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> Satire > Das Leben kann sowas von schön sein
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Bücher Satire
Buch Leseprobe Das Leben kann sowas von schön sein, Margaretha Main
Margaretha Main

Das Leben kann sowas von schön sein


Band 7 der Elfen-Reihe

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Vor vielen Jahren war ich mal wieder im Schwimmbad. Ich dachte, ich müsste mal wieder was für meine nicht vorhandene schlanke Linie tun und so bin ich in ein Wellenbad gefahren. Dort wollte ich mich mal so richtig verwöhnen lassen. Ich bezahlte also den Horroreintrittspreis und suchte mir eine Umkleidekabine. Schon hatte ich den Bikini an. Hätte wohl bei meiner Fülle lieber einen Badeanzug mitnehmen sollen, aber nun war es zu spät für Eitelkeiten und raus wollte ich nun auch nicht mehr. Dann hätte ich ja die ganze Kohle umsonst ausgegeben, da der unfreundliche Mann an der Kasse mir das Geld bestimmt nicht zurückgegeben hätte. Was hätte ich dem auch erzählen sollen. Und mit Schlafzimmerblicken habe ich das nicht so. Mag ja sein, dass einige Damen mit solchen Utensilien durchkommen, aber mir liegt so ein Getue nicht so richtig.
Nach der ersten Überwindung ging ich mutig in den großen Raum mit dem vielen Wasser. Langsam stieg ich in die salzige Brühe. War doch kälter als gedacht. Mit den Füßen und Beinen habe ich da eigentlich nicht so das Problem, aber wenn das Wasser dann höher steigt, wird es erst mal ein bisschen kribbelig. Wo? Na, das wisst ihr doch ganz genau. Nach etwa drei Stunden hatte ich dann auch endlich meine Mitte befeuchtet und jetzt kam der Moment, den ich am allermeisten hasse: Ich holte tief Luft und tauchte meinen ganzen Revuekörper unter.
„Du bis abba ne Memme. In der Zeit bin ich ja schon zehn Ma hin un her geschwomm.“ Ich drehte mich um und sah mich mit einem etwa fünfjährigen Mädchen konfrontiert, dass mich ganz interessiert anstarrte. Mein Bu-sen, wie ihr wisst immerhin Cup B, hatte es ihr besonders angetan. Na ja, hatte woll doch in den letzten zwanzig Jahren eine klitzekleine Geringfügigkeit zugelegt und so bedeckte mein ehemals völlig ausreichender Bikini-BH nicht alle Hautpartien, die er eigentlich hätte bedecken sollen. Da ich aber ja, auch wie ihr wisst, vor Selbstvertrauen nur so strotze, ließ mich das völlig kalt. Wo kämen wir denn da hin, wenn ich, Margaretha Main, eine wirklich gestandene Frau und mit der reichlichen Lebenserfahrung von über zwanzig Jahren (hahaha), mich von so einer Göre aus der Fassung bringen ließe.
Stur blickte ich nach vorn. Das war immer das beste Mittel, um vorlaute Kinder das Fürchten zu lehren oder sie zumindest von weiteren verbalen Attacken abzubringen. Leider hatte ich mich bei diesem Individuum recht gründlich getäuscht. Dieses kleine Aas ließ sich nicht durch meine Ignoranz ablenken.
„Bist du abba ne Memme. Du bis ja imma noch fast trockn.“ Ich überlegte kurz und ignorierte die Kleine weiter. „Nu sach ma enlich! Warum brauchste denn so lange? Das Wassa is doch gar nich so kalt. Kuck ma, ich tauche einfach unta un ganix passiat.“ Ich musste mir selbst eingestehen, dass mir das Ignorieren imma, nein, immer schwerer fiel. „Soll ich dia mal n bisschen helfn?“
Ohne eine wirklich weise Antwort von mir abzuwarten, sprang sie aus dem Stand etwa zehn Meter in die Luft, um dann mit einem grandiosen Bauchklatscher nur wenige Millimeter vor mir in das wahrlich eisige Wasser einzutauchen. Ihre enorme Flutwelle überrollte mich und so machte ich ganz unwillkürlich, und ohne es wirklich zu wollen, einen großen Schritt rückwärts. Leider führte meine schnelle und wahrlich unüberlegte Aktion nicht zum erwünschten Erfolg. Die Flutwelle hatte mich trotzdem überrollt und obendrein fühlte ich hinter mir einen massiven Widerstand.
Ein freundlicher Herr, so an die neunzig, hatte sich mir entgegengestellt. „Nanana, junge Frau! (Durch diese Lüge hatte er etwas gut bei mir) Sie müssen doch aufpassen wohin sie treten!“ Der ältere Mann sah mich mit einer Mischung aus Freude und schmerzverzerrtem Gesicht an. Die kleine Ziege neben mir jauchzte vor Glück und konnte sich über mein Missgeschick gar nicht wieder einkriegen. „Dass ich das in meinem Alter noch er-leben darf, dass so ne junge hübsche Frau (jetzt hatte er zwei Sachen gut bei mir) mich hier überfallartig um ein Rängdewuh bittet.“
Gerade wollte ich ihm erklären, dass er trotz seiner Schmeichelei keine Schnitte bei mir hatte, als mich eine fürchterliche Welle erwischte. Diese Welle, ich hatte die gar nicht kommen sehen, warf mich erneut gegen die-sen lieben Herrn und ich spürte, dass spätestens jetzt die Zeit gekommen war, um die Notbremse zu ziehen, sollte das Ganze hier nicht in einem Desaster enden.
Irgendwie muss ich wohl im Stress gewesen sein, da urplötzlich ganz komische Worte aus meinem Mund hervor traten. „Ich bin vom anderen Ufer. Sie haben keine Chance und nun können sie auch bitte wieder ihre Hände von meinen Hüften nehmen.“ „Maamaa! Maamaa! Hia is ne Lesbe im Wassa!“ Augenblicklich richteten sich alle Augen der vielen tausend Schwimmerinnen und Schwimmer auf mich. Der Alte ließ mich sofort los und trat einen Schritt zurück. Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken. Leider ist das in einem Meerwasserwellenbad gar nicht so einfach. Ich konnte mich noch so suchend umsehen, nirgends war ein Mauseloch in Sicht. Na ja klar, hier wäre ja auch jede noch so kleine Maus innerhalb von Sekunden ersoffen.
„Maamaa! Maamaa! Nu kuck doch ma enlich!“ Am liebsten hätte ich der Kleinen eine runter gehauen, aber so was tut frau ja nicht. Ich holte kurz entschlossen tief Luft, ließ Eiswasser, Eiswasser sein und tauchte unter. Schon war ich aus der Gefahrenzone. Ja, das Tauchen konnte ich immer noch gut. Leider hatte ich nicht mehr so viel Luft wie früher und so blieb mir doch wirklich nichts anderes übrig, als nach hundert Metern wieder aufzutauchen. Als ich durch einen Film von Salzwasser wieder ein wenig sehen konnte, stellte ich fest, dass hundert Meter auch nicht mehr das wa-ren, was sie mal waren. Die blöde Kleine war mir locker über Wasser gefolgt. „Maamaa! Hia isse jez!“
Das wollen wir doch mal sehen! Lass ich mich hier unterkriegen oder was? Wieder holte ich tief Luft und versank in der Tiefe. Diesmal schoss ich mit Höchstgeschwindigkeit durchs Wasser. Selbst ein Delphin hätte mir da nicht folgen können. Ich tauchte bis auf den Grund und schwamm der Wellenmaschine am anderen Ende des Beckens entgegen. Die Luft wurde erneut knapp, aber diesmal sollte mich dieses vermaledeite Gör nicht erwischen. Mit dem letzten Gramm Luft tauchte ich wieder auf. Hahaha, jetzt hatte ich dieses Mistvieh aber abgehängt. Na ja, zumindest war ich nun nass und schwamm ein paar Züge, noch schwer gezeichnet von meinem Marathontauchgang, hin und her. Langsam stellte sich die Normalatmung wieder ein und es ging mir wirklich gut. Um auch weiterhin in Ruhe schwimmen zu können, blieb ich im Tiefen. Da traute sich die Kleine nicht hin.
Da ich allerdings alles andere als durchtrainiert bin, blieb mir nach nur acht Kilometern zurück gelegter Strecke doch nichts anderes übrig, als wieder ins flachere Wasser zu schwimmen. Ich wollte ja schließlich nicht ersaufen. Die Kleine hatte sich inzwischen ein anderes Opfer gesucht und spritzte eine alte Dame mit Wasser nass. Diese war auch nicht gerade begeistert und hielt sich die Hände vors Gesicht. Immer wieder erklärte sie dem Mädchen, dass sie keine Lust auf solche Spielchen hätte und die Kleine doch bitte sofort mit der Planscherei aufhören solle. Das Mädchen ließ sich nicht beirren und platschte weiter. Die Dame rief der Mutter ein paar Worte zu, die ich aber in dem allgemeinen Trubel nicht verstehen konnte. Ich sah nur, dass die Mutter so tat, als hätte sie nichts gehört, obwohl klar war, dass sie alles mitbekam, was ihre Tochter so fabrizierte.
Plötzlich schoss die rechte Hand der alten Frau nach vorn und ehe das Biest noch reagieren konnte, hatte es sich eine eingefangen. Das Mädchen stockte in der Bewegung, sah die Frau mit großen ungläubigen Augen an und fing an zu schreien wie am Spieß. Sofort eilte die angeblich nichts ahnende Mutter herbei, um ihrem armen geprügelten Kind beizustehen. Mit einem Satz hüpfte das Mädchen auf den Arm der Mutter und schrie und zeterte, als hätten irgendwelche Kannibalen beschlossen, dieses wirklich bedauernswerte Geschöpf, jetzt gleich auf dem offenen Feuer zu grillen.
Die alte Dame drehte sich nur angewidert um und watete davon. Die ach so behäbige Mutter mit dem kreischenden Gör auf dem Arm konnte plötzlich ziemlich aktiv werden und rannte der Frau hinterher. Sie umfasste von hinten ihren Arm und drehte sie mit Gewalt zu sich um. Nun fing die Mutter auch noch an zu schreien und ich trat näher, um alles mitzukriegen.
„Würden sie die unendliche Güte haben und diese Frau loslassen?“ Ja, ich hatte mich mutig eingemischt. Mutter und Tochter erstarrten. Mit so einem vehementen Widerstand hatten wohl beide nicht gerechnet. Mein Tonfall ließ erkennen, dass ich nicht in lustiger Stimmung war. Ja, so kannte ich mich. Jetzt hatte ich alles wieder unter Kontrolle.
Die alte Dame war herumgefahren und sah uns erschrocken an. „Haben sie es mit den Ohren? Ich sagte, sie sollen die Frau loslassen!“ Die liebende und beschützende Mutter wurde jetzt trotzig und verstärkte ihren Griff noch. „Das geht dich `n Scheißdreck an! Verpiss dich!“ Zornig blickte sie zu mir rüber. „Haben wir schon mal irgendwo zusammen gefeiert? Ich kann mich nicht daran erinnern.“ Jetzt war die Mutter perplex. „Wieso fragst du so blöd? Ich kenn dich nich un nu hau ab!“ „Ja, ganz genau, das meine ich ja. Wie können sie mich einfach duzen, wenn wir uns nie begegnet sind? Und nun, liebe Frau, lassen sie die Dame los!“ Sie tat es nicht und so machte sich doch glatt mein Bein selbstständig. Wie das nur immer wieder passieren konnte? Es gab doch wirklich Momente in meinem Leben, in denen sich einige meiner Körperteile wie von Geisterhand ganz von allein bewegen. Na, jedenfalls zuckte mein Knie nach oben und traf den Arm der Mutter von unten. Schon war die Verbindung zur alten Dame gelöst. Diese schaltete sofort und watete schnell davon. Ehe die liebende Mutter aus ihrer Schreckensstarre erwachte, hatte ich schon wieder ganz tief Luft geholt und war verschwunden. Als ich etwa zweitausend Meter weiter wieder auftauchte, sah ich, dass Mutter und Tochter auf dem Rückzug waren. Bei-de trollten sich und setzten sich auf eine am Rand stehende Liege. Weder der alten Dame noch mir wurde noch ein einziger Blick geschenkt. So zogen wir lustig unsere Bahnen und lächelten uns immer wieder an, wenn wir uns begegneten.

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