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Reiseberichte
Buch Leseprobe Panamericana Nord, Jens Freyler
Jens Freyler

Panamericana Nord



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Die Schönheit der Wüste Früh wachen wir auf an diesem Morgen und sitzen bereits um 06:30 Uhr am Frühstückstisch. Der Frühstücksraum hat fast schon Hotelcharakter. In einer Art Wintergarten mit Blick auf den Pool läuft ein Fernseher und eine Bar ist gefüllt mit einer großen Auswahl. Nach Bagels und Toast wage ich es ein Quaker Oat Meal zu probieren. Vanille-Geschmack suche ich mir aus und rühre das Pulver nach Anleitung mit Milch an. Was entsteht ist eine unansehnliche, zähe Masse. Zögernd stochere ich mit meinem Löffel darin rum, doch es schmeckt überraschend gut und die Masse verklebt so schnell meinen Magen, dass der Nutzen klar wird: Einfach zuzubereiten, schmackhaft, nährstoffreich und sättigend. Muss da das Auge noch mitessen? Doch an einem Tag, an dem der Joshua Tree Nationalpark auf einen wartet, sollte man sich nicht zu lange mit dem Frühstück aufhalten. Wir kehren zurück auf die Interstate 10 und fahren nach Osten. Kaum lassen wir die künstlich angelegten Palmenhaine von Palm Springs und Cathedral City hinter uns, gewinnt Wasser wieder an Bedeutung. Selbst in diesen frühen Morgenstunden merken wir die Hitze, mit der unsere Klimaanlage kämpft und sehen vor der ausgedörrten Kulisse links und rechts der Fahrstreifen immer wieder Parkbuchten, in denen Tanks Kühlwasser bereithalten. Wir fotografieren die Behälter nur und müssen mit unserem neuen Mietwagen nicht darauf zurückgreifen. Den Schildern folgend, verlassen wir schließlich die Interstate und passieren das Schild, das uns im Nationalpark willkommen heißt. Kurz danach halten wir an und laufen unsere ersten Schritte in die Wüste hinein. Die Vegetation ist karg hier, aber durchaus noch vorhanden. Schilder benennen die einzelnen Pflanzen. Wir fahren weiter und haben schon einige Meilen zurückgelegt, als wir an die südliche Visitor Information kommen, wo wir auch unseren Eintritt bezahlen müssen. Wir schauen uns in dem kleinen Laden etwas um, überdenken unsere Wasservorräte, stocken diese zum angesichts der Lage fairen Preis von USD 1 pro Liter auf und besorgen uns eine Parkzeitung. Während wir weiterfahren blättern wir durch die Zeitung, schauen uns die großflächige Karte an und lesen, was die einzelnen Walks zu bieten haben. Mit dem Cholla Kaktus Garten fangen wir an und entdecken, wie vielfältig eine Wüste sein kann. Ocotillokakteen mit zwei - drei Meter langen, dünnen Ästen, magere Gräser und mit gelben Blüten übersähte Kakteensträucher. Doch all dies soll nicht einmal die Attraktion an dieser Stelle sein. Die Attraktion ist die weltweit größte Kultur an Cholla Kakteen, die hier versammelt ist. Ein kleiner Walk führt durch den Bestand an Gewächsen, die sich teils einstämmig, teils weit verzweigt, die knappen Wasserressourcen hier zu teilen scheinen. Wir machen zahlreiche Fotos bevor wir weiterfahren, wovon es eines auf das Cover dieses Buches geschafft hat. Eine der Besonderheiten am Joshua Tree Nationalpark ist, dass er zwei Wüsten vereint. Nicht nur am Höhenunterschied merken wir sofort, dass wir die Colorado Desert verlassen und in die Hochlandwüste Mojave kommen. Schlagartig ändert sich die Landschaft, die Umgebung wird hügeliger, die Floraa verändert sich. Kalifornische Palmen tauchen auf, denen man die Wassernot allerdings ansieht, Mojave Yuccas stacheln in alle Himmelsrichtungen und wir entdecken die ersten vereinzelten Joshua Trees. Am Arch Rock halten wir an. Noch haben wir kein Gefühl dafür, wieviele Joshua Trees es gibt und wie schnell sich die Landschaft vor uns wieder ändert. Da auf dem Album von U2 nur ein einziger Baum abgebildet ist, wollen wir auf Nummer sicher gehen und fotografieren den ersten, der sich uns bietet vor den Felskugeln des Arch Rock. Doch als wir weiter fahren in Richtung Westen, ins Herz des Parks hinein, entdecken wir, dass es tausende von ihnen gibt. Unsere Augen suchen ständig nach dem schönsten von ihnen und nach dem, der das gleichnamige Album von U2 ziert. Doch das schönste der ungewöhnlichen Gewächse zu finden scheint genauso aussichtlos, wie den U2-Baum zu entdecken. Der Ryan Mountain Trail soll unser Hauptwalk an diesem Tag sein. Für 1,5 Meilen bergauf und 1,5 Meilen bergab kalkulieren die Park Ranger 2 - 3 Stunden. Eine wahrscheinlich wieder zu hoch gegriffene Zeitangabe. Wir packen unseren Rucksack und nehmen den Berg in Angriff. Die Sonne ist inzwischen weit in den tiefblauen Himmel gestiegen und obwohl wir unser Ziel noch nicht ausmachen können, wird schon auf den ersten Schritten deutlich, dass wir keinen Schatten erwarten dürfen. Es sind etwa 40 Grad Celsius und die Hitze raubt uns den Atem. Langsam setzen wir einen Schritt vor den anderen und erfreuen uns an kleinen Dingen wie Kakteen mit kräftig-lila Blüten oder der Hoffnung, hinter der nächsten Windung entweder Schatten oder den Gipfel ausmachen zu können. Vereinzelt kommen uns Wanderer entgegen, was uns auf dem engen Pfad immer wieder zu einem dankbaren Halt zwingt. Wir nutzen diese und andere Gelegenheiten, uns mit unseren Mützen Luft zuzufächeln und uns einzubilden, dass dies einen kühlenden Effekt hätte. Etwa 45 Minuten benötigen wir für den Aufstieg zum Gipfel, wo ein Steinhügel und eine riesige Mojave Yucca uns erwarten. Der Blick schweift endlos umher und wir bedauern ein paar Touristen, die mit einer Chartermaschine über uns fliegen und wahrscheinlich enttäuscht feststellen werden, dass sie für viel Geld aus luftiger Höhe viel braunes Nichts gesehen haben. Schade. Für weniger Geld und etwas mehr Anstrengung hättet ihr einen wundervollen Nationalpark erleben können. Wir setzen uns auf die Steine und zaubern die herrlich frischen Orangen heraus, die wir am Vortag gekauft haben. Vitamine und kühle Feuchtigkeit rinnen durch unseren Körper und helfen uns trotz der drückenden Hitze nicht einfach liegen zu bleiben und darauf zu warten, dass es kühler wird. Der Abstieg geht beschwingter, wenn auch nicht leichter, denn den Waden ist es meist lieber, aufwärts zu klettern, als abwärts zu gehen. Doch mit dem Blick nach vorne über die Wüste gerichtet, können wir den Weg besser genießen und freuen uns auf die kühlende Klimaanlage unseres Wagens, den wir zur Mittagszeit erreichen. Wir fahren weiter nach Westen in Richtung unseres nächsten Zieles, dem Hidden Valley. Unterwegs springe ich nochmal aus dem Auto, um DIESES Bild zu machen, das den Joshua Tree zeigt, der dem schönsten schon sehr nahe kommt. Bauarbeiten im Nationalpark verzögern von hier aus das Weiterkommen und teils müssen wir auf der Sandpiste an Baustellenampeln in langen Rotphasen warten. Doch die Straßenarbeiten scheinen nicht nur an der Hauptstraße stattzufinden. Die Zufahrt zum Hidden Valley ist gar ganz gesperrt. Etwas enttäuscht fahren wir weiter und nehmen unseren letzten Stop vorm Nordwestausgang des Parks ins Visier, Quail Springs. Quail Springs erweist sich als ein Felsen der insbesondere bei Freeclimbern beliebt ist. In der Umgebung aus Sand und Kakteen quält sich sowohl eine Gruppe Freeclimber wie auch eine Soldaten-Truppe in der Hitze. Wir schauen nur einen Moment zu, bevor wir auf die andere Seite der Felsen flüchten, wo wir uns unter einem Überhang in den Schatten kauern. Weitere Orangen und Bananen werden geopfert und dienen uns als Mittagessen. Mit dem Rücken an die Felswand gelehnt nehmen wir Abschied von einem Nationalpark, in dem die Temperatur zwar zu heiß, für den die Zeit zwar zu kurz, aber der den Besuch auf jeden Fall wert ist!


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