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fahnenrost


von Arne-Wigand Baganz

lyrik
ISBN10-Nummer:
3833452684
ISBN13-Nummer:
9783833452680
Ausstattung:
brochiert
Preis:
12 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
-kein Verlag-
Kontakt zum Autor oder Verlag:
a.baganz[at]web.de
Leseprobe

waldung

zog als faun ich tanzend
durch nordische waelder
mir selbst aufspielend
froehlichstes floeten:

die hufe schwang ich ueber
moos, kienaepfel und straeucher,
hesperische trauben,
von goettern des suedens gesandt,
waren mir einzige nahrung.

ach, war dies ein volles,
ein heiliges leben!
wolken – meine gespielen.

und gleich der rauschenden welle
schwoll ich den grauen
berggipfel empor
um zu senken den blick
hinab in das meer,
in dem ich selbst
dann schweigend verschwand:

fern ruft ein seemann,
dass ich gestorben bin,

die mutter zaehlt
keine traenen.

Klappentext

Lyrik ist im Zeitalter der totalen Ware und des Retorten-Popsongs nur noch einer winzigen Minderheit eine Bereicherung des Lebens. Eben dieser Minderheit legt der in Berlin lebende Arne-Wigand Baganz mit seinem zweiten Gedichtband fahnenrost 125 neue Lyrik- und Prosa-Texte vor, in welchen er weder vor der Inszenierung einer behutsam schwebenden Wortkargheit noch barocken Übertreibungen zurückschreckt und neben allgemein menschlichen insbesondere auch Themen des 20. und 21. Jahrhunderts in einer oft provozierenden Deutlichkeit darzustellen weiß.

fahnenrost – ein Sprach-Tanz zwischen den Extremen.

Rezension

Am „fahnenrost“ – so der neueste Gedichtband von Arne-Wigand Baganz - kratzt eben jener Autor zumeist lyrisch auf 144 Seiten, gedruckt und verlegt by Books on Demand GmbH, Norderstedt. Von einer Odessa-Reise stammt die Titelbildgestaltung per Foto aus der Froschperspektive: Vier Lautsprecher am Mast sind auf den Betrachter gerichtet; sie muten an wie waagerecht gestellte Glocken...

Die Texte aus den Jahren 2004 bis 2006 sind aktuelle Bestandsaufnahmen, die zwischen Kindheitserlebnissen und „Palast-Abriss“ verlaufen, Natur aber auch viel epochales Vergehen schildern, das zumeist in östlichen Ländern, die der Autor bereiste, (noch) rostende Spuren hinterlassen hat.

Dann: das Leben ohne Ideologien, ohne Dogmen und Ismen wie in dem Gedicht:

„in Appolons kretischem Garten / die toten Dichter / ruhen ewig.... / viele ihrer Worte / einsam hinterlassen: / sind noch wach / ohne jeden Anschein / von Trauer zu tragen / sie haben den Tod ihrer Herren / längst verwunden / in Appolons kretischem Garten / die toten Dichter / ruhen ewig...“

Eine Anspielung auf das gewaltfreie Kreta zur Zeit des Königs Minos?

Die dichterische Nähe zu Friedrich Hölderlin spricht aus vielen Texten des Dichters Baganz. Skepsis des menschlichen Fortschritts wird in seinen kurzen Prosatexten deutlich wie bei:
„Die frei entfaltete Persönlichkeit“.

Dem Autor „tragischen Nihilismus“ unterstellen zu wollen, würde bedeuten, den (verhinderten?) Romantiker in Baganz zu übersehen, der das Sprachverständnis seiner Zeitgenossen zuweilen durch ungewöhnliche Zeilenumbrüche seiner Gedichte erschwert, was das mehrmalige Lesen des Textes erfordert, um ihn zu verstehen.

H.T.Reliwette