Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern

zurück zum Buch

Der schwarze Schimmel


Wegzeichen für Pfadfinderleiter

von Smartie (Matthias Surovcik)

ratgeber_buecher
ISBN13-Nummer:
9783837025910
Ausstattung:
148 Seiten, Paperback
Preis:
9,70 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
BoD
Kontakt zum Autor oder Verlag:
interscoutmatt@web.de
Leseprobe
Pfadfinderküche Dass die Weltpfadfinderbewegung (also der Scoutismus) seinen Ursprung in England hat, bedeutet noch lange nicht, dass die Küche aller Pfadfinder aus England kommt. Dennoch scheint gerade die Klischeevorstellung der englischen Küche in vielen Küchenzelten ihren Einzug gefunden zu haben, frei nach einer Zeichnung aus dem Scouterwelsch (erschienen im Georgsverlag) â??Ich habe Dir keinen schmutzigen Teller gegeben, das ist die Suppe!â?? Wenn man nicht gerade Lapskaus kocht oder das Lagerthema â??Mitten im Knastâ?? lautet, muss das Essen nicht unbedingt als unidentifizierbare Pampe serviert werden. Auch wenn übertrieben dargestellt, es ist häufig so ähnlich. Wenn es in Deinem Stamm auch wild zugeht, denke Dir nichts dabei, es ist keine Schande. In vielen Haushalten sieht es nicht besser aus mit der Kochkunst. Oft habe ich den Eindruck, viele Menschen haben nach dem Baby- und Kleinkindalter einfach nur die Gläschenmarke von Alete auf Uncle Benâ??s geändert, thatâ??s it. Nichtsdestotrotz ist die Küche sauwichtig! Die kulinarische Leistung kann sehr wohl ein starker Punkt der Moral sein. Als ich Wölfling war, gab es auf Stammeslagern einen Moralpusher kulinarischer Natur. Wenn es so richtig kalt und nass war, hat unser StaVo einen groÃ?en Bottich mit Milch auf die Flamme gesetzt, eine Packung Tropengold (Aldiversion von Kaba) sowie ein Glas Nutoka (Aldiversion von Nutella) reingedonnert und richtig Stimmung gemacht. Das Zeug war pappsüÃ?, saulecker, heiÃ?, sehr schokoladig (Schokolade im Rachen bedeutet Endorphine â?º ) und damit wärmend und somit insgesamt Moral steigernd. Nach meinem damaligen StaVo â??Reichiâ?? benannt ist der â??Reichikabaâ?? mein persönliches Aufputsch-Dopingmittel bei frierenden, missmutigen Kindern. In diesem Kapitel soll nicht ein Kochbuch mit Rezepten in den schwarzen Schimmel einzubauen werden. Aber einige grundlegende Tipps sollen gegeben werden. Und dazu fällt mir folgendes als erstes ein, gilt beim Kochen allgemein, insbesondere aber beim Kochen von Fleisch und Eintöpfen: Das Essen ist schon tot, es ist nicht nötig das ganze auch noch im Hochofen der Pfadiküche töten zu wollen. Solange sich noch Flüssigkeit (also Wasser) im Essen befindet, kann es ohnehin nicht heiÃ?er werden als 100°C. Höhere Temperaturen bringen rein gar nichts beim garen (Also bekömmlich machen der Speisen, der Grund, warum Menschen irgendwann angefangen haben Speisen ins Feuer zu halten.). Das einzige was es bringt, ist das beschleunigte Verdampfen von Flüssigkeit (z. B. bei Eintöpfen, die dickflüssiger werden sollen) oder zum Erzeugen einer Kruste (z.B. beim Steak, welches eine solche benötigt). Also, Du musst nicht das Feuer der Hölle auf Deinem â??Herdâ?? schüren. Nicht erst, wenn Dich die Rover fragen, ob sie sichbeim Kochen nebenzu auf Deinem Feuer aus den alten Eisenbahnschienen die sie hinter dem Hügel gefunden haben ein paar Schwerter schmieden dürfen, solltest Du Deine Nachlegetechnik beim Feuer überdenken. In der Pfadfinderküche sollte man aber dringend zwischen zwei Küchen unterscheiden. Die Lagerküche und die Fahrtenküche. Die Lagerküche Ein Lager ist im Normalfall (wir erinnern uns an das Kapitel bündisch/scoutistisch) ein zentral organisiertes Treffen. Somit gibt es zumeist ein Küchenzelt mit einem Kochteam (oder einem Koch mit wechselnden Helfern), welches das gesamte Lager mit Essen versorgen muss. Das Kochen ist auf einem solchen Lager ein Mittel zum Zweck. Es ist dazu da, um den Lagerteilnehmern Essen zu verschaffen. Ein Kochteam ist auch in so einem Fall mehr als sinnvoll. Ein festes Programm macht ein Lager ja schlieÃ?lich aus. Die Leiter sind ohnehin damit beschäftigt die Geländespiele für und mit den Kindern zu gestalten. Du wirst Dich sehr freuen, ein fähiges Küchenteam zu haben, welches sich ausschlieÃ?lich um die Küche kümmert. Dieses Küchenteam benötigt also eine gewisse Grundausstattung um alle (20, 30 oder auch 100 Leute) zu versorgen. Hier eine kleine Liste dessen: Töpfe und Schüsseln (bitte entsprechend der GruppengröÃ?e), Messbecher (ganz wichtig!) Müllsäcke (viele Müllsäcke!) Spülzeug und Geschirrtücher sowie Schwämme, Kochstelle (kann ein Gaskocher mit VOLLER Gasflasche sein, oder ein selbstgebauter Lehmherd mit ausreichend Feuerholz) und das übliche Geraffel (Kellen, Kochlöffel, Schneidemesser etc. pp.). Das Platzproblem ist zu vernachlässigen. Auch was den Einkauf angeht, so kann das Kochteam dies wunderbar (oft sogar mit Auto) zentral erledigen. Wenn man eine groÃ?e Meute zu versorgen hat, ist das auch sinnvoll. Das Kochteam muss nicht einfach nur kochen, es hat schlieÃ?lich dafür zu sorgen, dass ausreichend Essen da ist und jeder sein Essen bekommt, die Küche mehr oder minder sauber bleibt, der Spüldienst eingeteilt wird und seinen Job macht, alles für den nächsten Tag oder auch die nächste Mahlzeit hergerichtet wird, alles Material in Stand gehalten wird, ein- bzw. nachgekauft wird, Sonderbedingungen (z. B. Allergiker, Vegetarier o.ä.) berücksichtigt werden etc. Ganz anders ist da die Fahrtenküche. Die Fahrtenküche Wer das Kapitel Fahrtenplanung gelesen hat, wird sich erinnern, dass Gewicht und Platz ein Problem darstellen können. Wer also jetzt auf die Idee kommt â??Fahrtenküche ist doch das selbe wie Lagerkücheâ??, der darf auf der nächsten Fahrt den Küchengeraffel samt Gaskocher und Gasflasche in seinem Rucksack mitschleppen. Die Fahrt findet (zumeist) mit der Kleingruppe statt. Warum sollte also die Kleingruppe, das ganze Kochzubehör mitschleppen? Oder warum sollte sogar ein Kochteam mit fünf oder sechs Leuten mitreisen, nur um sie zu bekochen? Wir sind schlieÃ?lich Pfadfinder und nicht irgendwelche Spitzensportler, die ihr ganzes Team dabei haben müssen. Die Fahrtenküche achtet auf andere Dinge. In der Fahrtenküche ist ein Hordentopf vorhanden und ein Kochlöffel aus Holz, das warâ??s an sich schon. Die eine oder andere Gruppe hat vielleicht noch eine kleine Pfanne mit, wenn man in seinem Fahrtengebiet nicht jeden Abend mit einem Feuer rechnen kann evtl. noch einen kleinen Spirituskocher, aber im Prinzip warâ??s das auch. Kaffee oder Tee werden eben erst gekocht, wenn der Topf wieder sauber ist (Oder halt gleich sauber gemacht wurde, je nachdem, ob die Abspülfaulheit oder der Wunsch nach Tee gröÃ?er ist â?? bzw. der Ekel vor schwimmenden Essensresten im Tee oder Kaffee.) und statt einem Schöpfer opfert halt einer seine Tasse. Ã?brigens ein kleiner Tipp aus der Praxis: Lege den Holzkochlöffel nie, wirklich niemals, auf den Stapel mit dem Feuerholz! Glaube mir, das ist wirklich wichtig, Du kannst Dir selbst denken, warum das so wichtig ist. Bedenke auch, dass Du nicht aufs Geradewohl einkaufen gehen kannst. Es gibt Fahrten, da ist das recht einfach. Man kommt alle ein zwei Tage an einem Supermarkt vorbei. Aber was ist, wenn das nicht möglich ist, oder man an einer Mahlzeit seine gesamte Fahrtenkasse aufbrauchen würde (z.B. eine Norwegenfahrt, weiÃ?t Du, was Essen dort kostet?). In diesem Fall kann man das Essen für ein bis zwei Wochen mitnehmen. Und das funktioniert. Man muss nur etwas vernünftiger die Mahlzeiten vorbereiten. In so einen Fall plant man zuerst jede einzelne Mahlzeit im voraus. Dann wird entsprechend eingekauft. Und hier machen sich endlich die Tütengerichte mal bezahlt, denn Wasser wiegt viel, verbraucht viel Platz und ist genau das, was man unterwegs überall bekommt (Ja, ich ignoriere jetzt mal die Saharafahrt der wüsten Rover). Also, keine Tomatensauce für die Spagetti, Tomatenmark oder Tütensauce ist ok. Keine Dosen! Dosen wiegen selbst viel und sie enthalten immer sehr viel Wasser. Bohnen gibt es auch als Trockenbohnen (Ã?brigens, wenn Du ein Rezept hast, in dem es um Bohnendosen geht, beachte bitte, dass Du statt 400g Dosenbohnen nur 150g Trockenbohnen braucht). Die Zutaten werden grammgenau abgewogen und abgepackt. Die Zutaten für jede Mahlzeit werden dann zusammen in eine gröÃ?ere Tüte verpackt und auf die Fahrtenteilnehmer verteilt. Das funktioniert dann auch wunderbar! Hier ein Zitat aus einem Fahrtentagebuch: Smartie steht dran mit drei Bananenkisten voll Essen und Material und verkündet: "Das alles muss in Eure ucksäcke!" Die Götter alleine wissen, welcher Platz-Schaffzauber auf uns lag, aber irgendwie ist es uns gelungen! Nicht vergessen, die Fahrtengruppe kocht gemeinsam (Auch wenn nur wenige gerade aktiv mitkochen, es ist eine Gemeinschaftsangelegenheit). Das Kochen auf Fahrt ist nicht bloÃ?e Nahrungsbesorgung, es ist ein soziales Ereignis. Jeder hat seine Teilaufgabe und doch ist alles ein gemeinsames Tun. Es gibt keine reinen Zweckarbeiten auf Fahrt. Um nicht zu sagen â??Ist die Horte schon im kommen eilt daher auf steilem Pfad. Wird ihr wohl ein Essen frommen nach dem langen vollen Tagâ?? (Refrain zu â??Du machst Kleinholzâ??) Inhaltsverzeichnis: Widmung Seite 5 Einleitung Seite 6 Die Pfadfinder â?? eine Definition Seite 8 Deutsche Pfadfindergeschichte Seite 12 Bündisch Seite 40 Die Kluftordnung Seite 47 Singt Freunde Seite 52 Die Pfadfindergruppe Seite 57 Die Gruppenstunde Seite 74 Ausrüstung Seite 80 Leiter: â??Der mit einem Bein im Knast stehtâ?? Seite 85 Fahrtenplanung Seite 89 Das Leitungsteam Seite 103 Pfadfinderküche Seite 106 Das Versprechen Seite 113 Das Pfadfindergesetz Seite 118 Die Wölflinge Seite 123 Seite 4 Die Rover Seite 128 Pfadfinder, Jungpfadfinder & Ã?bertritte Seite 131 Werbung und Ã?ffentlichkeitsarbeit Seite 134 Buchempfehlungen Seite 139 Internetempfehlungen Seite 143 Ã?ber den Autor Seite 146
Klappentext
Smartie (Matthias Surovcik), Jahrgang 1983, ist Stammesvorsitzender des DPSG-Stammes St. Lorenz in Kempten (Allgäu). Sozial engagiert sich der Autor neben seinen Arbeiten in der Pfadfinderei auch in anderen Bereichen, beispielsweise als Vorstand im Stadtjugendring oder als ehrenamtlicher Betreuer im Bildungsbereich des Justizvollzuges. Seine pfadfinderische Laufbahn begann 1993 als Wölfling in welcher er 1999 internationale und seit 2002 überbündische Wege einschlug. Dieses Buch ist das Ergebnis seiner bisherigen Reise auf seinem Pfad. â??Als ich zum ersten Mal in die Wölflingsgruppe kam, musste man mich hineinzwängen. Nachdem 90 Minuten und damit eine volle Gruppenstunde vergangen waren, musste man mich herauszerren. Seit diesem Tag hat sich die Pfadfinderei für mich zu einem Lebensweg entwickelt. Dieses Buch begann als einfaches Onlineprojekt welches zunehmend wuchs. Auf Bitten mehrer Leser habe ich mich entschieden, dieses Werk zu erweitern und als gebundene Ausgabe zu veröffentlichen. Es ist ein Handbuch, welches auf Erfahrungen aus der Leiterpraxis beruht und nicht lediglich pädagogische Weisheiten enthält. Im schwarzen Schimmel findet jeder Leiter etwas, von Informationen über die Geschichte und den Verzweigungen unserer Bewegung bis hin zur optimalen Berechnung von Teilnehmerbeiträgen sowie Organisation von Fahrten. Als Leiter sollte man die Zügel in der Hand halten und selber SpaÃ? in seinem Ehrenamt haben. Möge auch Dir, lieber Leser, der schwarze Schimmel ein guter Gefährte dabei sein.â?? Smartie (Matthias Surovcik)