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regionale Bücher
Buch Leseprobe 400 Jahre Bügeleisenhaus, Heimatverein Hattingen-Ruhr e. V.
Heimatverein Hattingen-Ruhr e. V.

400 Jahre Bügeleisenhaus


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Vorwort:

400 Jahre Bügeleisenhaus – eine spannende Zeitreise

 


„Wer ein Haus besitzt, hat immer etwas daran zu tun, muss sich immer um etwas kümmern“, sagt der Volksmund, und sicherlich gibt ihm da jeder Hausbesitzer recht. Und was gibt es dann nicht alles zu tun, wenn man ein 400 Jahre altes Haus sein Eigen nennen darf?


Davon erzählt dieses Buch: Mit interessanten und informativen Aufsätzen begleitet der Heimatverein Hattingen-Ruhr e.V., stolzer Besitzer des „Hattinger Wahrzeichens“, seine Leser durch 400 Jahre Geschichte. Texte, Gedichte (auch in Platt), Berichte, Auf­sätze und  Bilder erzählen, wie es dem Haus, seinem Erbauer, sei­nen Bewohnern und der Architektur im Lauf von vielen Jahr­hunderten ergangen ist. Zusammen mit den Autoren unter­nehmen wir eine Zeitreise und lernen so ganz nebenbei auch die Geschichte der Stadt Hattingen kennen. Lassen Sie sich beim Lesen entführen, in die Zeit von Pest und Krieg, von Hunger und Not, in die Zeit von Wohlstand und Kreativität und alles mit Blick auf das Bügeleisenhaus.


Einen Einstieg in das „Damals“ bietet der Text von Heinrich Schöber; er entwirft mit seinen Worten ein Panorama der schlimmen Zeiten von 1570 bis 1670. Als Leser ist man tief beein­druckt, wenn man fast miterlebt, was sich in  Hattingen alles ereignet hat. Sei es die Pest, seien es die Spanier, Tillys Truppen, die Holländer oder Franzosen, die die kleine Stadt an der Ruhr besetzten, plünderten und ausbeuteten. Heinrich Schöber, dessen literarischer Nachlass im Besitz des Heimatvereins ist, kommt 1925 zur Erkenntnis: „Kein Wunder also, wenn uns Hattingen heute also so armselig erscheint.“


Danach lassen die Herausgeber den bekannten Dichter Otto Wohlgemuth zu Wort kommen. Romantisierend und gefühlvoll beschreibt er seine Erinnerungen an die vorweihnachtliche Zeit in den Hattinger Familien. Wir erfahren, schon damals gehörten zum Beispiel Rauchutensilien zu den beliebtesten Geschenken für Vater und Großvater. 100 Zigarren kosteten – sage und schreibe – 5 Mark, und es war bitteschön, die „gute Ware“. Der Dichter und Maler Otto Wohlgemuth verbrachte seine letzten Lebensjahre im Bügeleisenhaus, wo er 1965 starb. Der Heimatverein verwaltet seinen Nachlass, der aus Ölgemälden, Zeichnungen, Fotografien und Texten besteht und hat mit einem Teil der Sammlung einen „Otto-Wohlgemuth-Raum“ eingerichtet.


Das Bügeleisenhaus war bekanntermaßen lange Zeit im Besitz jüdischer Familien. Thomas Weiß, der  Stadtarchivar, erinnert an Selma Abraham, geb. Cahn, die im Haus geboren wurde, dort auf­wuchs, dann heiratete und mit ihrem Mann nach Duisburg wech­selte. Im Zuge der Vertreibung durch die Nazis wurden sie ins Ghetto nach Riga verschleppt, wo sie vermutlich 1942 starben.


Angela Beisken, langjährige Schatzmeisterin im Vorstand des Heimatvereins und Ahnenforscherin, hat eine Sisyphusarbeit geleistet.  Sie hat Quellen und Akten zusammengetragen, alte Protokollbücher gelesen, Zeitungsartikel recherchiert und kann nun „mit einem genauen Blick auf die Fakten“ in ihrem Text auf­zeigen, wie der Heimatverein, der sich nach dem 2. Weltkrieg neu gründete, in den Besitz des Bügeleisenhauses gelangte. Ein Text,  der sich liest wie ein Krimi. Denn hier werden die Leser mit  Namen konfrontiert, lernen die Handlungsträger und ihre Aktivi­täten kennen und erfahren so, wie skrupellos Mitglieder des Heimatvereins in der Zeit des Nationalsozialismus versuchten, sich des Bügeleisenhauses zu bemächtigen, ohne Rücksicht auf die Besitzer, die Juden waren. Es ist ihnen damals nicht gelungen.


Der „neue“ Heimatverein Hattingen, der sich nach 1945 gründete, konnte vor allem dank des Einsatzes von Wolfgang Rauh und Heinrich Eversberg das mittlerweile „heruntergekommene und fast wertlose“ Haus erwerben. Und er hat es dann in mühevoller Restaurierungsarbeit geschafft, das Bügeleisenhaus wieder in sei­nem alten Fachwerkglanz erstrahlen zu lassen. So hat der Heimat­verein in den 1960er Jahren die Bedeutung der Erhaltung von historischen Gebäuden für Hattingen ins Bewusstsein der Bevöl­kerung gerückt. Was wäre Hattingen ohne seine historische Alt­stadt?


Die Grabungstechnikerin Henrike Becker, beste Kennerin der
Geschichte Hattingens und des Bügeleisenhauses und Mitglied im Vorstand des Heimatvereins, erinnert in ihrer Zusammenstellung an die Bewohner und Bewohnerinnen des Gebäudes. Hier lebten viele Generationen. Manche von ihnen erblickten sogar im Haus das Licht der Welt, so auch im Jahr 1933 Margot Glittenberg, die sich gerne daran erinnert.


Heinrich Eversberg veröffentlichte 1963 einen Aufsatz über die Bau- und Sozialgeschichte des Bügeleisenhauses, den der Heimat­verein mit in dieses Buch aufgenommen hat. Der Leser erfährt viel über die Architektur des Fachwerkgebäudes. Noch spannender aber ist der Aspekt der Sozialgeschichte. Hier werden die ehema­ligen Besitzer wieder zum Leben erweckt, soweit es die Aktenlage zulässt. Sie waren Tuchhändler und Metzger, haben dort gelebt und gearbeitet, produziert und verkauft. Besonders bemerkens­wert ist, dass der Wert des „Ellingschen Hauses“, wie es allgemein genannt wurde, immer weiter stieg. Bei jedem Verkauf erhöhte sich die Summe der Goldtaler, die der Käufer zu zahlen hatte. Eine Entwicklung, die heute wohl eher gegenläufig ist.


Besonders intensiv gehen der Bauhistoriker Fred Kaspar (1980) und der Architekt Thomas Ritter (2005) auf die Architektur und vor allem auf die Sanierung des Hauses Haldenplatz 1 ein.


So endet denn auch das Buch mit einem Bericht über die letzte Sanierung der Giebelwand und das nächste Buch beginnt vermut­lich mit der erneuten Sanierung, die Rainer Fehling schon jetzt ankündigt. Der Vorsitzende des Heimatvereins betitelt wohl auch deshalb seinen Text „Sanierungen und Renovierungen - eine unendliche Geschichte.“


Ich möchte hiermit ein großes Dankeschön an den Heimatverein Hattingen-Ruhr e.V. richten: Mit dieser Aufsatzsammlung ist es ihm gelungen, neue Einblicke in die Historie „unseres“ Bügel­eisenhauses zu bieten. Mit seinen 400 Jahren auf dem „Buckel“ liest sich die Geschichte dieses schönen Fachwerkgebäudes auch wie eine Geschichte der Stadt Hattingen.


„Der spannendste Roman, den es meiner Ansicht nach gibt, ist die Weltgeschichte“, schreibt Robert Walser. So auch die Lokal­geschichte, abgebildet an den Geschehnissen von 1611 bis 2011 – 400 Jahre Bügeleisenhaus, 400 Jahre Hattingen.


Es gilt noch hinzuzufügen, ohne den Heimatverein gäbe es das Wahrzeichens Hattingens so vermutlich nicht. Herzlichen Dank an den Vorstand und die Vereinsmitglieder, die sich um das Bügel­eisenhaus kümmern, es säubern, renovieren und für Publikum öffnen und so das Haus und seine Geschichte im Bewusstsein aller halten. Dass dies gelingt,  beweisen die vielen Touristen, die sich sommers wie winters genau dort, vor der Giebelwand, fotogra­fieren lassen. Und was wäre ein Rundgang durch die Stadt ohne einen Halt am Bügeleisenhaus? Undenkbar!




Deshalb wünschen wir dem Haus und dem Heimatverein


 „Herr, bewahre dieses Haus
vor Feuer und Brand –
Hattingens Wahrzeichen werde ich genannt.“



Petra Kamburg, November 2011



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Andreas Gryphius


Es ist alles eitel

1637


 


Du sihst / wohin du sihst, nur eitelkeit auff erden.
Was dieser heute bawt / reist jener morgen ein:
Wo itzund städte stehn / wird eine wiesen sein,
Auff der ein schäffers kind wird spilen mitt den heerden.

Was itzund prächtig blüht sol bald zutretten werden.
Was itzt so pocht vnd trotzt ist morgen asch und bein.
Nichts ist das ewig sey / kein ertz kein marmorstein.
Itzt lacht das Gluck vns an / bald donnern die beschwerden.

Der hohen thaten ruhm mus wie ein traum vergehn.
Sol denn das spiell der zeitt / der leichte mensch bestehn.
Ach! was ist alles dis was wir für köstlich achten,

Als schlechte nichtikeit / als schaten, staub vnd windt.
Als eine wiesen blum / die man nicht wiederfindt.
Noch wil was ewig ist kein einig mensch betrachten.


 


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