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Bis dass der Tod uns endlich scheidet


von M. K. Ruppert

satire
ISBN10-Nummer:
3831114706
ISBN13-Nummer:
9783831114702
Ausstattung:
Serie je 136 Seiten, 17 x 24 cm
Preis:
17,28 €
Verlag:
-kein Verlag-
Kontakt zum Autor oder Verlag:
ideefabrik [at] gmx.de
Leseprobe
Von Alibi zu Alibi Als meine Freundin letzten Donnerstag von ihrem ausgedehnten Einkaufsbummel zurückkehrte, fand sie mich im Wohnzimmersessel mit einer roten, brennenden Silvesterrakete im Mund.Mit den Worten ‘Um Gottes Willen, spinnst Du?' riss sie mir den Explosionskörper aus dem Schlund und warf ihn ins Aquarium,noch bevor ich sie daran hindern konnte.„Um ein Haar hättest du dich selbst in die Luft gesprengt, sind jetzt auch noch deine letzten grauen Zellen dahingegangen? Wenn ich nicht gekommen wäre, dann lägen jetzt deine Fetzen auf dem neuen Teppich." „Natürlich, dies war auch meine Absicht, und ein bisschen Sauerei hätte dem ganzen einen theatralischen Abgang gegeben." „Aber warum? Was ist denn passiert, während ich einkaufen war?" „Du hättest mich ohnehin umgebracht, da wollte ich es gleich selbst machen. Kurz und schmerzlos und ohne lange Folterqualen." „Willst du mir nun endlich sagen, was los ist. Hast du schon wieder meine Kontoauszüge über das Haushaltsgeld angesehen?" Bevor ich nun meiner Freundin schildere, was mich zu diesem drastischen Schritt bewegt hat, möchte ich dem geneigten Leser eine kleine Einleitung ins Geschehen geben. Es war Mittwoch Abend, ich war alleine im Kino und Susanna war diesmal dran mit dem Frühjahrsputz und wollte mich deshalb aus dem Haus haben.Nachmittags war ich gemütlich im Biergarten und abends, wie schon bekannt im Kino. Die Vorstellung musste bereits geraume Zeit zu Ende gewesen sein, als ich erwachte. Ich schlenderte verschlafen aus der Lichtspielhalle und kletterte beinahe einer vor der Kasse gebückten Blondine auf den Rücken.„Haben Sie etwas verloren?", erkundigte ich mich bei dem,zugegeben, knackigen Po.Dessen Besitzerin drehte sich darauf hin zu mir um und lächelte verkrampft. „Ich brauche dringend eine Kinokarte und eine leere Tüte Popcorn, zur Not geht auch eine leere Eiskonfektschachtel." „Eine alte Kinokarte und eine leere Konfektschachtel?", wunderte ich mich,„Wollen Sie meine haben?", fragte ich hilfsbereit. ""Haben Sie eine? Ja bitte, geben Sie sie 33 mir, Sie helfen mir damit aus einer peinlichen Verlegenheit. Ich erkläre es Ihnen", sagte sie, und dies war auch nötig.„Also, zuerst müssen Sie wissen, dass mein Mann ziemlich eifersüchtig ist, natürlich zu Unrecht." „Natürlich", nickte ich leicht ungläubig. „Jedenfalls glaubt er, ich war mit einer Freundin im Kino... war ich aber natürlich nicht... zufällig traf ich auf dem Weg zum Kino einen alten Schulkameraden. Um alte Erinnerungen aufzufrischen gingen wir in ein ... äh ... in ein Lokal, um zu essen. Jedenfalls muss ich jetzt meinem Mann erklären, warum ich so spät nach Hause komme. Ich werde die Kinokarte also wie zufällig auf den Tisch legen und die Eiskonfektschachtel versehentlich neben den Papierkorb werfen. Sie verstehen?", hauchte sie mit schelmischem Lächeln. Ich verstand und händigte ihr daher meine zerknüllte Kinokarte und die beinahe leere Popcorntüte aus.„Sie sind einfach Spitze", jauchzte sie wahrheitsgemäß und griff nach dem Corpus Delicti.Ungeschickt wie Frauen nun mal sind, ließ sie sich die Karte von einem Windstoß aus den Händen reißen und letzterer die Karte aufwirbelnd mit sich zog.„Um Gottes Willen", schlug sie die Hände über den Kopf, „mein Mann wird mir wieder wochenlang eine Szene machen. Womöglich haut er mir eine... aber daran will ich erst gar nicht denken".Ob Sie es glauben oder nicht, auch Satiriker haben ein Herz.Meist schwarz, aber dennoch.Und kein menschliches Wesen, geschweige denn ein Mann, wäre bei diesem verzweifelten Anblick nicht schwach geworden und hätte alles daran getan, dem seelischen Wrack zu helfen.Was blieb mir also übrig, dem ausgerissenen Kino-Billet nachzuhechten. Natürlich ist es nicht einfach, mit Sonntagsausgehschuhen wie ein Verrückter übers nasse Gras zu rennen.Bei einem Hackenschlag verlor ich den matschigen Boden unter den Füßen und es streckte mich der Länge nach ins feuchte Gras.Meine Hose war mit braunen und grünen Flecken übersäht, als hätte ich mich, wie in meiner Jugendzeit, mit einer Konkubine über die Wiese gewälzt. Freudestrahlend und tropfnass brachte ich der guten Frau ihr eingefangenes Alibi. „Sie haben mir das Leben gerettet", küsste sie mich vor Freude auf die Wange, „Sie haben mich gerettet." „Aber nicht doch.Hier nehmen Sie mein Taschentuch und wischen Sie sich ihr Makeup zurecht, nicht dass sich Ihr Mann noch wundert, dass Sie aus einer Komödie mit tränenden Augen nach Hause kommen." Ich schob mein Taschentuch wieder ein und machte mich auf den Heimweg. Bisher eine ganz harmlose Geschichte, beinahe rührend. Die gleiche Geschichte hatte ich meiner Freundin erzählt... „Siehst du, Susanna", nahm ich den gesponnenen Faden wieder auf „so kommt es, dass der Anzug voller Flecken ist, dass mein Taschentuch Make-up-Flecken hat,mein Hemdkragen Lippenstift und ich nicht mal eine Kinokarte habe, was mein Alibi bestätigen würde." Ich blickte sie mit treuen Dackelaugen an, als wäre ich die Unschuld in Person.„Du hast dich toll verhalten", sagte sie mit Hoffnung auf die gleiche Hilfe in einer ähnlichen Situation, „ich bin stolz auf dich." Mit einem weiteren Kuss und einem hinterlistigen Grinsen fischte ich die Feuerwerkskörper- Attrappe aus dem Aquarium und schlenderte in Richtung Garage.Was bin ich doch für ein ... wie sagt man ... genau ... hilfsbereiter Mensch. Eine treue Seele durch und durch.Niemals würde ich jemanden in meine Alibis hineinziehen, wie diese treulosen Weiber...
Klappentext
Mit der Sorgsamkeit eines arabischen Chirurgen machte er einen Silikonabdruck der Revolverkugel, die er vorher in eine alte Matratze gejagt hatte. Aus dem gummiartigen Negativ baute er eine Form, wie zum Guss von Zinnsoldaten. Genau, wie er es in seiner Jugend immer für den männlichen Teil seiner Schulklasse getan hatte. Er platzierte die Form, nachdem er selbige mit destilliertem Wasser befüllt hatte, in das Gefrierfach seines alten Kühlschrankes und stellte die höchstmögliche Kühlstufe ein. Und wenn die eisige Revolverkugel erst einmal genug gekühlt sein würde, würde er sie wieder in die lauernde Patronenhülse einsetzen.Wenn dann die glasklare Kugel erst seine Gattin - wie ein Armbrustpfeil einen Apfel - durchbohren würde, würden die Ballistiker des Gerichts nichts als eine wässrige Pfütze H2O vorfinden.Und selbst Sherlock Holmes wäre es nicht mehr möglich, anhand dieser veränderten Tatsachen, die todbringende Kugel dem richtigen Revolver zuzuordnen,welche zu diesem Zeitpunkt längst am Grunde des Gardasees ruhen würde. Vor einigen Tagen hatte er bereits versucht, sie mit Zyanit zu vergiften, aber seine Frau hasste den Mandelgeschmack in seinen Rezepten. Außerdem tat er gut daran, sich anders zu entscheiden.
Rezension