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Dieses Buch habe ich nicht geschrieben, um Schuld zuzuweisen oder männliche Täter zu entlasten. Männer sind immer noch die treibende Kraft beim sexuellen Kindesmissbrauch und das ist unentschuldbar. Dieses Buch soll vielmehr auf eine Seite des sexuellen Kindesmissbrauchs hinweisen, die gern verniedlicht oder ignoriert wird. Frauen haben keinen Penis und somit können sie ein Kind auch nicht sexuell missbrauchen. Doch dies ist ein Trugschluss, da es – genau wie bei männlichen Tätern auch – nicht nur auf den Besitz eines Penis ankommt. Bei der Penetration oder Konditionierung von Kindern ist ein Penis nicht unbedingt erforderlich. In unserer Gesellschaft gibt es einen Mutter-Mythos. Dass Väter ihre Kinder sexuell missbrauchen können, ist inzwischen leidlich bekannt. Doch Mütter? Die Menschen, die Kindern das Leben schenken, sollen ihnen gleichzeitig sexuelle Gewalt zufügen? Für die meisten unvorstellbar – doch deshalb nicht weniger wahr. Man kann nicht über sexuellen Kindesmissbrauch schreiben, ohne das Borderline-Syndrom zu erwähnen. In den meisten Fällen tritt diese Persönlichkeitsstörung als Folge von sexuellem Missbrauch auf – und wird gleichzeitig zur Ursache für blindes Wegsehen oder gar aktive Beteiligung von Frauen an sexuellem Missbrauch von Kindern. Leider wird das Borderline-Syndrom zu oft auf das Symptom der Selbstverletzung in Form von „Schnippeln“ oder „Ritzen“ reduziert. Fügt sich jemand selbst Schnittwunden zu, gilt er als Borderliner. Doch die Störung ist weiterzufassen. Erst dann wird auch das Ausmaß ihres Auftretens deutlich und erst dann können angemessene Hilfestellungen für die Betroffenen gegeben werden. Im Folgenden führe ich vor allem die Aspekte des Borderline-Syndroms auf, die im Zusammenhang mit weiblichen Tätern und Helfern beim sexuellen Kindesmissbrauch von Belang sind. Man wird sexuellem Missbrauch nicht den Garaus machen können, wenn man nicht gleichzeitig die weite Verbrei-tung der Borderline-Störung erkennt. Beim Borderline-Syndrom handelt es sich um eine schwere psychische Störung, die in den meisten Fällen durch traumatische Erlebnisse vor dem dritten Lebensjahr ausgelöst wird. Die häufigste Ursache sind sexuelle Übergriffe oder das Anschauenmüssen solcher Straftaten. Da diese Übergriffe zu über neunzig Prozent in der eigenen Familie und dem Umfeld ablaufen, sprich die Täter dem Kind bekannt sind, hat das Opfer große Schwierigkeiten damit, gut und böse, schwarz und weiß auseinander zu halten. Denn die eigenen Eltern, die normalerweise vom Kind als gut eingestuft werden, tun Dinge, die dem Kind wehtun, die das Kind in einen niederen Rang innerhalb der Familie stellen. Diese Erfahrung, dass jemand gut und böse zugleich sein kann, überfordert die kindliche Psyche. Die Kinder flüchten sich in eine Traumwelt, wenn sie die Erniedrigungen und Schmerzen nicht mehr aushalten. Andererseits genießen sie die Aufmerksamkeit, die ihnen während der Übergriffe entgegengebracht wird. Für Kinder ist es (über)lebenswichtig, Aufmerksamkeit zu bekommen. Dabei müssen sie damit vorlieb nehmen, was ihnen an Aufmerksamkeit zuteil wird – welch grausame Formen dies auch annehmen mag, wie im Falle des sexuellen Missbrauchs. Es entstehen Situationen, die das Kind nicht mehr verarbeiten kann. Diese Erlebnisse werden dann ganz tief in der Psyche abgespeichert und so verdrängt, dass sich viele Opfer später gar nicht mehr daran erinnern können. Die Psyche rettet so ihr Überleben. Bei einigen ist das Trauma so groß, dass sie im Laufe der Zeit mehrere Persönlichkeiten anlegen, weil eine allein das nicht aushält. Ist die Kapazität einer Persönlichkeit aufgefüllt, wird sofort eine neue angelegt. Man spricht dann von einer multiplen Persönlichkeit (Dissoziative Identitätsstörung). Je früher der sexuelle Missbrauch stattfindet, desto gravierender sind die Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Opfers.
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Viele Frauen wissen vom sexuellen Missbrauch, der ihren Kindern widerfährt, ohne etwas zu unternehmen. Hans Georg van Herste beschreibt auf verständliche Art und Weise, wie es dazu kommen kann, dass Mütter oder nahe weibliche Verwandte wegsehen oder sogar dem Täter behilflich sind. Anhand von Beispielen erklärt der Autor nicht nur, dass es dieses unverständliche Phänomen recht häufig gibt, sondern er hält Lösungsvorschläge und Denkanstöße bereit, um Frauen aufzurütteln, um ihnen klarzumachen, dass kein Kind es verdient hat, sexuell missbraucht zu werden.
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Der Autor hat ein Thema aufgegriffen, das gern unter den Tisch gekehrt wird. Anhand von plausiblen Beispielen erklärt er die Ursachen und Auswirkungen des sexuellen Kindesmissbrauchs sowohl für Täterinnen und Helferinnen, als auch für das Opfer. Schnörkellos und mit klaren Worten erklärt Hans Georg van Herste die Auswüchse dieser menschlichen Katastrophe. Selbst das Prinzessinnen-Syndrom und das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom werden plastisch dargestellt. Das mutige Buch eines mutigen Autors, das keinen Leser kalt lassen wird.
Hervorragend auch der Brief an die Täterinnen und Täter mit der Aufforderung, dem Opfer durch Ehrlichkeit zu helfen und dadurch den Leidensweg abzumildern oder zu verkürzen.
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