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Reiseberichte
Buch Leseprobe Salam Iran, Lydia Henninger
Lydia Henninger

Salam Iran


Die acht Paradiese

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Leseprobe 1: Teheran


Für alle Fälle hatte ich mir einen Tag vor meiner Iran-Reise einen Mantel zugelegt, der das Prädikat ZELT verdient. Zwei Größen größer und drei Längen länger als ich sie sonst trage in schlichtem Braun. Das schlimmste Kleidungsstück, welches ich jemals besaß und welches deshalb nach zwei Tagen schon den Besitzer wechselte, sprich, in den Papierkorb wanderte. Und dennoch: Es ist davon abzuraten, zu enge oder kürzere Kleidung in Iran zu tragen. Das kann dann schon mal zu unangenehmen Zwischenfällen führen, wie mich die Reise-anweisungen meines Veranstalters lehren. Diese Belehrung ist für mich unnötig. Natürlich war ich mir vor meiner Reise bewusst darüber, dass die Toleranzgrenze der iranischen Sittenwächter dehnbar, aber nicht unendlich ist.


 


Nach dem Frühstück treffen wir unsere Reiseleiterin zum ersten Mal in der Hotellobby. Nicht nur meine Bekannten in Deutschland, auch unsere Mitreisenden wundern sich, dass eine moderne Iranerin unsere Reiseleiterin für die nächsten Wochen ist. Alle sind der Meinung, dass im Iran Arbeitsstellen dieser Art ausschließlich Männern vorbehalten sind. Warum täuschen sich so viele Europäer in diesem Land so sehr? Viele Frauen im Iran haben gute Jobs und mindestens die Hälfte der Studenten sind Frauen. Anwältinnen, Ärztinnen und zahlreiche erfolgreiche Künstlerinnen gehen aus dem Iran hervor. Unsere Reiseleiterin ist freundlich, weltoffen und interessiert an anderen Menschen. Das erkenne ich sofort. Sie kennt jedes Detail ihres Heimatlandes, spricht nahezu perfekt Deutsch und sorgt tagtäglich für ein angenehmes Reiseerlebnis. Jeder historische Stein, den sie beschreibt, wird zu einer Art lebendem Objekt. Sie gibt jedem Gegenstand ihrer Heimat eine  Seele. Ihre wortreichen vielfältigen Vorträge über die persische Kultur werden zu keiner Zeit langweilig. Wie wir später erfahren, hat sie viele Jahre in Deutschland gelebt, was ihr beinahe akzentfreies Deutsch erklärt. Sie berichtet von den zwei Herzen, die in ihr schlagen, einem iranischen und einem deutschen. So geht  es den meisten Iranern, die im Ausland leben oder gelebt haben.


Jasmin ist eine sehr sympathische und sehr gebildete Frau, die die seltene Gabe hat, mit jeder Situation, sei sie auch noch so schwierig, lösungsorientiert fertig zu werden.


 


Kurz erklärt sie den Verlauf unseres ersten Reisetages, auf den ich schon sehr ungeduldig warte. Bevor endlich unsere Tagestour beginnen kann, gilt es noch, etwas anderes abzuwickeln, den Geldumtausch. Unser Reisebüro hat jemanden organisiert, bei dem wir Euros in Rial eintauschen können. Um wen auch immer es sich hier handelt, er glänzt durch Abwesenheit. Ganz ohne Geld fühle ich mich unwohl und tausche abends im Hotel, um unseren Zeitplan durch auswärtige Tauschaktionen nicht zu gefährden. Für 200,00 EUR, 2 Scheine, erhalte ich einen gigantischen Stapel iranischer Geldscheine, der gut in einen Schuhkarton, nicht aber in mein Portemonnaie passen würde. Wegen der Inflation in Iran wächst die Anzahl der Scheine und der Zahlen darauf beim Umtausch in schwindelnde Höhen.


 


Leseprobe 2: Teheran


Erst einmal steht uns ein waghalsiges Abenteuer bevor. Das Überqueren einer Hauptverkehrsstraße in Teheran muss von Ortsfremden gut durchdacht werden und gleicht einer Mutprobe. Kein Thema hier bei uns. Zebrastreifen und Ampeln regeln das. In Teheran, wo den ganzen Tag Hauptverkehrszeit ist und die Fahrzeuge mal mehr, mal weniger mit rasantem Tempo an uns vorbei rauschen, wird es von Touristen als risikoreiches Kunststück eingestuft, die Straßenseite unversehrt zu wechseln. Da hilft nur eins. Wir stürzen uns in der Obhut unserer Reiseleiterin und alle eng zusammen gedrängt in die erste brauchbare Lücke zwischen zwei heranrasenden Fahrzeugen, machen den Autofahrern durch heftige Armbewegungen klar, dass man uns vorbei lassen solle, und wie ein Wunder funktioniert das auch. Kleine durch den Kampf gegen die Blechlawinen ausgelöste Pannen wie das Verlieren des ungeübt gebundenen Kopftuches werden Touristinnen gerne nachgesehen und mit einem belustigten Lächeln bedacht. Nach und nach halten auf fünf Fahrspuren, die genau genommen nur drei sind und von Teherans Autofahrern schon mal zu fünf gemacht werden, alle Fahrzeuge an oder fahren langsamer. Die einen hupen, die anderen winken uns freundlich hinüber und nur wenigen Fahrzeugführern kann man ansehen, was sie über uns denken. Vier bis fünf Mal benötige ich diese halsbrecherische Übung, bis ich mich immer selbstbewusster und ohne fremde Hilfe in das Verkehrsgetümmel Teherans wage, das mich in anderen iranischen Großstädten ebenso erwartet. Es bereitet mir später große Freude, mich wie eine richtige Iranerin über die Straße zu kämpfen. Dazu gehört auch meine inzwischen neu erworbene Geschicklichkeit, mein Kopftuch so geübt und doch elegant festzuhalten, dass es beim Überfliegen der Straßen nicht verloren geht


 


Leseprobe 3: Shiraz - Außergewöhnliche Begegnung am Grab des Dichters Hafiz


Unweit des Saadi-Mausoleums, nur wenige Fahrtminuten entfernt, besuchen wir das nächste Mausoleum, weltberühmt und permanent Menschenmassen ausgesetzt. Hier ruht der wohl berühmteste persische Dichter Hafez, auch Hafiz geschrieben, der ein Schüler Saadis war und dessen Bekanntheitsgrad dennoch bei weitem übertrifft.


Hafiz, beliebt und bekannt wegen seiner Gedichte über die Sinnesfreuden des Lebens, hatte eine große Leidenschaft. Sie gehörte dem Wein.


Um Hafiz bewegter Dichtung ein Gesicht zu geben, wählt Jasmin ein passendes Gedicht von ihm aus, um uns den Weg zu seiner letzten Ruhestätte zu versüßen:


 


Das Testament von Hafiz


  


Da ich im Trunke sterben werde,


Bringt mich auf die Art der Trunkenen unter die Erde.


 


Baut aus dem Rebstock mir einen Sarg,


Auf dem Weg zur Kharabat[1] grabt mir mein Grab.


 


Die Totenwäsche mit deren Wasser nehmt vor,


Auf trunkenen Schultern hebt mich empor.


 


Nichts als Wein schüttet auf mein Grab,


Zu meiner Trauerfeier bringt nur die Robab (ein Saiteninstrument)


 


Eine Bedingung stell ich zu meinem Tod wieder,


Dass keiner weint, außer der Musik vom Harfenspieler.


 


Obwohl recht makaber, zieht mich das außergewöhnliche Gedicht dieses Genies von hohem Niveau in den Bann, weil es verdeutlicht, wie nahe der Tod, pure Lebensfreude und Genuss beieinander liegen.


Im Gegensatz zur letzten Ruhestätte Saadis verströmt das Mausoleum von Hafiz eine spirituelle Atmosphäre. Hafiz Grab zieht bei weitem mehr Menschen an als das Mausoleum von Saadi. Obwohl der ebenfalls prächtig angelegte Park mit bunten Blumenbeeten und Bäumen vor dem Hafiz-Mausoleum voller Menschen ist, etwa wie bei einer öffentlichen Veranstaltung, herrscht hier absolute Stille, Totenstille. Genau kann ich mir dieses Phänomen nicht erklären.


Als wir uns Hafiz Grabstein, aus schwerem Marmor gebaut und mit zahlreichen Mustern verziert, nähern, hören und beobachten wir Männer und Frauen, die leise etwas wie Gebete murmeln, dabei immer wieder den Stein küssen oder ihre Hand auf ihn legen. Hafiz Grab ist weniger wie bei Saadi eine Touristenattraktion, sondern eher eine heilige Pilgerstätte, vergleichbar mit Lourdes oder anderen Orten dieser Art.


Viele Frauen und Männer weinen an Hafiz‘ Grab wie auf einer Beerdigung. Hier sind wir von einer ganz besonderen Atmosphäre umgeben. Auch ich kann nicht anders und vergieße plötzlich Tränen. Ich verstehe nicht genau, warum meine Stimmung mich zum Weinen bringt, fühle mich irgendwie ferngesteuert und bin nicht mehr ich selbst. Meinen Kampf gegen den Tränenfluss verliere ich. Auch der Architektin aus unserer Gruppe und einem der Ärzte fließen Tränen wie von selbst über ihr Gesicht. Niemand von uns kann sagen, was genau diese Tränen verursacht. Der Besuch an Hafiz Grab ist einer der ganz großen Momente meiner ersten Iran-Reise, und ich werde noch einmal dorthin zurückkehren.


Nachdem wir uns alle wieder gesammelt haben, stellen wir uns ein wenig abseits von Hafiz‘ Grab, immer noch tief berührt und ziemlich durcheinander.


Eine derartige Erfahrung des Unerklärlichen hatte niemand von uns bis zu diesem Zeitpunkt gemacht.


Drei sehr alte Frauen, in einen Tschador gekleidet, die die längste Zeit an Hafiz‘ Grab verbringen, nähern sich uns und es schließt sich ein weiteres für mich ungewohntes Erlebnis an. Eine der drei Greisinnen kommt lächelnd auf mich zu, blickt mir tief in die Augen, so, als wolle sie mein Innerstes nach außen kehren, in mich hineinsehen. So stelle ich mir eine Wahrsagerin vor. Die Frau wird mir unheimlich. Ich sehe weg, aber sie folgt mir mit ihren Augen, und tippt mir mit ihrem knorrigen Zeigefinger gegen meinen Oberarm, so als wolle sie dadurch eine tiefe Verbindung zu mir herstellen. Das wiederholt sie dreimal. Beim dritten Mal sticht sie mir ihren Finger sehr feste in meinen Arm, so dass es ein wenig schmerzt. Dann umarmt sie mich so plötzlich, dass ich keine Gelegenheit finde, mich aus ihrer engen Umarmung zu befreien. Danach sieht sie mir noch einmal tief in die Augen, lächelt, als wolle sie mir eine gute Botschaft übermitteln, und verschwindet. Eine andere der alten Damen vollzieht das gleiche Ritual bei einer unserer Mitreisenden, die darüber ebenso irritiert ist wie ich. Jasmin hat eine Erklärung für diese außergewöhnliche und für uns leicht unangenehme Situation. Sie erklärt, es seien weise iranische Frauen, die uns Glück am Grab von Hafiz wünschen möchten. Vor diesem Hintergrund finde ich diese Geste der alten Damen sehr anrührend. Da bleibt noch die Frage offen, warum nur zweien von uns. Auch hierfür nennt Jasmin uns einen besonderen Grund. Die beiden Iranerinnen halten mich und die andere Mitreisende für besonders gütige Frauen, die viel für andere tun und gut für ihr Land sind.


So beeindruckend und außergewöhnlich die Momente des heutigen Tages für mich sind, überfordern mich spirituelle Erlebnisse dieser Art.


 


Leseprobe 4 - Isfahan


Ich sehe mich um im Geschäft und Arya, der nette Buchhändler mit seinem auf sympathische Art einnehmenden Wesen, beginnt ein freundliches Gespräch mit mir in fast perfektem Englisch. Er erzählt, dass seine Bücher bei Iranern wegen der schönen Einbände als Geschenk für Verwandte hoch im Kurs stehen. Auch Touristen werden hier mit einer kleinen, aber feinen, Auswahl an englischsprachiger und auch deutschsprachiger Literatur bedacht. Die Freude an seiner Arbeit spiegelt sich im Funkeln seiner dunklen warmherzigen Augen wider. Er ist Buchhändler mit Leib und Seele, und sein Buchgeschäft, das auf den ersten Blick eher einer kleinen Kunstgalerie gleicht, passt sehr gut zum feinsinnigen Ambiente des Imamplatzes. Mit einem Bildband ausgerüstet, der die schönsten Bauwerke und Plätze Irans beherbergt und dessen dicker Einband aus Leder grün-blau-schwarze persische Fliesenmuster zeigt, möchte ich Arya den Preis dafür entlocken. Weil Deutsche sich nur selten in sein Geschäft verirren, freut er sich besonders über unser Gespräch und besteht darauf, mir das Buch zu schenken. Zunächst lehne ich höflich ab, denke darüber nach, dass Arya von seinen Büchern leben muss. Wortlos schiebt Arya das Buch in eine Plastiktüte, überreicht sie mir und beharrt förmlich darauf, dass ich damit für immer unser Gespräch und sein Land in guter  Erinnerung behalte. Sein Lohn ist nach seinen Bekundungen der Kontakt zu einer Deutschen, die in freundlicher und neugieriger Absicht in sein Land gekommen ist und mit ihm gesprochen hat. So drückt Arya sich aus. Dieses Geschenk erzeugt ein großes Glücksgefühl bei mir, war es nicht einfach ein Buch, sondern ein Andenken mit Symbolcharakter.


Ich genieße die Umgebung und die lange Unterhaltung, die bleibende Eindrücke hinterlassen. Dabei vergesse ich völlig die Zeit und meine Gruppe, als Arya mir von seinem Vater berichtet, der in Isfahan ein Geschäft für Miniaturmalerei hatte. Seine Bilder würden mir bestimmt gefallen, das spüre er. Es ist Aryas Versuch, mich zu ermuntern, das Geschäft seines Vaters für Miniaturmalerei aufzusuchen. Umso mehr freue ich mich, ihm erzählen zu können, dass für heute Abend mit unserer Reisegruppe ein Besuch im Geschäft seines Vaters geplant sei. So klein ist die Welt in diesem großen Land, habe ich dabei nur eine Kleinigkeit übersehen. In Isfahan existieren unzählige Geschäfte, die Miniaturbilder an den Mann bzw. die Frau bringen. Inzwischen ist eine gewisse Eile geboten, möchte ich meine Gruppe nicht aus den Augen verlieren und ein paar Informationen über die Imam-Moschee von Jasmin mitbekommen.


Gerade, als ich Aryas Buchladen verlassen möchte, kommt aus einem mit einem dunkelgrünen Vorhang abgetrennten Nebenraum des Geschäftes ein Mann und gesellt sich zu uns. Als Erstes fällt mir sein für Iran ganz und gar unpassendes Erscheinungsbild auf. Etwa sechzig Jahre alt, trägt er seine restlichen langen grauen Haare wie Hermann van Veen. An seinem Hals glänzt eine dicke goldene Kette im weit geöffneten Kragen seines weißen Hemdes, das er über einer beigefarbenen Jeanshose und zu weißen Slippern trägt. Außergewöhnlich, aber gleichzeitig sehr gepflegt.


Offenbar hat er unserem Gespräch gelauscht und mitbekommen, dass mir zehn Tage für eine Iran-Rundreise viel zu kurz seien. Mindestens drei Monate sollten es sein. Hermann, so nenne ich den Überraschungsgast der Einfachheit halber, ist Deutscher. „Ich bin schon seit einem halben Jahr hier. Und ich werde bleiben", fügt er eilig hinzu, als sei es ein Wunsch, dem er immer wieder Nahrung zuführen muss, damit dieser nicht versiegt. Wie das? So mein erster Gedanke zu seiner nachdrücklichen Aussage. Für eine Iranerin wird es kaum erstrebenswert sein, Hermann mit seinem Gigolo-Appeal zu heiraten. Oder doch? Leider soll ich das nicht mehr erfahren. Ungefragt fährt Hermann mit seinen Rechtfertigungen, als wolle er sich für etwas entschuldigen, fort. „Ich bin Rentner. Und ich werde nur noch im Iran leben." Die Selbstverständlichkeit, mit der er darüber spricht, weckt eine große Neugier in mir. Was bringt einen deutschen Mann im fortgeschrittenen Alter dazu, seinem Leben eine derart außergewöhnliche Richtung zu geben? Gerade, als ich die Details aus ihm herauskitzeln möchte über sein Visum, seine Möglichkeiten und alles, was mit einem Langzeitaufenthalt in einem besonderen Land einhergeht, taucht meine Reisegruppe in meinen Gedanken auf wie ein Mahnmal. Ich bin ein wenig beschämt darüber, dass vierzehn Personen in der Imam-Moschee nun schon seit einer halben Stunde auf mich warten. Ich hoffen jedenfalls, dass sie das tun.


Mit dem hübschen Bildband von Arya und einem weiteren Buch in meiner Plastiktüte, auf der geschrieben steht „Hasht Behesht", eile ich zum oberen Ende des Platzes. Von meiner Zeitnot getrieben, haste ich durch den Eingang der Moschee, was genau genommen unangemessen und vor allem unhöflich ist. Eine Moschee ist wie eine Kirche ein Ort der Ruhe und des Nachdenkens oder der Zusammenkunft von Menschen.


Eine Zusammenkunft ganz eigener Art beschert mir meine Hektik. Hinter der Eingangstür im Vorraum der Moschee stoße ich mit einem Mullah zusammen. Und nicht nur das. Dabei verliere ich unglücklicher Weise mein Kopftuch, ein übler Fauxpas in den Augen eines Religionsgelehrten, und stehe gleichzeitig erschrocken und hilflos vor diesem für mich höchst ungewöhnlichen Mann. Sprechen hätte kaum etwas genutzt. Der Mullah versteht meine Sprache ebenso wenig wie ich seine, vermute ich zumindest. Schnell ziehe ich mein Tuch über die Haare und binde es zusammen. Schulbuchmäßig befolge ich den Rat aus vielen Reiseführern, auf keinen Fall Blickkontakt mit einem Geistlichen aufzunehmen.


Nach allem, was ich über diese hohen Gelehrten aus Büchern weiß, habe ich keine Angst, aber großen Respekt vor ihnen und ohnehin ist es eine Seltenheit, einem von ihnen überhaupt zu begegnen. Auch habe ich keine Ahnung, was sie von Touristinnen in ihren religiösen Gebäuden halten, zumal ich ja bei unserem Zusammentreffen eine allein reisende Europäerin für ihn bin.


So, wie ich den Vorraum der Moschee betrat, in größter Eile, möchte ich schnellstmöglich zu meiner Gruppe gelangen. Da geschieht etwas für mich Unfassbares. Der Mullah spricht mich höflich und mit offenem Blick in akzentfreier Englischer Sprache an. Sein Bart, Pflicht bei iranischen Geistlichen und gläubigen Männern, als auch seine Kleidung grenzen ihn von anderen Besuchern der Moschee optisch ab. Ein Mullah, dieser Ausdruck wird nicht gerne gehört, ist gleichzeitig Lehrer, Beschützer, Geistlicher und Meister seines Fachs, nämlich ein schiitischer Religionsgelehrter. Einen Augenblick lang glaube ich an einen Irrtum, als dieser Geistliche sich mit mir unterhalten möchte. Unfassbar, wie ich heute noch finde. So etwas tun doch iranische Geistliche nicht, ist meine vorgefertigte Meinung. Gerade ihnen werden doch negative Tendenzen nachgesagt, was ihre Meinung über das weibliche Geschlecht betrifft. Doch dieser ältere und sehr weise Herr scheint da insgesamt anders zu sein und Interesse an Menschen zu haben. Zuerst heißt er mich freundlich in der Moschee willkommen...


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