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Reiseberichte
Buch Leseprobe Unterwegs, Ufniarz / Doberitzsch / Weiss
Ufniarz / Doberitzsch / Weiss

Unterwegs


Von Abenteuern, Katastrophen und Amüsantem!

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Es dauerte nicht lange, nur knappe drei Minuten, dann haben sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt. An das Dunkel der beruhigenden Nacht. Nur die Geräusche der Natur umfangen mich. Brechenden Wellen. Weit draußen aufgetürmt rauschen sie in beeindruckender Geschwindigkeit auf das Ufer zu und fallen


mit Getöse wieder in sich zusammen. Beeindruckende Urgewalten, welche wohl schon vielen zum Verhängnis


wurden. Vielleicht zeugt die hier schon fast vermoderte Planke von einem solchen Schicksal. Vielleicht ist es aber auch ein Überrest des Atlantikwalls von 1943, welcher langsam aber sicher vor mir immer weiter vom Sand begraben und der See verschlungen wird. Geschichtsträchtig unterliegen auch sie den Naturgewalten, den nichts ist für die Ewigkeit.


Im Jahre 1940 wurde Dänemark in nur einem Tag von den Deutschen besetzt. Folgend wurde versucht die Küste, das neue Territorium, durch eine Verteidigungslinie zu schützen. Diese ca. 2685 Kilometer lange Stellungslinie zieht sich über die Küsten der Nordsee, des Ärmelkanals und des Atlantiks. Ein enormer Verteidigungswall von Norwegen bis nach Südfrankreich. Er wurde innerhalb von zwei Jahren geplant, da Hitler aufgrund einer missglückten Landung der Kanadier die gesamte Küste zum Atlantikwall befahl.


Hierzu fehlte es aber überall an Material! Stahl und Beton wurden aus dem ganzen Land hergeschafft, Teile alter Grenzbefestigungen abgebaut und sogar erbeutetes Kriegsmaterial verwendet. Sprenggranaten, Hemmbalken, Minen, Wassergräben, Panzersperren, Brandfallen, Stacheldrahtverhaue und Unterstände bestückten die Abstände der Wiederstandsräume.


Die Besitzer küstennaher Gebäude wurden einfach enteignet und die Häuser in die Anlage integriert. Ein Projekt der Superlative. Der Wall bestand zum Kriegsende, im Jahre 1945, aus guten 8200 Bunkern mit Mauern bis zu drei Metern Dicke. Er konnte aber auch bis zum Kriegsende nicht fertiggestellt


werden. Es wurden Arbeiter aller Nationen, freiwillig und unfreiwillig, zum Bau eingesetzt. Dies war in Verbindung mit der Untergrundbewegung wahrscheinlich auch die Möglichkeit viele Sabotageakte durchzuführen, welche durch die immer stärker werdenden Luftangriffe der verbündeten Streitkräfte unterstützt wurden. Zu sehen sind noch die alten Beobachtungs – sowie die Feuerleitstände, die untereinander mit Schützengräben verbunden sein mussten.


Wer weiß was sich hier vor Jahren abgespielt hat? War der Widerstand genauso stark wie die Resistance in


Frankreich oder gab es hier und da nur vereinzelte Zerstörungsakte? Wurde gestreikt um die Zulieferung an Rohmaterial zu unterbinden, wie war die Führung? Waren es Sabotageakte die in vereinzelten Aktionen durchgeführt wurden oder war man organisiert in Gruppen und Zügen? Hat man sich als Arbeiter eingeschlichen und den Beton falsch vermengt, auslaufen lassen, LKW gekippt oder wurde auch gesprengt?


Ich sehe sie klar vor meinen Augen, wie sie sich gemeinsam in dunkler Kleidung tief über die Düne bewegen, um nicht gesehen zu werden. Der Wind bläst eine Brise über den Strand und verschluckt mit den Wellen jedes weitere Geräusch. Der Wind peitscht ihnen schmerzhaft den Sand ins Gesicht und zerrt an der Kleidung, doch sie kennen nur eines: Ihre Aufgabe in dieser Nacht zu erledigen! Ungesehen gleiten sie über das Gras, der Sand zerrinnt zwischen ihren Fingern und rutscht die Düne hinunter. Wie Schlangen, sich fortbewegend auf Ihr Ziel, nähern sie sich immer weiter dem Objekt ihrer Begierde. In der Ferne, angelehnt an einen Haubitzenstand, Wachen. Wachen die versuchen, sich in den Schützengräben und hinter festen Bauwerken aus dem Wind zu halten. Wachen, gestresst durch den langen Dienst, sich nur nach Schlaf, Nahrung und Sold


sehnend. Eine Zigarette im Windschatten bringt für sie schon etwas Wärme in den Körper, der durch den Wind auskühlt. Die Uniform wird verflucht und die Zigarette leuchtet im Dunkeln wie ein Ziel, mit jedem Zug als kleines Licht im Dunkeln weithin für jeden sichtbar auf. Die Gefahr wird verkannt, verkannt weil sie zu lange ertragen werden musste und man sich nicht die Freiheit hier und jetzt zu Rauchen nehmen lassen will. Ein verräterisches und gefährliches Verhalten, gefährlich nicht nur für unseren Genießer, sonder auch für seine


Kameraden. Aber alle haben genug, genug vom herumstehen, genug vom Wache schieben. Sie wollen nur weg.


Während die Position der meisten Wachen ausgemacht wurde, nähern sich leise einige schwarze Punkte dem Geschützstand. Ungesehen und leise, das Rauschen des Meeres nutzend, stochern sie mit langen Messern Zentimeter für Zentimeter den Sand vor ihnen nach Minen ab. Es scheint, als ob dieser nächtliche Sabotageakt erfolgreich verlaufen wird. Die Wachen sind entspannt, für sie wird es eine weitere ruhige Nacht, eine weitere Nacht in der nichts passieren wird. Für unsere Freunde jedoch ist jede Bewegung eine Qual. Langsam, leise, das Herz pochend bis zum Anschlag, der Kehlkopf verkrampft, die Kleidung verschwitzt und mit Sand verklebt. Meter für Meter geht es vorwärts. Langsam, Leise, denn jeder Meter kann für sie der letzte sein. Doch ihr Ziel, ihre Aufgabe, ihr Herzblut trägt sie weiter. Unsere Raucher verrichten zwischenzeitlich ihren Job, verraten sich und ihren Dienst, tun es nur noch des Geldes und des Zwanges wegen, extrem


unprofessionell. Unsere Freunde tun es aus Überzeugung!


Sie erkennen die Gesichtskonturen, sind sehr nah dran, können schon einzelne Wortfetzen hören, aber die Brandung ist zu laut. Jetzt haben sie den Vorteil, haben ihren Feind erkannt und können alles Weitere auch zu ihrem Vorteil nutzen. Für die Wachen wird es gefährlich, doch sie ahnen nichts. Die Voraberkundung hat sich gelohnt. Nur eine Wache fehlt, die anderen Mannschaften befinden sich in den Unterkünften. Es war ein Leichtes durch ihre Linien bis zur breiten Front zu gelangen, denn sie sind müde. Müde der Arbeit, desillusioniert ihrer Aufgabe. Bloß niemanden aufscheuchen, bloß nicht den Vorteil der Überraschung verspielen, sonst wird der Rückweg unendlich schwer. Ein Rückweg gegen aufgescheuchte Mannschaften,


die nichts anderes wünschen, als das der tägliche langweilige Ablauf im Dienst durch irgendwas unterbrochen


wird. Sie sind heiß, heiß auf Veränderung, mit masse kampferprobt und somit gefährlich! Keiner unserer Widerstandskämpfer hätte noch vor Monaten geglaubt, dass er mit Sprengsätzen bewaffnet am eigenen


Strand, nur wenige Kilometer von der nichtsahnenden Familie entfernt, gegen einen Besatzer zugange sein wird. Niemand durfte es wissen, der Sicherheit wegen. Der eigenen, der Gruppe sowie der Familie. Auf einmal aufgrund der Überzeugung ausgestoßen aus dem normalen zivilisierten Leben. Ein Geheimnis verbergend was langsam aber sicher die eigene Sippe zerrüttet. Doch jetzt sind sie hier, gefunden haben sie sich


aus Überzeugung und sie sind weit gekommen. Sie befinden sich schon im Schatten eines Bunkers,


können sich so zumindest in eine Richtung sicher wähnen. Endlich sind sie im Schatten eines festen Objektes, aus dem Schein des Mondes heraus. Eigentlich wollten sie mit der Aktion noch warten, bis der Vollmond vergeht, aber es hat sie gedrängt, endlich etwas zu unternehmen. Denn mit jedem Tag wurde es schwieriger, sich zu verstecken und zu organisieren. Der Feind schläft nicht. Er verstärkt seine Truppen, verstärkt den Einsatz des Geheimdienstes und findet Überläufer. Die Zeit lief ab!


Mit den Händen ertasten sie den Beton, Beton der die über den Tag aufgenommene Wärme wieder abstrahlt und ihnen Sicherheit gibt. Die Sicherheit, sich wenigstens einigermaßen verstecken zu können. Sie sind zu dritt und atmen heftig. Keiner von Ihnen war im Vorfeld im Widerstand integriert oder hatte irgendwelche Erfahrung. Alte Hasen hatten sie eingewiesen, der Kopf des Widerstandes hat sie in kurzer Zeit geschult und das Nötigste in sie eingebleut. In ihren jungen Jahren versuchen sie eine Aufgabe durchzuführen, eine Aufgabe von der viel abhängt, eine Aufgabe die nicht nur ihnen zugute kommen wird. Keiner kennt den anderen, eine Sicherheitsmaßnahme der Widerstandsführung. In kurzer Zeit mussten sie sich finden und nun sind sie hier. Ihr Schweiß ist zu riechen, ihre Angst zu verspüren, doch es geht weiter. Sie verteilen sich, verteilen sich, um an der vordersten Front die Ladungen anzubringen. Geschütztürme und Bunkeranlagen sind ihr Ziel. Das Ziel der Zerstörung für heute Nacht. Sie wissen, es ist nur eine kleine Aktion, aber es ist die erste, weitere werden folgen, und jede weitere wird schwieriger werden. Doch es soll Unsicherheit gestreut werden. Unsicherheit in den Reihen des Feindes. Dies wird ein Lauffeuer entzünden. Der Feind wird sie spüren, sich zu keiner Zeit mehr sicher fühlen. Er wird Fehler machen, Fehler die der Widerstand in unterschiedlichen Situationen nutzen wird. Sie wird nützlich sein, egal wie diese Aktion enden wird. Eigentlich haben sie jetzt schon die Aktion erfolgreich beendet: Sie haben die Bereitstellungsräume erfolgreich passiert und befinden sich direkt an der vordersten Verteidigungslinie. Jetzt wollen sie nur noch die Sprengladungen anbringen und unerkannt verschwinden. Nun heißt es: Jeder für sich. In ein paar Tagen wird man sich


wiedertreffen. Wiedertreffen, um hoffentlich anstoßen zu können, aus den ersten Erfahrungen zu lernen und weitere Aktionen gemeinsam vorzubereiten. Sie verteilen sich, suchen ihr Ziel, schleichen um Wachen herum und stellen die Zünder ein während langsam die Zeit verstreicht. Die Sonne steigt über dem Meer auf, die Zeit drängt, die Wachablösung läuft schon, jetzt heißt es einen kühlen Kopf bewahren und entscheiden.


Wie mag es ausgegangen sein? War es überhaupt so, hat sich hier überhaupt etwas abgespielt im Widerstand?


Ich sitze einfach hier und weiß nichts davon. Sehe nur das Meer, zerfallene Bunker und Bauwerke. Pure Ruhe, bis die Helligkeit sich einschleicht und langsam aber mit zielstrebiger Sicherheit die Dunkelheit durchbricht. Sie treibt mich mit den wiedereinsetzenden Geräuschen der Zivilisation hinter die Dünen, wo mir Büsche und Sträucher mit ihren ausladenden Zweigen den Weg in das Landesinnere weisen. Den Weg an


 


den sicheren Frühstückstisch.


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