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Kultur Bücher
Buch Leseprobe Panoptikum interessanter Dinge, Mathias Scholz
Mathias Scholz

Panoptikum interessanter Dinge


und Begebenheiten

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177. Ungelöste Probleme der Katzenforschung


 


Während die Höllenforschung zumindest im Abendland schon seit einiger Zeit einen gewissen Abschluss gefunden hat und kaum noch weiterverfolgt wird, kann man das von der „Katzenforschung“, deren wichtigster, aber nicht alleiniger Gegenstand die Hauskatze, gemeinhin „Stubentiger“ genannt, ist, nicht behaupten. Hier wartet noch viel Forschungsarbeit auf den Katzenforscher. Wenn ich dabei beispielsweise nur an meinen Kater Humpel (dem dieses Buch gewidmet ist) denke, fallen mir gleich ein paar wichtige Forschungsthemen ein, auf die man zumindest einen Doktoranden ansetzen sollte. Als Erstes würde mich brennend interessieren, warum sich Katzen immer auf die Zeitung legen, die man gerade zu lesen gedenkt (oder auf die doch recht unbequeme Computertastatur just in dem Moment, wenn man am Computer oder Notebook arbeiten möchte). Oder warum manche Katzen alle paar Wochen ihren Lieblingsschlafplatz in der Wohnung wechseln. Auch die Frage einer Freundin von mir, warum Katzen, wenn sie sich schon einmal erbrechen müssen (keine Angst, dass ist bei Katzen ziemlich normal), das immer auf dem teuren Teppich tun und nur selten auf dem Parkett oder dem Steinfußboden. Das ist für den Katzenfreund eine Fragestellung von höchster prakti-scher Bedeutung, denn er ist es ja, der das Erbrochene wieder entfernen muss…


 


178. Tote Katzen schnurren nicht


 


Das eigentliche Rätsel der Hauskatze besteht aber in ihre Fähigkeit zu „schnurren“ – und trotz mittlerweile fast 200 jähriger Forschungstätigkeit zu diesem Thema gibt es immer noch keine wirklich befriedigende Antwort auf die Frage, wie sie das zustande bringt. Gerade diese niederfrequente Lautäußerung ist es ja, welche Katzen neben ihrer manchmal zugegebenermaßen ziemlich aufdringlichen Art (besonders wenn es ums Streicheln, Kraulen oder ums Futter geht) so sympathisch machen. Auf jeden Fall scheint diese Lautäußerung irgendwo in der Halsregion zu entstehen. Soweit sind sich die Forscher einig. So war es auch ziemlich folgerichtig, dass man zuerst einmal unter Nutzung diverser Schneidinstrumente genau an dieser Stelle mit wissenschaftlicher Neugierde einmal näher nachgeschaut hat. Das einzig wirklich sichere Ergebnis derartiger feinanatomischer Untersuchungen war jedoch nur die Erkenntnis, dass tote Katzen im Gegensatz zu Lebendigen nicht schnurren. Um 1960 kam es zu einem ersten bescheidenen Durchbruch in diesem wichtigen Forschungsgebiet und zwar Dank eines Hundes, der einer armen Katze die Gurgel durchgebissen hatte, wobei deren Kehlkopf stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die betroffene Katze lebte noch einige Wochen, da ein erfahrener Tierarzt ihre Atmung mittels eines Schlauches sichergestellt hatte. Sie war aber nicht mehr in der Lage, zu miauen. Am Schnurren hinderte sie dieser Schlauch aber keineswegs, wodurch empirisch bewiesen war, dass der Kehlkopf nicht an dieser speziellen Lautäußerung beteiligt sein kann. Was folgte, waren eine Anzahl unappetitlicher Versuche an lebendigen Katzen, über die ein wahrer Katzenliebhaber eigentlich nichts Genaueres wissen möchte, weshalb ich hier auch auf deren Beschreibung bewusst verzichte. Aber auch sie führten zu keiner genauen Lokalisierung des Schnurrapparats. Aber zumindest konnten als Zielrichtung für zukünftige Forschungen einige Hypothesen aufgestellt werden wie z. B. die „Zungenbein-Hypothese“ und die „Hypothese der falschen Stimmbänder“. Dass man der Erforschung dieses Phänomens, zu dem im Tierreich nur Arten aus der Familie Felidae fähig sind, durchaus als grundlegend für die biologischen Wissenschaften ansah, zeigt die im Jahre 2006 stattgefundene „12th International Conference on Low Frequency and Vibration and ist Control“, wo in einem unter Katzenforschern vielbeachteten Beitrag eine neue interessante These, zwar weniger um den „Ort“ als vielmehr um den „Zweck“ des Schnurrens, vorgetragen wurde. Die Sache ist aber reichlich kompliziert und auch für einen Laien nicht unbedingt einsichtig, weshalb sie hier auch nicht näher erörtert werden kann. Wer es trotzdem genauer wissen möchte, der sei auf das Studium der entsprechenden Fachaufsätze verwiesen.




179. Die “Sieben Leben“ der Katze


 


Nur so viel, es hat etwas mit den sagenhaften Selbstheilungskräften von Katzen (d. h. deren „sieben Leben“) zu tun. Dabei führt uns der „Ausdruck“ „sieben Leben“ wieder in die Zeit des späten Mittelalters und der beginnenden Neuzeit zurück, wo die deut-schen Lande von einem nur schwer erklärbaren Hexenwahn überrollt wurden. Da-mals erschlug und verbrannte man nicht nur schwarze Katzen, sondern warf sie auch manchmal von Kirchtürmen. Aufgrund dessen, dass die Katzen einen speziellen Reflex entwickelt haben, der sie in der Luft bei einem Sturz immer so drehen lässt, dass sie schließlich auf den Pfoten landen (sogenannter Stellreflex), überleben sie einen solchen Sturz aus großer Höhe oftmals zwar meist etwas benommen, aber ansonsten unbeschädigt oder nur leicht verletzt. Ein Mensch oder auch ein anderes Tier (soweit es sich nicht um einen Vogel handelt) würde sich dabei alle Knochen brechen und schon deswegen einen Sturz von einem Kirchturm kaum überleben. Die Menschen jener Zeit konnten sich diesen Effekt nicht erklären und nahmen deshalb an, dass der Teufel den Katzen sieben Leben gewährt.


...


 


460. Wissen und Erkenntnisstreben als Selbstzweck


 


Nun ja, es ist nicht lebenswichtig, etwas über Pluto zu wissen, oder über den Fährmann über den Fluss Acheron mit Namen „Charon“ (Don’t Pay the Ferryman!) oder über Chris de Burgh. Aber die Welt wird interessanter, wenn man es weiß. Man sollte Wissen wieder als Selbstzweck erkennen, etwas, was einen als Persönlichkeit weiterbringt, hilft, die Dinge der Welt zu verstehen und einzuordnen und somit ermöglicht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Nur mit einem gewissen Maß an Allgemeinbildung und sich darauf aufbauender Kritikfähigkeit kann ein Individuum die zentralen Menschheitsprobleme verstehen und kritisch reflektieren. Ein Mensch, der etwas über die Französische Revolution weiß, dem kann dieses Wissen helfen, eine Reihe gesellschaftlicher Probleme und menschlicher Abgründe zu erkennen und realistisch einzuordnen, welche beispielsweise die Tagespolitik beschäftigen. Ein Mensch, der einige Grundgedanken der Naturwissenschaften verinnerlicht hat, wird beispielsweise die Nebelkerzen erkennen, die ihm in Bezug auf Klimapolitik und „erneuerbare“ Energien tagtäglich von den Medien vorgesetzt werden. Und eines sollte man nicht vergessen, wenn es um den Erwerb von Spezialwissen geht, wie es heutzutage in jedem anspruchsvollen Beruf erwartet wird. Nur diejenigen, die ein ausgeprägtes Allgemeinwissen mitbringen, sind in der Regel überhaupt erst in der Lage, Dinge und Sachverhalte selbst und kritisch zu beurteilen, da sie verschiedene Facetten betrachtet und dadurch den nötigen Weitblick gewonnen haben. Etwas zu wissen ist aber ohne Zweifel auch ein intellektuelles Vergnügen. Es mag für die meisten nutzlos erscheinen, Blumen am Wegrand benennen oder die wichtigsten Sternbilder am Him-mel zeigen zu können. Aber ein derartiges Wissen ist ein Teil eines riesigen Netzwerks von Fakten und Zusammenhängen, die auf vielfältigste Weise untereinander verbunden sind. Und genau das sollte Ihnen dieser kleine Ausflug in das Panoptikum interessanter Dinge und Begebenheiten vermitteln. Alles hängt irgendwie zusammen – und dabei habe ich noch nichts über die quantenmechanische Verschränkung erzählt.


 


P.S. Wie Sie sicher schon längst wissen, passen genau 9 grüne Hunkis in einen Hemputi…


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