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Politik, Gesellschaftskritik
Buch Leseprobe Michel schlägt zurück, Dr. Jörg Hellmann
Dr. Jörg Hellmann

Michel schlägt zurück



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Anbruch des neuen Jahrtausends,

aber kein Aufbruch


"De janze Richtung passt uns nich ...!"   Richthofen, 1890



 


Bedenkliche Zunahme der "Haltungsschäden" in Deutschland, das so genannte "Welteke-Syndrom"

 


 


 


Ab dem Jahre 2000 hatten die meisten Menschen in der Bundesrepublik Deutschland das Gefühl, es ginge rapider bergab. Die Aufbruchstimmung des Jahres 1998, wenn es denn überhaupt eine gegeben hatte, war verflogen. Viele hatten 1998 irrtümlicherweise den Begriff "Wende" so interpretiert, dass sich was zum Guten wendet. Deswegen macht man so was ja eigentlich. Okay, in den Amtsstuben der höheren Chargen vollzog sich eine personelle Wende, das war's dann aber auch schon.


In Köln und in Wuppertal wurden Schmiergeldzahlungen an SPD-Politiker in Millionenhöhe entdeckt, die in kleineren Portionen rein gewaschen worden waren, in Bonn hatte sich ein hochrangiger CDU-Politiker einen Millionenbetrag als "nützliche Aufwendung", wie es im Fachjargon hieß, in die Tasche gesteckt und überall vermutete man, dass das nur die Spitze des Eisberges sei. Dabei stand doch ganz klar im Grundgesetz, Art. 38 (1): "Die Abgeordneten ... sind Vertreter des ganzen Volkes, an Daueraufträge und Überweisungen nicht gebunden ..." Das Wort von einer "Bananenrepublik" machte die Runde.


Da erwachte in der SPD endlich das Gewissen für die kleinen Leute und sie begann, den Ruf nach sozialer Gerechtigkeit in die Tat umzusetzen. Denn es war schließlich nicht einzusehen, dass von der allgemeinen Korruption nur die oberen Gehaltsklassen profitieren sollten. Also wurde von der Schwarzkommission ein offizieller Schmiergeld-Katalog aufgestellt, um zu erreichen, dass derartige Zahlungen auch bis in die unteren Ränge des öffentlichen Dienstes fließen konnten. So war es fortan möglich, die Versetzung des Sohnes oder Töchterchens trotz 6 Fünfen im Zeugnis für runde 6.000 Euro zu erwirken, bei weniger Fünfen entsprechend weniger, für rund 5.000 Euro konnte man sich einen Punkt in Flensburg zurückkaufen und Bauen ohne Baugenehmigung (einschließlich Endabnahme) kostete schlappe 10.000 Euro. Das waren freilich nur allgemeine Richtwerte der Bundesregierung, die konkreten Preise konnten vor Ort den jeweiligen Bedingungen angepasst und frei ausgehandelt werden. Diese gerechte Umverteilung nach unten ließ sofort die Kritik an den Schmiergeldzahlungen für hochrangige Politiker weitgehend verstummen. Nun konnte sich jeder bedienen. Kurzfristig gab es allerdings im Bahnverkehr gewisse Engpässe, weil die Züge in die Schweiz ständig überfüllt waren. Um diesem Umstand abzuhelfen, wurden in den drei großen Banken, Dresdner Bank, Commerzbank und Deutsche Bank, Sonderschalter der Schweizer Bank eröffnet. Das erwies sich als kluger Schachzug, weil sich die vielen neuen Kunden der Bank von Basel nicht extra einen schwarzen Koffer kaufen mussten, um das Schwarzgeld in die Schwarz, pardon Schweiz, zu transportieren, sondern das Geld ganz bequem in der Einkaufstasche zur Filiale um der Ecke bringen konnten.


Allerdings waren die deutschen Banken in ein gewisses Dilemma geraten, weil die

Direktion einerseits Überwachungskameras an diesem Sonderschalter für wenig ratsam hielt: Man traute dem Fiskus nicht über den Weg! Andererseits wurde durch diese Sicherheitslücke leider auch die Anziehungskraft für Bankräuber erhöht. Da sich allerdings Angestellte und Kunden inzwischen weitgehend daran gewöhnt hatten, dass Banken im 14-Tage-Rhythmus überfallen wurden, verzichtete man dann doch auf das Ausspähen. Das kam ohnehin dem allgemeinen öffentlichen Bewusstsein entgegen, wonach Überwachungskameras einen ungerechtfertigten Eingriff in die Persönlichkeitssphäre von Bankräubern darstellten ...  


Antjes Schulzeit:

Der endgültige Ruin des Bildungssystems


"Samiel, hilf!"   Carl Maria von Weber, Der Freischütz 


 


 


Bei der Bildungspolitik hätte eigentlich eine Beschreibung der Wirklichkeit als Satire ausgereicht. Aber wir haben noch eins draufgesetzt ...

 


 


Antje Müller-Wendehals war im August 2006 in den 12. Jahrgang einer Gesamtschule gekommen und steuerte nun auf das Abitur zu. Nach dem ersten Schock durch die katastrophalen Ergebnisse der Pisa Studie in den Jahren 2001/2002 war es zu einem Umdenken in der Bildungspolitik gekommen. In den SPD–geführten Ländern waren flächendeckend Gesamtschulen eingeführt worden, weil man sich davon – nach dem Vorbild Finnlands – die Heilung aller Probleme versprach. Zudem wurden ständig neue Organisationsformen im Schulleben eingeführt, bei denen keiner mehr wusste, was diese eigentlich wollten. Neben die verlässliche Grundschule, die volle Halbtagsschule und die kooperative Gesamtschule traten das kooperative Gymnasium mit Turbozweig, die unzuverlässige Förderstufe mit Ganztagsbetreuung, die ganze Realschule und die ganz kaputte


Hauptschule mit Hausaufgabenbetreuung. Die auf diese Weise eingetretene Begriffsverwirrung rief bei den Eltern eine große Orientierungslosigkeit hervor, hatte aber auch ungeahnte und gewollte Vorteile. Kein Mensch blickte mehr richtig durch und die schwerwiegenden Mängel des Systems wurden durch das organisatorische Wirrwarr verschleiert. Die Anzahl der Schüler in den Klassen wurde immer höher, die Lehrer wurden immer älter, die bürokratische Erbsenzählerei erreichte gigantische Formen. ….


Bis 2009 hatte Deutschland – zumindest was die Zahl der Abiturienten anging - allerdings wieder die Spitze im internationalen Vergleich erklommen. Es machten stolze 81% eines Jahrganges Abitur. Bei den Leistungsanforderungen war es freilich – so der offizielle Sprachgebrauch - zu einer "kreativen Differenzierung des Leistungsniveaus" gekommen. In Englisch hatte man bestanden, wenn es einem gelang, fünf unregelmäßige Verben aufzusagen. In Deutsch musste man einen Aufsatz schreiben: "Mein schönstes Ferienerlebnis" und in Mathe war das fehlerlose Zählen bis 100 die Hürde. In den anderen Fächern reichte es, wenn man teilweise am Unterricht teilgenommen hatte und ab und zu an der richtigen Stelle genickt hatte. Ein weiterer Vorteil dieses Systems war, dass man das Lehramtsstudium auf ein Fachsemester und fünf Pädagogiksemester verkürzen konnte. Auch die diskriminierenden Schranken zwischen Grund– und Hauptschullehrern, Realschullehrern und Gymnasiallehrern fielen dadurch weg.


Ein kleiner Nachteil war allerdings, dass man - außer in Deutschland - nur noch in Pjöng–jang mit dem deutschen Reifezeugnis studieren konnte. Auch in Bayern und in Baden-Württemberg wurden die Abiturzeugnisse der übrigen Bundesländer nicht mehr anerkannt.


Antje galt in ihrem 12. Jahrgang als absoluter "Überflieger". Sie konnte englische Texte fließend lesen, beherrschte in Französisch die Aussprache und konnte Dreisatzaufgaben lösen.


In den Hauptschulen war der normale Unterricht inzwischen ganz eingestellt worden. Die Behandlung der Schüler hatten Sozialarbeiter und Diplompsychologen übernommen. Projektwochen mit Themen wie: "Ethnisches Stricken" oder "Wie bastele ich mir ein Kondom" bestimmten den Schulalltag. Der wesentliche Teil des Vormittags bestand aus Konfliktberatung. Warming-ups, szenische Spiele und der Aufbau von Schülergruppen zu Standbildern schufen eine entspannte und freundliche Atmosphäre. Zwar waren die Schüler am Ende ihrer Schullaufbahn komplette Idioten, aber sie waren spontan und ausgeglichen. Sie fanden zwar keine Arbeit, weil sie weder lesen noch schreiben noch rechnen konnten, aber sie reagierten in Konfliktsituationen überaus besonnen. 


Der deutsche Michel


"Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt"

Johann Wolfgang v.Goethe, Iphigenie auf Tauris


  


Wir stellen Euch den Michel vor:

Ein Kämpferherz mit viel Humor,

Die tragische Symbolfigur

Der langen deutschen Leidkultur,

Man brockt ihm ständig Suppen ein,

Beim Löffeln lässt man ihn allein.


In diesem Mann von nebenan

Sich jeder wieder finden kann.

Das starke Blut in seinen Bahnen

Lässt seine stolzen Ahnen ahnen.

Doch ist der Michel sehr verwirrt,

Weil sich sein armes Volk verirrt.


Einst sollte an dem deutschen Wesen

Sogar die ganze Welt genesen!

Das Vaterland ist heute schwach

Und es verkümmert nach und nach

Und zieht mit leisem Abgesang

In seinen nächsten Untergang.


Was soll der arme Michel machen?

Er hat nur einen Trost: Das Lachen!

Und deshalb werden diese Seiten

Des Michels Leidensweg begleiten,

Satirisch, doch mit leichter Hand,

Wir lieben schließlich dieses Land!


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