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Bücher Satire
Buch Leseprobe Dummer weis(s)er Deutscher, Robert Meyer
Robert Meyer

Dummer weis(s)er Deutscher



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Ein Brief an Angela Merkel
Liebste Busenfreundin Angie,

genau wie du bin ich ein echter Ossi. Gut wir müssen ja niemanden verraten, dass du eigentlich in Hamburg geboren und erst dann in die DDR übergesiedelt bist. Aber dein Herz schlägt dennoch uns wahnsinnig klugen Ostdeutsche. Ich möchte dir mein Beileid aussprechen liebste Angela. Was du mit deinem Kabinett schon alles erleben musstest, würde mich, wenn ich eine Frau wäre, schon sehr aus der politisch korrekten Bahn werfen. Du musst dich in einer von Männern dominierten Welt behaupten. Dein Job im Kanzleramt wird auch nicht unbedingt viel leichter, wenn deine Freunde wie der Edmund Stoiber von der CSU in Bayern nicht das tun, was ihre Chefin vorgibt. Aber schon in der Wahlnacht 2005 musstest du mit Ansehen, was aus einem Menschen wird, der zu lange an der Macht gewesen ist. Erinnerst du dich noch an deinen Vorgänger? Gerhard Schröder hieß der Mann. Es war der Wahlabend des 18. Septembers und du und alle anderen wichtigen Politiker habt euch gemeinsam im Fernsehen getroffen, um das Ergebnis auszuwerten. Jeder wollte damals ein Gewinner sein. Verständlich, denn es ging ja um die Macht über Deutschland. Die Reporter gaben euch den lustigen Namen „Elefantenrunde". Dabei habt ihr gar nicht, wie ein tonnenschwerer Dickhäuter ausgesehen. Ich weiß Angela man redet nicht über das Gewicht einer Frau. Aber zurück zu deinem Vorgänger. Keiner weiß, was der gute Gerd an diesen Abend genommen hatte. Waren es Drogen? Aber so ein großes Vorbild wie der Gerd tut so etwas doch nicht. Sicher war es nur die Aufregung. Da verwechselt man schon einmal den Unterschied zwischen Wahlsieg oder Niederlage. Und irgendwie hatte der gute Gerd ja auch gewonnen. Sicher war unser Exkanzler schon mit beiden Augen in Russland bei seinem Freund Putin. Der gute Gerd hatte ja kurz vor seiner Abwahl einen tollen Vertrag für Deutschland abgeschlossen. Zum Dank dafür darf er jetzt den Vorsitz im Aufsichtsrat der "North European Gas Pipeline Company" leiten, welche sich um die Realisierung der Ostseepipeline kümmert. Ob Gerd und unser allseits geliebter Demokrat Putin nach diesem Geniestreich gemeinsam Kaviaressen waren und Krimsekt tranken, ist leider nicht überliefert. Zu gönnen wäre es den beiden großen Politikern ja. Gerd ging also davon aus, er bliebe Kanzler oder zumindest tat er so. Du Angie warst natürlich eiskalt, hast die Lage nüchtern analysiert und wurdest letzten Endes doch oberste Chefin der Regierung. Alle rissen sich um einen Job bei dir am Kabinettstisch. Gut der Edmund aus Bayern wollte nicht und wollte dann doch und blieb am Ende doch in München. Wahrscheinlich war er noch von deinem Wahlsieg irritiert oder ärgerte sich einfach, dass nicht er selbst Kanzler werden durfte. Eines hast du aber deinem Vorgänger voraus. Du sprichst fließend Englisch und Russisch! Der gute Gerd schleppte immer eine Dolmetscherin mit sich herum und Präsident Putin hatte dank deutscher Spracherfahrung aus seiner Zeit im schönen Dresden auch immer ein offenes Ohr für ihn. Du bist also eindeutig prädestinierter für dieses hohe Staatsamt. Modern bist du auch geworden. Musste sich Gerd noch mit einem Fernsehauftritt bei Gute Zeiten Schlechte Zeiten begnügen, hast du sogar deinen eigenen Podcast! Jede Woche sendest du deine Videobotschaft über das Internet in die gesamte Bundesrepublik. Du solltest aber aufpassen. Die NPD ist dir in Sachen Neue Medien einen klaren Schritt voraus. Die Braunen versuchen seit geraumer Zeit, eine eigene Nachrichtensendung ins „Weltnetz" zu stellen. Solltest du vielleicht auch machen. „Angies neuste Nachrichten aus dem Bundeskanzleramt" sollte die Sendung heißen. Du fragst dich sicher, lieber Angela, warum ich nichts über mich erzähle? Mein Leben ist unwichtig im Gegensatz zu deinem. Du kannst die Welt retten, du kannst uns wirtschaftlich nach vorne bringen, allein du kannst uns zur Friedensmacht in der Welt machen. Als Frau hast du es schwer. (Entschuldige, wenn ich mich wiederhole, liebste Freundin.) Dafür kannst du aber so vieles gleichzeitig machen, denn du bist eine Frau. Ich stelle mir das echt toll vor. Morgens während du am Frühstückstisch sitzt, liest du die Bild Zeitung, lässt dir die neusten politischen Ereignisse via Fax zusenden, unterhältst dich mit deinem Ehegatten am Telefon über den Tag und schreibst gleichzeitig einen Brief an deinen untergebenen Vizekanzler Franz Müntefering, er solle dich doch bitte beim britischen Premierminister entschuldigen, da du ja so viel zu tun hättest. Ein echter Mann hätte dagegen echte Probleme, dies alles zu meistern. Mann würde es anders anstellen. Während er sich die Currywurst zum Frühstück unterwegs reinwürgt, telefoniert er mit einem Bildredakteur, lässt sich die neusten Nachrichten von ihm geben und erzählt Selbigen doch gleich von seinem Tagesplan. Die Ehefrau und das Volk dürfen dann alles haargenau in der kommenden Bild Ausgabe nachlesen.

Exklusivbericht! Bundeskanzlerin Angela Merkels definitiv schwerster Arbeitstag als Tagebucheintrag:

7:00 Uhr Aufstehen: Fürs Betten machen bleibt keine Zeit. Darum soll sich doch die polnische Putzfrau kümmern. Gleich treffe ich mich mit Münte zur morgendlichen Lagebesprechung.

7:30 Uhr Frisur: Udo Walz ist nicht gekommen und meine Haare sehen wie immer scheußlich aus. Mein Ehemann sollte sich auch langsam wieder melden. Aber wahrscheinlich ist er mit Laura Bush shoppen.

8:30 Uhr Zu spät: Münte kann sich scheinbar an keine Zeit halten. Hätten wir mal doch lieber eine private U-Bahn zum Kanzleramt fertig gebaut. Kurzes Gespräch - Franz grinst so komisch und ich frage mich warum. Dann verrät er es mir. „Ich habe wieder 20.000 Ein-Euro-Jobber durchboxen können."

9:30 Uhr Die Konferenz: In der Lobby des Bundestages erwarten die Journalisten ein Statement zu den neusten Arbeitsmarktdaten. Schon wieder ist Münte dabei. Ich frage mich langsam, ob der Mann mich verfolgt? Doch netterweise weist mich ein Mitarbeiter daraufhin, dass Müntefering nur seinem Job als Bundesminister für Arbeit und Soziales nachgeht. Jetzt bin ich an der Reihe und so ein echt unsympathischer junger Mann von der taz stellt eine echt schwierige Frage. Münte eilt mir jedoch zur Hilfe und kann die Situation retten. Ich glaube er mag mich doch.

10:00 Uhr Besuch: Gleich kommt Russlands Präsident Putin auf Kurzbesuch in Berlin an. Mittags wollen wir zusammen essen gehen. Ich glaube Putin hat mich nicht so gerne wie den Gerhard Schröder, weil ich ihn mal kritisiert habe. Ich sollte vielleicht einen Verzicht auf weitere Kritik erklären, um Putin milde zu stimmen. Mache ich es doch wie Gerhard Schröder und nenne Russlands Staatschef auch einen lupenreinen Demokraten. Ich wette Putin wird sich darüber sehr freuen.

11:00 Uhr Langeweile: Inzwischen ist Putin eingetroffen und wir unterhalten uns prächtig. Doch langsam gehen mir die Gesprächsthemen aus. ICH DARF IHN AUF KEINEN FALL KRITISIEREN! Mir wird langsam langweilig und ich beschließe, vom Protokoll abzuweichen und ihm ein Glas Wodka anzubieten. Wir trinken auf unsere tiefe Freundschaft.

11:30 Uhr Terrorangst: Schon wieder eine Pressekonferenz. Putin und ich haben uns total lieb. Gegenseitig überhäufen wir uns mit Nettigkeiten und Schmeicheleien. Plötzlich rollt Innenminister Schäuble mit seinem Rollstuhl ins Gespräch und erkundigt sich, wie weit ich mit dem neuen Antiterrorgesetz einverstanden wäre. Putin ist das natürlich ein super Gesprächsthema, denn er kennt sich mit Terroristen in seinem Land bestens aus. Männer können doch so nervtötend sein!

12:00 Uhr Mittagszeit: Endlich gibt es etwas zwischen die Zähne! Den Wodka vorhin hätte ich aber lieber nicht trinken sollen, denn er schlägt mir etwas auf den Magen. Der Koch scheint auch kein Profi zu sein. Statt Saumagen serviert er uns Pasta. Putin scheint es aber zu schmecken und er verabschiedet sich und dankt für die nette Gastfreundschaft.

13:00 Uhr Sitzung mit Edmund: Mein Lieblingsbayer wartet auf mich zu einem vertraulichen Gespräch. Stoiber möchte zum wiederholten Male etwas mehr Geld bei der Gesundheitsreform für sein schönes Bayern herausschlagen. Soll er doch den Steinbrück fragen, ob er nicht noch ein paar Milliarden an Steuermittel bekommen kann!

15:00 Uhr Verspätung: Nachdem mich dieser CSU Guru so lange aufgehalten hat, muss ich zu meiner Kabinettssitzung. Bin ich froh, wenn Edmund Stoiber bald keine Rolle mehr spielt und wir uns höchstens zu einer Partie Golf treffen werden. Das Kabinett ist heute erstaunlich ruhig r meine weibliche Auffassungsgabe. Hier plant doch etwa keiner einen Staatsstreich?

18:00 Uhr Abendessen: Früher als geplant kann ich mich zum Essen bewegen. Leider gibt es in der Bundestagskantine auch Pasta. Ich sollte da wohl mal besser einen Änderungsantrag einbringen und eine Initiative für mehr Abwechslung starten. Den Sandmann schaue ich mir im Anschluss auch an, bevor es weitergeht.

19:30 Uhr Nervige Presse: Man sollte die Person einsperren lassen, welche den Stehempfang erfunden hat. Jetzt wippe ich hier schon seit einer halb en Stunde von einem Bein auf das andere, um nicht zusammenzubrechen, schüttle Hände von Leuten, welche ich nicht einmal kenne und keiner kümmert sich um mich. Plötzlich kommt ein kleiner Mann auf mich zu. Ich glaube das ist der Gregor Gysi von der Linkspartei. Zum Knuddeln dieser kleine süße Strolch, aber wenn die Presse mich so sieht, bin ich geliefert.

20:00 Uhr Ich komme ihm näher: In einer dunklen Ecke des Saals treffe ich Gregor wieder. Wir unterhalten uns prima. Ein Bildreporter kommt flink angeschossen und lichtet uns beide zusammen ab. Prima! Morgen weiß es ganz Deutschland, wie ich mit dem Roten flirte!

20:30 Uhr: Guido Westerwelle von der FDP kommt hinzu und wird neidisch. „Erst ist es nur die SPD und jetzt turtelst du schon mit den ganz Linken", schreit er wütend. Ich glaube Guido ist sauer, weil es mit unserer Koalition nicht geklappt hat.

21:00 Uhr: Gregor ist verschwunden und ich stehe alleine da. Hin und wieder kommt ein Reporter auf mich zu und bittet mich um ein Statement zum tollen Abend. Ich beschließe mich zu verziehen und mich im Kanzler

amt zu verbarrikadieren, um den nächsten Tag abzuwarten.

22:00 Uhr Das Drama: Es kommt schlimmer als erwartet. Kanzleramtschef Thomas de Maizière kommt in mein Büro und erzählt mir von der morgigen Bildschlagzeile. Bündnis mit den Linken! Bricht Große Koalition auseinander? Im Radio läuft das Lied „Geile Zeit" der Popgruppe Juli und ich überlege mir ernsthaft zurückzutreten, um eine Krise zu verhindern. Ich sollte für Morgen eine Pressekonferenz einberufen.

23:00 Uhr: Vollkommen gestresst falle ich ins Bett und rufe Edmund in Bayern an. Wenn es mir schlecht geht, hilft er mir gerne. Er ist ein toller Freund.

Entschuldige liebste Angela! Jetzt habe ich dich mit verdammt vielen langweiligen Details aus deinem Leben gequält. Ich hoffe du vergibst mir eines Tages und lädst mich auf eine Kugel Eis ein. Ich wünsche dir viel Glück für die Zukunft, vielleicht solltest du dich wirklich einmal mit Gysi zu einem Geschäftsessen treffen.

Liebe Grüße aus dem „echten" Osten

dein Robert



PS: Bitte schicke mir doch deinen Aktionsplan bis 2009 zu, damit ich diesen in meinem nächsten Buch aufgreifen kann. Ein frankierter Rückumschlag liegt natürlich bei, denn ich will auf keinen Fall die Staatskasse belasten.

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