|
On the road again – Türkei , Iran 1974 - Meine Fresse, isch des heiß hier! Heinz kam ins Abteil herein und stöhnte. Es war Mitte Juli. Der Zug rumpelte schon seit Stunden durch die heißen Steppen Anatoliens. Der letzte Stopp war Malatya. Seit 2 Tagen brieten wir nun in den aufgeheizten Waggons und bis übermorgen früh mussten wir noch durchhalten. Zu 6 im Abteil, war abschlaffen und dösen das einzig senkrechte. Wir, das waren mein Freund Christian und ich, die beiden Stuttgarter Siegfried und Helmut, der iranische Student Ali und Heinz. Wir befanden uns irgendwo am oberen Euphrat zwischen Elazig und dem Van-See, im tiefsten Ostanatolien. Bis zum späten Nachmittag sollte das Dorf Tatvan erreicht sein, der Einschiffungshafen zur Überquerung des größten Binnensees in der Türkei. Wir fuhren durch Steppenland. Es war Erntezeit, Stroh wurde gedroschen, die gelben Halme von Menschenhand und ungezählten Helfern in die Luft geworfen. Esel trabten im Kreis und versuchten, die Körner aus den Ähren zu treten. Die Dörfer erschienen immer ärmer, je weiter wir nach Osten vordrangen. Das einzige, was dagegen immer bunter wurde, war die Kleidung der kurdischen Frauen. Winkend standen sie am Bahndamm und wären wohl auch gern mitgekommen, wenn die Arbeit sie nicht gehindert hätte. Heinz kam aus dem südlichen Schwabenland, was für jeden, der ihn auch nur 2 Worte sprechen hörte, unüberhörbar war. - Jetz' henn die scho wedr e Pfeif g'stopft und ihr Zeigs g'raacht, des stenkt do hanne wie d'Sau! Des isch mindeschtens scho der 4. Joint heit! Seit heit morje geht des scho so!"Do hanne", das war das Nachbarabteil, wo 4 freakige Franzosen auf dem Weg nach Katmandu waren. Da dieses Abteil nur zu 4 besetzt war, zog Heinz ab und zu dort 'rüber, um einfach für alle etwas mehr Platz zu schaffen. - Mecht e mol wisse, wo die ihr'n Stoff heit Nocht verstecke wolle, wemmer iwwer d'Grenz no Persien neikumme. Unn aa die Katz, die se dabei henn, die misse se aa gut versteckle!- Pass bloß auf Deine Sachen auf! Am besten, Du holst unter irgendeinem Vorwand Dein Gerödel hier 'rüber, wir kriegen das schon noch unter. Man weiß nie, ob die Brüder da Dir nicht heimlich 'was unterschieben, und wenn kontrolliert wird, bist Du der Dumme, gaben wir zu bedenken. Keiner trauten diesen Gestalten auch nur einen cm über den Weg. Wo unsere französischen Nachbarn ihren Shit versteckt hatten und vor allem ihr Katzentier, wissen wir nicht. Was wir am nächsten Morgen jedoch wieder rochen, waren Schwaden von würzigem Cannabis-Kraut aus der Pfeife, die nie auszugehen schien. Das Leben wurde in vollen (Lungen-)Zügen genossen. Auch die Katze war wohlauf. Dieses ständige Gekiffe, und das noch mitten in Persien, das machte uns schon zu schaffen. Der Schah hatte drakonische Strafen für Besitz und Konsum schon der kleinsten Mengen ausgesetzt. Wir hatten alle keine Lust, in Scherereien verwickelt zu werden. Bloß denen nicht zu nahe kommen, nur keinen näheren Kontakt, diese Typen da nebenan, die kennen wir nicht. Zwar hätte der eine oder andere von uns auch ganz gerne mal…… - zumal die Zugfahrt inzwischen auch alles andere als kurzweilig war, und außerdem, für ein paar Stündchen ins Reich der Träume abdriften, das wäre doch auch sicher mal ganz lustig gewesen, …… - aber nein. Mit dem Volk da nicht. Und in diesem Land erst recht nicht.
|
|
Hippies in der Herde – Über Land zu Hindus, Hanf und HimalayaHoffnung, Hasch und lange Haare Die Hippies, lang ist’s her.? Hippies, die sanften Blumenkinder mit love & peace, flower power und ihre Ideen von Freiheit, Frieden und universeller Liebe. Wer erinnert sich heute noch an sie? Und was wollten sie, woher kamen sie? Wie viele waren es und wie lebten sie? War das nur eine lokal begrenzte Jugendverrücktheit einzelner Spinner oder eine weltweite Bewegung, die zwischen Sydney und San Francisco Millionen beeinflusst hat? Und was ist aus ihnen geworden? Warum gibt es sie nicht mehr? Das Buch beschreibt meine diversen Trips mit den Hippies auf dem legendären Weg zu den mythischen 5 K’s in Asien (Kabul, Kerala, Katmandu, Koh Samui und Kuta Beach), angefangen mit Türkei-Iran 1974 bis hin zu Südostasien 1979. Zeitgenössische Rückblicke späterer Besuche (ab 2000) zu den damals besuchten Gegenden sollen den Kontrast zwischen damals und heute vermitteln und zeigen, was sich wo wie verändert hat. Eigene Reisestories über die bunten Zugvögel in Asien on the road auf dem langen Weg nach Indien, auf der Suche nach neuen Kicks, exotischen und narkotischen, spirituellen und sexuellen. Eine Reise zu sich selbst und vor allem zu Hanf, Hindus und Himalaya. Damals in den 70ern, in den guten alten Zeiten des sex & drugs & rock ’n roll.
|
Erzählerische Verve, genialischer Sprachduktus, durchgeistigt, feinnervig, dabei erfrischend unprätenziös bis zur Verleugnung der intellektuellen Herkunft, zwingende Stringenz der Handlungsentwicklung, durch den Kunstgriff mit den augenzwinkernd untertitelnden Rock 'n Roll-Zitaten ausgelöstes wummerndes Bauchgefühl, das dieses Werk sicherlich einzigartig macht, ungemein bilderreich, geradezu flirrend epikuräisch schwelgend, voller liebevoller Details besonders betont in den Passagen, in denen die Rückschau der gereiften Weisheit die Oberhand gewinnt, dabei aber auch den Ernst des politischen Zeitgeschens, die großen kulturellen Zusammenhänge nicht vergessend, auf der Metaebene ein vom postmodernen philosophischen Diskurs gespeister, abgeklärter Idealimus. Kurz: das Buch des Jahres!
Johann Sartoris
|