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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Zeisi & Duke, Jörg Gschaider
Jörg Gschaider

Zeisi & Duke



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Tagewerk
1
„Du wirst also das Wochenende in den Bergen verbringen? Da steckt sicher Duke dahinter … mit diesem Scheusal? Mit diesem Kerl? Bist du noch zu retten?“, tat Larissa ihren Unmut kund.
„Da ist doch nichts dabei! Freitagmorgen brechen wir auf, und Sonntagabend sind wir auch schon wieder zurück, eine Bergtour halt.“
„Die Natur hat dich doch sonst nie interessiert … mit diesem Unmenschen noch dazu! Eine Bergtour! Pah, dass ich nicht lache!“
„Wieso nicht? Duke kennt sich in solchen Dingen aus, vielleicht bringt er mir Felder und Wälder näher… ein bisschen fischen, Pilze sammeln … womöglich ist gerade etwas Entspannung im Grünen, was mir fehlt. Schaden wird’s mir jedenfalls nicht … und dann der Abend in einer Hütte …“
„Pilze sammeln, ja sicher! Ich weiß nicht, was ihr beiden ausheckt, es interessiert mich auch gar nicht, etwas Gescheites kommt dabei jedenfalls ganz sicher nicht heraus. Entspannung im Grünen! Pah! Das harmloseste wäre noch eine sinnlose Sauferei!“
Larissa verließ schnaubend den Raum, die Türe zu ihrem Zimmer zuknallend. Mann!
***
„Was, wenn der Einfluss Dukes weiter zunähme? Wenn er Macht über ihren Mann gewinnen würde? Zeisi in den Bergen? Was wollte er dort? Ausgerechnet mit diesem Wahnsinnigen! Dieser Kerl kannte keine Grenzen. Ihm war einfach alles zuzutrauen.“, sinnierte Larissa in ihrem Zimmer auf und ab gehend.
Doch darauf, was er diesmal vorhatte hatte, und wozu er ihren Gemahl mitreißen würde, darauf wäre sie in ihren kühnsten Träumen nicht gekommen.
***
Extra kühl hatte sie sich am Morgen verhalten. Womöglich ahnte sie sehr genau, dass sie in Begriff waren sämtliche Grenzen zu sprengen. Eine Dummheit, die all die Dummenjungenstreiche in grauer Vorzeit bei Weitem überträfe. Ganz sicher konnte man annehmen, dass sich Larissa in dieser Situation, in diesem Moment, alles andere denn wohl fühlte. Jedoch hatte sie sich, wie immer, fest in Griff. Kein dummes Wort war über ihre Lippen gekommen, nur Zeisis Aufmachung hatte sie mit Verwunderung gemustert: Anzug, Krawatte, die Lange & Söhne am Handgelenk … Zu einem Wochenende in den Bergen,
zum Fischen und Pilze sammeln hätten wohl die ältesten Jeans, ein Sweatshirt und darüber eine sportliche Jacke besser gepasst, als Anzug und Trenchcoat.
„Bist du sicher, dass du für ein Wochenende in den Bergen richtig angezogen bist?“, fragte sie.
„Ich hab die passende Kleidung in der Tasche. Ich zieh mich irgendwo um, ich hab zuvor noch einen Termin“, log er.
„Also dann, ciao!“, verabschiedete sie sich. „Und gute Unterhaltung“, wünschte sie, gute Miene zum bösen Spiel machend. Noch ein unterkühltes Küsschen auf die Wange, ehe die Haustüre hinter ihm ins Schloss fiel.
Ist ja doch eine gute Frau. Was heißt eine gute? Die beste und wie sie ihren Unmut so zu unterdrücken verstand … mit einer anderen Partnerin wäre der Abschied wohl ein turbulenter gewesen. Eine Szene passte gottlob nicht zu ihrem Stil.
Jetzt, wo er schon auf die Autobahn aufgefahren war, sein Jaguar Richtung Nordosten glitt, dachte er über den Inhalt der Tasche nach … mit Anzug und Trenchcoat in der Wildnis … hmmm … schon seltsam, das Bild, das er abgeben würde. Sollte er von der Autobahn abfahren und sich wenigstens pas-sendes Schuhwerk besorgen? „Anzug und Bergschuhe, wie würde das bloß aussehen? Auch mit Halbschuhen kann man sich im Gelände bewegen. Halbschuhtourist eben – und Klettertour wird’s ja hoffentlich keine werden. Ach was, jetzt bin ich schon mal unterwegs – und vor der Bank passt die Kleidung ganz genau“, beruhigte er sich selbst.
***
Die Raubkatze schnurrte wie immer – und nach etwas mehr als zwei Stunden Fahrt war er am Airport, in einer Park & Ride Garage angekommen. Der Flughafen war zwar ziemlich weit von seinem eigentlichen Ziel entfernt. Dort würde der Wagen – immerhin fast zwei Tage geparkt – am wenigsten auffallen. Am Sonntagnachmittag würde er ihn ab-holen und den Rückweg in Angriff nehmen.
Scheiß Wetter! Auch das noch! Zum Glück führte er im Kofferraum stets einen Regenschirm mit sich. Er nahm die leere Reisetasche und den Regenschirm. Ein kurzes Aufblinken der Alarmanlage und los zur S-Bahn. Dann mit der U-Bahn ins Stadtzentrum und von dort mit der Straßenbahn ans andere Ende der Stadt.
Ehe er die öffentlichen Verkehrsmittel benutzte, musste er sich noch um Fahrscheine kümmern. Ginge es nach Duke, würde der Coup am Ende noch wegen Schwarzfahrens auffliegen. An Fahrscheine hatte er bestimmt nicht gedacht. Wie viele würde er benötigen? Tageskarten? Nein, Einzelfahrten wären flexibler. S-Bahn, U-Bahn und dann einige Straßen-bahnfahrten, auch jene von Duke … der Rückweg am Sonntag … Er würde sicherheitshalber zwei Zehnerblöcke nehmen. Die müssten auf alle Fälle genügen.
***
Entgegen der alten Gewohnheiten war diesmal Zeisi zu früh dran. Macht nichts. Er würde im Kaffeehaus, in unmittelbarer Nähe des Treffpunkts warten.
Schließlich betrat er jene Gaststätte, die ihm aus seiner Vergangenheit so gut bekannt war; in welcher er sich vor gefühlten Jahrhunderten mit Larissa des Öfteren verabredet hatte, - und vor nunmehr längerer Zeit mit ihr gesessen und eine wohlschmeckende Malakofftorte verzehrt hatte. Jene Konditorei, die er im Zuge seiner Kundschafterdienste besucht hatte. Seinen Regenschirm platzierte er im vorgesehenen Ständer in Türnähe, entfernte den feuchten Beschlag von der Brille und ließ sodann den Blick durchs Lokal schweifen. Nur an der Theke unterhielt sich jemand mit dem Kellner.
Er wählte einen Tisch, von dem aus er Duke sehen könnte, sobald der auftauchen würde. Eben hatte er sich aus dem breiten Angebot des Zeitungstischchens ein Blatt ausgesucht, als auch der Kellner schon zur Stelle war:
„Sie wünschen?“
„Einen großen Braunen bitte mit einem großen Glas Wasser.“
„Sehr gerne, kommt sofort.“
Sein Mund war trocken geworden und seine Stimme schien ihm zittrig.
Während er so tat, als würde er aufmerksam die Zeitung studieren, fühlte er sich, als ob er sich auf dem Weg zum Schafott befände. Zum Lesen war er viel zu aufgewühlt.
Sein Handy meldete eine SMS. Er drückte die entsprechenden Buttons. „38“, stand geschrieben. The eagle has landed. In einigen Minuten würde Duke da sein. Der hatte gut reden: Von wegen mit Zuversicht und tödlicher Sicherheit in die Schlacht ziehen. Zeisi wäre schon zufrieden, wenn sich seine Knie nicht so weich anfühlen würden. Er hatte Angst, sie könnten ihm den Dienst versagen. In diesem Augenblick machte er sich vor, dass noch die Möglichkeit bestünde einfach nicht aufzutauchen. Er bräuchte nur bei seinem Kaffee sitzen zu bleiben und zu warten, bis Duke wieder verschwunden wäre. Doch wusste er im selben Moment, dass er sich etwas vormachte. Es gab kein Zurück. Er brauchte ja nur dort zustehen, auf die Tram zu achten und die Tasche in Empfang zu nehmen. „Ist ja nicht so schwer“, versuchte er sich einzureden. Er trank zwar nie, aber in diesem Falle würde Schnaps die Magennerven beruhigen.
„Einen Cognac bitte“, rief er dem Kellner zu. „Einen Doppelten“.
Sobald die Zeit gekommen wäre, würde er hinaus auf die Straße gehen … Da! Duke kam die gegenüberliegende Straßenseite herauf, die Kapuze seines Parkas tief ins Gesicht gezogen. Die Jacke hatte sich dunkel gefärbt. So durchnässt sah er eher wie ein begossener Pudel aus, denn jemand der in Bälde eine Bank stürmen würde … „Zahlen bitte!“, rief er und trank seinen Cognac eilig aus. Der Kellner machte keinerlei Anstalten sein Gespräch mit dem Gast ad hoc zu beenden. Also nahm Zeisi Tasche und Regenschirm, legte einen Zehner auf den Tresen und verschwand hinaus in den Regen, ohne auf das Restgeld zu warten.



2



Zum Regen hatte sich auch noch Wind gesellt. „Scheiß Wetter“, dachte er, doch der Regen schien wenigstens dafür zu sorgen, dass sich nur wenige Menschen auf die Straße wagten. Das Lokal kaum verlassen, spannte er den Schirm auf und machte sich auf den Weg zur Haltestelle. Die Straße war fast menschenleer. Dennoch bemühte er sich weder zu zappeln, noch zu forschen Schrittes auf die Haltestelle zuzugehen, noch sonst irgendwie aufzufallen. Seine Nervosität dürfe auf gar keinen Fall augenscheinlich sein, ihn verdächtig machen. Verstohlen sah er sich um. Nein! Da war wirklich niemand der ihn beachtete, aber wer weiß …
***
„Wo ist der Scheißkerl nur?“, fragte sich Duke, als er im Regen, gegen den Wind, den Gehsteig auf der gegenüberliegenden Seite der Bank hinaufmarschierte. Er hasste feuchtkaltes Wetter, doch tat es jetzt nichts zur Sache. „Er wird doch nicht doch noch gekniffen haben!? Nein, nein, er hatte ja das Kommando übernommen!“
Da! Endlich, sah er ihn, im Trenchcoat, den Regenschirm aufspannend das Café verlassen. Duke blickte auf die Uhr: passt ganz genau! Er beschleunigte seinen Schritt in dem Maße, dass er möglichst zeitgleich mit ihm die Haltestelle erreichen würde.
***
Zeisi war kreidebleich und zitterte leicht – vielleicht auch des Wetters wegen; er machte aber insgesamt einen ziemlich zerknirschten Eindruck. Dabei hatte gerade er nicht das Geringste zu befürchten. Niemand konnte auch nur erahnen, dass er Teil eines Gangsterduos war.
„Scheiß dich nicht an“, empfahl ihm sein Komplize.
***
Das leise, beinahe geflüsterte „Scheiß dich nicht an“, waren Dukes einzige Worte, als er endlich zu Zeisi gestoßen war und die Tasche in Besitz nahm. Also doch: Seine Nervosität war auffallend. Aber fiel sie nur Duke auf? War die Ermahnung nur ein Schuss ins Blaue? In jedem Fall hätte er sich die Bemerkung sparen können!
„Reiß dich zusammen“, befahl er sich jedenfalls selbst, „du stehst ja praktisch nur schmiere …“ Dukes Kommentar hatte ein Sausen in seinen Ohren in Gang gesetzt. Die Gedankenströme spielten im Gehirn fangen: „mit der Beute abzuhauen wirst doch hoffentlich auf die Reihe kriegen … Wahnsinn, wie cool Duke ist … von ihm könntest dir eine Scheibe abschneiden … aber wenigstens grüßen hätte er können, oder ein paar Worte der Anerkennung verlieren … wenigstens übers Wetter hätte er sich beschweren können, durchnässt wie er war …“
Nichts dergleichen! „Scheiß dich nicht an“, war alles gewesen, ehe er die Tasche genommen hatte und sicheren Schrittes geradewegs auf die Bank zumarschiert war.
Seelsorger wäre wohl keiner aus ihm geworden!
***
Mit der Tasche in der einen Hand, mit der anderen die Kapuze ins Gesicht ziehend, ging er leichten Schrittes geradewegs auf die Bank zu. Die tödliche Sicherheit eines Kriegers war kein leerer Spruch, den er sich eingeredet hatte. Sich etwas einzureden bewirkte zumeist das Gegenteil, womöglich ein Zittern, wie es Zeisi erfasst hatte. Nein, nein, er war die personifizierte Sicherheit. Der Plan war gut durchdacht. Klar hatte er ein kleinwenig Lampenfieber, aber das gehört nun mal zum Theater, zumal er sein Schießeisen seit einer Ewigkeit nicht mehr benutzt hatte. Das einzige Risiko war Zeisi – und der würde seinen Job erledigen, davon war er überzeugt, dazu hatte er ihn ja schließlich von Anfang an in die Idee eingebunden; und so schwierig war seine Aufgabe ja auch wieder nicht.
Die Türen öffneten sich. Er hielt kurz inne, um Sonnenbrillen aufzusetzen und die Pistole zu ziehen. Es war zwar absolut keine Lichtquelle in der Nähe, die ihn hätte blenden können, aber sonnenbebrillt fühlte er sich einfach noch sicherer. Außerdem könnte es von Vorteil sein, wenn niemand seine Augen sehen könne. Im Grunde war es völlig egal, ob er die Kameras erwischte, oder nicht. Sie würden ihn ohnehin bereits gefilmt haben; obwohl: mit Sonnenbrille und tief ins Gesicht gezogener Kapuze? … Egal! Später, irgendwann, würden sie ihn identifizieren. Aber eben erst irgendwann, wenn er über alle Berge wäre und seine Identität keine Rolle mehr spielte. Ein bisschen ballern gehört zur Show, fand er, und der Schrecken, den er den Angestellten einjagen würde …
Ein Schuss, die Kamera, die den Eingang überwachte, war eliminiert. Na also, geht doch!
Mit der schussbereiten Waffe in der einen Hand und der Tasche in der anderen, strammen Schrittes weiter in den Schalterraum. Ein kurzer kontrollierender Blick: Die Filiale war bis auf die beiden Angestellten leer. Gott sei Dank, welch Glücksfall! Perfekt! Noch zwei Kugeln für die Kameras in den Ecken! Duke baute sich vor der Theke auf und schob die geöffnete Tasche zur Bankangestellten.
„Anfüllen, Süße!“, herrschte er die zur Salzsäule erstarrte Kassiererin an. Kreidebleich war sie und ihre Augen weit geöffnet. Sie zitterte am ganzen Körper. Wahrscheinlich, ja ziemlich sicher sogar, war sie gar nicht in der Lage, seinem Befehl zu folgen. Ein „komm her hab ich gesagt“ unterstrich er mit einem Schuss knapp an ihrem hübschen Köpfchen vorbei – und zwar so knapp, dass sie zweifellos die Kugel pfeifen gehört haben musste. Der Schuss hatte das Fräulein aus ihrer Starre erweckt. Augenblicklich folgte sie Dukes Befehl und machte die zwei, drei fehlenden Schritte auf den so furchterweckenden Kerl zu. Er packte sie ziemlich unsanft an den Haaren und zog sie an ihnen halb über den Schalter an sich heran. Brutal drückte er ihr Gesicht auf das Holz des Tresens, richtete die Pistole in ihr Genick, und an ihren Kollegen gerichtet sagte er in einem zwar ruhigen, aber alles beherrschendem Tonfall: „Du da, füll die Tasche an!“
Auch der Kollege war vorerst unfähig sich zu rühren. Er brauchte offenbar einige Momente sich die Sachlage zu vergegenwärtigen.
„Jetzt nur keinen Fehler machen! Ganz vorsichtig!“, sagte er sich. „Den Gangster nur nicht unnötig nervös machen, oder gar reizen.“ Schließlich näherte er sich zögerlich dem Schalter und damit der Tasche. Er nahm sie in die Hand und zwar ganz so, als ob er sie ausgesprochen abstoßend fände.
„Mach schon, füll sie an, aber heute noch, dann wird ihr nichts passieren.“
Der Angestellte schien ihn in seinem Schock gar nichts zu hören.
„Mach schon, hab ich gesagt“, sprach Duke merkbar energischer und verlieh seiner Aufforderung mit einer weiteren Kugel Nachdruck, vorbei am Ohr des Angestellten.
Die Kollegin schrie erschrocken auf.
Es zauberte ein Lächeln in sein Gesicht, wie der Bankangestellte plötzlich, wie von einer Hornisse gestochen, seine Anweisungen befolgte; und die Pistolenmündung war wieder am Genick des Mädels.
***
Kaum hatte sich die Türe vor seinem Partner geöffnet, hörte Zeisi auch schon den ersten Schuss fallen. Gänsehaut stieg ihm auf und die Knie schlotterten. Natürlich wusste er, dass Duke in diesem Moment, laut Plan, die erste Kamera von der Decke geballert hatte. Zwei weitere Schüsse mussten demnach folgen – die Kameras in den Ecken. Ungeduldig wartete er. Augenblicke, die ihm als Unendlichkeit erschienen! Endlich! Es fielen aber nicht nur zwei, sondern in relativ kurzen Abständen noch zwei wei-tere! Und danach Stille … eine unnatürliche, bedrückende Stille!
***
„Den Tresor nicht vergessen“, erinnerte Duke den Herrn hinterm Schalter.
Dieser leistete indessen wozu er imstande war, indem er einige Päckchen frischer Scheine aus dem Metallkasten eiligst in die Tasche warf. Im Nu war aus ihm ein Akkordarbeiter geworden.
„Sehr gut machst du das“, munterte er den nunmehr rasenden Banker auf. „Jetzt noch das Gold hinein, dann bin ich auch schon wieder weg.“
„Was für Gold?“, unternahm der Bedienstete einen Versuch sich dumm zu stellen; oder wusste er im Stress tatsächlich nicht was gemeint war?
„Keine blöden Fragen, sondern machen! Aber dalli! – Es ist auch für deine Birne noch eine Kugel im Magazin, darauf kannst Du dich verlassen!“
Der Angestellte wollte mit der Tasche in den benachbarten Raum verschwinden. Offenbar war das Edelmetall im Büro des Chefs aufbewahrt.
„Die Tasche bleibt hier“, befahl Duke. „Stell sie hier neben mich auf den Tresen und dann mach!“ Er musste die Tasche griffbereit haben, für den Fall, dass das Handy klingeln sollte.
Der Herr im Anzug tat inzwischen wie ihm geheißen. Duke konnte ihn durch die offene Türe beobachten. Der Typ machte zu langsam. Eine Schlaftablette in Aktion! Für einen Augenblick überlegte er einfach über die Theke zu springen und ihm Beine zu machen, doch hätte er - zumindest für einen kurzen Moment - die Kontrolle über das Geschehen verloren.
Früher oder später würden sie den Alarmknopf drücken, so gut konnte er gar nicht aufpassen und so furchterregend konnte er gar nicht sein, das war ihm bewusst. Das spielte aber keine Rolle, denn bis die Bullen kämen, wären sie über alle Berge.
„Los, schneller, mach schon, schneller – und keine Dummheiten“, diktierte er und drückte die weiterhin erstarrte junge Dame noch fester auf das Holz, was ihr ein Aufheulen entkommen ließ. Brav war das Mädel insgesamt. Kein Wunder eigentlich, wo sie doch den Lauf so deutlich spüren konnte.
Der Angestellte kam mit einer guten Handvoll kleiner Etuis aus dem Nebenraum zurück und warf sie zu den Scheinen in die Tasche.
„Du musst mir alles geben“, erklärte Duke, diesmal beinahe sanft. „Und zwar schneller, viel schneller!“, schrie er ihn dann an.
Die Angst im Nacken bewirkte, dass der Bediens-tete beschleunigte, als ob er schlag‘ den Raab spielen wollte. In diesem Tempo hat er sich bestimmt sein ganzes Leben lang noch nie bewegt.
***
„Was war da los? Hoffentlich keine Panne! Duke wird doch niemand verletzt haben?“, fragte sich Zeisi. Fünf Schüsse! Die Zeit schien still zu stehen und es drohte ihm übel zu werden. Sein Herz raste und sein Magen revoltierte. „Fassung bewahren!“, befahl er sich, als sich ein alter Mann in einem dünnen, transparenten Regenüberwurf neben ihn stellte. Er musterte ihn unauffällig, so verstohlen er nur konnte. Der alte Mann sah nicht besonders gefährlich aus. Er würde nichts mitkriegen, sofern Duke nicht noch einen Schuss abfeuerte. Die Zeit verging noch langsamer. Er hatte das Gefühl Stunden an der Haltestelle zu verbringen.
Da! Endlich! Die Straßenbahn! Er nahm sein Mobiltelefon zur Hand und wählte. Zur Tarnung tat er so, als würde er tatsächlich telefonieren, auch wenn er wusste, dass sein Partner das Gespräch nicht entgegennehmen würde.
***
Gerade als der Bankangestellte am Absatz kehrt machte, um eine weitere Ladung zur Tasche zu bringen, klingelte das Telefon. Duke wusste selbstverständlich was das zu bedeuten hatte. Sehr gut Zeisi! Du machst einen hervorragenden Job!
„Die Barren, Mann, die Barren!“ Der Gangster konnte nicht wissen, ob tatsächlich auch Goldbarren gelagert wären, aber ein Schuss ins Blaue konnte nicht schaden.
Etwa 20 Sekunden, länger braucht der Typ nicht um, mit neuen Päckchen anzutanzen. Diese Zeit würde Duke noch finden.
Tatsächlich kam er mit ein paar Barren zurück. Nach Dukes Einschätzung in der Größe einer Unze vielleicht, oder 50 Gramm. War der Banker tatsächlich so begriffsstutzig gewesen, oder hatte er ihn verarschen wollen? Egal jetzt! Nach dieser Fuhre musste er das Weite suchen. „Ich bedanke mich für die Zusammenarbeit“, sagte er mit kühlem Lächeln, machte lässig kehrt und legte im Zuge des Verlassens des Tatorts die Pistole in die Tasche und die Sonnenbrillen dazu. Wie ein böser Geist, als der er gekommen war, war er auch wieder verschwunden.
***
Jetzt hatten sie noch exakt 45 Sekunden. Zeisi ging dem Zug etwas entgegen. Etwa dahin, wo er den letzten Waggon erwartete. Er bemühte sich nicht zum Eingang der Bank zu starren, doch konnte er sich den einen oder anderen Blick nicht verkneifen. Wenigstens nahm der andere potentielle Fahrgast keine Notiz von ihm, er schien sich ganz auf die sich nähernde Straßenbahn zu konzentrieren.
Leichten, flotten Schrittes kam Duke aus der Bank. Dieselbe Sicherheit, wie er sie auf dem Weg hinein an den Tag gelegt hatte. Mit einer Hand hielt er sich die Kapuze tief ins Gesicht, mit der anderen trug er die Tasche.
***
Die Tram schien schon auf ihn zu warten, so kam es Duke wenigstens vor – und vor dem Zug, genau vor dem letzten Einstieg, hatte sich Zeisi postiert. Er ging auf ihn zu, übergab ihm die Tasche und Zeisi drückte ihm im Gegenzug einen kleinen Schein in die Hand. Nanu, was war das denn? Noch während des Umrundens des Hecks des letzten Waggons sah er nach, was ihm da in die Hand gegeben worden war. Ein Fahrschein! Ist denn das die Möglichkeit?! Zeisi dachte wirklich an alles.


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