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> Regionales > Auf dem Fahrrad macht man keinen Mi
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Buch Leseprobe Auf dem Fahrrad macht man keinen Mi, Engelhardt, Heinz
Engelhardt, Heinz

Auf dem Fahrrad macht man keinen Mi


Unterwegs am Main

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Ich sehe mir den Mann genau an. Er ist wirklich sehr hager, um nicht zu sagen, dürr. Braun gebrannt an Armen und Beinen. Ein wenig düster schaut er. Sein Gesicht ist von vielen großen und kleinen Falten durchfurcht, besonders um die blauen Augen herum. Buschige Brauen und ein dezenter Bart zieren sein Antlitz. Und die tolle Haarpracht – zottelig, grau gewellt. Ein sportlicher Typ. Nochmals nimmt er genüsslich einige Schlucke aus seiner Trinkflasche. „Wie viele Kilometer fahren Sie denn so am Tag?“, finde ich meine Worte wieder. Ich bin vom Durst gepeinigt. „Meist hundertzwanzig bis hundertvierzig. Seit vorgestern ist es aber weniger.“ Mein Mund bleibt vor Staunen offen. Da muss einem doch der Hintern qualmen! Jedoch äußere ich diese Vermutung nicht laut. Er weist mit seiner Hand auf sein linkes Bein. Vom Knöchel bis zur Wade ist ein notdürftiger Verband angelegt. „Es schmerzt manchmal ziemlich heftig, wahrscheinlich die Sehne. Ich habe meine Beine wohl etwas überanstrengt und jetzt lasse ich es langsamer angehen. Ich fahre nur so siebzig, achtzig Kilometer, ich habe ja Zeit.“ Langsam angehen? Und nur siebzig Kilometer am Tag! Noch immer bin ich perplex über diesen ungewöhnlichen Extremradler. „Waren Sie schon mal in Bamberg? Das müssen Sie sich unbedingt ansehen!“, beginnt er nun eine Schwärmerei. Radler geben sich immer Empfehlungen. Da kann ich nicht mitreden, so viel ich bin noch nicht umhergereist. „Den Dom und die Altstadt muss man einfach gesehen haben. Es gehört zum Weltkulturerbe. Manche nennen es Klein-Venedig. Erst ab Bamberg wird der Radweg richtig interessant. Sie sollten mal ...“ Angeber! Ich schalte auf Durchgang. Sollten – sollten – sollten… Ich bin froh, dass ich hier bin – und nicht in Bamberg. Trotzig nehme ich mir vor, niemals nach Bamberg zu fahren. Was bildet der sich ein, mit seinem dämlichen Bamberg! Ich falle ihm ins Wort: „Wie viele Kilometer sind Sie denn von Rügen an schon gefahren?“ Er stöbert in seiner hinteren Gepäcktasche, zieht eine schwarze Ledermappe heraus, blättert darin und fingert auf seinem Tacho herum. „Es sind genau siebenhundertzweiundvierzig Kilometer bis hierher.“ „Oh Gott, dazu brauche ich wohl ein ganzes Jahr!“, sage ich staunend. Mein Selbstbewusstsein ist zerstört. Ich mustere sein Fahrrad. Kettenschaltung, wohl achtzehn Gänge, und insgesamt sechs große Gepäcktaschen. Zwei sind am Vorderrad befestigt, zwei am Hinterrad, auf dem Gepäckträger ein übergroßes geschnürtes Bündel und am Lenker quillt ein weiteres großes Monstrum. „Was wiegt denn Ihr Gepäck? Bei mir sind das, mit allen Getränkeflaschen, etwa zwölf Kilo. Wenn ich mal bei Ihnen schätzen darf, bestimmt zwanzig Kilo“, rate ich. Fast bin ich mir sicher, richtig zu liegen. „Dreißig Kilo. Ich will unabhängig sein.“ Ich bin baff.


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