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Buch Leseprobe Mein Leben bei der Feuerwehr, Jelinek Harald
Jelinek Harald

Mein Leben bei der Feuerwehr



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11. Kapitel   -   Technischer Hilfsdienst, zweiter Zillenkurs, natürlich wieder Einsatzerzählungen



Diesmal fühlte ich mich um einiges wohler, als beim ersten Dienst in Hernals, es war alles so vertraut, die Kollegen empfingen mich freundlich. Anfangs war nur die Alarmfrequenz eine Umstellung für mich, vor allem in der Nacht war ich es nicht mehr gewöhnt aufzustehen. Da ich diesmal keinen Küchendienst, oder andere administrative Arbeiten erledigte, fuhr ich auch sehr oft 3. BLF, und da hat man in der Nacht fast immer zumindest eine Ausfahrt. Es dauerte keine fünf Wochen, seit die Ablöse vorbei war und ein Einsatz ereignete sich, woran ich mich heutzutage in manchen Lebenssituationen noch erinnere. Ich glaube nicht, dass man es als traumatisches Einsatzerlebnis bezeichnen kann, denn die Erinnerungen lösen keine Beängstigung aus, es passiert auch meistens unter Tage. Worauf ich noch nicht gekommen bin, ist, wann dieser Auslöser in meinem Unterbewusstsein aktiviert wird, ich kann es keiner bestimmten Lebenssituation zuordnen. Manchmal sitze ich im Auto und plötzlich erinnere ich mich an diesen Einsatz, andermal aber spreche ich mit Personen und plötzlich, auch wenn es nur für Bruchteile von Sekunden auftaucht, kommen mir Szenen des Einsatzes in den Sinn. So schnell sie kommen, so schnell verschwinden sie auch wieder, diese Erinnerungen, eigenartig, irgendetwas Bedeutendes muss damals schon ins Unterbewusstsein aufgenommen worden sein.
Es war ein kühler Herbsttag, Anfang November, ein Wochentag, die Uhrzeit zeigte beim Alarm 21 Uhr 30. Laut Ausrückeordnung fährt zu dieser Einsatzart, nämlich verdächtiger Feuerschein ein Gruppenfahrzeug und zwar das 1.BLF. Ich fuhr an diesem Tage die Nummer 2, das bedeutet bei einem Brand würde ich den Atemschutz tragen, bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir erst eine Ausfahrt, ein TUS Brandmelder. Diese Art des Einsatzes möchte ich als nächsten Punkt beschreiben, aber kommen wir zurück zu dem verdächtigen Feuerschein. Ein Einsatz welcher für den Gruppenkommandanten einen unangenehmen Beigeschmack herbeiführen kann, denn im Prinzip kann diese Alarmierungsart jegliche Gefahr bis hin zur Mystifikation oder auch Irrtum beinhalten. Wiederum solch eine Situation, wo man sich auf der Hinfahrt keinerlei Konzept zurechtlegen kann, erst bei der Ankunft kann man sich ein Bild machen und dann die bestmöglichen Entscheidungen treffen.
Wir kamen in einer Gasse des 16. Bezirkes, den Namen der Gasse möchte ich wieder aufgrund der Schweigepflicht nicht nennen, um 21 Uhr 40 an. Vor dem Aussteigen ordnete unser Kommandant uns an, beim Fahrzeug zu verbleiben, er wird die Erkundung mit der Nummer eins durchführen, er erwähnte auch noch, dass wir auf Funkkanal acht gehen sollen, damit er uns jederzeit rufen kann. Beim Eintreffen an der Adresse erwartete uns bereits der Anzeiger beim Haustor, ein junger Mann, welcher im Jogginganzug nervös am Stand hin und her tappte und eine Zigarette in langen Zügen rauchte. Ich beobachtete meinen Kommandanten, wie er ihn begrüßte und der junge Mann in gestikulierenden Bewegungen seine Beobachtungen schilderte. Immer wieder schauten sie während der Erzählungen in das gegenüberliegende Haus, welches auf keinen Fall ein Wohnhaus sein dürfte, denn die Fenster waren eng aneinander gereiht und sehr hoch und schmal, es deutete auf eine Firma. Unser Kommandant, ein sehr erfahrener, ruhiger Mensch, dürften diese Erklärungen zu wenig gewesen sein, denn nun begaben sie sich alle drei in die Wohnung des Anzeigers, die Wohnung lag genau gegenüber des vorhin erwähnten Gebäudes. Nach etwa zehn Minuten kamen unsere beiden Kollegen ohne den jungen Mann wieder aus dem Haus. Ich erfuhr im Nachhinein, dass sie im dritten Stock der Nähfabrik, welches der Anzeiger wusste, Fenster beobachten konnten, welche sehr milchig von außen aussahen. Da die anderen Fenster der gesamten Fabrik aber glasklar waren, und nach Aussage des Anzeigers die besagten Fenster normal auch nicht milchig waren, wurde unsere Kollegen stutzig und mussten der Sache genauer auf den Grund gehen. Der junge Mann, welcher in der Wohnung allein wohnen dürfte, meinte auch noch, dass er einen kurzen Feuerschein wahrnehmen konnte, als er sich vergewissern wollte, konnte er nur mehr dieses milchige, nebelige in den Fenstern erkennen. Die Gasse war doch etwas breiter, es war bereits dunkel, die Straßenbeleuchtung nicht ausreichend, kurz um unsere beiden erfahrenen Feuerwehrmänner konnten aus der Vis a Vis Wohnung nichts genaues feststellen.
Wir stiegen alle aus dem Fahrzeug aus und begaben uns mit Einbruchswerkzeug zum Haupteingang Unser Kommandant überlegte nicht lange, er sah die robuste, vermutlich aus Stahl bezogene Türe, probierte noch mittels Sperrhaken, ob sie eventuell nicht versperrt  ist, da dies nicht der fall war, forderte er über Funk eine Drehleiter an. Wir hatten bis zu deren Eintreffen die Zeit uns vollständig auszurüsten, und die Einsatzsituation zu besprechen.
Gegen 22 Uhr traf unsere Drehleiter aus Hernals an der Einsatzstelle ein, nach kurzen Anweisungen unseres Kommandanten, wurde die Leiter in Stellung gebracht. Die Nummer eins und ich rüsteten uns mit Atemschutz aus und begaben uns in den Drehleiterkorb. Währendessen wurde eine Löschleitung vom Gruppenfahrzeug über die Drehleiter gelegt, das Strahlrohr wurde angeschlossen und die Leitung befüllt. Der Maschinist der Drehleiter hievte uns in den dritten Stock, wo das vorhin bemerkte, milchige Fenster zu sehen war. Als wir oben angelangt waren, leuchteten wir mittels Handscheinwerfer in die Räume hinein, und tatsächlich war es im besagten Bereich des dritten Stockwerkes verraucht. Vermutlich aufgrund der Lärmentwicklung der Drehleiter wurden nach der reihe im gegenüberliegenden Haus die Lichter der einzelnen Wohnungen angemacht und neugierige Köpfe beobachteten unser Vorhaben. Meine Nummer eins meldete per Funk sein eben Beobachtetes, und erhielt von unserem Kommandanten die Anweisung, dass wir die Scheibe des Fensters einschlagen sollen und uns in den Raum mittels Löschleitung begeben sollen. Eigentlich hätte der Kommandant ab jetzt selbst mit uns unter Atemschutz einsteigen müssen, damals machte ich mir über solche Vorgänge nicht allzu viel Gedanken. Aus heutiger Sicht, wo ich selbst Kommandant bin, würde ich sagen, ich hätte es nicht so gemacht, aber ich denke, die Überlegung des Meisters war, dass erstens die Nummer eins ein bereits sehr erfahrener Kollege ist, und zweitens eventuell einen zweiten Angriff vom Haupttor aus zu beginnen. Es ist Auslegungssache, und im Prinzip die Entscheidung des Einsatzleiters, aber die Verantwortung muss er halt dann auf sich alleine nehmen. Ich denke, dass im nach einiger Zeit, als wir bereits schon etwa 10 – 15 Minuten in der Fabrik unter Atemschutz waren, klar geworden ist, dass er nicht die richtige Entscheidung getroffen hat und Verstärkung angefordert hat.


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