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regionale Bücher
Buch Leseprobe Frau Fischer ermittelt, Karin Büchel
Karin Büchel

Frau Fischer ermittelt


Frau Fischers Fälle 1

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...


„Spielplatz an der Hermannstraße. Beuel Mitte. Wieder eine Plastiktüte im Sand. Frau Fischer: Wer macht so etwas?“


„Ich habe keine Ahnung. Ein Wahnsinniger! Ein Kranker! Wir müssen ihn kriegen, ehe noch mehr Tüten gefunden werden. Und dann nehmen wir ihn in die Zange. Ich will wissen, wo er die anderen Tüten versteckt hat und wer der Tote ist. Verdammt noch mal, so etwas darf es nicht geben.“ Ich zupfte mir am linken Ohrläppchen. Tat ich immer, wenn mich etwas bedrückte, Gerd störte diese Geste. Sie mache ihn nervös, wie er zu sagen pflegte.


War mir egal, jetzt ging es um eine erneute Tüte.


Jensen fuhr schnell, das Blaulicht war ein flackernder Schein in den vorbeihuschenden Fensterscheiben. Die Elsa-Brändström-Straße war gepflegt, viele Einfamilienhäuser, oft mit kleinen Grünanlagen vor den Eingangsbereichen. Das Schild „Zone 30“ interessierte uns nicht. Wir rasten und hielten mit quietschenden Reifen an der Hermannstraße Ecke Ringstraße.


Mein Gott, ich sah sie schon aus einiger Entfernung. Ein blaue Plastiktüte. Ich rannte über die Wiese und schrie mit nach Luft schnappender Stimme: „Und? Was ist drin? Wo lag sie? Wer hat sie gefunden?“


Jensen war hinter mir. Ich sah einen kurzen Augenblick seine Augen. Pures Entsetzen war zu erkennen. Ich verstand ihn gut. Er war noch jung, vielleicht Mitte dreißig. Seit zehn Jahren im Dienst, hatte Frau und drei kleine Kinder. Seine Gedanken konnte ich erahnen. Allein die Vorstellung, eines seiner Kinder würde so eine Tüte finden!


„Wer hat sie gefunden?“


„Dort drüben, die junge Mutter. Ist mit ihrem kleinen Kind hier.“ Ich sah eine etwas arg übertrieben tätowierte, junge Frau auf der Bank sitzen. Beide Arme hatten diverse Tattoos, unter ihrem viel zu kurzen Shirt spinkste ein Schlangenkopf der aus einem Herz schaute, hervor und ihre Waden schmückten etliche Mosaike. Ein Kleinkind saß auf ihrem Schoß und sie schaute ungeduldig zu uns.


„Ich gehe zu ihr. Sie sichern den Fundort und graben den gesamten Spielplatz um. Alles. Auch die anliegende Wiese. Man weiß ja nie!“ Ich lief zur Bank, strich dem kleinen Mädchen mit den lustig wippenden Zöpfen kurz über den Kopf und gab der Mutter die Hand.


Sie hatte einen ganz leichten Händedruck, fast zaghaft, ein Unterlippen-Piercing und die schwarzen Haare wild durcheinander gegelt.


„Ich heiße Regine Fischer. Bin ermittelnde Hauptkommissarin. Erzählen sie bitte, was passiert ist.“


Sie nahm sich eine Zigarette aus der Wickeltasche und sah meinen doch sehr vorwurfsvollen Blick.


„Ich rauche nur wenn ich nervös bin. Die Kleene nervt ab und zu. Sie verstehen?“


„Gut, also wo haben sie die Tüte gefunden?“


„Da!“ Sie zeigte mit der linken Hand in Richtung Rutsche. „Unter der Rutschbahn. Chantalle-Jaqueline wollte rutschen. Und dann bin ich mit ihr.“ Sie zog an der Zigarette und atmete den Qualm durch Nase und Mund gleichzeitig aus.


„Okay. Also: Sie rutschten mit ihrer Tochter und dann?“


„Dann wollte Chantalle-Jaqueline Kuchen backen und ich bin auf die Bank. Hab mir eine Fluppe angemacht. Sandspiele langweilen mich.“


„Und dann?“


„Dann schrie Chantalle-Jaqueline, sie habe was.“


„Eine Tüte?“


„Ja, sie patschte mit ihren Händen da drauf und dann gab ich ihr ein paar auf die Finger.“


„Warum? Sie ist doch noch so klein.“


„Sie soll nicht alles anfassen. Das muss sie lernen und Ole will ein erzogenes Kind und kein ungehorsames.“


„Ich verstehe. Ole? Ist das ihr Mann?“


„Nä, um Gottes Willen! Nur der Vater. Aber er zahlt. Das reicht. Benny ist mein Freund.“


„Ach so.“ Ich schluckte alles herunter, was mir in diesem Moment durch den Kopf ging.


Musste ich ja nicht verstehen.


„Jensen?“ Meine Stimme klang belegt, mir tat das Kind leid und dann wieder eine Tüte im Sand. „Jensen? - Ach da sind sie ja. Wir müssen die Personalien von der jungen Frau aufnehmen und halten sie, um Gottes Willen, die Schaulustigen zurück. Mensch, die ignorieren ja sogar die Absperrungen. Ist es denn zu fassen! - Hey! Sie da. Hier ist ein Absperrband gezogen. Bleiben sie dahinter.“ Meine Stimme polterte zu den Neugierigen hinüber. Laut und unmissverständlich. Ich war sauer auf so viel Ignoranz und Gleichgültigkeit.


Ich schaute mir den Spielplatz an. Klein war er, umgeben von einer ungepflegten Hecke und direkt an der Straße gelegen. Zur einen Seite grenzte eine Wiese, die wahrscheinlich oft zum Fußball spielen benutzt wurde. Sie sah abgetreten und herunter gekommen aus. Vereinzelte, ziemlich abgenutzte Sitzgelegenheiten standen an den Seiten. Die Spielfläche war unter einem riesigen Kastanienbaum. Eine alte Rutsche, eine verrostete Wippe und ein liebloser Sandkasten. Und genau in diesem lag sie: Die Tüte.


Verdammt! Warum versteckte der Wahnsinnige die Tüten auf Spielplätzen. Und wie viele werden noch gefunden?


Ich stöhnte leise vor mich hin, zog mir meine Einmal-Handschuhe an und inspizierte den Platz genauer. Die Tüte war größer als die zwei bereits gefundenen Tüten. Schwerer auch und aus einem anderen, festeren Material, so schien es mir.


Mann, ich kämpfte mit meiner aufkommenden Übelkeit. Bekam sie glücklicherweise schnell in den Griff und schaute in die umliegenden Papierkörbe.


„Alles muss mitgenommen werden. Jeder Papierschnipsel, jede Kippe, jede Scherbe, jedes Bonbonpapier. Jensen, sorgen sie bitte dafür, dass alles ins Labor geht. Wir müssen den Täter finden, ehe die Presse uns zerreißt.“


Jensen nickte mir kurz zu. Auf ihn konnte ich mich verlassen, das spürte ich nach so kurzer Zeit als Hauptkommissarin.


„Hier! - Die Spusi soll hier mal genauer schauen. Hier sind Fußabdrücke im seichten Boden. Hier auf dem Weg!“ Alles war wichtig, jede noch so kleine Spur konnte von Bedeutung sein. Die Kollegen waren mit Eifer bei der Arbeit. Jeder war hoch konzentriert, ich spürte, dass der Druck enorm war.


„Frau Fischer!“


„Ja, Jensen?“


„Wir bringen die geschlossene Tüte direkt in die Rechtsmedizin. Wir vermuten, es könnte sich um den Torso handeln. Die Schaulustigen werden immer aufdringlicher und die Presse vor Ort hat auch schon Wind von der Sache bekommen.“


„Okay, ich bleibe bis hier alles aufgenommen wurde und komme dann direkt ins Polizeipräsidium.“


„Und die Pressekonferenz?“


„Die können mich mal! - Hier haben wir genug zu tun. Ich kann hier nicht weg. Sollen einen neuen Termin ansetzen.“ Damit drehte ich mich wieder meiner eigentlichen Arbeit zu: Dem Ort des Tütenfundes.


„Mensch, passen sie auf ihr Kind auf. Es klettert auf die Rutsche. Das geht nicht.“ Klein Chantalle-Jaqueline war bereits auf der vierten Sprosse und fing natürlich fürchterlich an zu schreien, als sie herunter getragen wurde.


„Haben Sie ihre Personalien angegeben?“ Ich stand neben der jungen Frau, die der Kleinen sofort wieder ein paar auf die Finger geben wollte. „Nein! Nicht schlagen. Das Kind kann doch nicht dafür. Sie müssen besser aufpassen. Erklären, warum sie nicht rutschen darf. Wenn wir alle Daten von ihnen haben, dann können Sie gehen.“


„Nä, nä, zu hause muss ich wieder den Keller putzen. Hier ist es schöner.“


„Schöner? Ich höre wohl nicht richtig. Nehmen sie ihr Kind und gehen sie. Von mir aus an den Rhein die Enten füttern oder Steine ins Wasser werfen. Aber hier können sie nicht bleiben. Das ist ein Tatort!“ Na, geht doch.


Chantalle-Jaqueline winkte mir kurz zu, hüpfte neben ihrer Mutter über Steine, die gar nicht da waren und dann verließen beide den Spielplatz.


Das hatte mir gerade noch gefehlt: Mütter die Langeweile haben und eigentlich viel zu jung und unreif sind für ein Kind.


Gleichzeitig kam mir der Gedanke, dass womöglich noch weitere Tüten in Beuel versteckt sein könnten. Um Gottes Willen!


„Jensen! Wir müssen alle Spielplätze absperren, umgraben und auch die umliegenden Sportplätze. Ich will nicht, dass noch einmal ein Kind eine dieser makaberen Tüten findet. Und wir müssen rund um die Uhr arbeiten. Keine freie Stunde. Urlaubsstopp für alle. Überstunden sind Pflicht.“ Jensen nickte, nahm sein Handy und gab die Anweisungen weiter.


„Schnell Leute, beeilt euch. Die Zeit läuft uns weg und der Wahnsinnige ist immer einen Schritt schneller als wir.“


 


***


 


 


 


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