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Reiseberichte
Buch Leseprobe BRASILIEN - meu amor, Frank Dienst
Frank Dienst

BRASILIEN - meu amor



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Waschmaschinen und Volksmusik

   Rio do Sul/Brasilien im April Fern scheint mir der eiskalte Wintertag, an dem ich Hamburg durch die Lüfte verließ. Weit weg der Tag, an dem mich liebe Freunde am Flughafen verabschiedeten und mir in den letzten Stunden meines Aufenthaltes in Deutschland den Abschied noch schwerer werden ließen. Die letzten Tage im Januar waren gefüllt mit zu Organisierendem; selbst in den letzten Stunden in meiner Wohnung sind mir noch ein paar Dinge eingefallen, die erledigt werden mussten. Dann kam der große Augenblick: Auf der einen Seite großer Abschiedsschmerz, auf der anderen Seite große Neugier auf das, was da kommt. Beides hielt sich äußerst genau die Waage, so dass ich erstaunlich ruhig in das Flugzeug stieg und entsprechend entspannt die Reise von Europa nach Südamerika erlebte. Erwartungen hatte ich so gut wie keine, da ich über meinen neuen Wohnort praktisch nichts wusste. Lediglich in einem Prospekt hatte ich ein Foto von Rio do Sul mit einer hölzernen Hängebrücke und ein wenig Grün dahinter gesehen. Vielversprechend schien das nicht.  [...] 


Nach einer kurzen Nacht sah ich ein wenig schlaftrunken aus dem kleinen Fenster des Flugzeugs und erblickte die ersten Lichter auf einem nachtschwarzen Grund. Das musste Südamerika sein - irgendwo über dem Amazonas, irgendwo über einem riesigen Dschungel, über einer riesigen Stadt, in der Arm neben Reich lebt, in der der große Karneval gefeiert wird, irgendwo über dem Regenwald, in dem Ureinwohner leben, irgendwo über Brasilien. Langsam ging die Sonne auf, und am frühen Morgen landeten wir in São Paulo, um dann kurz darauf zu unserem Bestimmungsflughafen Florianópolis im Süden Brasiliens weiterzufliegen. Wie es immer so ist: je näher das Ziel einer Reise rückt, desto größer wird die Spannung, und so habe ich mir die Nase am Fenster bald platt gedrückt und so viele Fettflecken auf der Scheibe produziert, dass die Putzfrau bestimmt noch einmal extra wischen musste. Was ich aber sah, war einfach atemberaubend: Unter mir die Ilha de Santa Catarina, weit und breit nur saftig-grüne Hügel, rundherum umgeben von Traumstränden und hellblauem Wasser, gleichsam eine Perle im Ozean. In einer ausgedehnten Schleife flogen wir auf den auf der Insel gelegenen Flughafen zu. Kaum wurden die Türen des Flugzeugs geöffnet, warf es mich fast um: Meine Nerven und meine Seele waren noch auf Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt eingestellt, und plötzlich umgaben mich 35 Grad Celsius im Schatten und eine tropisch-feuchte Luft, die mir allerdings wesentlich angenehmer ist als die grausame Kälte eines norddeutschen Winters. Wie wunderbar also die Ankunft: Empfangen von Palmen, für mich das Symbol des Südens und der Wärme. Nach den Palmen folgten dann die Menschen: am Ausgang wartete bereits ein Vertreter aus Deutschland, der für die Betreuung der Deutschlehrer in der Region zuständig ist, nebst Gemahlin, die uns mit Orchideen in der Hand begrüßte. Welch' wunderbarer Auftakt für ein neues Leben in Brasilien! Mit dem Auto ging es dann zu unserer Unterkunft für die ersten drei Tage. Diese lag in einer einfachen Pension direkt an einer Lagune (entsprechend heißt der Ort auch Lagoa), umgeben von Stränden und Dünen. So war es mir dann vergönnt, vor Beginn meiner Tätigkeit als Lehrer an einer ausländischen Schule erst einmal ein paar Tage richtig Urlaub machen zu können. Noch am Tage unserer Ankunft schafften wir es tatsächlich wider aller Erwartungen, unser Gepäck, das wir vorher als Luftfracht in Deutschland aufgegeben hatten (ich kam auf stattliche siebzig Kilogramm!), beim Zoll einzulösen. Die dafür zu erledigenden Aktivitäten waren allerdings ein Abenteuer für sich: Mein persönliches Hab und Gut konnte nämlich nicht einfach so abgeholt werden, obwohl es aufgrund meines Status als Dienstreisender für die Bundesrepublik Deutschland vom Zoll befreit war. Statt dessen wies man uns an, sich ins Zentrum der Stadt zu begeben, dort ein bestimmtes Büro aufzusuchen und ein besonderes Formular mitzubringen. Noch genügend Zeit vor uns wähnend, begaben wir uns also zu jenem Büro, in dem uns zwei Sekretärinnen begrüßten, die uns jeweils einen Stapel doppelseitig bedruckter Formulare in diversen Farben zum Ausfüllen in die Hände drückten. Dazu kamen noch einige Dokumente, die ich aus Deutschland mitbringen musste: Das brasilianische Konsulat hatte von mir eine vierfach ausgefertigte Liste meines gesamten Umzugsgutes inklusive Wertangaben gewollt, die mir dann nach langer Zeit in einem mit einem schönen Wachssiegel verschlossenen Umschlag zurückgesandt worden war. Der ganze Vorgang hatte sich sogar noch ein wenig verzögert, als dass ich die Wertangaben zunächst in Dollar gemacht hatte, dann aber plötzlich die Angaben in meiner heimatlichen Währung gefordert worden waren. Glücklicherweise hatte man nicht moniert, dass ich den Wert meiner Unterwäsche und Socken lediglich mit fünf Euro angegeben hatte. Zusammen mit den bisherigen Papieren aus Deutschland ergab das Ensemble von Zetteln einen bereits beachtlichen Stapel im Büro des Zollamtes, der dann auch noch einmal kopiert wurde. Unglücklicherweise war der für die Unterschrift notwendige Abteilungsleiter gerade zu einem Arztbesuch entschwunden. Man versicherte uns aber, dass er in Kürze wiederkommen würde. Nun blieb uns plötzlich nur noch etwa eine halbe Stunde, bis die Gepäckausgabe am Flughafen schloss und ein langes Wochenende vor uns lag. Der Unterschreiber kam jedoch noch rechtzeitig, und nach ein paar hastigen Dankesworten machten wir uns in rasanter Fahrt durch den Feierabendverkehr wieder auf den Weg zurück zum Flughafen. In der Annahme, dass nun gleich Betriebsschluss sei und alles entsprechend schnell vonstatten gehen würde, frohlockten wir beim Vorweisen unserer Dokumente. Leider schien aber Bürokratiegläubigkeit vor Wochenendfreuden zu stehen, und unsere Gepäckstücke, die lediglich simple Haushaltsdinge enthielten, wurden peinlich genau kontrolliert, um die Übereinstimmung mit besagter Liste zu überprüfen. Nachdem nun alle T-Shirts, Bücher, CDs und dergleichen kräftig bewegt wurden, durften wir uns endlich auf den Weg machen, einen eifrigen Beamten in dem guten Glauben hinterlassend, er habe seiner Pflicht in voller Güte Genüge getan. Am nächsten Tag fühlte ich mich auf einmal ein wenig elendig, aber das lag, abgesehen von dem Temperaturschock und der strapaziösen Odyssee des Vortages, sicherlich auch an dem Impfcocktail, der in meinem Körper Bataillone von Antikörpern erzeugte. In den Tagen vor meiner Abreise hatte ich mich nämlich gegen alles Notwendige für den Aufenthalt in Brasilien impfen lassen: ein Schuss Diphtherieimpfung in den linken Arm, ein Maß Gelbfieberschutz in die rechte Armbeuge, eine Ladung Hepatitisvorbeugung ins Gesäß, da wird es dann ein bisschen eng in den Blutbahnen. Am darauf folgenden Tag war alles vorbei, und ich fühlte mich fit für Brasilien. So erkundete ich dann die nähere Umgebung und gewann die ersten Eindrücke meiner neuen Heimat für die kommende  Zeit. Vom Boden aus betrachtet erinnerte mich die Landschaft um Lagoa herum an eine Mischung aus Hawaii und Kärnten mit Temperaturen wie in der Sahara. Glücklicherweise war das Meer zum Abkühlen nicht weit! Einen Tag später holte mich dann meine Schulleiterin, Dona Hilda, höchstpersönlich nebst ihrem Gatten, Pastor Rudolfo, ab, um mich nach Rio do Sul mitzunehmen. Vorher noch hatte ich im Hause des Deutschlehrerbetreuers meinen Kollegen Bernardo, seines Zeichens ehemaliger pietistischer Pfarrer, Autoverkäufer und jetzt Deutsch- und Erdkundelehrer, kennen gelernt, der etwa gleichaltrig ist, ein über die Maßen exzellentes Deutsch spricht, mir sehr viel in den ersten Wochen meines Aufenthaltes geholfen hat und der mir im übrigen ein guter Freund geworden ist. Auf einer Fahrt durch eine wunderschöne Landschaft mit bis zu den Gipfeln dicht bewaldeten Hügeln, mit geheimnisvoll und majestätisch aussehenden Araukarien, mit wahrhaftigem Urwald, alles in sämtlichen erdenklichen Grüntönen ging es dann zu meinem zukünftigen Wohnort, in dem ich zunächst einmal eine provisorische Behausung direkt gegenüber der Schule bezog. Die Unterkunft war eine 200-qm-Wohnung mit drei Badezimmern, einem Wohnzimmer von der Größe eines Tanzsaales und noch vier weiteren Zimmern, in denen sich ganze sechs Möbelstücke sowie ein wenig Geschirr verloren. Meine endgültige Wohnung, die der Schulleiterin und ihrem Gatten gehört und die sie mir zu einem wahrhaft christlichen Preis vermieteten, wurde erst Anfang März frei.


In dem Provisorium hielt ich mich aber zunächst nur eine Nacht auf, denn am nächsten Tag begab ich mich auf ein Deutschlehrerseminar in Treze Tílias ( = Dreizehnlinden), eine Art Tiroler Dorf im brasilianischen Dschungel. Die Entscheidung, gleich nach meiner Ankunft dorthin mitzufahren, erwies sich als richtig, denn so hatte ich die Möglichkeit, viele Menschen kennen zu lernen und viel über das Land und seine Menschen zu erfahren. Allein die Fahrt war ein Erlebnis für sich: Ausläufer des Atlantischen Regenwaldes, von Dunst umhangen und geheimnisvoll, sanfte Hügel, wohin das Auge blickt, und kaum Anzeichen von Zivilisation. An dem Seminar nahmen etwa fünfzig Kollegen aus dem Bundesstaat Santa Catarina teil, vorwiegend Frauen, denn Lehrer werden hier in der Regel schlecht bezahlt, und so dient er vielen eher als Nebenjob. Eine Kollegin beispielsweise arbeitet vormittags und nachmittags jeweils als Arzthelferin und abends als Lehrerin, denn ihre Schule zahlt ihr für eine volle Tätigkeit umgerechnet lediglich um die zweihundert Euro. Welche Auswirkungen das auf die Unterrichtsqualität hat, lässt sich erahnen ... . Treze Tílias wurde von Einwanderern aus Tirol gegründet, die offensichtlich viel von Traditionspflege hielten. Jedenfalls hat der Ort ein paar tausend Bewohner, die fast alle deutsch sprechen; sogar ein österreichisches Konsulat befindet sich dort. Traditionspflege äußert sich vorwiegend in tänzerischen Darbietungen in Form von Schuhplattlern in Krachledernen und Dirndln. Dass dort überall Palmen üppig umherstehen scheint da nicht so ganz ins Bild passen zu wollen, beweist aber, wie diese mitteleuropäische Folklore selbst tausende Kilometer entfernt überlebt. Was die Musik angeht, spielte diese auch auf dem Seminar eine große Rolle. Jeder Morgen wurde mit dem gemeinsamen Anstimmen diverser Hitparadenschlager aus Marianne und Margots Volkstumsshow begonnen. Leider konnte ich bei den Texten nicht ganz mithalten, was nicht nur an meiner unausgeprägten Gesangsstimme lag, sondern vielmehr an der fehlenden Kenntnis deutschen Liedgutes, was im übrigen meine Kollegen wunderte, denn viele glauben hier, dass Deutschland kulturell wie vor langen Zeiten entwickelt sei. Neben den Seminaraktivitäten zeichnete sich die Veranstaltung durch reichhaltige Büfetts dreimal am Tag aus. Aus war es da mit den Diätplänen. Wir wohnten im besten Hotel vor Ort, welches den Namen - wie sollte es auch anders sein - 'Tirol' trägt. Es ist mit netten Zimmern und einem Swimmingpool ausgestattet, was in Anbetracht der feuchtwarmen Hitze eine wahre Wohltat war. Als problematisch erwies sich allerdings die Verteilung der Gäste auf die Zimmer. Die Damen hatten den Vorzug, in kleinen Zimmern untergebracht zu sein, derweil die Herren, wir waren acht an der Zahl, sich ein Zimmer teilen mussten. Das an sich ist kein Problem, aber wenn diverse Schnarcher ihren Nachtfrieden zum Unfrieden der anderen machen, wird das ganze zu einem Albtraum. Die erste Nacht verbrachte ich jedenfalls komplett schlaflos, die weiteren zog ich es vor, mich im Treppenhaus zu betten, was zwar etwas unbequem war, aber wenigstens deutlich das Gefühl, von einer Unzahl Kettensägen umgeben zu sein, verringerte. Interessanterweise verstanden sich einige der Kollegen, die vorwiegend deutschstämmig waren, immer noch als Kolonialisten. Bedenkt man, dass die Besiedlung der ganzen Gegend tatsächlich erst vor vier oder fünf Generationen begonnen hat, scheint das fast einzuleuchten.


 


Den Abschluss des Seminars bildete ein sogenannter Bunter Abend, der mit der Darbietung einiger Sketche begann und in einer Art Tiroler Samba-Nacht endete: Mit großer Ankündigung bot eine der örtlichen Volkstanzgruppen, die es hier im übrigen zuhauf gibt, und die sich auch bei vielen meiner Schüler großer Beliebtheit erfreuen, eine Auswahl ihres Repertoires an Tänzen, wie beispielsweise den Tiroler Reigentanz, den Garmischer Plattler oder als Höhepunkt der Darbietungen den Vorarlberger Bergarbeiterplattler. Bei kräftigem Schenkelklatschen und fliegenden Dirndln war das Publikum voller Entzücken. Nun hat das freilich noch nicht viel mit einer rauschenden Samba-Nacht zu tun. Zu der kam es wie folgt: Nachdem die schweißtriefenden Buben und Maiden sich aus dem Saale entfernt hatten, besann man sich zunächst der gehobeneren Tradition europäischen Musikgutes und spielte einen Walzer an. Langsam wechselten die Rhythmen, und schließlich war man beim Bossa Nova; von dort ist es dann kein großer Schritt mehr zum brasilianischen Nationaltanz, der Samba. Zusammen mit einigen Tanzspielen (begleitet von viel Gejubel musste immer ein Besen weitergereicht werden und die Tanzpaare wechselten) wurde nur noch getanzt, getanzt, getanzt. Ein Rhythmus, bei dem man einfach mit muss! Ich selber habe meinen persönlichen Marathonrekord im Tanzen gebrochen und war mehrere Stunden ununterbrochen auf dem Parkett. Bei der Riesenstimmung, die die Nacht hindurch herrschte, war das ein wahrer Hochgenuss. Zur Abkühlung ging es dann mitten in der Nacht in den Swimmingpool und am nächsten Morgen nach Rio do Sul zurück, wo ich dann endgültig Quartier bezog und begann, den Ort zu erkunden.


 


[...]


 


Nicht nur Modeartikel, sondern auch fast alles andere ist hier erstaunlich kostspielig, und das gilt nicht nur für Importprodukte, sondern auch für solche des heimischen Marktes. Die Preise sind bei vergleichbaren Dingen etwa so wie in Deutschland, nur dass der Mindestlohn, den im übrigen ein großer Teil der Bevölkerung verdient, bei etwa 150 Euro liegt. Das gleiche gilt fürs Telefonieren: Nach der Bearbeitung meines Taschenrechners erblickte ich mit Entsetzen, dass mich eine Minute Gespräch nach Europa etwa drei Euro kostet, und das zur günstigen Abendtarifzeit! Als ein wenig problematisch für mich erweist sich auch, dass längst nicht alles in den Geschäften zu haben ist. Der ständigen Handwäsche leid, liebäugelte ich mit dem Gedanken, mir eine Waschmaschine zuzulegen. Man versicherte mir, dass ich eine neue schon für 150 bis 200 Euro bekommen könnte. Als ich dann jene im Laden stehen sah, musste ich meine Hoffnungen auf den Kauf eines Waschautomaten allerdings drastisch zurückschrauben: Bei den günstigen Geräten handelt es sich um Holzfässer (!), in denen sich am Boden eine große Drehschraube befindet, die die Wäsche lediglich ein wenig hin und her bewegt. Moderner anmutende Geräte, die möglicherweise sogar schleudern, liegen dann bei Preisen um 500 Euro, wobei es sich um Modelle handelt, die zwar verheißungsvoll diverse Waschprogramme anbieten, aber nur eine Temperaturstufe kennen, nämlich die kalte. Das liegt nun weniger an der Nachfrage möglicherweise energiebewussten Kunden, sondern schlicht daran, dass die Stromleitungen hier zusammenbrechen würden, wenn man ein solches Gerät anschließen würde. Bis auf weiteres wasche ich nun also mit der Hand, wobei ich mir von kundigen Hausfrauen ein paar Tipps geben lassen habe. Um kräftig getragenen Tennissocken wieder einigermaßen Originalfarbe zurückzugeben, empfiehlt es sich, die eingelaugten Stücke einen Tag auf das Gras in die Sonne zu legen, am Abend, nach einem Spülgang im Waschbecken, sehen sie dann wieder fast wie neu aus. Ökologisch bewusst lebenden Mitbürgern in Deutschland würde ich diese Methode gerne nahe legen, wenn dort die Sonne etwas intensiver scheinen und der häufige Regen den Spülgang nicht schon vorwegnehmen würde. Was das Kapitel der Haushaltstechnik angeht, lebt man also einerseits recht umweltbewusst, andererseits aber auch lebensgefährlich. Jeden Morgen stehe ich unter der Dusche, in der Hoffnung, nicht durch einen Stromschlag radikal wach zu werden. Das Wasser fließt nämlich durch eine Art Durchlauferhitzer, der sich in einer fest installierten Brause befindet. Damit jener mit Strom versorgt wird, gehen bloße, mit Plastikband umwickelte Drähte zu einem Stecker, der an der Wand direkt hinter der Dusche Eingang in eine überdies noch ungeerdete Steckdose findet. Dass Feuchtigkeit Strom leitet, habe sogar ich im Physikunterricht begriffen, und so sind meine Morgenschauer von Schauern im wahrsten Sinne des Wortes begleitet. Wo ein solches Gerät möglicherweise zu gut funktioniert, bereiten andere Dinge wie Staubsauger, Stereoanlage oder Nachttischlampe mehr Schwierigkeiten. Faustregel scheint zu sein, etwa jedes zweite Gerät, das mit Strom betrieben wird, nach dem Kauf erst einmal umtauschen zu müssen. So erging es mir jedenfalls mit einigen Dingen. Nun, das hat aber auch den Vorteil, dass der Kunde seinem Geschäft treu ergeben ist und immer mal wieder im Laden vorbeischaut. Dass die Ladenschlusszeiten leider ziemlich eingeschränkt sind – um 18.00 Uhr wird geschlossen - , stört da nicht viel. Immerhin die Apotheken haben häufig 24 Stunden am Tag geöffnet und sind nachts infolgedessen beliebte Treffpunkte.


Da Brasilien innerhalb von vier Jahren inzwischen seine fünfte Währung hat, war man beim Gestalten der Münzprägung der derzeitig geltenden Geldstücke entsprechend fantasielos. Die sechs verschiedenen Münzen unterscheiden sich lediglich durch den eingeprägten Wert und durch einen winzigen Größenunterschied im Durchmesser. In vielen Läden ist man aus permanentem Mangel an Kleingeld übergegangen, ab und zu einmal statt Münzwechselgeld den Kunden mit Kaugummis oder Bonbons zu beglücken. Erstaunlicherweise ist es mir bisher allerdings noch nicht gelungen, mit dieser Art von Ersatzgeld zu bezahlen, was insofern ärgerlich ist, als dass sich bereits ein stattliches Häufchen an Kalorienbömbchen bei mir angesammelt hat, dessen Verzehr mir jedoch aus qualitativen sowie dentalen Gründen schwer fällt. 


[...]


 


Bei der extrem feuchten Luft kann es einem schon einmal passieren, dass man geradezu zu winterlichen Schipparbeiten kommt, denn in den Eisfächern der Kühlschränke sieht es schnell aus wie das Riesengebirge im Januar. Überhaupt hat das Leben hier viel mit Wasser zu tun. Wenn man nicht gerade schwitzt, dann wird geduscht, und duscht man gerade nicht, treibt der Schweiß einem schon wieder Perlen auf die Stirn. Außerdem gibt es in der ganzen Gegend viele Flüsse, die wegen der sintflutartigen Regenfälle ab und zu über ihre Ufer treten. Mit Wasser hatte auch das Badewochenende in Balneário Camboriú zu tun. Freunde von mir haben dort ein Appartement in einem der unzähligen mindestens fünfzehn Stockwerke hohen Betonbunker. Das ganze Wochenende fand hauptsächlich in der horizontalen Lage statt, denn das Appartement war mit einladenden Hängematten ausgestattet, außerdem lagen wir am Strand oder badeten im wohltemperierten Meer. Der Ort selber bietet keine Attraktionen, es sei denn man interessiert sich für Großwohnsiedlungsarchitektur à la Berlin-Marzahn oder Benidorm. Wunderschön dafür aber sind die Buchten in diesem Landstrich und die dahinter liegenden Hügel, die vor üppiger Natur nur so strotzen. In ihr befinden sich die eigenartigsten Tiere und Pflanzen, deren Namen ich zuvor noch nie gehört hatte. Alle Tiere scheinen hier größer zu sein: manche Kakerlaken haben Fingergröße, handtellergroße Schmetterlinge in den schillerndsten Farben und den bizarrsten Mustern, metergroße Echsen aber auch winzig kleine Kolibris laufen und fliegen hier so in der Gegend umher. Angeblich soll es auch kleine tödliche Spinnen geben. Zur Folge hat das für mich jedenfalls ein wachsames Auge für die Kanten und Ecken eines Raumes und ein tägliches kräftiges Ausschütteln meiner Kleidung. Diese Artenvielfalt muss wohl auch von dem sehr wechselhaften Wetter bestimmt sein: An einem Tag kann es heiß und frisch, regnerisch, sonnig, windig und tief bewölkt sein. Dabei sind Temperaturunterschiede im Herbst und Winter von zwanzig Grad Celsius innerhalb ein paar Stunden keine Seltenheit. Über all diese vielfältige Natur wölbt sich dann noch der mir so ganz neue Sternenhimmel der Südhalbkugel, dessen Erkennungszeichen das berühmte Kreuz des Südens sowie das Sternbild Orion ist. Das wohl Faszinierendste daran ist für mich die sichtbare Präsenz der Milchstraße, die man sogar in lichtdurchfluteten Ortschaften noch erkennen kann.


 Aber warum nur in die Ferne schweifen: Auch in Rio do Sul und den Nachbarorten tobt das Leben! Es gibt nicht nur Volkstanz in Ibirama (ehemals Hansa-Hamônia; ein Städtchen, das von Hamburgern gegründet wurde), sondern jeder Ort, und sei er noch so klein, hat sein großes Fest. Da ist das berühmte Zwiebelfest in Ituporanga, eine Stadt, die man schon vierzig Kilometer vorher am Geruch erkennt, das Polentafest in Rio do Oeste, bei dem alle nur erdenklichen Gerichte aus der aus Italien stammenden, gebratenen Maispampe gereicht werden, das Entenschlachtfest in Brusque, das Königschießen in Indaial - es wird dabei aber keineswegs auf einen König geschossen, denn den gibt es in Brasilien schon seit 1889 nicht mehr - , das Fest der Natur in einem Ort namens Doutor Pedrinho, das Strickwarenfest in Jaraguá do Sul, das weltberühmte Oktoberfest, immerhin das zweitgrößte seiner Art, in Blumenau und natürlich nicht zu vergessen, der Höhepunkt der kulturellen Aktivitäten Rio do Suls: das zur gleichen Zeit stattfindende Kegelfest. Der landesweite Höhepunkt Brasiliens ist jedoch der Karneval. Ich war auch zum Karneval in Rio, na ja, nicht Rio de Janeiro, sondern Rio do Sul. Aber der hatte es auch in sich: vier Tage lang nur tanzen, tanzen, tanzen ...! Jeder mit jedem und überall. Darunter mischen sich viele Männer, die sich als Frauen verkleiden, - so etwas nimmt man hier in Brasilien nicht ganz so genau. Der Samba-Rhythmus ist einer, bei dem man einfach mit muss. Beim Tanzen bewegt man die Füße rhythmisch, als wenn man auf der Stelle geht, sowie den Oberkörper und den Unterleib dazu al gusto; auf diese Weise kann man tatsächlich stundenlang tanzen, ohne komplett erschöpft zu sein, - die Stimmung tut ein übriges! Wirklich jeder tanzt: Frauen und Männer mit schlafenden Kleinkindern auf den Schultern, Kinder, Senioren, und dabei ist die gesamte Stimmung höchst erotisch, denn da gibt es Männer und Frauen, die ihre Unterleiber kreisen lassen und jemandem zutanzen oder verheißungsvolle Blicke zuwerfen. Entsprechend der hiesigen traditionellen Wurzeln kann es schon mal passieren, dass das bekannte Volkslied 'Rosamunde' oder gar die ebenso bekannte Titelmelodie aus 'Doktor Schiwago' im Samba-Rhythmus ertönt, überall ist die Musik sehr laut, trifft jede Faser der Gehörnerven, und die Texte der dargebotenen Musik sind manchmal blasphemisch und oft recht obszön. Allerdings erschöpfen sich damit die kulturellen Aktionsmöglichkeiten Rio do Suls auch schon. Das einzige Kino weit und breit wurde vor kurzem zugunsten der 'Universalen Kirche des Königreiches Gottes' aufgegeben, wobei der Ersatz sicherlich auch unterhaltsamen Wert hat, aber sicherlich nicht das Niveau eines Kinofilms erreicht. Rio do Sul pflegt auch internationale Kontakte. Vor kurzem trat in der großen Festhalle ein Ensemble aus dem argentinischen Partnerstädtchen namens 25 de Mayo ( = 25. Mai) auf. 'Sehen und gesehen werden' war hier das Motto, und tatsächlich traf man überall auf ein bekanntes Gesicht, dem dann freundlich zugenickt wurde oder dem ein paar Worte der Konversation gewidmet wurden. Die Jugend vergnügt sich eher in Discos, derer es mehrere in und um Rio do Sul gibt. Ich selber hatte das Vergnügen, dem Eröffnungswochenende des Farol beizuwohnen. Wie so vieles hier wurde das Tanzlokal ins weite Feld gebaut, und die Anfahrt entwickelte sich zu einer abenteuerlichen Landpartie. Unglücklicherweise hatte es die Nacht vorher geregnet, so dass die blank geputzten Pumps und Treter der Gäste die Gestalt von Stallschuhen annahmen, was jedoch einen reizenden Kontrast zu den feinen Ausgehroben der Jugend bildete. Einigermaßen sicher am Eingang der Diskothek angekommen, wälzten wir uns mit den Massen in den Raum direkt auf die Tanzfläche, die so gut wie überhaupt nicht erleuchtet war. Das war allerdings von Vorteil wie sich alsbald herausstellte, denn sich einen Weg durch die Massen zu bahnen war unmöglich; man wurde lediglich in eine Richtung geschoben. Bei Licht hätte das leicht Panik erzeugt. Die dabei entstehenden Körperkontakte waren zahlreich und spontan, und die Kommunikation ob der hohen Dezibelwerte der Musik nur nonverbal. Inzwischen ist mir auch klar, warum die meisten jungen Brasilianer so schlank sind: Mit nur ein paar Pfunden mehr wäre es im Farol noch enger geworden und man wäre dem Erstickungstod nahe gewesen. Erstaunt hat mich dabei der Musikgeschmack der Jugendlichen. Ich dachte bisher immer, dass Gruppen wie Pink Floyd, Led Zeppelin oder Fleetwood Mac Markenzeichen eher meiner schon etwas betagteren Generation sind, denn in Deutschland kennt kaum jemand unter zwanzig diese Musik. Zu meiner Überraschung aber sind das hier die Spitzenreiter der jüngeren Menschen. Dagegen sind Techno und Hip Hop anscheinend unbekannt, den Rest der Musik bildet fröhliche Discomusik, die dem Naturell der Brasilianer wohl auch eher entspricht. Die Generation meiner Altersgruppe bevorzugt dagegen eher alles, was Maria und Margot Hellwig Freude machen würde. Da kann es schon einmal passieren, das einem bei einer Einladung zu einem Abendessen die neuste Videoaufnahme der Volkstümlichen Hitparade aus Deutschland stolz vorgeführt wird. Hier nimmt man tatsächlich an, das sei auch der allgemeine Geschmack der Menschen in Deutschland. In möglichst taktvoller Art wirke ich dann ein wenig aufklärerisch und tue kund, dass Ernst Mosch & Die Egerländer oder die Fischer-Chöre meinen Geschmack etwa so treffen wie Kartoffeln mit Himbeersoße. Dennoch lässt sich nicht verhehlen, dass deutsche Volksmusik in dieser Gegend zum allgemeinen Kulturgut gehört. Sogar einige meiner Schüler schwingen regelmäßig ein- bis zweimal pro Woche das Tanzbein in Volkstanzgruppen namens 'Vergissmeinnicht' oder 'Almrausch'. Selbst meine Schule hat zwei solcher Tanzgruppen, die sich allerseits großer Beliebtheit erfreuen.  Nicht nur auf diese Weise bildet die Schule oft genug den Mittelpunkt des Lebens so mancher Schüler und Lehrer. Auch ich bin einigermaßen in die Aktivitäten meiner Schule involviert. Die besteht aus einem zweistöckigen, langgestreckten Bau, der zum einen vom Itajaí-Fluß und zum anderen von einer über ihn führenden Brücke begrenzt wird. Unglücklicherweise rumpelt darüber auch der Schwerlastverkehr der Stadt, so dass ein kommunikativer Unterricht oftmals beeinträchtigt ist, vor allen Dingen, wenn sich ein Teil der Schülerschaft mit nur zaghafter Stimme äußert. Hinzu kommt, dass die Räume äußerst nüchtern und mit einfachem Mobiliar bestückt sind. Zum Vorteil der Schüler gibt es immerhin einen Deutschraum, der ausschließlich für den Unterricht meiner Muttersprache verwendet wird. Mit dem von diversen deutschen Kulturinstituten zugesandten Material ließ sich der Raum einigermaßen zu Schuljahresbeginn gestalten, so dass wir uns alle wohl darin fühlen. Dann kam der große Tag, der erste Schultag. Alle Schüler wurden in der mit einer Tribüne bestückten Sporthalle versammelt, und es ertönte ein heroisches Instrumentalstück, zu dem wir Lehrer gleichsam im Triumphmarsch unter andauerndem Beifall der Schüler die Halle betraten. Nachdem der gemeinsamen Freude auf das neue Schuljahr genug kund getan war, sprach die Schulleiterin ein paar andächtige Worte, und ein vorher immer wieder eingeübtes Gesangsstück aus dem christlichen Liederfundus wurde zum besten gegeben. Danach folgte, abermals unter tosendem Beifall, die Vorstellung der einzelnen Lehrer. Nach dieser belebenden Vorstellung ging es schließlich zum Unterrichtsgeschehen über. Aber nicht genug des Heroischen! Am Nachmittag wurde die gleiche Vorstellung noch einmal gegeben, denn meine Schule arbeitet im Zweischichtsystem: Das heißt praktisch, dass zwei Schulen in einer sind. Aufgrund der Tatsache, dass zum einen die Raumkapazitäten nicht ausreichen und zum anderen auch viele Jugendliche arbeiten müssen, werden die Schüler in Schichten auf den Tag verteilt. Manche Lehranstalten arbeiten sogar in drei Schichten und manche Lehrer an zwei verschiedenen Schulen, oder manch andere fahren täglich abends in die etwa hundert Kilometer entfernt gelegene nächste Provinzstadt, um an der dortigen Hochschule ein Aufbaustudium oder überhaupt ein Studium zu absolvieren - und das bei teilweise vierzig Unterrichtsstunden oder mehr pro Woche! Um eine Familie zu ernähren, sind einige Lehrer einfach darauf angewiesen, viele Stunden zu unterrichten. In den staatlichen Schulen sieht es noch weitaus schlimmer aus. Die äußerst geringe Bezahlung der Lehrer dort nötigt die Kollegen, mindestens noch eine zweite Arbeit anzunehmen. Wie dem auch sei: Mit meiner Schule habe ich großes Glück gehabt, denn die Atmosphäre dort ist äußerst ruhig und angenehm, die Schüler im allgemeinen bildungswillig und die Schulleitung sowie die Kollegen sehr kooperativ und hilfsbereit. Als besonders positiv empfinde ich die Gewaltfreiheit, die dort herrscht. Was die Kommunikation mit Schülern und Kollegen angeht, nahm ich zunächst an, dass diese, vor allem mit letzteren, einigermaßen auf Deutsch zu pflegen sei. Aufgrund des vorangegangenen Unterrichts waren meine Schüler, etwa neunzig an der Zahl, die teilweise fünf Jahre und mehr Deutschunterricht genossen hatten, aber kaum in der Lage, auch nur ein paar Worte in Deutsch zu verstehen, geschweige denn zu artikulieren. Infolgedessen waren Bemühungen meinerseits ob der Benutzung der portugiesischen Sprache außerhalb des Unterrichts aufs Äußerste gefordert. Inzwischen kann ich mich gut verständlich machen, denn nicht zuletzt helfen mir meine Spanischkenntnisse dabei enorm; außerdem hatte ich einige Grundlagen dieser für mich neuen Sprache bereits in Hamburg bei ein paar Stunden Privatunterricht mit einer überaus charmanten Brasilianerin geschaffen.  [...] Keine Feier ohne Meier ...! Nach der feuchtfröhlichen Tanzveranstaltung in bäuerlichem Ambiente, gleichsam nach dem 'Dans op de Deel', wie man in meiner norddeutschen Heimat so sagt, war ich zu einer weiteren Festivität geladen, die in einem weit bescheideneren, dafür aber um so herzlicheren Rahmen stattfand. Der Bruder einer Bekannten und seine Frau hatten sich entschlossen, zu ihren zwei Knaben noch ein Mädchen zu gesellen. Und so kam es, dass eines schönen Tages eine kleine rothaarige Maid das Licht der Welt erblickte. Nun entspricht es aber der Sitte des Landes, dieses Kindlein zur Taufe zu führen, damit es den Segen des Heiligen Geistes erhalte. Wenige Wochen nach der Geburt sammelte sich also ein beträchtlicher Teil der Familie auf dem ländlichen Anwesen der Familie, - und zwar in einem Schweinestall! Nein, nicht eine dieser unordentlichen Stuben, in denen mancher unserer Mitbürger sein Dasein fristet, sondern ein richtiger Schweinestall, in dem sich kleine und große rosa-braune, fette Vierbeiner tummeln, die gefühlvoll quieken und grunzen und sich spaßig im eigenen Dreck suhlen. Die einfache Holzhütte der Familie bot nicht genügend Raum für die geladenen Gäste, so dass man auf die weitaus geräumigeren Tierunterkünfte ausweichen musste. Nun hatte die gute Hausfrau dafür gesorgt, dass die Tiere nicht zwischen den Gästen umherlaufen, um sich mit ihnen etwa um die Mahlzeit zu streiten. Einige Meter hinter der Tafel lagen die Ställe, so dass wir anwesenden Menschen nun dem sehnsüchtigen, schmachtenden Grunzen und dem zwanglosen Furzen der Vierbeiner lauschen mussten, was in Anbetracht der beträchtlichen Lautstärke, zu denen diese fähig sind, zu gewissen Kommunikationsstörungen der Tafelteilnehmer führte. Als gesprächshemmend erwies sich auch der penetrante Duft durch Schweinedärme gegangener Verdauungsprodukte. Stets am Rande einer Meuterei meines Bauches erklomm mein Mageninhalt den Schlund, durch den er zuvor gerade hinunter befördert worden war und verursachte einen Engpass im Halsraum, der wiederum die Luftröhre daran hinderte, für die zum Sprechen notwendige Ventilation zu sorgen. Besonders dramatisch wurde der Moment, als frisches Schweinefleisch auf den Tisch kam und gleichzeitig die Sauen hinter mir ihr eigentümliches Konzert anstimmten. Als Großstädter kenne ich Schweinefleisch nur aus der Kühltruhe, und da quiekt es nicht mehr und ist in formpraktischen Stücken abgepackt, so dass meine Fantasie kaum beflügelt wird. In dem Ambiente, in dem ich mich aber auf jener Tauffeier befand, drangen Bilder von grausamen Schlachtorgien und zu Tode entsetzten Tieren in mein empfindliches Gemüt ein, so dass an einen weiteren Verzehr jeglicher Nahrung nicht mehr zu denken war.  [...]



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