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Buch Leseprobe Das Borderline-Syndrom, Hans Georg van Herste
Hans Georg van Herste

Das Borderline-Syndrom


Leben zwischen Licht und Schatten

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Es gibt bereits etliche Berichte, Bücher und Aufsätze über das Borderline-Syndrom und nun muss auch ich noch meinen Senf dazu geben – und das hat seinen Grund. Ich habe mich nur am Rande mit der schulmedizinischen und klinisch getesteten, „erwiesenen" Psychologie beschäftigt und fahre eher auf der mir bekannten ayurvedischen Schiene. In den Veden, also den alten indischen Schriften, werden die vom Boderline-Syndrom Betroffenen als „Kämpferinnen" bezeichnet. Das Wort „Borderline-Syndrom" ist dort nicht bekannt. Da es sich bei über zwei Dritteln aller Betroffenen um Frauen bzw. Mädchen handelt, wird die weibliche Form der Bezeichnung benutzt.


Ich werde mich in diesem Buch „normal" ausdrücken, um auch dem Laien die Möglichkeit zu geben, diese Abhandlung zu verstehen und sich eventuell in den nachfolgenden Fallbeispielen wieder zu erkennen. Dieses kleine Büchlein ist nicht für Fachleute gedacht – die werden sowieso darüber lachen – sondern für Interessierte, die einmal eine andere Sichtweise kennen lernen möchten. Ich bin kein Psychologe und möchte auch mit Menschen dieser Berufsgruppe nicht verwechselt werden. Was nützen mir Titel und Würden, wenn es mir an Erfahrung fehlt? Ich wurde selbst im Kleinkindalter sexuell missbraucht, habe schon als Jugendlicher offen gelegt, was in meiner Umgebung so passierte und dafür eher Ablehnung erfahren, als Zuspruch. Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch, Frauen, die im eigenen Haus schikaniert und geprügelt und Homo- und Transsexuelle, die verspottet und ausgegrenzt werden, haben die Klappe zu halten. Mir wurden mehr als einmal Schläge angedroht, wenn ich nicht endlich aufhöre, über solche Dinge zu reden. Und mir wurde erklärt, ich würde den Dorffrieden stören. Ich sollte nicht Geschehnisse überbewerten, die alle paar Jahre mal vorkommen.


Dazu möchte ich ein paar Zahlen nennen. Jedes dritte Mädchen wird sexuell missbraucht und jeder fünfte Junge. Siebenunddreißig Prozent aller Frauen wurden schon einmal Opfer häuslicher Gewalt und kaum eine Lesbe traut sich, ihre angeborene Neigung auszuleben, weil sie weiß, dass sie dann Gefahr läuft, ausgegrenzt und von der eigenen Familie verstoßen zu werden. Von Transsexuellen will ich hier gar nicht erst reden. Menschen, die selbst Dreck am Stecken haben, die mit sich selbst nicht im Reinen und/oder neidisch sind, brauchen ein Ventil, eine Person, eine Gruppe, auf die sie herabschauen, die sie diskriminieren können. Man lenkt von sich selbst ab indem man die Aufmerksamkeit – meistens die negative – auf andere lenkt. Ich musste im Laufe der Jahrzehnte feststellen, dass Menschen, die am lautesten gegen eine Neigung wettern, oft selbst betroffen, aber zu feige sind, diese auszuleben.


Als Beispiel möchte ich einen schwulen Priester anführen, der natürlich sofort sein Amt verlöre, würde er zu seiner Neigung stehen. Dieser Mann ist neidisch und bekämpft nun mit allen Mitteln – auch unlauteren – Menschen, die sich für Homo- und Transsexuelle einsetzen. Wie kann jemand, der seine angeborenen Neigungen auslebt, wider die Natur handeln? Wieso gibt es im Tierreich Homo- und Transsexualität, wenn es doch wider die Natur ist? Ich denke, die Kirche und ihre Vertreter dürfen sich nicht wundern, wenn ihnen immer mehr Schäfchen abhanden kommen.


Ich habe vor vielen Jahren damit angefangen, die Realität zu sehen und mich von diktierten Vorgaben – von wem auch immer – zu verabschieden. Wenn ein Mensch mit homosexuellen Neigungen zur Welt kommt, warum sollte er diese nicht ausleben dürfen? Ich habe Gegenden erleben dürfen, in denen Homo- und Transsexualität keine Tabuthemen sind und festgestellt, dass dort die ganze Gesellschaft glücklicher lebt. Wenn dann auch noch die Frauen das Sagen hatten, wähnte ich mich fast im Paradies. Und ich musste fast zwangsläufig zum Feministen werden. Mein Wissen, das auf eigenen Erlebnissen, psychologischen Fortbildungen in Indien und vielen Gesprächen mit Opfern und Betroffenen basiert, möchte ich in diesem Buch weitergeben; nicht mehr und nicht weniger. Und wenn es einigen Betroffenen hilft, ihr Leben zu hinterfragen oder gar zu überdenken, hat es seine Aufgabe erfüllt.


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