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> Politik, Gesellschaft > Eine Europäerin kommt nach Europa
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Politik, Gesellschaftskritik
Buch Leseprobe Eine Europäerin kommt nach Europa, Hermyn Soutar
Hermyn Soutar

Eine Europäerin kommt nach Europa



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Ich musste öfters hart und entschlossen auftreten um die Seelen meiner Kinder zu schützen. Es war auch so, dass wenn irgendetwas zum Nachteil meines Sohnes in dem Kindergarten passiert war, hat die Kindergärtnerin nie etwas gesehen. Es war egal, wie gemein die anderen Kinder zu ihm waren. Die Kindergärtnerin kam nie auf die Idee, dass sie eine Brücke sein könnte, um Verständigung zu schaffen. Es hieß nur: >>Er spielt nicht mit den Kindern, er mag die anderen Kinder nicht.<<


Dass die Kinder ihn ständig jagten und beleidigten, erwähnte die Kindergärtnerin nie. Der Kindergarten war nicht weit weg von unserem Haus und ich hatte Oliver gezeigt, wie er nach Hause kommen sollte. Ich lief ihm dann immer entgegen. Eines Tages, als er auf dem Nachhauseweg war und ich ihm entgegenlief, hörte ich von weitem, wie er bitterlich weinte und schluchzte. Mein Herz sank in meine Hose und ich dachte: >>Oh Gott, was ist denn jetzt los?<<


Ich rannte ihm entgegen. Er warf sich auf mich und begrub seinen Kopf in meiner Jacke. Ich hieb ihn hoch, drückte ihn fest, trocknete seine Tränen und fragte ihn was los war. 


>>Mammi, alle die Kinder nennen mich Neger und wollen nicht mit mir spielen!<<


Sein kleiner Körper bebte, als ob er Schüttelfrost hatte. Ich war wütend und aufgewühlt, sprach aber leise und ruhig auf ihn ein und eilte mit ihm nach Hause. Ich wusste, dass die ganze Aktion gegen meinen Sohn von den Erwachsenen gesteuert war. Ich hatte so oft versucht mit der Kindergartenleitung zu sprechen. Sie waren uneinsichtig. Die Leiterin, um zu demonstrieren wie christlich sie war, hatte mir erzählt, dass sie vorhatte nach Afrika zu gehen und für die katholische Kirche dort zu arbeiten. Ich hatte meinen Kopf geschüttelt und gedacht: >>Es ist sicherlich einfacher "Gott" in Afrika zu spielen, als Nächstenliebe zu Hause auszuüben!<< 


Sie nahm es lieber in Kauf, dass mein Kind litt, statt das Kind einer so genannten deutschen Mutter zurechtzuweisen. Wenn mein Mann einmal aufgetreten wäre oder sich mit unserem Sohn gezeigt hätte - was er nie getan hat - hätten wir vielleicht nicht so viele Probleme gehabt.


Aber er wollte nichts von der Problematik wissen und meinte nur: >>Was wollen die denn alle, er ist doch genau so hellhäutig wie die alle.<< (...)


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