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Reiseberichte
Buch Leseprobe Die Reise zum Blau, Michael Dunkel
Michael Dunkel

Die Reise zum Blau


Roman nach einer wahren Begebenheit

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Ganz zur Freude der vor den Restaurants stehenden, üblichen Animateure. »He, woher kommt


ihr, wollt ihr was trinken? Für eure gute Laune erhaltet ihr den ersten Drink umsonst.«


»Wir werden hier arbeiten und wohnen im Augenblick im OCEAN PARADISE«, gab Mario zur


Antwort.


»Oh Go , ihr seid Timesharer?«, rief ein stämmiger Holländer über sein ganzes Gesicht grinsend.


»Nein, wir sind Kundenberater für Immobilien «, dementierte ich.


»Ihr werdet schon sehen. So welche wie ihr reisen in Horden an und liegen anschließend am


Strand, weil sie kein Geld für ein Hotel haben«, mischte sich ein anderer Deutscher ein.


»Wir besitzen Arbeitsverträge und ein festes Gehalt. Wir beraten ganz seriös und ohne Druck«,


entgegnete Mario sehr sicher.


»Na ja, ihr seid nett , lasst euch nicht unterkriegen«, tönte die Empfehlung des Holländers. »Wir werden euch ja nun ö ers sehen. Kommt ab und zu ins ‚Oberbayern', da haben wir Zeit, uns zu unterhalten. Ab elf Uhr abends ist dort was los.«


Wir bedankten uns und setzten die Erkundungstour weiter fort. »Die müssen sich doch irren


«, grübelte Mario. »Langsam komme ich auch zum Nachdenken«, ergänzte ich seine Befürchtungen. Unsere Diskussion über die eventuelle Scha enseite der Branche


brachte uns keine Erkenntnis und wir kamen DIE REISE ZUM BLAU zu dem Schluss, die Dinge abzuwarten und die nächsten Tage auf uns wirken zu lassen.


Nach einer unruhigen Nacht, verursacht durch die neuen Eindrücke, nutzten wir am nächsten


Morgen den Pool zur Erfrischung. Später, nach einem selbstgemachten Frühstück und frischen


Brötchen, geholt bei einem deutschen Bäcker, suchten wir unsere Kollegen auf.


Diese standen mit zähem Willkommenslächeln vor der Empfangshalle und begrüßten uns mit


einem: »Na, schon eingelebt?« Wir bestätigten gegenseitig unsere negativen Ansichten über die Anlage und gingen dann gemeinsam in den vorbestimmten Schulungsraum.


Dort erwartete uns ein türkischer Verkaufsleiter mit der freudigen Begrüßung: »Ich bin euer Teamleiter.


Ich werde euch alle Kniffe der Branche beibringen und dann machen wir fette Beute.«


Auf diesen Begriff reagierte ich schon immer allergisch. Es ist der übelste Spruch eines Verkäufers mit dem Beigeschmack, einen Kunden über den Tisch gezogen zu haben. Seine Kleidung rundete die gemachten Äußerungen perfekt ab.


Er trug ein himmelblaues Seidenhemd mit leuchtend roter Krawatte, weiße Leinenhosen und


an den nackten Füßen trug er weiße Mokassins. Die rabenschwarzen Haare hatte er mit sehr viel Öl gebändigt und um sich den nötigen männlichen Touch zu geben, wuchs ein kurzgeschnittener Schnauz über seiner Oberlippe. Er klischierte DIE REISE ZUM BLAU


perfekt das negative Bild eines Latinlovers. Dementsprechend hörte ich auch kritisch zu.


»Die Kunden werden über Straßenagenten eingeladen, neunzig Minuten mit euch im Beratungssaal zu verbringen. Dafür erhalten sie ein Geschenk. Eure Aufgabe ist es, die Interessenten zu motivieren, mit euch verschiedene Anlagen zu besichtigen, um dann, nach mindestens sechs Stunden, einen Vertag zu unterschreiben. Die Besitzer können sich für eine Woche in diese oder eine andere Anlage einkaufen. Für lächerliche 12.000 EURO.«


»Das ist aber sehr viel Geld für eine Woche. Wie soll sich das rechnen?«, warf die einzige Frau unter uns Männern ein.


Ich schätzte sie auf Ende dreißig, und ihre Statur war klein und drall. Ihre Hautfarbe schien wie


Porzellan und ihr rundes Gesicht, von Sommersprossen übersät, wurde von rotbraunen, strähnig dünnen Haaren gerahmt. Ihrer hellen Stimme unterlag etwas Quengelndes, und der Türke reagierte sofort gereizt.


»Ihr sollt ja auch nicht direkt über Preise reden. Macht den Vorteil klar, dass eine vierköpfi ge


Familie für nur 90 EURO Buchungsgebühr eine Woche in unserem Luxusclub Urlaub verbringen kann. Die Flüge sind dermaßen günstig, dass sich der Kauf dieser Woche in etwa acht bis zehn Jahren gelohnt hat. Das wird doch kein Problem sein? Der Kunde soll ausrechnen, was er mit seiner Familie in einem Durchschnittshotel bezahlt.


Das wird ihn einsichtig machen.«


Die Rothaarige schnappte beleidigt nach Lu , DIE REISE ZUM BLAU senkte jedoch gleichzeitig ihren Kopf, damit sie wieder aus dem Angriff sfeld kam. Die anderen hörten mit interessiert unbeteiligten Mienen zu und verkniff en sich jede kritische Frage.


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