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> Satire > Die Elfe auf Umwegen
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Bücher Satire
Buch Leseprobe Die Elfe auf Umwegen, Margaretha Main
Margaretha Main

Die Elfe auf Umwegen


Band 4 der Elfen-Reihe

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Endlich hatten wir den richtigen Schalter gefunden. Mit unserem bisschen Schulenglisch konnten wir uns zumindest so weit verständlich machen, dass die Frau an der Kasse uns keine Waschmaschine oder eine Fahrt zum Südpol verkaufen konnte, ohne von uns des Betruges überführt zu werden.
„Kauderwelschkauderwelsch!” „Wie want tu gou tu norway bei ferrie.” „Kauderwelschkauderwelsch?” „Was sagt die?” „Keine Ahnung.” „Wie want tu gou tu norway bei ferrie!” „Kauderwelschkauderwelschkristiansand?” „Hat die nicht eben Kristiansand gesagt?” „Habe ich da nicht raus-gehört.” „Kristiansand?” „Kristiansand!” „Aaahhh, Kristiansand!” „Joo, Kristiansand!” Da konnten wir wieder mal live erleben, wie toll es doch ist, ein wenig Bildung und Sprachkenntnisse zu haben.
„Kauderwelschkauderwelsch!” „Mila, was hat die gesagt?” „Ich glaube den Preis für die Überfahrt.” „What mast wie päii?” „Kauderwelschkauderwelsch!” „Nott wann wäii, foa tuh wäii, pliess.” „Kauderwelschkauderwelschokey?” „Jess.” Die freundliche Dame schrieb uns eine Zahl auf einen Zettel. Das verstand ich natürlich sofort. Das war der Preis für die Hin- und Rückfahrt. Komisch, dachte ich, das ist ja viel billiger, als wir gedacht hatten.
So zählte ich der lieben Frau die Kronen auf die Theke. Sie zählte nach und dann: „manne Tack!” Jetzt konnte ich mein frisch gelerntes Dänisch anbringen und antwortete ebenfalls: „manne Tack!” Sie stellte uns die Fahr-scheine aus und schob sie uns zu. Aha, also nächste Woche geht die Fähre. Nächste Woche erst? Nee, nee, das ist doch viel zu spät.
Ich sprach die Dame in vollkommenem Oxfotenglisch an: „wie want tu gou tummorroh, nott next wiek.” „Kauderwelschkauderwelsch.” „I dount anderständ juhu.” Sie drehte sich um und ging in einen Nebenraum. Gefolgt von einer weiteren lächelnden Dame kehrte sie sofort zurück. „What can I do for You?” „Wie want tu gou tu Kristiansand bei ferrie tummorroh.” „Oh, that`s a nice idea, but in this moment we have a small problem. We have no place for You next days.” „Watt cän wie du?” „Go without car and You`ll have a chance.” „Wie häw kein kaa. Wie häw ein Motorsseikel.” „Oh, You have a motorcycle! That`s very good. Now You have the possibil-lity to enter the ferry. Please give me Your tickets back.” Ich reichte ihr die Fahrscheine. Sie zerriss diese und stellte uns neue aus.
Auch Geld bekam ich zurück. Endlich erklangen die Fanfaren und wir hielten die richtigen Fahrscheine in den Händen. Die sahen aber auch gut aus. So schöne Fahrscheine hatten wir noch nie in unserem Leben gesehen. Mein Gott, waren die schön. Schön weiß und mit richtigen schwarzen Buchstaben drauf. Und wie die sich anfühlten. Göttlich! Himmlisch!
Ich las mir die Eintragungen durch. Nach Kristiansand: morgen 4.45 Uhr. Da mussten wir aber früh aufstehen. „You are searching a hotel?” „Jess.” „Go here and there and than there and there. Fine hotel.” „Ssänk juh werry matsch.” Wir gingen zum Motorrad zurück. Immer wieder betrachteten wir die schönsten Fahrscheine der Welt und hätten uns fast noch gestritten, da jede diese Wunderdinger tragen wollte. Sofort holte ich unser teuerstes goldenes mit Brillianten besetztes Etui hervor, um die Dinger auch standesgemäß aufzubewahren. Nein, keine Angst, liebe Leserin, das war einer meiner vielen Scherze. Wir würden doch nie unser teuerstes Stück mit uns rumschleppen und obendrein besaßen wir so was auch gar nicht.
„Was hat die Frau gesagt? Wo liegt das Hotel?” „Keine Ahnung, das konnte ich mir auch nicht so schnell merken.” Wir fuhren erst mal los in Richtung Innenstadt und kamen an mehreren Hotels vorbei. Allerdings erschienen uns die einen als zu nobel und damit zu teuer und die anderen als zu schäbig. Endlich meinte es das Schicksal doch noch gut mit uns. Wir hielten an und traten ein. „Gutten Tack, wass kann iss füa Ssie tunn?” Wir erstarrten. Da hatte uns doch jemand auf Deutsch angesprochen. Woher hatte die Person gewusst, woher wir kamen? „Ssie ssint ssisserliss die Frrau Main?” „Ja, aber woher wissen Sie das?” „Die Fährkasssssse hatt unsss ssohn angerufen.” „Das ist aber Service!” „Sssie könnenn gern bei unsss wohnenn.” „Ja, aber mit dem größten Vergnügen.” Der freundliche Mann um die dreißig schob mir ein Anmeldeformular über den Tresen. Schnell hatte ich dieses ausgefüllt und ihm zurückgegeben.
„Sssie könnenn in Sssimma sssiebsssehn wohnenn. Hier issst der Ssslüsssel. Wenn Sssie etwasss sssu esssenn mösss-ten, gehen Sssie bitte gleisss insss Restaurant.” Wir möchten nicht nur wasss sssu esssenn, wir waren ausgehungert und jedem Elch, dem wir begegnet wären, hätte sein letztes Stündlein gessslagen.
Wie die hungrigen Wölfe fraßen wir uns die Ssspeisssekarte rauf und runter. Nachdem wir so aufgefüllt waren, dass wir kaum noch aufstehen konnten, begaben wir uns noch einmal zur Rezeption. „Isss weisss, ihresss Fähre fährt um vieruhrfünfundvierzig. Isss werde Sssie um dreiuhrnullnull aufwecken. Ein Frühssstück wird für Sssie bereitsssein, okay?” „Ja, danke!” Ich war immer noch erschlagen von den intimsten Kenntnissen dieses Menschen. Die Kommunikation in Dänemark musste ja sehr gut funktionieren.
Ich hatte jetzt aber keine Lust mehr, über so komplizierte Dinge wie die telefonische Kommunikation der Dänen nachzudenken. Schnell waren wir unter der Dusche und noch schneller im Bett. Schon bei der ersten liebevollen Liebkosung war ich eingeschlafen.
Ich träumte, dass ich auf dem Mond spazieren ging. Ich hüpfte von Krater zu Krater und fühlte mich leicht wie eine Feder. Ich blieb stehen, um mir die gleißende Landschaft anzusehen. Ein Meteoritenschwarm kam auf mich zu und die großen Steine schlugen rechts und links neben mir ein. Sofort zog ich den Kopf zwischen die Schultern, um einem eventuellen Treffer zu vermeiden. Die Gesteinsbrocken wurden immer größer und größer und das Getöse der Einschläge immer lauter und lauter. Jetzt mischte sich auch noch eine Stimme ein. „Würden Sssie die Güte haben und jessst bitte aufssstehn?” Mila und ich sssreckten hoch. „Jaha, wir sssind wahach!” „Guten Morgen! Isss werde unten auf Sssie warten, okay?” „Jaha, wir kommen gleisss.”
Schwerfällig wühlten wir uns aus dem Bett. Meine Armbanduhr zeigte drei Uhr fünf. Der Mann hatte also Wort gehalten. In Windeseile waren wir angekleidet. Nicht eine einzige Strumpfhose ging bei dieser Blitzaktion kaputt und schon hatten wir unsere paar Sachen wieder eingepackt und schon waren wir die Treppe runter und saßen am spärlich beleuchteten Tisch im Restaurant. Auf jeder Seite des Tisches stand ein Teller Cornflakes in Milch. Brot oder Brötchen oder Wurst oder Käse oder ein Ei, nichts hielt sich zufällig in unserem Blickfeld auf.
„Ist das unser Frühstück?” „Ja, dasss ist ihr Frrrühssstück. Guten Appetit.” Na, ja, dachte ich so bei mir, der hatte wirklich genug Arbeit mit uns und sich so viel Mühe gegeben. Jetzt werde ich ihn nicht noch in die Küche scheuchen, um uns ein Ei zu kochen. So löffelten wir unsere schmackhaften Cornflakes aus, bezahlten die ziemlich happige Rechnung, verabschiedeten uns von dem netten Mann – er hielt uns sogar noch gähnend die Tür auf – und machten uns auf den Weg.
„Markt und Straßen steh`n verlassen. Hell erleuchtet jedes Haus...” Dieses alte Gedicht fiel mir ein, als ich durch die spärlich beleuchteten Straßen dem Hafen entgegenfuhr. Zumindest dachte ich, dass ich ihm entgegenfuhr. Mila meinte, dass wir in dieser Gegend bestimmt noch nie gewesen seien. So kehrte ich um und wir starteten noch mal vom Hotel aus. Diesmal klappte es und schon nach kurzer Zeit leuchtete uns das Hafenschild entgegen.

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