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Lyrikbücher
Buch Leseprobe Gedicht-Geschichten, Hans Georg van Herste
Hans Georg van Herste

Gedicht-Geschichten



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Die Winterschollen

An manchem Wintertag ging ich zum Strand

Um mir die Schollen anzuseh'n

Die Sonne schien. Ich hatt' warm an

Sehr beschwerlich war das Geh'n

Ich sah schon durch der Dünen Furt

Von weitem das Gestade

Stapf drauf zu durch tiefen Schnee

Schon zwickt `s mich in der Wade

Der Schnee, der glitzert und er knirscht

Wohl unter meinen Stiefeln

Ich halt ‘s nicht aus. Ich muss dahin

Auch wenn mein' Augen triefeln

Ich passier die Dün'. Der Wind nimmt zu

Und greift nach meiner Jacke

Ich knöpf schnell alle Knöpfe zu

Eiskalt wird meine Backe

Also auch den Schal noch um

Die Schulter schnell gewickelt

Damit die herbe Urgewalt

Mich nicht mehr so doll zwickelt

Mutig geh ich nun voran

Der Schnee stiebt mir entgegen

Ich kann den Weg vor mir kaum seh'n

Möcht mich nicht auf die Nase legen

Da kommt ‘ne Bö' so stürmisch an

Und reißt mich fast zu Boden

Ich greif nach vorn und stütze mich

Ganz weiß ist jetzt mein Loden

Unbeirrt will ich es wissen

Kämpfe gegen alles Ungemach

Ich schaff den Weg zum Wasser hin

Kein Mensch noch läuft mir hierher nach

Hier bin ich ganz fürchterlich allein

Trotz dieser vielen Schönheit

Komm einsam mir vor, wie allein auf der Welt

Spüre eine große Einsamkeit

Jetzt will ich aber schnell vergessen

Meine all zu trüb´ Gedanken

Ich war doch hier, um Schollen zu seh'n

Um Schönheit und auch Kraft zu tanken

Jetzt erreich ich endlich Wassers Rausch

Die Schollen liegen direkt vor mir

Sie glitzern und knirschen und bewegen sich sanft

In der Dünung, wie ein zu viel groß geraten' Tier

Ich genieße den Anblick. Kann immer nur schau'n

Spüre den Wind und die Kälte nicht mehr

Berühre ganz sanft mit meiner Hand das Eis

Und sage mir: Hier komm' ich wieder her

Nach einiger Zeit muss ich nun doch geh'n

Die Sonne versinkt tief im Meer

Der Wind ist so stark, die Flocken so dicht

Die verwirbeln rings um mich her

Ich stapfe zurück und fühle mich froh

Obwohl mein Herz ganz wild schlägt

Die Schollen waren doch Wert jedweden Blick

Das Bild sich in mein Gedächtnis gräbt

Jetzt bin schon wieder in der Dünenfurt

Und schreite so vor mich hin

Ich dreh mich noch ganz schnell ein letztes Mal um

Und schaue zurück zu dem Ort, an dem ich grad gewesen bin

Ich bin außer Atem. Das geb ich gern zu

Der Weg wurd' mir nicht leicht gemacht

Doch trotzdem war es ein schöner Gang

Das Herz im Leib mir lacht

Was Gott uns doch für schöne Sachen

Direkt vor unserer Haustür zeigt

Mach auf das Aug', das Ohr, das Herz

Und du siehst, spürst, hörst, dass Gott dir zugeneigt.

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