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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Wie Ein Licht Im Dunkeln, Frank Christopher Schroeder
Frank Christopher Schroeder

Wie Ein Licht Im Dunkeln


Hardboiled Thriller

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Kapitel 20


Sie ließen das Fluchtauto auf dem Parkplatz einer Mall im toten Winkel der Überwachungskameras stehen und wechselten in den Prius. Es würde wahrscheinlich noch einige Zeit vergehen, bis jemand den Verlust des Wagens überhaupt bemerken würde, weil Rico seine eigene Methode für die Beschaffung von Fahrzeugen entwickelt hatte. Vor einem geplanten Hit beauftragte er eine Kontaktperson in der städtischen Leichenhalle, ihm eine Liste der aktuell eingelieferten allein lebenden Verstorbenen zukommen zu lassen.


Diese Liste übergab er einem weiteren Kontakt bei der Zulassungsstelle DMV, der ihm die Kennzeichen der entsprechenden Autos übermittelte. Daraufhin fuhr Rico die Adressen ab und war bis dato noch immer fündig geworden. Die Angehörigen der Toten, sofern es überhaupt welche gab, brauchten Tage bis sie dahinter kamen, dass das Auto gestohlen worden war. Oftmals merkten sie es erst, als sie von der Polizei darüber informiert wurden, dass der entsprechende Wagen irgendwo auf einem Parkplatz oder in einer Straße aufgefunden worden war.


Das DNS Potpourrie tat sein übriges, um diese Spur für die Strafverfolgungsbehörden unbrauchbar zu machen.


Kissinger lehnte sich entspannt zurück. Sie waren Profis und hatten ihren Job perfekt erledigt. Sie fuhren langsam und unauffällig durch South Central nordwärts Richtung Hollywood. Der Samstag war immer eine heiße Zeit in dieser Gegend, dieser sollte keine Ausnahme sein. An der Ecke Adams und Vermont sahen sie wie drei Cops aus zwei Streifenwagen sprangen und einen einzelnen Schwarzen buchstäblich überfielen, in eine Ecke drängten und übel zurichteten.


Kissinger und Rico sahen sich an und nickten einander kurz zu. Rico fuhr den Wagen auf den Bordstein und sie eilten dem Schwarzen zu Hilfe. Die Cops waren keine Gegner für zwei Killermaschinen wie die de Lucas und so war der Kampf genauso schnell vorbei, wie er begonnen hatte, er endete mit drei Mitgliedern des LAPD blutend am Boden. Es war nicht das erste mal, dass sich Kissinger und Rico in einer derartigen Situation befanden, sie sahen sich gegenseitig an und grinsten dabei dreckig, triumphierend.


Die Spannung das Kampfes hatte Kissingers Körper bereits wieder verlassen, da passierte etwas Unerwartetes. Kissinger wusste, dass sie jetzt schnell abhauen mussten und lief zurück zum Wagen. Im Laufen schaute er zurück auf Rico, in der Erwartung ihn ebenfalls flüchten zu sehen. Aber Rico flüchtete nicht. Kissinger blieb wie angewurzelt stehen. Er beobachtete Rico wie dieser breitbeinig über einem der am Boden liegenden Polizisten stand. Er hatte seine Waffe in der Hand und zielte auf den Polizisten. Der Cop hob seine Hand in dem verzweifelten Versuch sich zu schützen. Es half nichts. Rico drückte ab. Er tat dies ohne Hast und ging dabei völlig methodisch vor. Ein Schuss in die Brust, einen in den Kopf, Ende der Geschichte. Seelenruhig nahm sich Rico die Zeit die Hülsen aufzusammeln. Die Straße war voller Schaulustiger, doch das schien Rico gar nicht wahrzunehmen. Er war im Tunnel. Kissinger betrachtete die Szene regungslos, alles schien wie in Zeitlupe zu passieren.


Rico hatte immer noch nicht genug. Er fing an den leblosen Körper des toten Polizisten anzuschreien. -„Na, wer lacht jetzt, du Wichser? Häh? Ich höre nichts?“ Rico hielt sich das rechte Ohr mit der Hand auf und beugte sich dabei über die Leiche. Als er wieder aufschaute, fand sein Blick die anderen beiden Polizisten. Rico ging auf sie zu, er hatte noch nicht genug.


Plötzlich löste sich Kissinger Starre und er setzte sich in Bewegung. Bevor Rico die anderen Polizisten auch noch erschießen konnte, lief Kissinger auf ihn zu, entrang ihm die Pistole und schrie: -„Wir müssen verschwinden!“ Dann schubste er Rico auf der Beifahrerseite ins Auto und warf die Tür zu. -„Ich fahre!“ Kissinger hatte viel gesehen in seinem Leben, doch ein solch barbarischer Akt kalter Brutalität brachte selbst ihn aus dem Konzept. Nicht unbedingt wegen der Bullen, die hasste er aus ganzem Herzen, sondern weil ihm dieser plötzliche Gewaltausbruch gezeigt hatte, dass Rico sich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Nicht nur, dass er sich zu einem Lustmord hatte hinreißen lassen, er hatte sein eigenes Protokoll missachtet und Kissinger und sich selbst gefährdet. Kissinger begriff in diesem einen Augenblick, dass es mit Rico kein gutes Ende nehmen würde.


Rico hatte die Grenze überschritten, für ihn gab es keinen Weg zurück. Rico war zu einem Risiko geworden und Kissinger war nicht sicher, ob und wie lange er noch ausgleichend auf Rico würde einwirken können.


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