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Lyrikbücher
Buch Leseprobe Bleib in meiner Welt, Melanie Dauer
Melanie Dauer

Bleib in meiner Welt



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Kapitel 1


 


 


Manchmal kann ich immer noch nicht glauben, wie schön es ist, seine Hand zu halten, kann ich nicht glauben, wie schön er ist oder dass er nur mir gehört. Ich kann mein Glück nicht fassen. In Momenten wie diesem, wenn wir nebeneinander den Strand entlanglaufen, der Abendsonne entgegen, unsere Hände ineinander verhakt sind und ich ihn von der Seite anschaue, als würde ich ihn zum ersten Mal sehen.


Ein halbes Jahr ist nun vergangen. Es ist unser erster gemeinsamer Urlaub nach all der anstrengenden Zeit, die hinter uns liegt und die jedoch immer ein Teil unseres Lebens sein wird, egal wie weit weg wir auch gehen würden. Niemals würden wir wirklich alles hinter uns lassen können, niemals vergessen können, was uns gequält hat und niemals würden die Albträume, die uns nachts heimsuchen, völlig verschwinden. Doch in Momenten wie diesem scheint es, als könnten wir alles meistern, als wären wir unzertrennlich und nichts könnte uns etwas anhaben. Jaydens Haare sind vom Schwimmen noch nass, seine Haut ist braun von der Sonne der letzten Tage und in seiner schwarz-blauen Badehose sieht er unglaublich sexy aus. Selbst ich bin in der Zwischenzeit braun geworden und auch an Gewicht habe ich wieder etwas zugenommen durch das viele leckere Essen hier und die Fürsorge von Jayden, der fast nie von meiner Seite weicht. Sein Schäferhund Bobby rennt vergnügt vor uns her, am Wasser entlang, und versucht, ein paar Möwen zu fangen, die er am Ende nie erwischt. Es ist immer wieder ein Grund für uns zu lachen. Das Lachen von Jayden... Ich habe es oft gehört in letzter Zeit, was mein Herz fast jedes Mal platzen lässt vor Freude und Glück.


 


Ich erinnere mich zurück, als mein neuer bester Freund James Larkin die Tür seines Wagen geöffnet hat am Tag der Beerdigung meiner Mutter, die an Krebs gestorben ist, und ich in die Augen von Jayden gesehen habe. Augen von denen ich geglaubt habe, sie nie mehr in meinem Leben zu sehen. Es ist wie ein Schock gewesen, aber ein schöner Schock. Zuerst bin ich nicht in der Lage gewesen, irgendwas zu tun, ich habe geglaubt, ich träume. Alles in mir hat danach geschrien, ihn zu umarmen und nie mehr loszulassen, aber auch danach, wegzurennen, weil es doch gar nicht wahr sein konnte und ich gedacht habe, ich würde sowieso bald aufwachen und enttäuscht feststellen, dass ich alleine war. Doch es ist Wirklichkeit gewesen. James Larkin hat durch unsere Organisation herausgefunden, wo Jayden sich aufhielt, ihn aufgesucht und schließlich zu mir gebracht. Zwar hat Jayden sich lange dagegen gewehrt, gemeint, es wäre keine gute Idee und besser, wenn er aus meinem Leben fern blieb, doch James hat nicht aufgegeben, bis er zugestimmt hatte. So ist er, James, er kann kämpfen bis zum bitteren Ende, um etwas gutes zu erreichen. Aber nicht nur die Hartnäckigkeit meines besten Freundes hat Jayden am Ende dazu gebracht, sich zu mir bringen zu lassen. Auch er hat mich schrecklich vermisst und war total daran zerbrochen. So bin ich in das Auto gesprungen, habe ihn schwunghaft umarmt und ihn lange festgehalten, wobei wir beide wie kleine Jungs geweint und geschluchzt haben. Ich habe wie verrückt seinen Parfüm-Duft in meine Nase aufgesaugt, seine Wärme aufgenommen, seinem lauten Atem an meinem Ohr gelauscht, die weichen Haare seines Hinterkopfes gestreichelt. Am liebsten wäre ich noch ewig so geblieben. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis wir uns voneinander gelöst und unsere Sprache wieder gefunden haben. Als ich dann in seine von Tränen gefüllten Augen gesehen habe, habe ich gewusst, dass er genauso gelitten hat wie ich. Sanft hab ich ihm die Tränen von den Wangen gestrichen, wobei ich nicht mehr aufhören habe können, ihm in die Augen zu sehen. Noch heute frage ich mich, ob es möglich ist, dass er mir in die Seele schauen kann.


„Jayden...“, habe ich nur herausgebracht, danach ist meine Stimme abgebrochen. Ich schätze, ich hatte einen Kloß von der Größe eines Berges in meinem Hals.


„Taylor...“, hat er gehaucht. Seine Stimme hat wie verrückt gezittert, er ist von Gefühlen überwältigt gewesen. Da wir schließlich nichts sagen hatten können, haben wir fast zeitgleich unsere Augen geschlossen und unsere Lippen auf den Mund des jeweils anderen gepresst. Der erste Kuss nach all diesen Monaten des Wartens, nach all diesen Monaten der Einsamkeit und Zurückhaltung. Es ist eines der schönsten Gefühle der Welt für mich gewesen, als ich kurz darauf seine warme Zunge in meinem Mund gespürt habe. James, der draußen neben der Autotür gewartet hat, um uns einen Moment alleine zu geben, hat sich runtergebeugt, um zu uns auf die Rückbank zu schauen und mich daran zu erinnern, dass wir noch wohin mussten. Die ganze Zeit hat er dieses tolle Grinsen in seinem Gesicht gehabt, obwohl es an diesem Tag eigentlich gar keinen Grund zum Grinsen gegeben hat. Ich habe genickt, danach sind meine Finger noch ein paar Mal durch Jaydens Haar gefahren und ich habe ihn noch angestarrt, als könnte ich nicht glauben, dass er wirklich hier war. Während der Beerdigung ist er im Wagen geblieben, wir haben es nicht für angemessen gehalten, wenn er dort erscheinen würde, auch wenn es schwer für uns gewesen ist, uns schon wieder zu trennen. Als der Sarg meiner Mutter in die Erde gelassen worden ist, habe ich wie ein Kind geweint, habe ich am liebsten hinterher springen wollen. Ich habe gewusst, dass es nicht ihre Schuld war, dass sie an Krebs erkrankt und gestorben ist, aber ich bin doch irgendwie enttäuscht von ihr gewesen, dass sie mich verlassen hat. Christine ist auch dort erschienen. Auch sie hat ihre Tränen nicht zurückhalten können. Während sie sich mit einem weißen Tuch die Tränen aus dem Gesicht gewischt hat, ist sie auf mich zugekommen, als wir alle zusammen Richtung Ausgang gelaufen sind. Es ist irgendwie merkwürdig für mich gewesen, sie zu sehen. Merkwürdig, dass sie mir so fremd war, obwohl wir viele schöne Jahre miteinander verbracht haben, ein Bett geteilt haben und viele andere Dinge. Trotz der Trauer in ihrem blassen Gesicht hat sie immer noch schön ausgesehen.


„Ich hoffe, Dir geht es einigermaßen gut“, hat sie mit leiser Stimme gesagt, als sie neben mir war. Plötzlich bin ich irgendwie verlegen geworden, so als würden wir uns gar nicht wirklich kennen.


„Ja, es geht schon. Wie geht es Dir?“ Ein belangloses Gespräch aus Höflichkeit zwischen einem Paar, das einmal glücklich zusammen gewesen ist. Mir hat es das Herz zusammengezogen, als ein paar Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit in mir hochgekommen sind. Niemals habe ich gedacht, dass es so weit kommen würde, dass ich mich in einen Mann verlieben und von ihr trennen würde.


„Mir geht es ganz gut.“ Uns haben die Worte gefehlt. Noch immer wussten wir nicht so recht, wie wir mit der ganzen Situation umgehen sollten. Man hat schlecht so tun können, als wäre nichts gewesen. Manchmal habe ich mich gefragt, ob sie mich hasste, aber ich habe diese Frage nie über die Lippen gebracht. Schweigend sind wir nebeneinander hergelaufen, ich habe das Klappern ihrer schwarzen Stöckelschuhe gehört, das Vogelgezwitscher aus den Bäumen um uns herum, das leise Reden der anderen Trauergäste. Als wir kurz darauf zum Ausgang gekommen sind, habe ich Jayden am Auto stehen sehen, er ist ausgestiegen, um frische Luft zu schnappen. Er hat uns zu spät entdeckt, um sich noch im Auto zu verstecken. Christine hat ihn erspäht, mich mit überraschten großen Augen angesehen.


„Ist das Jayden?“ Ungläubig hat sie in seine Richtung gestarrt, wobei sie ihre Hand als Schutz für ihre Augen vor der Sonne benutzt hat. Als ich einmal mit ihr telefoniert habe, habe ich ihr in meiner Verzweiflung erzählt, dass Jayden in eine andere Stadt gezogen ist. Ich habe nicht gewusst, ob sie sich darüber gefreut hat oder ob sie Mitleid mit mir gehabt hat.


„Ja, das ist Jayden.“ Nervös habe ich auch in seine Richtung geschaut.


„Ich dachte, er...“ Sie hat sich gefragt, was es sie eigentlich noch anging.


„Ich habe ihn heute zum ersten Mal wieder gesehen“, habe ich ihr berichtet, bemüht, meine Freude darüber nicht zu zeigen. Nun sah Jayden sie auch. In seinem Blick war zu sehen, dass er es bereute, aus dem Auto gestiegen zu sein. Die beiden schauten sich einen Moment lang an. Dann wandte Christine den Blick ab, nickte und schaute auf den Boden. Sie war verwirrt. Hatte sie ihn doch gleich von Anfang an so sehr in ihr Herz geschlossen, ihn regelrecht in ihr und Taylors Leben gezerrt. Sie erinnerte sich, wie sie ihrem Mann noch fröhlich darüber berichtet hatte, dass Jayden ihn manchmal so verliebt ansehen würde und sie hatten darüber gelacht. Sie hatte viel Mitleid mit dem neuen Nachbarn gehabt, ihn nicht mehr alleine lassen wollen. Am Ende war sie allein gelassen worden, ausgeschlossen worden. Verrückt, wie schnell das Blatt sich wenden kann.


„Na dann wünsche ich Euch eine gute Zukunft“, raunte sie mir entgegen, ohne mich anzusehen. Ihre Stimme bebte leicht, ich sah, wie sie ihre kleine schwarze Handtasche fest umklammert hielt. Ich hatte ihr diese Handtasche einmal geschenkt.


„Es tut mir alles so leid“, sagte ich plötzlich in einem Ausbruch von Gefühlen, dann zog ich sie einfach an mich heran, um sie zu umarmen. Erneut flossen Tränen aus meinen Augen, während ich mit einer Hand über ihr hochgestecktes blondes Haar streichelte. „Ich wollte Dir nicht weh tun, ich hatte wirklich geplant, für immer mit Dir zusammen zu sein...“ Die Worte kamen einfach aus mir heraus, auch wenn ich wusste, dass sie ihr nichts bringen würden. Es wunderte mich, dass sie dort stehen blieb und sich von mir halten ließ.


„Ich wünschte, es wäre nicht passiert“, schluchzte sie in meine Schulter hinein.


„Ich möchte, dass Du trotzdem ein Teil meines Lebens bleibst“, bat ich sie, wonach ich mich von ihr löste und ihr Gesicht zwischen meine Hände nahm, die leicht zitterten.


„Ich weiß nicht, ob ich das kann.“ Sie warf nochmal einen Blick zu Jayden, der uns beobachtete, danach löste sie sich von mir und ging mit den anderen Leuten in die andere Richtung. Ich verabschiedete mich noch von einigen von ihnen und sah zu, dass ich schnell von dort wegkam. James, der sich die ganze Zeit im Hintergrund gehalten hatte, lief nun an meiner Seite mit mir zum Auto, eine Hand hatte er auf meiner Schulter abgelegt.


„Alles braucht seine Zeit“, sagte er zu mir und sah mich mit seinen ehrlichen braunen Augen an. Ich war so unendlich froh, dass er in mein Leben gekommen war, wenn auch die Umstände nicht die besten gewesen waren. Ich hatte von ihm erfahren, dass er aufgehört hatte, für die Organisation zu arbeiten und stattdessen eine Arbeit als Lehrer auf einer Schule bekommen hatte, was mich sehr für ihn freute. Und die Freude war noch größer geworden, als er mir berichtet hatte, es würde die Schule sein, an der ich auch arbeitete. So waren wir am Ende nicht nur beste Freunde geworden, sondern auch noch Arbeitskollegen.


„Nur kommt einem die Zeit manchmal so unendlich lange vor“, stellte ich fest, während wir uns dem Auto näherten.


„Du weißt, ich bin immer an Deiner Seite. Was kann da schon schief gehen?“ Da blieb er stehen und zeigte mir sein strahlendes weißes Lächeln. Automatisch musste ich auch lächeln. Als er seine Arme öffnete, ging ich auf ihn zu und wir umarmten uns freundschaftlich. Man könnte sagen, ich bin ein Mensch der Umarmungen geworden zu dieser Zeit. Misstrauisch beobachtete Jayden die beiden Männer, fragte sich, was zwischen ihnen war und ob er Grund hatte, eifersüchtig zu sein. Oder ob er überhaupt das Recht dazu hatte. Schließlich war er ja einfach weggegangen und hatte Taylor mit all den Problemen allein gelassen. Wir stellten uns zu Jayden ans Auto, alle lehnten mit dem Rücken gegen den Wagen, der in der Sonne langsam heiß wurde.


„Ich hoffe, es war nicht zu schlimm für sie, dass sie mich gesehen hat. Tut mir leid“, sagte Jayden gleich zu mir, wobei er verlegen auf seine schwarzen Schuhe blickte. Wieder fühlte er sich schuldig, dass es soweit gekommen war, dass sich ein Paar wegen ihm getrennt hatte.


„Na ja... Sie war etwas schockiert und überrascht.“


„Ich würde sagen, wir fahren dann mal los“, meldete sich James da zu Wort, um die Stimmung nicht noch weiter kippen zu lassen. Ich nickte, dann stiegen wir alle ein. Jayden und ich saßen hinten. Gerne hätte Jayden nach Taylors Hand gegriffen, aber er dachte, dass es nicht der richtige Moment war, traute sich nicht. Gerne hätte Taylor nach Jaydens Hand gegriffen, um einen Halt zu finden, aber er wollte nicht aufdringlich wirken, wusste nicht, wie es nun weitergehen sollte. James setzte seine Sonnenbrille auf, bevor er den Wagen startete. Wir fuhren erstmal zu ihm nach Hause, weil sich dort Jaydens Hund befand. James wollte uns noch einladen, bei ihm etwas zu trinken, aber wir lehnten das Angebot dankend ab. Ich wollte nur noch eines: mit Jayden zu mir nach Hause gehen. Also holten wir schnell seinen Hund und James war noch so freundlich, uns nach Hause zu fahren.


„Viel Spaß Euch beiden“, sagte er aus dem Auto heraus zu uns und zwinkerte mir zu. Jayden und ich sahen uns verlegen an, als wir wohl beide das gleiche dachten, was er damit meinen könnte. Oder vielleicht meinte er es auch anders, ich weiß es nicht.


„Danke. Aber...“, begann ich, wusste aber nicht, wie ich den Satz beenden sollte.


„War nur′n Scherz“, fügte James grinsend hinzu, danach fuhr er mit seinem Auto aus der Parklücke und ließ uns allein zurück. Es war ein merkwürdiges Gefühl für mich, Jaydens Humpeln neben mir wieder wahrzunehmen, während wir zum Haus liefen, in dem ich lebte. Wie sehr ich es vermisst hatte... Kurz darauf saßen wir zusammen in meinem Wohnzimmer auf dem Sofa. Der Raum war ein anderer, aber das Sofa war das gleiche, auf dem ich mit ihm bereits oft gesessen war, auf dem er geschlafen hatte, nachdem meine Frau ihn zu uns nach Hause geholt hatte. Ehrfürchtig strich er neben sich über den Stoff des Sofas. Erinnerungen kamen in ihm hoch. Danach erhob er seinen Kopf und unsere Blicke trafen sich. Noch immer hatte er da dieses traurige Etwas in seinen Augen, etwas das zeigte, wie sehr er bereits in seinem Leben gelitten hatte. Ich fragte mich, ob dieses traurige Etwas wohl jemals aus seinem Blick verschwinden würde. Schüchtern saßen wir nun da, keiner wusste, was er sagen oder tun sollte. Ich räusperte mich, während ich Bobby beobachtete, der sich neben Jayden auf den Boden legte. Sein Herrchen streichelte ihm sanft über den Kopf, danach sahen wir uns erneut an. Da rückte ich ein Stück näher, griff nach seiner Hand.


„Willst Du eine Beziehung mit mir haben?“, fragte ich in die Stille hinein, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Meine Worte schienen durch den Raum zu hallen und lauter zu sein, als ich sie gesagt hatte. Mein Herz raste wie verrückt, alles in mir wollte es. Ich erinnerte mich daran, wie er mich damals nach einer Beziehung gefragt hatte, als ich bei ihm Zuhause gewesen war, nachdem ich von meiner Mutter erfahren hatte, dass sie an Krebs erkrankt war und sterben wird. Damals hatte ich mich noch dagegen gewehrt, an Christine gedacht, ihm gesagt, ich könnte es nicht tun. Doch in diesem Moment war ich frei und bereit, es zu versuchen. Ich war bereit, in seine Welt zu kommen.


„Ei... Eine Beziehung?“ Jayden schluckte schwer, schaute auf unsere Hände runter. Ihm wurde heiß und kalt zugleich. All die Zeit hatte er es sich so sehr gewünscht. Und nun wurde ihm diese Frage unerwartet entgegen geschleudert. Er rang um Fassung, sodass ich dachte, er würde Nein sagen und ich spürte einen Kloß in meinem Hals.


„Ja. Ich möchte, dass wir es zusammen versuchen. In guten wie in schlechten Zeiten“, hauchte ich ihm liebevoll entgegen und streckte meine andere Hand aus, um ihm über die Haare zu streicheln. Ich wollte ihn mit Liebe und Zärtlichkeiten überhäufen, ihn nie wieder gehen lassen, ihn als mein Eigen sehen.


„Ich möchte es auch. In guten wie in schlechten Zeiten“, antwortete er leise und ein kurzes Lächeln huschte über sein Gesicht. Ich war so erleichtert, ich kann es gar nicht in Worte fassen. Nun schlug mein Herz noch schneller. Wir waren ein Paar, ich hatte wieder einen Partner, wenn auch einen männlichen. Das ist doch kein Unterschied. Man hat jemanden an seiner Seite, den man liebt, da ist es doch egal, ob es eine Frau oder ein Mann ist. Ich schloss für einen Moment die Augen, ließ die überwältigenden Gefühle kurz auf mich wirken, danach löste ich meine Hand von seiner, legte sie auf seiner Wange ab und küsste ihn. Zuerst war es nur ein Hauch von Kuss, doch als er ihn erwiderte, wurde es leidenschaftlich und wild. Man konnte seine Freude, Aufregung und das Feuer für mich spüren, als er in meine Haare griff und mir seine Zunge in den Mund presste. Wir saßen den Rest des Tages auf dem Sofa, hielten unsere Hände, erzählten uns, was so alles passiert war in der letzten Zeit ohne den jeweils anderen. Na ja, die meiste Zeit erzählte ich. Auch, wenn ein paar Stunden vergangen waren, konnte ich noch immer nicht richtig glauben, dass Jayden hier neben mir auf dem Sofa saß und wir es wirklich geschafft hatten, eine Beziehung zu starten. Ob es auch klappen würde stand in den Sternen, aber im Moment war das nicht wichtig. Wichtig war, dass wir nicht mehr getrennt waren und dass wir es versuchten. Oft genug hatte mich der Gedanke daran zerrissen, dass ich ihm damals keine Chance gegeben hatte, dass ich nicht den Mut gehabt hatte. Seit diesem Tage schliefen wir keine einzige Nacht mehr getrennt, es gab keinen einzigen Tag mehr ohne den anderen. Jayden war ohne alles zu mir gekommen. Nur eine kleine Reisetasche mit Kleidung und Sachen für den Hund hatte er bei sich. Seine Wohnung in der anderen Stadt gab es noch, mit all seinem Hab und Gut, aber er kehrte keinen einzigen Tag dorthin zurück seitdem er bei mir bleiben konnte. Als ich es mal schaffte, seine Hand loszulassen, ging ich rüber zu meinem Wohnzimmerschrank, um das schwarze Buch zu holen, das er mir damals überlassen hatte. Das Buch, in dem er mit Worten immer versucht hatte, seine Gefühle zu verarbeiten. Das Buch, das sein wahres verzweifeltes Ich zeigte. Nachdem ich neben ihm Platz genommen hatte, legte ich es auf meinem Knie ab, öffnete es. Er lächelte kurz.


„Du hast es aufgehoben“, sagte er gerührt, dann strich er sanft über die aufgeschlagene Seite mit dem gemeinsamen Foto von uns beiden.


„Natürlich. Und ich habe alles gelesen.“ Ich streichelte über seine Finger, die auf der Seite ruhten, schaute ihm in die Augen, in denen wieder ein wenig Schmerz zu sehen war. Er dachte an die Zeiten zurück, in denen er hineingeschrieben hatte. Und er fragte sich, ob nun sein Leiden endlich ein Ende haben würde, ob er endlich einmal glücklich sein konnte. Er erwiderte Taylors Blick, wusste aber nicht, was er sagen sollte. Ein wenig schämte er sich dafür, dass jemand seine Worte gelesen und somit einen tiefen Einblick in seine Seele geworfen hatte. Es beschämte ihn, dass er oft so verzweifelt gewesen war, dass er so viel nach Liebe geschrien hatte. Oft hatte er sich gewünscht, er könnte ein wenig stärker und mutiger sein, über seinen Schatten springen und etwas wagen und verändern. Doch er war einfach zu schwach gewesen.


„Hier.“ Ich klappte das Buch zu, hielt es ihm hin.


„Ich soll es nehmen?“ Verunsichert schaute er mich an, ohne es an sich zu nehmen.


„Ja. Es gehört Dir, zu Deinem Leben. Ich will, dass Du wieder hineinschreibst. Aber dieses Mal über die schönen Dinge.“ Ich legte es sanft in seine Hand. „Über uns.“


„Okay...“ Scheu zog er es an sich, drückte es kurz gegen seine Brust. Ohne es zu lesen, könnte er genau alles wiedergeben, was darin geschrieben stand.


„Danke“, flüsterte er, danach umarmte er mich.


 


 


 


 


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