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Die Angst geht um in Narrenberge


von Margaretha Main

satire
ISBN13-Nummer:
9783837025897
Ausstattung:
Paperback
Preis:
4,90 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Books on Demand GmbH, Norderstedt
Kontakt zum Autor oder Verlag:
marmain@gmx.de
Leseprobe
Tja, liebe Mädchen und Frauen, heute will ich euch mal eine ganz unglaubliche Geschichte erzählen, die sich so natürlich nicht abgespielt hat, aber trotzdem oder ob-wohl gerade deshalb erwähnenswert ist. Nun geht es gleich los! Also, ihr kennt doch sicherlich alle Narrenberge, nä? Nein? Das ist ja komisch. Narrenberge kennt doch jedes Kind! Na, dann will ich euch mal ein bisschen infor-mieren. Narrenberge ist ein relativ großes Dorf – oder ist es eine kleine Stadt? – nee, es ist ein großes Dorf in Nord-deutschland. Wo Norddeutschland liegt wisst ihr aber oder? Der Bürgermeister, Herr Einrenk – ja, so heißt der Mann – redet von einem aufstrebendem Dorf. Der Göttin sei Dank, heißt er nicht Ausrenk, sonst wäre Narrenberge wahrscheinlich ein abstrebendes Dorf. Aber ich will mich jetzt hier nicht an Kleinigkeiten oder so festbeißen. Wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass es sich bei Nar-renberge um ein aufstrebendes Dorf handelt. Und was machen aufstrebende Dörfer so im Allgemei-nen? Richtig, Sie streben auf. Wären sie abstrebend, wür-de kein Mensch aufstrebend sagen, nicht wahr. Aber das hatten wir ja schon weiter oben, nä? Es ist der elfte November. Morgens um fünf Uhr ist noch alles friedlich. Die meisten Bewohnerinnen und Bewoh-ner schlafen noch. Nur ein paar Wenige sind schon auf den Beinen. Die Bäcker sind schon fast fertig mit ihrer Backerei und die Tankstellenfrau, Frau Blausprit, öffnet ihre Tankstelle. Die ersten Autos fahren über die Haupt-straße, um Pendlerinnen und Pendler zur Arbeit in die umliegenden Städte zu bringen. Wie schon erwähnt, es ist alles friedlich in Narrenberge. Gegen halb sieben nimmt der Betrieb stark zu. Die Bäckerin, Frau Mischbrot, öffnet ihren Laden, die Ver-käuferin für Eisenwaren, Frau Nagel, auch und natürlich Herr Bild, der Mann, der Zigaretten und Zeitungen und Schulhefte und so was verkauft. Die Krankenschwester von der ambulanten Pflegestation, Frau Einlauf, hat sich ebenfalls in ihr Auto geschwungen, um den Nachturin ihrer Patientinnen pünktlich zu entfernen. Um Punkt acht öffnet der erste Lebensmittelladen seine Pforten. Die Chefin, Frau Stempelgern, die gleichzeitig auch die Postfiliale von Narrenberge führt, ist zwar noch nicht so ganz wach, stellt sich aber, gemeinsam mit ihrem Mann, Herrn Tütensupp-Stempelgrün, tapfer dem lang-sam einsetzenden Kundinnenstrom zur Verfügung. Vor den Schulen geht jetzt die Post ab. Ein Meer aus Kin-dern wälzt sich den Gebäuden entgegen. Das Geschrei kann frau wahrscheinlich auch ohne Hörgerät locker noch auf dem Mond hören. Der PKW- und LKW-Strom ist fast explodiert und eine kleine Blechlawine schiebt sich durch den Ort. Es geht oft nur langsam voran, weil es immer wieder böse Bengels gibt, die sich einen Spaß daraus machen, völlig blödsin-nig auf Knöpfe zu drücken, die sich an zufällig herum-stehenden Ampeln befinden. Nicht, dass sie vielleicht so trockenen Fußes die Fahrbahn überqueren wollten. Nein, ganz im Gegentum! Sie finden es lustig, wenn die Autos anhalten müssen. Dann drehen sie den Insassen eine lan-ge Nase und freuen sich, wenn junge GTI-Affen fast aus-flippen ob der ungewollten Pause. Kaum springt die Am-pel auf grün, brausen diese dann mit quietschenden Rei-fen davon. Es gibt eben Menschen – ich will sie mal so bezeichnen, obwohl mir das manchmal schwer fällt –, die versuchen – natürlich völlig aussichtslos – ihre mangeln-de Hirnleistung mit dem Gasfuß auszugleichen. Um neun steht die erste Hausfrau in der Tür. Um zwei nach neun die Zweite und um drei nach neun die dritte. Während die nicht anwesenden Hausfrauen aus der Nachbarschaft knallhart durch den Kakao gezogen wer-den, liegt Nachbarin Nummer vier schon wieder auf dem Rasen. Sie hat sich um Punkt Viertel vor neun ihre Leinen neu gespannt und richtet nun das arme Gras danach aus. Mit der Nagelschere schnippelt sie jedes überstehende Kräutlein ab, um die ebenste Rasenfläche der Welt zu ha-ben. Fluchend und zeternd kriecht sie dräuend auf jeden Grashalm los, der es gewagt hat, mehr als einen halben Millimeter über die Normhöhe hinauszuwachsen. Ein wildes Gemetzel setzt augenblicklich ein und das Ge-schrei der Grashalme ist weithin zu hören. Ab und zu übertönt es sogar das Geschrei der Schulkinder, die sich um diese Zeit auf dem Pausenhof gegenseitig vermöbeln. Schon mehrmals hatten die Grashalme überlegt, eine Ge-werkschaft oder eine Selbsthilfegruppe zu gründen, um gemeinsam gegen diese Schweinerei vorzugehen, aber leider sind sie sich nie einig geworden. Und waren sie sich mal einig, kam mit Sicherheit die Alte dazwischen und machte ihnen aufs Neue den Gar aus. Um fünf nach neun überrascht die erste Kundin den Apotheker, Herrn Pillendreher, mit seiner schönen und vor allem jungen Mitarbeiterin, Fräulein Generika, beim Techtelmechtel. Und um sieben nach neun öffnet die Fili-alleiterin, Frau Wechselgeld, endlich die Bankfiliale. Der Dorftrottel, Herr Steinhäger, ist schon um diese Uhr-zeit sehr angetrunken und juckelt mit seinem ollen Fahr-rad Schlangenlinien fahrend über den Bürgersteig. Sein penetranter Körpergeruch hängt noch Stunden später in der Luft.
Klappentext
Margaretha Main, die elfengleiche Retha und eine Lausefrau, wie sie im Buche steht, beschreibt das Leben in Narrenberge. Unbekannte Strichmännchen aus dem All bringen sowohl den Herrn Ministerpräsidenten, als auch Polizisten, Bäckereifachverkäuferinnen und Bürgermeister an den Rand des ganz normalen Wahnsinns. Selbst ein Milchlasterfahrer wird am Verzehr seiner gebutterten Rosinensemmel gehindert. Die Angst geht um in Narrenberge ist Humor pur für Mädchen von neun bis neunzig.
Rezension
Dieser temporeiche Scincefictionkrimi ist ein Meisterwerk des Genres Satire. Margaretha Main breitet ihr wortspielerisches Können vor dem Leser so geballt aus, dass man eigentlich nur zwischen Schmunzeln und Lachen wählen kann. Ein Ufo landet ganz in der Nähe eines Dorfes im Moor. Das bringt nicht nur die Hausfrau und den Dorftrottel aus der Fassung. Sogar die lokale Prominenz gerät in Angst und Schrecken. Der Ministerpräsident und der Bürgermeister integrieren das Ufo in ihren Wahlkampf. Der Spielfrauenzug, ein paar Klingeltonverkäufer und eine Bäckereifachverkäuferin nutzen die Gunst der Stunde, um ihr Leben und das anderer Menschen nachhaltig zu verändern. Margaretha Main ist es großartig gelungen, die Charakäre nachzuzeichnen und so in die Geschichte einzubauen, dass einem die Ironie buchstäblich entgegenschlägt. Ufos können die Welt verändern - auch wenn nur für kurze Zeit.