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Reiseberichte
Buch Leseprobe Sonne, Brot und Wein, Thomas Illés d. Ä. - Hg: Ruszkowski, J.
Thomas Illés d. Ä. - Hg: Ruszkowski, J.

Sonne, Brot und Wein


Wohnsitz Segelboot - Band 31 gelbe Reihe

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Über Langzeitsegler:
Wir – Thomas (68) und meine Frau Therese (55) – gehören der weitgehend unbekannten Menschenrasse Langzeitsegler an. Freizeitsegler, die kennt man, die segeln nach getaner Arbeit, an Wochenenden oder im Urlaub. Man nennt das Hobby, obwohl es oft, wenn auch nicht immer, viel mehr ist: Leidenschaft, Lebensphilosophie. Einige haben ihr eigenes Boot, auf einem Binnensee oder auch auf dem Meer, die meisten chartern aber eines mit ein paar Freunden oder Bekannten zusammen während weniger Urlaubswochen pro Jahr. Chartercrews sind Menschen, die ihre Arbeitsalltagshektik, den Termin- und Effizienzdruck unseres Turbokapitalismus, mit anderen Mitteln fortsetzen. Auch wenn sie es selber nicht merken – ich weiß wovon ich spreche, ich selber konnte früher auch nur im Urlaub segeln. Bekannt sind auch die Weltumsegler (Insider sprechen lieber von Blauwasserseglern oder Langstreckenseglern). Obwohl es sich seit Kolumbus herumgesprochen hat, dass die Welt rund ist, ist es immer noch etwas Besonderes, seine Heimat in westlicher Richtung zu verlassen und nach drei oder mehr Jahren vom Osten her heimzukehren. Die meisten machen Station in der Karibik, fahren durch den Panamakanal und überqueren den Pazifischen Ozean, laufen Südseeinseln mit exotisch klingenden Namen an, obwohl inzwischen auch dort die gleichen Getränke-, Hosen- und Hamburgermarken konsumiert werden. Die unendlichen Weiten der Ozeane, viele Wochen lang nur Wasser und Himmel, sind aber noch die gleichen wie vor Jahrhunderten.
Alle diese Menschen sind so genannte Fahrtensegler – dies im Gegensatz zu den Regattaseglern, die nicht nur einfach von A nach B gelangen, oder die Faszination der Tatsache, dass sie und ihr Boot sich allein mit der Kraft des Windes fortbewegen, erleben wollen, sondern Rennen fahren.
Was sind aber Langzeitsegler? Menschen, die viele Monate, Jahre, auf ihrem Boot leben, ohne deshalb gleich die Erde zu umrunden.
Manche tun es zwar, sie sind aber eher die Ausnahmen. Ihr auffallendstes gemeinsames Merkmal ist, dass sie Zeit haben. Wie auch das auffallendste Merkmal der meisten anderen Menschen genau das Gegenteil ist, zumindest in den hoch entwickelten Ländern, wo die Mehrheit genug oder mehr als genug Geld hat; eine geräumige Wohnung oder Haus; mindestens ein Auto; sofort die Kleider wechselt, wenn irgendwo ein Fleckchen erscheint; überinformiert, überstylt und überarbeitet ist – aber keine bis gar keine Zeit hat. Langzeitsegler haben von all dem die Nase voll. Vom Erfolgszwang – sonst verliert man den Job. Vom Uniformzwang wie Anzug und Krawatte – sonst hat man keinen Erfolg. Vom Wettbewerb, Kosten- und Termindruck, vom Leben mit einem Auge auf dem Sekundenzeiger, dem anderen im Terminkalender. Vom gepflegten Rasen und dem neuen Auto – vielleicht nur Nachbarn zuliebe, die man gar nicht leiden kann.
Langzeitsegler sind Rentner, Frührentner oder auch Menschen, die noch hätten Geld verdienen können, aber es nicht mehr wollten. Sie haben meistens ein mittleres oder bescheidenes Einkommen, wenige sind arm, noch weniger reich. Manche sind temporäre Langzeitsegler, müssen also nach ein, zwei Jahren wieder arbeiten gehen – vor allem die Jüngeren.
Während die typische Chartercrew darüber diskutiert, ob sie morgen erst um acht oder schon um sieben auslaufen will, überlegen Langzeitsegler, ob sie sich im April, Mai oder erst im Juni auf den Weg machen wollen. Auf einer typischen Charteryacht drängen sich sechs bis acht Menschen. Langzeitsegler sind meistens zu zweit, Mann und Frau, einige sogar allein – mehr als zwei ganz selten, es sei denn, mit den eigenen Kindern; das kommt auch vor.
Und was kostet das? Sagen wir es so: Man kann sich ein Eigenheim und ein „anständiges“ Auto kaufen – oder eine Segelyacht, so um elf, zwölf, maximum etwa fünfzehn Meter. Konkreter? Ab hunderttausend (Euro, Dollar, Schweizerfranken) kann man dabei sein. Manche schaffen es sogar mit weniger, vor allem handwerklich Hochbegabte; wir kennen aber auch Leute, die eine halbe oder fast ganze Million für ihr Boot ausgegeben haben. Viel Geld? Ja – was kostet ein Einfamilienhaus im Raume Aarau, Bremen oder Chicago, mit dazugehörendem Audi, BMW oder Chrysler?
Was kostet die Welt? Du kannst sie befahren, jede Küste, jede Insel erreichen – allein mit der Kraft des Windes! Und, das garantiere ich: Dein Ansehen, dein „Wert“ ist völlig unabhängig davon, wie viel oder wie wenig du für dein Boot ausgelegt hast – auch das finde ich bei uns Langzeitseglern ganz, ganz schön.

Kurs Sardinien
Mittwochmorgen kurz nach acht hieven wir den Anker hoch, fahren aus der Bucht und nehmen Kurs auf Sardinien auf, 076 Grad, also etwas nördlicher als Ost. Wir haben zunächst Südwind Stärke vier, ideal. Wir setzen also alle drei Segel und stellen die Maschine ab. Leider nimmt der Wind aber stetig ab und dreht östlicher, so müssen wir wieder die Maschine starten, haben doch keine Lust tagelang unterwegs zu sein respektive dahinzudümpeln. Segeln wäre sicher schöner als motoren, sonst sind wir aber zufrieden, freuen uns, endlich nach Sardinien unterwegs zu sein. Charlotte und Karl konnten auch nur Gutes über diese Insel berichten, sie sei landschaftlich sehr schön, biete viele Ankerbuchten und die Sarden seien sehr freundlich, hilfsbereit, ehrlich. Obwohl sie sich nicht als Italiener verstehen, gibt es keine militante Unabhängigkeitsbewegungen wie auf Korsika oder im Baskenland.
Zwei, drei andere Segler fahren im größeren Abstand etwa in die gleiche Richtung. Ein großer Delphinschwarm scheint leider ein anderes Ziel zu haben, er zieht, ohne uns zu beachten, gegen Süden. Wohin schwimmen sie wohl? Wozu? Ich weiß nicht, wie weit das erforscht ist. Therese sieht sogar einen Wal, respektive seine Fontäne. Nachts genießt sie einen wunderbaren Sternenhimmel. Als ich die Wache übernehme – wir wechseln in Dreistundenrhythmus – dauert der Genuss nur kurz, dann geht der Mond auf und löscht die Sterne bis auf die allerhellsten. Ich kann noch eine halbe Stunde segeln, dann ist wieder zu wenig Wind von zu weit östlich.
In meine nächste Wache fällt der Sonnenaufgang. Er dauert eine ganze Stunde. Zuerst erscheint nur ein kurzer, schmaler, etwas hellerer Streifen an der ost-nordöstlichen Kimm (Horizont). Verfärbt sich über schmutziggrau zu dunkelviolett. Wird langsam breiter und heller, das Wasser ist nun auf jener Seite auch eindeutig heller als sonst ringsherum. Irgendwann kommt orange dazu, und als der oberste Teil gelb wird und der Himmel blassblau, steigt eine feuerrote Scheibe, zunächst komisch deformiert, wie halt Neugeborene sind, hoch. Sie wird auch zuerst orange, dann gelb, bis sie rund und weißglühend den Schweiß aus allen Poren zu treiben beginnt. Und dabei denke ich, wer von den so genannten normalen Menschen hat schon das Privileg, eine ganze Stunde nichts anderes zu tun, als auf die Sonne zu warten? Noch dazu bei völlig ungehinderter Sicht?
Am frühen Nachmittag kommt Land in Sicht, dann löst mich Therese ab. Als ich nach etwas mehr als zwei Stunden wieder rauskomme, sieht man nicht nur verschiedene Grautöne am Horizont, sondern viele Details. Eine Steilküste mit schroffen Felsen, am Kap einen Leuchtturm, bald auch die Einfahrt in die Bucht Porto Conte. Sie ist riesig, von der breiten Einfahrt bis zum vorgesehenen Ankerplatz sind es mehr als drei Meilen. Karl hat mir die Koordinaten von zwei Plätzen aufgeschrieben, wo sie geankert hatten, da halte der Anker gut. Andere Stellen sind dicht mit Seegras bewachsen, das ist kein guter Ankergrund. Wir entscheiden uns für jenen weiter weg vom kleinen Hafen in der Hoffnung, dass es da ruhiger sei. Die Schwierigkeit ist, dass hier nicht durchgehend Sand liegt, sondern nur einzelne Sandflecken, die gilt es mit dem Anker zu treffen. Das erweist sich als gar nicht so einfach, der zweite Versuch gelingt aber. Ich gebe rückwärts Gas, bis zu 2500 Touren; der Anker hält. Maschine aus.

Càgliari
Das Besondere an unserem letzten Ankerplatz waren die Farben. Es ist kaum bekannt, dass es im Norden Sardiniens unzählige vorgelagerte Insel und Inselchen gibt, ihre Namen kennt auch kaum jemand, mal abgesehen von den „Eingeborenen“. Wir ankerten einmal mehr zwischen respektive in relativer Nähe von mehreren Inseln. Die höchste bestand aus schroffen grauen Felsen, wie einer der berühmten Alpengipfel. Die vor uns war dicht mit saftig grünen Pflanzen bewachsen, geradezu lieblich. Und die links von uns bestand aus dem schon im Maddalena-Archipel vorgefundenen rosaroten Gestein, das so aussieht, wie wenn den ganzen Tag Morgen- oder Abenddämmerung wäre. Dazu natürlich die vielen Farben des Wassers, des Himmels, der Wolken – sagenhaft schön.
Leider kam der Wind und auch etwas Schwell aus einer nicht vorgesehenen Richtung, wir lagen also nicht ganz so ruhig wie wir es mögen. Also holten wir bereits nach einer Nacht den Anker wieder hoch, nicht ohne vorher noch ein Bad zu genießen. Es sah zuerst nach Motorenfahrt aus, nach einer Stunde – Kältespeicher und Batterien waren gerade genügend geladen – kam aber Wind auf, und wir setzten Segel. Zuerst lief es wunderbar, gerade genug Wind, um vernünftige Geschwindigkeit zu haben und noch praktisch keine Wellen. Dann drehte der Wind etwas zu unseren Ungunsten, wir konnten den Kurs nicht mehr halten. An Steuerbord lag die Küste, wir konnten also nicht abfallen, also wendeten wir und segelten eine Weile in Richtung offene See. Der Wind nahm auch etwas zu, somit auch der Seegang, ich musste die Windschutzscheibe schließen damit die Instrumente und meine Brille nicht vollgespritzt wurden. (Segelnde Brillenträger werden ganz böse diskriminiert, dagegen hilft keine Menschenrechtserklärung, kein Gesetz. Die halbe Zeit putzen sie wie wild ihre Gläser, die andere Hälfte blinzeln sie trotzdem durch salzverkrustete Gucklöcher.) Als der nächste Waypoint etwas achterlicher als querab lag, wendeten wir wieder und segelten bis in die Nähe des Hafens.
Unser telefinino – Italiener nennen ihre Handys tatsächlich so – hat sich auch bewährt. Therese rief unseren Zielhafen an. Jawohl, sie hätten Platz für uns, sie solle bei Hafeneinfahrt auf Kanal neun – diesmal dann doch Seefunk – rufen, dann komme jemand helfen beim Anlegen.
Dieser Hafen La Caletta wird von einem Circolo Nautico (Yachtclub) betrieben. Er ist schön, die Preise sind als moderat zu bezeichnen. Hier können wir also ruhig einige Tage bleiben, bis wir bei möglichst günstigen Bedingungen nach Arbatax weiterfahren können. Wann das der Fall sein wird, lässt sich allerdings nicht so ohne weiteres bestimmen. In dieser Gegend scheint sich Eolus der Windgott wenig darum zu kümmern, was die Deutschen Wetterpropheten von ihm erwarten. Mittags um zwölf stellt er einen kräftigen Ost an und lässt ihn blasen, bis Schiff sowie das ganze Land tüchtig ausgelüftet sind. Dann drosselt er ihn auf sanft und lässt den ganzen Himmel in diversen zarten Rosatönen erstrahlen, die sich im Wasser spiegeln. Die hintereinander liegenden Bergketten zeichnen sich vor diesem Hintergrund in diversen Grautönen ab, nur die nächsten lassen noch eine Andeutung von Grün erkennen. Kein Maler, kein Photograph hat diese Schönheit je verewigen können, es ist so flüchtig, so unfassbar wie das ganze Leben.
Langsam lässt der Wind doch nach. Die Böen sind weniger gewalttätig, die Pausen zwischen den einzelnen länger. Zwei Tage und Nächte hat es geblasen wie der Teufel, bis über vierzig Knoten in den Böenspitzen. Vierzig Knoten, das ist so, dass Therese sich an einem Laternenpfahl festhalten musste, wie eine Besoffene um nicht mit den frischen Brötchen – panini – ins Wasser zu fliegen. Was hätten wir dann frühstücken sollen?
Als es losging, wurde ANEKI bis zum Steg nach hinten gedrückt. Wir hängten ihren Spiegel voll Fender und überlegten dann, ob wir eine lange Leine bis zum gegenüberliegenden Steg ausbringen sollen. Dann kam aber einer der netten Männer von der Marina aufs Schiff. Er verlangte eine dünnere Leine, bestieg damit den Fifi, Therese zog ihn zum Bug. Er machte die dünne Leine an der Mooring fest, ein Nachbar und ich nahmen sie über die Ankerwinde und hebelten etwa einen Meter der Mooringleine hoch, fast bis zu der Kette. Nachher brachten wir noch eine dritte Heckleine aus in Luv, quer auf die andere Seite. Dass wir so Ruhe gehabt hätten, wäre zwar maßlos übertrieben, der Wind pfiff und heulte, ANEKI drehte und wandte sich und ruckte, wir lagen aber sicher – allzu gut schliefen wir trotzdem nicht diese zwei Nächte.
Am zweiten Morgen weckte mich intensiver Rauchgeruch. Erst dachte ich, der Nachbar raucht aber abartiges Zeug, als meine Sinne aber etwas klarer funktionierten, roch es nicht nach Tabak sondern Holz. Es muss also irgendwo einen Waldbrand geben, irgendwie waren auch die Luft, das Licht ganz seltsam. Bald erschien auch ein Löschflugzeug, oder vielleicht auch mehrere alternierend, robuste Zweimotorige von grellgelber Farbe. Sie nehmen das Wasser im Tiefflug über dem Meer auf, fliegen dann in den dichten Rauch, fast in die Flammen rein und werfen das Wasser ab, der Spaß verlangt höchstes fliegerisches Können, ich habe eine absolute Hochachtung vor diesen Typen. Erst durch diese Spezialflugzeuge hat man eine reelle Chance, Waldbrände einigermaßen unter Kontrolle zu bringen.
Mit leichtem Wind segelten wir weiter nach Arbatax. Er kam zwar nicht aus der optimalen Richtung, bei dem moderaten Seegang konnten wir aber gut hoch am Wind kreuzen. Für die letzten paar Meilen mussten wir trotzdem den Diesel starten. Zunächst lief er normal, dann glaubte ich aber ein ungewöhnliches, klopfendes Geräusch wahrzunehmen. Therese bestätigte es. Auch der Öldruck war niedriger als normal. Es kann doch nicht sein, dass die revidierte Maschine einen Lagerschaden hat! Ich nahm die Leistung bis zum Leerlauf zurück, dann blieb sie auch stehen. Verdammter Mist! Ich kontrollierte das Ölniveau, es lag in der Mitte zwischen Minimum und Maximum, es schien mir aber zu heiß, zu dünn, ich konnte aber nichts mit Sicherheit sagen. Ich startete sie wieder und schlich mit nur 1.800 Umdrehungen in den Hafen. Mein Herz klopfte nicht minder als der Diesel.
Kaum waren wir fest, machten wir uns an den Ölwechsel, der sowieso fällig war. Unsere Maschine hat zwar eine fest angebaute Ölabsaugpumpe, mühsam ist es trotzdem. Eng ist es da ja immer und jetzt auch noch heiß; das Öl muss bei warmer Maschine gewechselt werden, kalt ist es zu dickflüssig und eventuelle Verunreinigungen setzen sich ab. Außerdem hat kein ausreichend großes Gefäß Platz, es muss halbliterweise herausgeholt werden und es ist ein schwieriger Balanceakt, nichts von der rabenschwarzen Brühe zu verschütten. Dann muss auch der Ölfilter gewechselt werden.
Als das neue Öl endlich eingefüllt war, startete ich die Maschine. Der Öldruck war wieder normal, wir glaubten auch kein „komisches“ Geräusch zu hören – dafür raucht sie jetzt aber. Ich kann mir das nicht erklären.
Trotzdem nahmen wir unsere geplanten Ausflüge in Angriff. Von Arbatax fährt eine Schmalspurbahn nach Càgliari durch die Berge. Die Strecke wurde um die Jahrhundertwende gebaut, und um Kosten für Tunnels und Brücken zu sparen, verläuft sie in großen Bögen bis an die Enden der zahlreichen Täler. Felsen, Wälder, Berge, Täler, sogar ein – jetzt im September ziemlich leerer – Stausee. Es ist tatsächlich eine schöne Strecke. Unser Handicap ist nur, dass wir jahrzehntelang in der Schweiz gelebt haben und viel Eisenbahn gefahren sind. Wenn man die Gotthardstrecke gut kennt, nach Arosa, St. Moritz, Zermatt, dem Genfersee entlang mit der Bahn gefahren ist, bestehen kaum diesbezügliche Steigerungsmöglichkeiten – es sei denn, man genießt es, mal richtig durchgerüttelt zu werden.
Die Lage von Càgliari ist schön, es gibt einige sehenswerte Gebäude, Altstadt-Gassen, Aussichtsterrasse, gute Restaurants; ein Tag und eine Nacht sind aber völlig ausreichend. In einem Museum waren wir tief beeindruckt von achttausend Jahre alten Steinfigürchen, die auch von einem Künstler unseres Jahrhunderts hätten stammen können. Es gab aber auch viele erstaunlich fein, detailreich gearbeitete Bronzefiguren.
Auf der Rückfahrt lasen wir Zeitungen. Erst vor wenigen Tagen fanden die unfassbaren Terroranschläge in Manhattan und Washington statt, darüber wollten wir uns doch näher informieren. Viel Gutes konnten wir nicht finden auf den anderthalb Kilo Papier. Trauer, Wut, ein paar Solidaritätserklärungen – und als Zukunftsaussicht mehr Gewalt, mehr Militär und auch mehr Profit, wenigstens für die Rüstungs- und Zementindustrie. Dann ist ja alles in Ordnung, oder? Wobei ich doch einen Satz eines Prominenten, nämlich des Schweizerischen Bundespräsidenten Leuenberger, zitieren möchte: Wer heute Böses leidet, wird morgen böses tun!
Ginge es nicht auch anders? Nach der Inquisition, zahlreichen Völkermorden, zwei Weltkriegen, dem Kalten Krieg? Wird die Menschheit nie erwachsen?

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