Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern

zurück zum Buch

Eric - der Spätzünder


von Chris Stein

satire
ISBN13-Nummer:
9783940235022
Ausstattung:
broschiert
Preis:
14,9 €
Verlag:
-kein Verlag-
Leseprobe
Er fuhr los und tastete sich in Millimeterarbeit zwischen Hausmauern und den beiden Fahrzeugen vorbei. Dann hielt er auf das brennende Haus zu und blieb unmittelbar davor stehen. Aus einem Fenster im zweiten Stock schlugen Flammen, ein zweites daneben war total verqualmt. Vor dem Haus standen etwa zwanzig Leute. Kim und Eric stiegen aus dem Auto. „Sind alle draußen?", fragte Eric, während Kim den kleinen Feuerlöscher aus dem Auto holte. „Der Bergmann ist noch drin", sagte eine Frau mittleren Alters, „wollte seinen Nachbarn, den Höttl holen. Der ist Schichtarbeiter und schläft sehr tief. Hoffentlich kriegt der Bergmann ihn wach." In diesem Augenblick torkelte ein junger Mann aus dem Hauseingang. Er trug eine reglose Gestalt zu einer kleinen Wiese am Ende der Wohnhausanlage und legte sie vorsichtig ab. „Gott sei dank, er hat ihn", sagte die Frau. Eric und Kim rannten zu den beiden Männern. „Sind Sie in Ordnung?", fragte Eric. „Ich bin okay", sagte Bergmann, „aber mein Nachbar Höttl ..." Er hustete heftig. „Schon gut, wir kümmern uns um ihn", sagte Kim und kontrollierte Atem und Herzschlag des Bewusstlosen. „Nichts." Sie begann sogleich mit der Reanimation, Eric unterstützte sie. Nach ein paar Sekunden schlug Höttl die Augen auf und sog gierig Luft ein. „Herta", keuchte er, „Herta." „Wer ist Herta?", rief Kim und schaute sich um. „Weiß jemand von Ihnen, wer Herta ist? Ist der Mann verheiratet? Heißt seine Frau Herta?" Keine Antwort, nur fragende Gesichter. „Herta ... noch oben", keuchte Höttl erneut, „Schlafzimmer. Meine Herta. " Eric griff sich den Feuerlöscher und rannte auf den Hauseingang zu. „Eric, nicht!", hörte er Kim schreien. Er ignorierte sie und stürmte ins Haus. Zweiter Stock, dachte er, während er sich vorsichtig die Stufen nach oben tastete. Im Erdgeschoss war die Sicht noch gut, doch als er im ersten Stock ankam, quollen ihm Rauchschwaden entgegen. Langsam kämpfte er sich durch den dichter werdenden Qualm. Als er im zweiten Stock ankam, schlugen Flammen aus einer der beiden Wohnungstüren. Eric schickte ein Stoßgebet gen Himmel, holte tief Luft und nahm die andere. Rauch kroch die Decke entlang und wurde mit jedem Schritt dichter. Eric konnte kaum etwas sehen, bückte sich und suchte ein Zimmer nach dem anderen ab. Im dritten schließlich sah er eine Gestalt in einem Bett liegen. „Herta!", rief er in das Halbdunkel. Die Gestalt rührte sich nicht. Eric trat kurz entschlossen in den Raum. Flammen züngelten ihm entgegen und streckten sich gierig nach ihm. Er griff nach der Gestalt, die sich immer noch nicht bewegte, legte sie über die Schulter und ging gebückt aus der Wohnung. Vorsichtig setzte er einen Fuß vor den anderen und taumelte das nun völlig verqualmte Stiegenhaus nach unten. Als er ins Freie trat, sog er tief Luft ein und machte ein paar Schritte. Sein Blick war vom Rauch getrübt, trotzdem erkannte er Kim, die mit einem Feuerwehrmann an der Seite auf ihn zulief. Eric legte die leblose Gestalt ins Gras und kontrollierte Atmung und Herzschlag. Nichts. Er wischte sich den Dreck aus dem Gesicht und begann mit der Beatmung. Als er seine Lippen ansetzte, zuckte er erschrocken zurück. Dann tastete er vorsichtig den leblosen Körper entlang. Die Haut war weich. Zu weich, er blieb beinahe dran kleben. Eric drückte sanft, dann etwas fester, schließlich nahm er beide Hände und fasste mit aller Kraft zu. „Das darf doch nicht wahr sein!", schrie er und sprang auf. Kim und der Feuerwehrmann kamen hinzu, Höttl im Schlepptau. „Eric, bist du okay?" „Mir geht's gut, danke." „Herta, meine Herta!" Höttl sank neben Eric auf den Boden. „Danke, tausend Dank." Er begann Herta von oben bis unten zu betasten. Dann öffnete er ihre Bluse, fasste ihre Brüste und drückte sie. Einmal. Zweimal. Beim dritten Mal entfuhr Herta ein laszives Stöhnen. „Gott sei Dank, sie geht noch", sagte Höttl. „Geht noch?", fragte Kim entsetzt und beugte sich zu Herta hinab. „Das hörst du doch, sie geht noch", wiederholte Eric mit steinerner Miene und zeigte auf eine Stella an Hertas Hals. „Made in Hongkong", las Kim laut. „Was? Eine Gummipuppe?" „Nicht nur eine Gummipuppe", sagte der Feuerwehrmann, „das ist das neueste Modell, kann man auf den ersten Blick nicht von einem Menschen unterscheiden. Ist auch nicht aufblasbar, sondern gefüllt und wiegt so viel wie ein Mensch. Sie funktioniert sogar wie ein ..." Er unterbrach seinen enthusiastischen Vortrag. „Äh ... das hab ich in einem Prospe... in einer Technikzeitschrift gelesen." Er grinste verlegen, drehte sich um und ging eiligen Schrittes zu seinen Kameraden, die eben mit einem Schlauch angerannt kamen. „Eine Gummipuppe aus einem Erotikshop, jawohl". Erics Stimme klang alles andere als freundlich. „Ich habe soeben meinen Arsch für eine Gummipuppe riskiert." Er streckte seine Arme nach Höttl aus. „Und das alles nur wegen diesem perversen Idioten hier, der ..." Kim umarmte Eric schnell und fest. „Du Wahnsinniger, du hättest draufgehen können." Dann schob sie ihn mit aller Kraft beiseite, bevor er ausrastete und auf Hertas Besitzer losging. Die Feuerwehrmänner lachten sich krumm und scheckig, konnten den Schlauch nicht mehr halten. „Danke", sagte einer, als Kim Eric an ihnen vorbeiführte, „dieser Einsatz geht mit Sicherheit in die Annalen der städtischen Feuerwehr ein."
Klappentext
Eric ist ein typischer Single in den Dreißigern: Hochintelligent, erfolglos im Job als Polizist, durchgeknallte Mutter. Sein Leben verläuft in Bahnen, die auf einen unspektakulären Herzinfarkt nach fünfundsechzig langweiligen Jahren hindeuten. Bis er mit neununddreißig die unheimlichsten Wesen entdeckt, die unseren Planeten bevölkern: Frauen. Eric stürzt sich auf den Highway der Gefühle, was nicht ohne Blessuren abgeht, und tritt auf der Suche nach der Richtigen mit schlafwandlerischer Sicherheit in jedes sich bietende Fettnäpfchen. Auf humorvolle Weise werden dem Leser Erics verrückte Erlebnisse erzählt, dessen Charme das Lesen zum Vergnügen macht.
Rezension