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Die Sprachpanscher


- …und andere Polemiken, Glossen, Texte

von Jens Petersen

satire
ISBN13-Nummer:
9783940921666
Ausstattung:
broschiert
Preis:
9.99 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Tredition
Kontakt zum Autor oder Verlag:
pearson1@gmx.net
Leseprobe

 

Wieder ist es der gelernte Bauzeichner Kai Labrenz, der sich gemeinsam mit Pia Klatt ja auch schon erste Meriten als Buchautor erworben hat. Papier ist bekanntlich geduldig. Sein Artikel bezieht sich auf eine geschichtsträchtige Veranstaltung in Schleswig.

„Zahlreiche Besucher erlebten am vergangenen Wochenende rund um dem historischen Rathaus eine Zeitreise ins Mittelalter. Zum zweiten Mal veranstaltete, Holger Rohde von ‚Tross und Trubel’, und Matthias Barkmann, das mittelalterliche Markttreiben hinter den Kulissen vom Graukloster…Er hatte für den Bürgermeister zum Dank, auch ein Geschenk mitgebracht… Anschließend gingen sie gemeinsam über dem Marktplatz… Simon und Laif (?), waren mit ihren Eltern…gekommen, um selbst ein Lederbeutel herzustellen. Die Spielleute…musizierten ihre eigenen Kompositionen. Große Begeisterung beim Publikum waren die Gerichtsverhandlungen…Sie folgt den aerodynamischen Gesetzen, die einst Da Vinci, der sein Leben der Kunst der Forschung, Philosophie und dem Ingenieurwesen widmete,“

Hier endet der Text des bedauernswerten Autors, bei dem wohl irgendein letztendlich auf ewig ungenannt bleibender Lektor, vielleicht war’s ja auch ein Layouter, die Schere angesetzt und den Text bis kurz vor die absolute Unkenntlichkeit verstümmelt hat.

„Rund um dem historischen Rathaus…“: Schon während ich dies abschreibe, umpuschelt mein Textverarbeitungsprogramm das Ganze mit wohltuend sanften, grünen Kringeln (haben andere Benutzer keine Rechtschreib- oder Grammatikkorrektur?). Bittebitte, liebe Zeitungs-, oder wahlweise auch Wochenblattmacher dieser Welt, gönnt mir meinen Akkusativ! Rund um das historische Rathaus – war das jetzt so schwer?

Und welcher Teufel reitet den Kollegen Labrenz, hinter „veranstaltete“ und vor „Holger Rohde“ ein Komma zu setzen? Was soll der Beistrich vor dem „und“? Warum hinter dem Namen Barkmann noch ein Komma? Die neue Rechtschreibung vereinfacht die Zeichensetzung zweifelsohne. Aber sie tut dies, indem sie so manches Komma überflüssig macht – und nicht, indem sie zusätzliche Kommata verlangt.

Auch wenn man über den Marktplatz geht, kann man auf den Dativ verzichten. Das geht – probieren Sie’s aus! Darüber, ob der Name Laif existiert, bin ich wirklich nicht informiert. Möglicherweise gibt’s ihn tatsächlich. Sicher ist aber Eines: Ich stelle Lederbeutel im Akkusativ her, und da das Genus des Lederbeutels nicht sächlich, sondern maskulin ist, stelle ich eben doch einen her.

Und wenn ich musiziere, dann tue ich das ohne Objekt, just for fun, wie man neudeutsch sagen würde.

„Große Begeisterung waren die Gerichtsverhandlungen“. Das muss man erst mal sacken lassen. Was will uns der Autor hier sagen? Man ist sicher geneigt, der Intention des Schöpfers dieser Zeilen zu folgen – allein, will man das auch? Es ist die Reduktion auf das Wesentliche, die hier die Interpretation prägt.

Allzu billig wäre das Ersetzen des „waren“ durch „weckten“. Also: Wo ist in diesem Satz das Subjekt? Ist es die „Begeisterung“? Das Wort steht im Singular und passt somit nicht zur Verbform im Plural. Demnach müssen es die „Gerichtsverhandlungen“ sein. „Die Gerichtsverhandlungen waren große Begeisterung“. Hmmm. Das ist jetzt nicht leicht.

Klappentext

Es reicht. Ich habe die Nase voll. Ich bin genervt. Ich habe die Faxen dicke.
Goethe, Schopenhauer, Nietzsche, Thomas Mann, die Gebrüder Grimm oder - etwas aktueller – Günter Grass sind Namen, die die deutsche Sprache geprägt haben, die sich eines Instruments bedient haben, das uns nicht zuletzt auch dank der überragenden Fähigkeiten dieser Menschen im Umgang mit ihm in hoher Präzision dienlich sein kann.
Die deutsche Sprache ist schwer zu erlernen, das ist eine Binsenweisheit. Wer sie aber beherrscht, wie die oben angeführten Beispiele, der bereitet nicht nur mir großes Vergnügen. Ein gutes Buch zu lesen kann eine große Wonne sein (wann hat eigentlich zuletzt jemand dieses Wort benutzt?). Ein schlechtes Buch, ein unsauber recherchierter oder lektorierter Zeitungsartikel hingegen landet im besten Falle im Papierkorb und gerät ganz schnell in Vergessenheit.
Leider scheint dieses Schicksal aber auch das Präzisionsinstrument Sprache zu treffen. Wir sind dabei, in einer einzigen Generation einige Jahrhunderte Hochdeutsch leichtfertig zu verspielen. Zeitungen werden schlampig geschrieben und gelesen, Schundbücher überschwemmen den Markt (wer braucht eine Biographie von Dieter Bohlen?). Und dank der Segnungen der Technik findet Kommunikation heute zunehmend online statt, verbunden mit der uns zunehmend ereilenden Sprachkatastrophe.
Nehmen Sie dieses Büchlein wie es ist: Vielleicht das letzte Aufbäumen gegen die längst nicht mehr zu stoppende Verwurstung des Kulturguts deutsche Sprache.