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Ratgeberbücher
Buch Leseprobe Schiffbruch, Brissa Wudy
Brissa Wudy

Schiffbruch


und das Leben ist doch vollkommen

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Alles ist vollkommen


März des Jahres 2007


Ich schreibe für meine Freundin Trixi ein Empfehlungsschreiben für eine wunderbare Arbeit, die sie im Bereich Hospiz und Palliative Care geleistet hat. Kurz vor Mitternacht bin ich fertig. Ich fühle mich inspiriert und bin mit dem verfassten Text zufrieden. Das Schreiben hat mir Spaß gemacht.


Plötzlich bemerke ich vor meinem inneren Auge ein ungewöhnliches Bild. Ich sehe ein hölzernes Schiff, das an einer Insel gewaltsam gestrandet ist. Einige Latten sind gebrochen und stehen teilweise wüst zur Seite. Gleichzeitig wird mir in der Gunst der Stunde bewusst, dass mein Verstand mein Leben, vor allem die Geschichte meines Unfalles, der mir eine Querschnittlähmung und einen Rollstuhl brachte, so beurteilt. Ich sei aufgelaufen, gestrandet, eine gebrochene, gescheiterte Existenz sozusagen.


Im selben Augenblick WEIß ich aber, dass ALLES VOLLKOMMEN ist, genauso wie es IST. Mein Leben war und ist genau richtig. Egal welches Unglück geschieht, alles bewegt sich zu seiner Zeit unweigerlich zur Vollkommenheit zurück. Oder wie es für mich ein österreichischer Musiker in den wohlklingenden Worten ausdrückt „Don't you know wherever you are going to the warm and tender rain is gonna fall again."**1 oder wie es mir mein geliebter, sonst rationaler Stiefvater nach meinem Unfall ungewohnt gefühlvoll mit dem Songtext „You'll Never Be Alone"**2 nahebringen wollte oder wie ein asiatisches Sprichwort besagt: „Buddha wird an der Himmelstüre stehen, bis der Letzte hindurchgegangen ist." (Ich verrate Ihnen ein strenges Geheimnis: Dies gilt auch für Christen, Moslems, alle, sogar Frauen! Halt mit verschiedenem Empfangskomitee. Aber psst!) Nichts und niemand war jemals außerhalb, niemand ist oder war oder wird jemals verloren sein. Bedeutet das dann auch, dass alles erlaubt ist? Doch ich werde weggezogen vom bewussten Denken in meine Mitte hinein.


Eine innere Stimme sagt mir, dass ich meine Krankengeschichte aufschreiben und damit etwas von der vielen Liebe, die ich in dieser Zeit erhalten habe, zurückgeben könne und vielleicht sogar dem einen oder anderen, der Ähnliches erlebt hat, etwas Trost spenden könne. Vor meinem inneren Auge waren aber auch plötzlich Figuren, die aus dem gestrandeten Schiff krabbelten. Sie hatten bestimmte Charaktere und Schicksale, manche hatten schon Namen. Sie verkörperten das, was leichter in Bildern und Geschichten erzählt werden kann als in der Sprache des Verstandes. Ich solle diese zwei Handlungsstränge in abwechselnder Folge erzählen. Der Arbeitstitel „Schiffbruch oder die Vollkommenheit des Lebens" solle mir helfen, den roten Faden zu behalten.


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