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regionale Bücher
Buch Leseprobe Na dann, frohes Fest!, Gerald Gleichmann
Gerald Gleichmann

Na dann, frohes Fest!


Geschichten rund um die schönste Zeit des Jah

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Dies Bildnis ist bezaubernd schön
„Werden wir in diesem Jahr von ihr verschont?“, drängte Ulf und trat ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. Nele schwieg beharrlich. Wie ein hypnotisiertes Kaninchen starrte sie auf das Schreiben in ihren zitternden Händen. Selbst ihre Atmung schien kurz auszusetzen. Ein Umstand, der Ulf dann doch bedenklich stimmte.
Die im Kalendermonat Dezember von ihnen befürchtete Heimsuchung betraf einzig den überfallsmäßigen Einmarsch von Ottilie, der schrecklichen, andererseits aber nicht unvermögenden Erbtante Neles.
Glücklicherweise hetzte jene umtriebige, fast 80-jährige Weltentdeckerin meist unermüdlich zwischen allen Dschungeln, entdeckten Ruinenstätten, entlegenen Inseln und eingeborenen Völkerstämmen auf dem Globus umher. Pünktlich zu den weihnachtlichen Festtagen fiel sie allerdings wie ein gewaltiger Wirbelsturm über die Grieses her. Beladen mit unzähligen Koffern, Taschen, einem Wanderstock und ausgeblichenem Filzhut. Kurzerhand bestimmte sie deren Behausung zu ihrem vorübergehenden Hauptquartier, verbreitete ein heilloses Durcheinander, trieb Nele und Ulf mit lässiger Leichtigkeit in einen wahnsinnsähnlichen Zustand, ehe sie um den Dreikönigstag herum fluchtartig zur nächsten Erforschung der bislang von ihr noch nicht entdeckten Zivilisation, rätselhaften Ausgrabungsstätte oder irgendeiner weiteren originellen Seltenheit aufbrach.
Immerhin war es bereits kurz vor Ultimo. Jeden Morgen schielte Ulf zuallererst angespannt auf das Datumsblatt des Kalenders. Und je näher Heiligabend heranrückte, umso verwirrter schlich er durch die Wohnung, schreckte bei jedem Läuten an der Haustür hoch und litt zunehmend an Herzrasen und einer Magenverstimmung.
Dem Himmel sei Dank erschien Ottilie vorerst nicht in eigener Person, sondern erschütterte die Grieses mittels einer ominösen Depesche, die Nele noch immer nervös blinzelnd zu deuten versuchte. Die offensichtlich mit Wasserfarben auf scheinbar uraltes ägyptisches Papyrus gemalten Schriftzeichen waren Wochen zuvor nahe einem der Gräber im Tal der Könige postalisch von der Tante versandt worden. Dessen Adressat doch zufällig erreichend, bedurfte es nun womöglich einer Heerschar Schriftkundler, um Tante Ottilies Lebensweisheiten zu übersetzen.
„Heureka!“, jubelte Nele Griese ein gefühltes Viertelstündchen später erleichtert, da ihr auf rätselhafte Weise irgendwie gelungen war, den vermeintlich altsumerischen Briefcode zu entschlüsseln. Oder fast, wie sie Ulf kleinlaut eingestehen musste. Denn was gleich darauf aus ihrem Mund sprudelte, klang, als versuche sie verzweifelt, die Nationalhymne eines pazifischen Inselstaates auf Marsianisch zu singen.
„Krr mampf koko aba ...“
„Aba was?“, fragte Ulf verständnislos. Und eine Spur gereizter: „Lass gefälligst diesen Unsinn! Was schreibt sie wirklich? Sind wir in diesem Jahr vor ihrem Einmarsch sicher?“
Das waren eindeutig zu viele Fragen auf einmal für Nele. So fuhr sie unbeirrt in ihrer Litanei fort: „Awai bil schen schie ...“
„Schen schie bil?“, hauchte Ulf entsetzt.
„Nein, awai bil schen schie!“, widersprach Nele trotzig. „Das steht jedenfalls in ihrem Brief. Zumindest glaube ich das.“
„Hat das gute Tantchen unterwegs vielleicht ihr Filzhütchen verloren und darum zu viel afrikanische Sonne abbekommen?“
„Woher soll ich das wissen? Ich verstehe ja noch weit weniger“, gestand Nele ein, ihre Tränen nicht länger zurückhaltend.
Aufgebracht riss er das Papier aus ihren Händen. „Liest du ihre apokalyptischen Prophezeiungen oder ich?“
„Falls du glaubst, klüger zu sein ...“
„Bin ich ohne jeden Zweifel!“, behauptete Ulf allen Ernstes.
Nele blieb skeptisch, verschwieg das aber geflissentlich. Um Ulf nicht vor Verzweiflung aus dem Fenster springen zu sehen. Zugleich unterdrückte sie ein hämisches Grinsen, denn dessen eigener Versuch blieb ebenso ergebnislos.
„Krr stampf kakao Hawaii schen schie ...“, murmelte der fassungslos. Obwohl er ihr niemals eingestehen würde, eben doch nicht schlauer zu sein als sie. Beide rauften sich ihre Haare. Auch das half wenig. Noch immer wussten sie nicht, ob Erbtante Ottilie zum Weihnachtsfest mit ihren unzähligen Koffern, Taschen, einem Wanderstock und mit ausgeblichenem Filzhut vor ihrer Tür stand. Oder aber, und das wäre ihr allerschönstes Geschenk gewesen, die Weltentdeckerin verbrachte die besinnlichen Tage zufriedener mit sich und massig Kakao trinkend auf Hawaii, während sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters Ski zu fahren versuchte. Die verwischten Zeilen der Depesche schienen das irgendwie anzudeuten: Krr stampf kakao Hawaii schen schie ...
Bevor sie die Angelegenheit weiter bereden konnten, schellte es stürmisch an der Haustür und beide wurden plötzlich sehr blass.
Und wenig später umso erleichterter, da nicht Erbtante Ottilie aufdringlich Einlass begehrte, sondern ein Bote von der Post den Knopf höflich betätigt hatte. Der schien sehr erfreut darüber zu sein, Ulf Griese einmal persönlich kennenlernen zu dürfen. Sehnsüchtig grinste er den Hausherrn an, als hätte er während seiner anstrengenden Auslieferungstour irgendetwas Exotisches geraucht. Oder zumindest hastig eingeworfen.
Mit einem engelhaften Lächeln wuchtete er dem verdattert Dreinschauenden eine unförmige Paketsendung in dessen abwehrend erhobenen Arme und meckerte fröhlich: „Ich bin zwar nicht der Weihnachtsmann, doch beschere ich pünktlich – falls ich kann!“
„Demzufolge können Sie das momentan!“, entgegnete Ulf nicht ganz so heiter wie jener.
Zurück im Wohnzimmer bestaunte Nele zuallererst die Vielzahl der darauf aufgeklebten, bunten Marken und stellte beeindruckt fest: „Immerhin hat diese Schachtel eine sehr weite Reise hinter sich!“
„Solange nach dem Öffnen nicht Tante Ottilie aus dem Karton hüpft, kann mich kaum mehr etwas erschüttern“, brummte Ulf säuerlich. Obschon ihn ebenfalls brennend interessierte, welche Bescherung die sich für ihre erbwürdige Verwandtschaft in diesem Jahr ausgedacht hatte.
Das Entfernen der kilometerlangen Verschnürungen sowie der Umhüllung war eine regelrechte Schwerstarbeit, wobei Ulf und Nele abwechselnd laut stöhnten oder leise fluchten.
Was eine halbe Stunde später zum Vorschein kam, verblüffte beide und ließ selbst Ulf für einen winzigen Moment sprachlos werden.
Bis Nele nach einer heftigen Schnappatmung entrückt von allem Irdischen stammelte: „Kra kra dawai schie schen bi ...“
„In diesem Fall bin ich völlig deiner Meinung!“, murmelte Ulf nicht minder entsetzt.
Inzwischen beäugte Nele das für sie mehr als fragwürdige Objekt von allen Seiten, bestaunte es mal längs und mal quer, rutschte auf allen Vieren darum herum und wandte sich schließlich mit einem Hilfeschrei an Ulf: „Um aller Heiligen willen, was soll das sein?“


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