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Reiseberichte
Buch Leseprobe Burned, Ufniarz Jean
Ufniarz Jean

Burned


In 72 Tagen von Dawson Creek nach Fairbanks /

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Mit Pumpgun auf dem Fahrrad! 03.00 Uhr, etwas früh am Morgen. Ein PKW hupt wie wild – it`s time to get up! Yeah, ich würde sagen, es ist Zeit zum Sterben. Zu deren Glück war unser Todeskandidat zu schnell wieder weg. Es ist noch, oder wenn man es so will – schon wieder hell. Da ich sowieso nicht mehr schlafen kann, entscheide ich mich zu starten, denn das Wetter scheint schön zu werden und ich kann gut vorankommen. So lasse ich die zwei Schläfer umringt von wartenden Mosquitos zurück. Da allerdings auf den ersten 15 km ein Leatherman auf meinen Wagen aufspringt, höre ich Blue schon förmlich ächzen, den jeden Tag kommen Neuzugänge zum Equipment. Was hier so alles rumliegt! Was kann der Tag noch bringen? Eine einfach zu beantwortende Frage: Hitze! Ich brenne von innen raus, der Fuss ist immens angeschwollen, der Kreislauf fast auf dem Nullpunkt, einen Ruhepuls gibt es wohl nicht. So lege ich mich auf einem Parking Slot in den Schatten, Füße hoch und versuche mich zu entspannen. Doch wie immer gibt es auch hier nur an ausgewählten Plätzen Ruhe. Besuch aus Lorsch in Deutschland. Es gibt Wiener Würstchen, Äpfel und Tee sowie natürlich eine Bildersession. Diese findet im späteren Verlauf den Weg in den Lorscher Einhäuser, einer hessischen Zeitung, in welcher wir auch schon mit unserem Vorbereitungstraining vertreten waren. Der linke Spann ist verhärtet, ich kann den Fuß nicht mehr abknicken, geschweige den darauf stehen. Unser Treffpunkt für heute heißt aber Tetlin Junction. Hier zweigt der Taylor Highway über 180 Kilometer via Top of the world drive über Chicken (ja, kein Witz, über Hühnchen) ab gen Dawson City und endet in einer Kleinstadt namens Eagle. Bei meinem Eintreffen wirkt diese Kreuzung jedoch etwas ernüchternd. Die Lodge dort ist halbverfallen und geschlossen. Eigentlich nichts Neues, aber hier wollten wir eigentlich übernachten, duschen, waschen und vor allem unseren Wasservorrat auffüllen. Jedoch bekommen wir von einer Dene im Busch Wasser und sie spendet 10 $ neben den Wurzeln, die sie uns zum Essen gibt. Ich habe eine Ahnung was es war, aber es schmeckte nach Kartoffeln. Sie hat selber Kinder von denen einige bei der Geburt gestorben sind, und das sie nicht gerade wohlhabend ist, sieht man an ihrer Hütte. Trotzdem unterstützt sie uns. Tja, hier ist es anders als in Europa. Sollte man nicht das was einem im Leben zuteil wird weitergeben!? Vor mir im Tal liegt Tok, die nächstgrößere Ortschaft. Ich gehe jetzt schon am Stock, würde aber heute Abend gerne duschen. Also, kommen weitere 20 Kilometer auf mich zu. Bei meiner derzeitigen Geschwindigkeit dürften es dreieinhalb bis fünf Stunden Laufzeit sein. Also geht es mehr humpelnd als laufend in Richtung Zivilisation. Einzig positives, jeder zurückgelegte Zentimeter ist einer weniger. Über den Tanana River, wo ich an einem Aussichtspunkt wieder 2 Biker treffe, geht es mit fallender Geschwindigkeit und steigenden Schmerzen weiter. Es scheint für Außenstehende echt übel auszusehen, da ein ganzer Haufen Personen halten und mir helfen wollen. Ich bin jedoch bis hierher gelaufen und gebe jetzt bestimmt nicht auf. Die letzten 10 Kilometer vor Tok gestalten sich dann zu einer wahren Gehirnwäsche, es geht nur geradeaus, ebenes flaches Land. Zeit zum Sterben. Man merkt nicht einmal, das man sich vorwärtsbewegt, zudem kein Schatten. Laufen auf Asphalt in der prallen Sonne, so soll es bis Fairbanks weitergehen. Na dann, gute Nacht! Es ist zuviel. Eine Abrollbewegung mit dem linken Fuß ist nicht mehr möglich. Laufen auf der Ferse ist angesagt und endlich, ...... am Horizont erscheint mein Ziel. Tok, die „Schlittenhunde-Hauptstadt“ Alaskas, eine Ortschaft mit knappen 1400 Einwohnern. Auch hier gruppiert sich alles um den ALCAN und zieht so die Ortschaft über mehrere Kilometer in die Länge. Hier führt auch der Glenn Highway gen Westen nach Glennallen und Anchorage. Der Highway, den auch Jan befahren will. Seinen Namen hat Tok noch aus Zeiten des zweiten Weltkrieges: (Tokyo Camp). Heute gilt die Stadt als der Eingang Alaskas. Sie ist Handelszentrum der Athabascan Native Villages (Tanacross, Northway, Tetlin, Mentasta, Dot Lake und Eagle) und Hauptumschlagplatz der Touristen auf ihrem Weg gen Norden. Mushing wird hier groß geschrieben und von Ende November bis Ende März gibt es hier ein Vielzahl an Hunderennen. Ich finde Oli und Jan, der wegen Knieproblemen, sein Vorhaben nach Anchorage zu radeln vorerst abbrechen musste im Gateway Salmon Bake. Ich bin absolut am Ende. Gestartet gegen 03.00 Uhr, Ende 19.00 Uhr, 16 Stunden Laufen mit einer Distanzleistung von 71,2 km. Und genauso fühl ich mich auch. Ab in die Holzkiste). Beide laden mich auf ein Essen im Gateway Salmon Bake ein. Hier gibt es ein „all you can eat“ – lohnt sich wirklich (Lachs, Heilbut, Renntier Wurst, Barbecue Ribs, Büffel Burger, ..). Und wenn man hier isst, kann man auch umsonst auf dem Campingplatz zelten. Zelt aufbauen, duschen und dann zusammenbrechen. Der Fuß ist nahzu zweimal so dick wie normal und macht in Sachen Farbe dem Himmel alle Konkurrenz. Diesmal jedoch schon ins Schwarze übergehend. Ich hab echt genug, ......... für heute. Im nachhinein hat sich dieser Zeitpunkt als Bruch des Knochens an der OP-Stelle herausgestellt. Als Glück ist nur zu verzeichnen, dass sich die Bruchenden nicht verschoben haben. Der Mensch, speziell ich, lernt wirklich nichts dazu. Zusätzlich zur Schwellung des Fußes hat sich der Spann und das Schienbein entzündet. Es ist keine Abroll-, Kipp- und Gehbelastung des linken Fußes möglich. Rechts hat sich dafür der Cut immer noch nicht geschlossen. Die meiste Zeit des Tages verbringe ich mit dem Hochlegen des Beines, Relaxen, dem Mixen von Chemiecocktails, Fußpflege sowie der Verbrennungen im Gesicht. Nachmittags geht es dann humpelnderweise ins Visitor Center, wo wir auch ein deutsches Pärchen auf einem Tandem treffen – mit Pumpgun auf dem Fahrrad (Nobody is touching my women)!

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