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Michel schlägt zurück


von Dr. Jörg Hellmann

politik_gesellschaft
ISBN10-Nummer:
3000117253
ISBN13-Nummer:
9783000117251
Ausstattung:
gebunden, 176 Seiten
Preis:
14,9 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
-kein Verlag-
Leseprobe

Anbruch des neuen Jahrtausends,
aber kein Aufbruch

"De janze Richtung passt uns nich ...!"   Richthofen, 1890

 

Bedenkliche Zunahme der "Haltungsschäden" in Deutschland, das so genannte "Welteke-Syndrom"

 

 

 

Ab dem Jahre 2000 hatten die meisten Menschen in der Bundesrepublik Deutschland das Gefühl, es ginge rapider bergab. Die Aufbruchstimmung des Jahres 1998, wenn es denn überhaupt eine gegeben hatte, war verflogen. Viele hatten 1998 irrtümlicherweise den Begriff "Wende" so interpretiert, dass sich was zum Guten wendet. Deswegen macht man so was ja eigentlich. Okay, in den Amtsstuben der höheren Chargen vollzog sich eine personelle Wende, das war's dann aber auch schon.

In Köln und in Wuppertal wurden Schmiergeldzahlungen an SPD-Politiker in Millionenhöhe entdeckt, die in kleineren Portionen rein gewaschen worden waren, in Bonn hatte sich ein hochrangiger CDU-Politiker einen Millionenbetrag als "nützliche Aufwendung", wie es im Fachjargon hieß, in die Tasche gesteckt und überall vermutete man, dass das nur die Spitze des Eisberges sei. Dabei stand doch ganz klar im Grundgesetz, Art. 38 (1): "Die Abgeordneten ... sind Vertreter des ganzen Volkes, an Daueraufträge und Überweisungen nicht gebunden ..." Das Wort von einer "Bananenrepublik" machte die Runde.

Da erwachte in der SPD endlich das Gewissen für die kleinen Leute und sie begann, den Ruf nach sozialer Gerechtigkeit in die Tat umzusetzen. Denn es war schließlich nicht einzusehen, dass von der allgemeinen Korruption nur die oberen Gehaltsklassen profitieren sollten. Also wurde von der Schwarzkommission ein offizieller Schmiergeld-Katalog aufgestellt, um zu erreichen, dass derartige Zahlungen auch bis in die unteren Ränge des öffentlichen Dienstes fließen konnten. So war es fortan möglich, die Versetzung des Sohnes oder Töchterchens trotz 6 Fünfen im Zeugnis für runde 6.000 Euro zu erwirken, bei weniger Fünfen entsprechend weniger, für rund 5.000 Euro konnte man sich einen Punkt in Flensburg zurückkaufen und Bauen ohne Baugenehmigung (einschließlich Endabnahme) kostete schlappe 10.000 Euro. Das waren freilich nur allgemeine Richtwerte der Bundesregierung, die konkreten Preise konnten vor Ort den jeweiligen Bedingungen angepasst und frei ausgehandelt werden. Diese gerechte Umverteilung nach unten ließ sofort die Kritik an den Schmiergeldzahlungen für hochrangige Politiker weitgehend verstummen. Nun konnte sich jeder bedienen. Kurzfristig gab es allerdings im Bahnverkehr gewisse Engpässe, weil die Züge in die Schweiz ständig überfüllt waren. Um diesem Umstand abzuhelfen, wurden in den drei großen Banken, Dresdner Bank, Commerzbank und Deutsche Bank, Sonderschalter der Schweizer Bank eröffnet. Das erwies sich als kluger Schachzug, weil sich die vielen neuen Kunden der Bank von Basel nicht extra einen schwarzen Koffer kaufen mussten, um das Schwarzgeld in die Schwarz, pardon Schweiz, zu transportieren, sondern das Geld ganz bequem in der Einkaufstasche zur Filiale um der Ecke bringen konnten.

Allerdings waren die deutschen Banken in ein gewisses Dilemma geraten, weil die
Direktion einerseits Überwachungskameras an diesem Sonderschalter für wenig ratsam hielt: Man traute dem Fiskus nicht über den Weg! Andererseits wurde durch diese Sicherheitslücke leider auch die Anziehungskraft für Bankräuber erhöht. Da sich allerdings Angestellte und Kunden inzwischen weitgehend daran gewöhnt hatten, dass Banken im 14-Tage-Rhythmus überfallen wurden, verzichtete man dann doch auf das Ausspähen. Das kam ohnehin dem allgemeinen öffentlichen Bewusstsein entgegen, wonach Überwachungskameras einen ungerechtfertigten Eingriff in die Persönlichkeitssphäre von Bankräubern darstellten ...  

Antjes Schulzeit:
Der endgültige Ruin des Bildungssystems

"Samiel, hilf!"   Carl Maria von Weber, Der Freischütz 

 

 

Bei der Bildungspolitik hätte eigentlich eine Beschreibung der Wirklichkeit als Satire ausgereicht. Aber wir haben noch eins draufgesetzt ...

 

 

Antje Müller-Wendehals war im August 2006 in den 12. Jahrgang einer Gesamtschule gekommen und steuerte nun auf das Abitur zu. Nach dem ersten Schock durch die katastrophalen Ergebnisse der Pisa Studie in den Jahren 2001/2002 war es zu einem Umdenken in der Bildungspolitik gekommen. In den SPD–geführten Ländern waren flächendeckend Gesamtschulen eingeführt worden, weil man sich davon – nach dem Vorbild Finnlands – die Heilung aller Probleme versprach. Zudem wurden ständig neue Organisationsformen im Schulleben eingeführt, bei denen keiner mehr wusste, was diese eigentlich wollten. Neben die verlässliche Grundschule, die volle Halbtagsschule und die kooperative Gesamtschule traten das kooperative Gymnasium mit Turbozweig, die unzuverlässige Förderstufe mit Ganztagsbetreuung, die ganze Realschule und die ganz kaputte

Hauptschule mit Hausaufgabenbetreuung. Die auf diese Weise eingetretene Begriffsverwirrung rief bei den Eltern eine große Orientierungslosigkeit hervor, hatte aber auch ungeahnte und gewollte Vorteile. Kein Mensch blickte mehr richtig durch und die schwerwiegenden Mängel des Systems wurden durch das organisatorische Wirrwarr verschleiert. Die Anzahl der Schüler in den Klassen wurde immer höher, die Lehrer wurden immer älter, die bürokratische Erbsenzählerei erreichte gigantische Formen. ….

Bis 2009 hatte Deutschland – zumindest was die Zahl der Abiturienten anging - allerdings wieder die Spitze im internationalen Vergleich erklommen. Es machten stolze 81% eines Jahrganges Abitur. Bei den Leistungsanforderungen war es freilich – so der offizielle Sprachgebrauch - zu einer "kreativen Differenzierung des Leistungsniveaus" gekommen. In Englisch hatte man bestanden, wenn es einem gelang, fünf unregelmäßige Verben aufzusagen. In Deutsch musste man einen Aufsatz schreiben: "Mein schönstes Ferienerlebnis" und in Mathe war das fehlerlose Zählen bis 100 die Hürde. In den anderen Fächern reichte es, wenn man teilweise am Unterricht teilgenommen hatte und ab und zu an der richtigen Stelle genickt hatte. Ein weiterer Vorteil dieses Systems war, dass man das Lehramtsstudium auf ein Fachsemester und fünf Pädagogiksemester verkürzen konnte. Auch die diskriminierenden Schranken zwischen Grund– und Hauptschullehrern, Realschullehrern und Gymnasiallehrern fielen dadurch weg.

Ein kleiner Nachteil war allerdings, dass man - außer in Deutschland - nur noch in Pjöng–jang mit dem deutschen Reifezeugnis studieren konnte. Auch in Bayern und in Baden-Württemberg wurden die Abiturzeugnisse der übrigen Bundesländer nicht mehr anerkannt.

Antje galt in ihrem 12. Jahrgang als absoluter "Überflieger". Sie konnte englische Texte fließend lesen, beherrschte in Französisch die Aussprache und konnte Dreisatzaufgaben lösen.

In den Hauptschulen war der normale Unterricht inzwischen ganz eingestellt worden. Die Behandlung der Schüler hatten Sozialarbeiter und Diplompsychologen übernommen. Projektwochen mit Themen wie: "Ethnisches Stricken" oder "Wie bastele ich mir ein Kondom" bestimmten den Schulalltag. Der wesentliche Teil des Vormittags bestand aus Konfliktberatung. Warming-ups, szenische Spiele und der Aufbau von Schülergruppen zu Standbildern schufen eine entspannte und freundliche Atmosphäre. Zwar waren die Schüler am Ende ihrer Schullaufbahn komplette Idioten, aber sie waren spontan und ausgeglichen. Sie fanden zwar keine Arbeit, weil sie weder lesen noch schreiben noch rechnen konnten, aber sie reagierten in Konfliktsituationen überaus besonnen. 

Der deutsche Michel

"Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt"
Johann Wolfgang v.Goethe, Iphigenie auf Tauris

  

Wir stellen Euch den Michel vor:
Ein Kämpferherz mit viel Humor,
Die tragische Symbolfigur
Der langen deutschen Leidkultur,
Man brockt ihm ständig Suppen ein,
Beim Löffeln lässt man ihn allein.

In diesem Mann von nebenan
Sich jeder wieder finden kann.
Das starke Blut in seinen Bahnen
Lässt seine stolzen Ahnen ahnen.
Doch ist der Michel sehr verwirrt,
Weil sich sein armes Volk verirrt.

Einst sollte an dem deutschen Wesen
Sogar die ganze Welt genesen!
Das Vaterland ist heute schwach
Und es verkümmert nach und nach
Und zieht mit leisem Abgesang
In seinen nächsten Untergang.

Was soll der arme Michel machen?
Er hat nur einen Trost: Das Lachen!
Und deshalb werden diese Seiten
Des Michels Leidensweg begleiten,
Satirisch, doch mit leichter Hand,
Wir lieben schließlich dieses Land!

Klappentext
Lösung politischer Probleme in Deutschland

 

 

 

Viele werden diese politische Satire bissig finden. Das ist sie auch. Sehr bissig sogar. Auf jeder Seite lodert polemisches Feuer auf. Es wird angegriffen und angeprangert; es wird gelästert und geschmäht. Im Unschuldskleid einer Familiengeschichte kommt die politische Agitation daher. Vor keiner vermeintlichen Autorität wird Halt gemacht, es wird provoziert und verspottet und – man höre und staune – Tabus werden gebrochen. Inländern wie Ausländern wird ohne Rücksicht auf die vermeintliche political correctness gleichermaßen der Spiegel vorgehalten - womit schon ein Tabu gebrochen wäre. Vorsichtshalber warnen wir Sie aber vor: wenn Sie ein treuer und vor allem blinder Anhänger des bestehenden Parteiensystems sind, dann legen Sie das Buch jetzt ganz schnell aus der Hand und tun Sie so, als hätten Sie es aus Versehen ergriffen. Vielleicht hat es ja keiner gesehen. Andernfalls könnte es Ihrer Karriere schaden.

Übrigens, glühende Anhänger der Demokratie sind die Verfasser auch, denn der entscheidende Vorteil dieser Staatsform besteht darin, dass man sich ein bisschen mausig machen kann. Und es wird Zeit, sich mausig zu machen, denn es ist was faul im Staate Deutschland!

Rezension

"... Lesevergnügen ... mit flotter Feder geschrieben ... Personentypen und politische Entwicklungen treffsicher charakterisiert ..."

 

 

 

"Das neue Verwaltungsgebäude soll ein Symbol sein für den schlanken Staat ..."

 

Aus einer Verbandszeitschrift der Philologen:
Das lesenswerte Werk ist eine rabenschwarze Satire, in der eine düstere Vision der Entwicklung Deutschlands in den Jahren 2003 bis 2009 gezeichnet wird, bevor sich, mit der Großen Wende im Jahre 2010, dann doch alles zum Guten wendet ...

Aus der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung:
Ein Hildesheimer Oberstudienrat hat ein ungewöhnliches, man kann auch sagen, anstößiges Buch geschrieben. "Michel schlägt zurück" heißt der Titel und dahinter verbirgt sich eine freche, bisweilen auch ans Bösartige grenzende Satire über den Zeitgeist. Sicherlich nicht unbeabsichtigt fühlt man sich manchmal an Hildesheim erinnert.
Der Autor legt ungeniert den Finger auf die Wunden der politischen Landschaft, er höhnt, bewusst zugespitzt, über alles, was ihn verdrießt. ...
Das Buch, mit bissigen Karikaturen illustriert, ist ein einziger, meist witziger Rundumschlag. Zudem blitzt hinter der ganzen Satire immer wieder die pessimistische Prognose der zukünftigen Entwicklung in der Bundesrepublik auf. "Das gebe ich zu", so der Autor. "Aber für die Schönfärberei sind andere zuständig, die nennen sich Politiker. Ich mache das Gegenteil, ich male schwarz. Die Zukunft wird zeigen, wer mehr ins Schwarze getroffen hat. ..."

Auszug aus der Zeitung "Der Hildesheimer":
Dr. Jörg Hellmann, Jahrgang 44, Pauker am Goethegymnasium, meinte, nicht richtig gehört zu haben ob Schröders Ausfall gegen die Lehrer und beschloss zurückzuschlagen. Mit der ihm eigenen Waffe – dem Worte. Scharf geschliffen, pointiert, macht er kommunale Kleinkariertheit transparent und stellt die Großkopferten an den Pranger. Dabei zeigt er vor keiner Partei Respekt und versucht nicht, intellektuell die Probleme der Regierung zu lösen. Er ist kein Michael Moore, der gezielt polemisch den Unterleib der amerikanischen Gesellschaft traktiert. Er schlägt vergnüglich plaudernd, frech und gezielt, anhand der Familien Deutscher und Wendehals (nicht verwandt, noch verschwägert mit Drafi oder Gottlieb) einen Bogen von der Wende bis zum Happyend im Jahre 2010, zieht die Regierenden und die Möchtegerns durch den Kakao und der Leser macht sich bei aller Kurzweil doch seine Gedanken.
Die Wendehälse sind die Aalglatten und immer auf der richtigen Seite, die Familie Deutscher gibt als Gegenpart, offen und bodenständig, die Verlierer. ...

Rezension in einer Corps-Zeitung
Das Buch "Michel schlägt zurück" ist eine … der Politik nicht besondern freundlich zugewandte Satire … Die besondere Übertreibung, die in diesem Buch nicht zu kurz kommt, verleiht Lesespaß und regt gleichzeitig zum Nachdenken an … Zusammengefasst eine witzige Satire, die ein wertvolles Geschenk darstellt.