Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Lyrik > Am Leben stirbt man nicht so leicht
Belletristik Bücher
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Lyrikbücher
Buch Leseprobe Am Leben stirbt man nicht so leicht, Mona Okada
Mona Okada

Am Leben stirbt man nicht so leicht



Bewertung:
(5)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
416
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
www.catbooks.de
Drucken Empfehlen

Wenn ...


... etwas zugrunde geht, wehren wir uns.


Verzweifelt, vergeblich, so ist es mit uns.


Selten treffen wir auf Menschen, die, vielleicht durch die Gnade eines gütigen Schicksals, in der Lage sind zu begreifen, dass gerade im Loslassen das Ertragenkönnen liegt. Vielleicht auch das Erkennen, dass wir leben können, gerade indem wir end-lich etwas „gehen lassen", von dem wir glaubten, nicht ohne es sein zu können.


Manche nennen es Weisheit. Kaufen kann man sie leider nicht.


Andere trösten sich mit dem Gedanken, dass unwiederbringliche Verluste zum Menschsein dazu gehören.


 


Entstanden ist das erste Material zu diesem Buch in einer Zeit, als der Tod auf meine engeren Familienangehörigen zukam, als ich etwa Mitte Dreißig war. Plötzlich gab es kein Entrinnen mehr, ich wurde zu einem Teil der Ereignisse und musste sehen, wie ich damit zurechtkam.


Der weitere Teil entstand in einer Zeit, in der ich mich wie ein Tisch fühlte, dem man ein Bein abgesägt hatte und nicht wusste, ob ich zum Schreiner oder zum Sperrmüll damit sollte.


 


Irgendwann dazwischen entdeckte ich die Hospizarbeit. Ich arbeitete einige Jahre an manchen Wochenenden ehrenamtlich dort als Pflegehelferin. Ich war froh, dass man mich dort annahm und ging nach jedem Dienst mit dem friedvollen Gefühl nach Hause, etwas wirklich Sinnvolles getan zu haben.


Diese, frühere und weitere Erlebnisse und Eindrücke wollten schließlich irgendeine Ausdrucksform finden, nur wusste ich lange nicht welche.


Auch kamen mir von Zeit zu Zeit Perioden persönlichen Glücks dazwischen sozusagen.


 Wie war das gerade? Das Glück kam mir dazwischen?


Ja, es war tatsächlich so, dass ich in den Zeiten in denen ich auf Fortunas Rad unten war, die stärksten Kreativitätsschübe erlebte.


 Daher beeilte ich mich in solchen Phasen mit meinen Texten weiter zu kommen, bevor ich wieder glücklich sein musste.


 


Glücklich sein m u s s t e?


 


Ja, es könnte sein, dass sie sich nicht verlesen haben. Glücklich sein m u s s t e.


Ist es ihnen nicht auch schon einmal aufgefallen, dass es bei unseren Mitmenschen nicht besonders gut ankommt, wenn man allzu deutlich zeigt, dass man doch eigentlich gar nicht so glücklich ist und ebenso wenig das dazugehörige Gesicht zur Schau stellen will? Von den unangenehmen Fragen zur eigenen Befindlichkeit ganz zu schweigen. Es kommt vor, dass man ehrlich darauf antworten möchte, ja, ja, es kommt vor, dass man die Maske abstreifen will, aber Nein, besser nicht.


 Glück, auch wenn es nur so scheint, kommt einfach besser an, nicht wahr?


 


Im Alter des Lebens müde zu sein, wird verständnisvoll toleriert. Ja, ja, hat doch ein langes Leben gehabt der Gute, da kann man ruhigen Gewissens sterben. Oder - im Alter nach langer, schwerer Krankheit gestorben die allseits Verehrte, da ist doch der Tod die willkommene Erlösung - es geht schließlich heim.


Dem jungen Menschen, der sein Leben eigenwillig abstreifen will, wird der Lebensmut therapeutisch erhalten - der Familie zuliebe sozusagen, hat man schon läuten hören. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder wie er wollte so konsequent demonstrierte, wie unerträglich das Leben oft sein kann.


Nix da, fleißig weiterleben - s' gibt schließlich kein größeres Vergnügen als die Pflichterfüllung - sagte schon unser braver Kaiser Wilhelm, guter alter Preuße, der Junge.


 


Offensichtlich für alle erkennbar traurig zu sein, ist jedenfalls nicht sehr elegant - im Gegenteil. Aber - ist nicht ein klein wenig leidtragend zu sein, ja wirklich nur ein wenig, nicht ein wunderbares Gleitmittel im sozialen Miteinander? Schließlich wollen wir doch Niemandes Neid erwecken. Und rührt es uns nicht geradezu auf anstößig angenehme Weise, wenn jemand still und lautlos weint? Ihm das Leid aus den Augen tropft und wir nicht einmal wissen, Gott sei's gedankt, warum? Unwissenheit macht ja so schön verantwortungslos. Berechtigterweise, denn was ich nicht weiß ...


Und die inneren, die wirklich bedrohlichen Wunden, die oft ein Leben lang bluten, ohne dass es jemand merkt? ... Ja, die Deutschen sind wahrlich ein starkes Volk.


 


Es gibt wohl niemanden unter uns, der nicht wüsste, dass man vieles leid sein kann - oft, aber das bleibt unter uns, sogar das Leben.


Aber gut, wir haben uns zusammen zu reißen und schließlich und endlich: Geht's uns denn nicht richtig gut?


 


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



Sponsoren

© 2008 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!
suchbuch.de wird unterstützt von loadplanet.de


ExecutionTime: 0 secs