Stirn. Asthmaartig sog der die warme Luft ein. Pfiff auf dem letzten Loch, sodass er den Anschein erweckte jede Minute umzukippen und einen Herzinfarkt zu erleiden


Samantha verhielt sich immer noch still. Sie wollte diesen Pitbull vor ihr nicht noch mehr reizen, der nach unendlicher Mühe vor ihrer nicht mehr vorhandenen Tür stand. Verängstig ließ sie ihre Zange, die sie immer noch in ihren, vor Angstschweiß schwitzenden, Händen hielt, fallen und schaute in die Ferne. Der silberne Mini stob davon, und in ihm war ihre Feindin.


Der Fahrer bellte sie an. Die Sirene der Streife verhöhnte sie strafend. Ihre Tür lag zerbeult auf der Strasse, und die zerborstenen Scheiben glitzerten wie kleine Diamanten.


Der genervte Polizist stellte ihr blöde Fragen. Sam schluckte schuldig und erfand die Ausrede eines Einkaufs im nächstgelegenen Supermarkt, nahe der Ecke, um die sie gebogen war. Die Absicht des Anschlags auf ihre Feindin verschwieg sie.


Der Wachtmeister sah sie ungläubig an. Glaubte ihr kein Wort, denn schließlich gab es einen Parkplatz am Markt, der nur bis zu einem Viertel um diese Uhrzeit belegt war. Sam zuckte mit den Schultern.


„Denn habe ich nicht gesehen“, blinzelte sie verlegen. Ihr Gegenüber glaubte ihr erneut nicht und hielt sie schlichtweg für bekloppt.


Als der Abschleppwagen kam, vergaß sie ihre Zange, welche ihr sowieso nichts mehr genützt hätte. Ihre Feindin war weg, und wütend über ihr Schicksal, dass diese bösartige Schlange durch ihre Finger geschlüpft war, schleppte sich Sam nach Hause. Die Rechnungen des Crashs bekam sie Tage später. Der Inhalt brachte sie zum Kotzen und widerwillig bezahlte sie den Preis, welcher sie nur noch mehr dazu anstachelte, es Bianka heimzuzahlen.


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