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Bücher Satire
Buch Leseprobe Die Seele des Bösen, Dania Dicken
Dania Dicken

Die Seele des Bösen


Blutiges Wiedersehen

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Klamath Falls, Oregon, 1994


 


Freudestrahlend kletterte Kim auf den Schoß ihres Vaters und grinste ihn mit einer imposanten Milchzahnlücke an. Kristy saß neben ihrer Mutter, die inzwischen hochschwanger war. Kim konnte es kaum erwarten, bis ihr kleiner Bruder endlich geboren war. Dann hatte sie eine Schwester und einen Bruder. 


Aus dem Radio dudelte Weihnachtsmusik. Die Kerzen tauchten alles in ein heimeliges Licht, die Christbaumkugeln glänzten und funkelten. Unter dem Weihnachtsbaum stapelten sich die Geschenke und warteten darauf, am nächsten Morgen ausgepackt zu werden. Das fiel den Mädchen immer schwer, aber ihre Eltern ließen da kein Pardon gelten. 


Kim war aufgeregt. Sie hoffte, daß die neue Barbiepuppe, die sie sich so sehr wünschte, in einem der Kartons war. Das hoffte sie wirklich ... 


Wenig später war der Weihnachtsbraten fertig. Rick pikste seine Tochter in die Seite und kitzelte sie, so daß sie fröhlich lachte und kreischte. Kristy beobachtete die beiden, während Clarice in die Küche ging und den Braten holte. Minuten später saßen sie um den Tisch und begannen zu essen, während im Radio Stille Nacht, heilige Nacht lief. 


In diesem Moment war Kim glücklich. So war Weihnachten perfekt. Ihre Eltern hatten keinen Streit, Dad war bester Laune, alles war gut. Das war ja nicht selbstverständlich. Aber an Weihnachten war auch er zufrieden. 


Weil es noch Nachtisch gab, aßen sie, bis sie sich kaum noch rühren konnten. Einzig Clarice hatte da Schwierigkeiten, denn das Baby drückte so sehr auf ihre Organe, daß sie kaum noch etwas essen konnte. Aber es dauerte ja nicht mehr lang. Kim und Kristy waren beide sehr aufgeregt und freuten sich auf ihren kleinen Bruder. 


Nachdem Clarice abgeräumt hatte, holte Rick eins ihrer Brettspiele aus dem Schrank und baute alles auf. An Weihnachten durften die Mädchen länger aufbleiben und sie spielten gemeinsam Spiele. Das liebte Kim an Weihnachten. Im Radio liefen die Weihnachtslieder, die sie so mochte, und sie war mit ihrer Familie zusammen. 


Als Nächstes spielten sie gemeinsam Mensch ärgere dich nicht. Kristy fiel das immer sehr schwer, denn sie war eine schlechte Verliererin. Deshalb liebte Kim es, sie aufs Korn zu nehmen und jagte mit Vorliebe ihre Figuren. Als Kristy irgendwann zickig wurde, rief Rick seine Tochter streng, aber immer noch liebevoll zur Ordnung. 


Doch schließlich war es soweit, daß die Mädchen schlafen gehen mußten. Sie gaben ihrem Vater einen Gutenachtkuß, bevor ihre Mutter sie nach oben begleitete und ihnen dabei half, sich bettfertig zu machen. Die Mädchen zogen ihre Nachthemden an, putzten sich die Zähne und legten sich dann in ihre Betten. 


„Freut ihr euch schon auf eure Geschenke?“ fragte Clarice die beiden. 


„Ja!“ riefen sie wie aus einem Munde. Sie waren so aufgeregt wegen der Bescherung am nächsten Tag. Mit funkelnden Augen blickte Kim an die Decke, als ihre Mutter sie bis an die Nasenspitze zugedeckt hatte. Sie drehte sich noch einmal zu ihren Töchtern um und hauchte ihnen einen Kuß zu, bevor sie das Licht löschte und die Tür heranzog. Sie schloß die Tür nie ganz, weil die beiden das nicht mochten. 


Als Clarice unten ins Wohnzimmer kam, saß Rick mit den Füßen auf dem Schemel vor dem Fernseher und zappte durch Weihnachtsfilme und Fernsehshows. Clarice setzte sich daneben und schaute schweigend zu. 


Sie merkte nicht, daß Rick nur auf den Moment wartete, in dem sie müde wurde und schlafen ging. Im Moment, da sie hochschwanger war, passierte das nicht allzu spät. Es war noch vor Mitternacht, als sie langsam aufstand und sagte: „Ich gehe schlafen. Kommst du auch?“ 


„Später“, sagte er. „Ich bin noch nicht müde. Du mußt nicht warten.“ 


Sie nickte nur und nahm es zur Kenntnis. Er hatte noch etwas vor. Sie wußte nicht, was es war, aber sie kannte ihn und es war zwecklos, mit ihm darüber zu diskutieren. Rick achtete nicht weiter auf sie, während sie nach oben ging. Er stierte gedankenlos auf den Fernseher, aber er wartete nur darauf, daß Clarice sich die Zähne putzte und ins Bett ging. Bald war das Licht aus und alles war still. 


Er wußte, wie lang es ungefähr dauerte, bis sie eingeschlafen war. Er wartete noch zwanzig Minuten, dann schaltete er den Fernseher aus, zog sich die Stiefel an und schnappte sich seine Taschenlampe. Seine Jacke zog er bis zur Nasenspitze hin zu, denn es war kalt draußen. Immerhin schneite es nicht. 


Es war totenstill und düster auf den Straßen. Niemand war unterwegs. Manche Fenster waren noch hell erleuchtet, er sah Weihnachtsbäume, beleuchtete Vorgärten, Figuren und Lichterketten in Auffahrten und auf Bäumen. Alles war ruhig. Friedlich. Geradezu idyllisch. 


Nur ab und zu kam ihm ein Auto entgegen, während er Klamath Falls verließ und tiefer in den Wald fuhr. Den Weg kannte er auswendig. Er war als Kind schon oft dort gewesen ... und nun war er auch immer wieder da. Regelmäßig. 


Sie brauchten ja zu essen. Ganz von selbst hielten die Mädchen sich nicht am Leben. 


Er parkte auf einer Lichtung, stieg aus und schaltete seine Taschenlampe ein. Auch im Dunkeln kannte er den Weg genau. Das lag daran, daß er meist im Dunkeln da war. Nachts hatte er am meisten Zeit für sie. 


Die Umrisse der Jagdhütte tauchten in der Dunkelheit vor ihm auf. Irgendwo im Unterholz raschelte es, aber das kannte er schon. Das waren Tiere, was ihn nicht weiter interessierte. 


Er kramte in seiner Winterjacke nach den Schlüsseln für die Hütte und entriegelte die Schlösser. Die Tür quietschte leise, als er sie öffnete. Er schaltete das Licht in der Hütte an und ging schnurstracks zur Falltür, nachdem er die Eingangstür wieder verschlossen hatte. 


Da unten wartete sie auf ihn. Die süße Trish, die nun ihr letztes Weihnachten erlebte. Rick öffnete das Vorhängeschloß, schob den Riegel zurück und blickte hinab in das düstere und um diese Jahreszeit bitterkalte Loch. 


Da saß sie und starrte zu ihm hoch. Sie hatte sich in eine Decke gehüllt, denn es war wie im Eisschrank da unten. Und eigentlich war sie ja nackt. Ihre Augen wirkten glasig, ihre Haut war aschfahl, ihr Haar fettig und verfilzt. Das blieb nicht aus, schließlich hockte sie schon wochenlang da unten. 


Sie zerrte an den Ketten, während sie ihn stumm ansah. Sie hatte schon aufgegeben. Das machte das Ganze weniger reizvoll für Rick. Wenn sie sich nicht wehrten, war es uninteressant. Aber konnte er ihr das verübeln? Er hatte sie entführt, geschlagen, vergewaltigt, gebissen, sie geschnitten, getreten, gefoltert und hungern lassen. Inzwischen wußte er, daß er das nicht unbegrenzt machen konnte. Da gab es natürliche Grenzen. 


 


Die Blicke der beiden trafen sich. Rick grinste. „Fröhliche Weihnachten, Trisha ...“ 


 


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