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Politik, Gesellschaftskritik
Buch Leseprobe Die Gerechten, Melina Hilger
Melina Hilger

Die Gerechten


Gesellschaftskritik in Geschichtenform

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Stellvertreter Gottes


Friede sei mit dir! Hörte Querana von vorne – während sie sich in die Haut ihrer Fingernägel verbiss. Dieses Geschwätz, es machte sie noch ganz krank. Als ob Frieden in der Kirche die Wirklichkeit wäre. Sie hatte erst vor kurzem die Religionsgeschichte der katholischen Kirche gelesen und war noch immer von den Gräulichkeiten geschockt, die sie da Seite für Seite entdeckt hatte. Wie konnte der Pfarrer da vorne, allen Ernstes so tun, als hätte die katholische Kirche wirklich etwas mit Frieden zu tun. Dieser Verein war der letzte, der das Wort auch nur aussprechen durfte. Auch ließ dieser ehrenwerte Herr Pfarrer im Religionsunterricht immer so gerne die frechen Jungs nachsitzen. Sie wusste warum, denn ihr Bruder hatte es ihrunter dem Siegel der Verschwiegenheit erzählt – . Er war damals nach dem Nachsitzen noch monatelang verstört und irgendwann erzählte er ihr, dass der Pfarrer ihn an bestimmten Stellen befingert und ihn aufgefordert hatte, bei ihm dasselbe zu machen. Zum Glück war Rolando so geistesgegenwärtig, dass er hinaus zu stürmen, und seither hatte er den Religions-Unterricht immer geschwänzt. Keiner nahm je Anstoß daran.  Der heilige Pfarrer, Stellvertreter Gottes, hatte ihn nie als vermisst gemeldet in diesem Fach. Wozu auch, am besten totschweigen, er hatte ja noch viele andere Jungs, an denen er sich vergreifen konnte. Auch sie hatte darüber geschwiegen, denn sie hatte es ihren Bruder versprochen.  Aber damit war die Sache für sie nicht aus der Welt, – sie ging in ihr um. Er war ihr Lieblingsbruder, und er war noch zu klein, um sich zu wehren oder gar zu rächen. Sie zerbrach sich darüber den Kopf. Die Mädchen schienen dem Pfarrer egal zu sein. Sie konnten soviel Unfug machen, wie sie wollten. Nie verlangte er, dass sie zum Nachsitzen blieben. Sie hatte es schon öfters probiert und gab freche Widerworte, schwätzte laut mit den anderen, warf sogar mit Papierkügelchen nach ihm. Nichts, – er schaute nur kurz auf, blickte ihr in die zornigen Augen und sah wieder zum Fenster hinaus. Sie musste sich wahrhaft etwas anderes ausdenken. Während der Religionsstunde hatte sie einmal ein Gedicht geschrieben:


           Der Stellvertreter des Heiligen Herrn,


           der hatte die kleinen Jungs ganz gern.


           Er ließ sie nach der Stunde bleiben,


           um es noch mit ihnen zu treiben.


Sie hatte es schon 100 Mal gelesen und malte sich aus, dass sie das Gedicht  dem Direktor in den Briefkasten werfen  oder es im Lehrerzimmer unter der Türe durchschieben würde. Auch die Polizei kam ihr in den Sinn. Aber sie konnte sich nicht entscheiden.


Eines Tages im Deutschunterricht lasen sie Gedichte von Heinrich Heine und als Hausaufgabe, - ein Gedicht selbst zu schreiben.


Am nächsten Tag, als die Gedichte eingesammelt wurden, hatte Querana zwei Gedichte abgegeben. Eines in ihrer Handschrift mit ihrem Namen und das Zweite anonym in Druckbuchstaben.


Seit dieser Zeit fiel die Religionsstunde aus. Sie sah den Pfarrer nur noch ab und zu in Kirchennähe. Sie selbst betrat diese nie mehr.


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