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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Trazom, Rita Hausen
Rita Hausen

Trazom


Ein Mozartkrimi

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Mozart und Schikaneder lachten herzhaft. Mozart klimperte auf dem Klavier eine Melodie und sang: „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen. Tod und Verzweiflung ..." Süßmayr sah sie konsterniert an und fragte: „Was gibt es da zu lachen? Das ist doch furchtbar, da bekommt man ja eine Gänsehaut."


„Allerdings", antwortete Schikaneder, „aber es ist auch zum Brüllen komisch." Mozart reichte Süßmayr einige Notenblätter und sagte: „Lieber Sauermayer, das verstehst du nicht. Kopier mir das doch schnell, sei so lieb, Xaverl."


Süßmayr verließ den Raum; nachdem er die Türe geschlossen hatte, lachten die beiden wieder los. „Ich hoffe bloß, dass uns niemand auf die Schliche kommt. Der Sauermayer hat jedenfalls bis jetzt noch keinen Schimmer, worum es in der Oper wirklich geht", meinte Mozart nach einer Weile nachdenklich.


„Ich denke, die Leute sollen es verstehen."


„Ja, aber erst, wenn die Oper durch die Zensur durch ist. Die Verkleidung als Märchenoper muss glaubhaft sein, man darf nicht zu schnell dahinterkommen. Es gibt ja auch Handlungselemente, die tatsächlich märchenhaft sind. Und die Leute fallen bestimmt auf die Liebesgeschichte herein."


„Und was ist mit van Swieten? Wird der es nicht durchschauen?"


„Kann er ruhig, er ist auf unserer Seite, er wird das Seinige tun, um die Aufführung der Oper zu ermöglichen. Blumauer natürlich auch."


„Ich hoffe nur, dass wir nicht bespitzelt worden sind. Van Swieten hat bei dem neuen Kaiser nicht so gute Karten."


 


„Mozart schreibt zur Zeit zwei Opern!", sagte Saron bedeutungsvoll zu Pergen.


„Wie, zwei Opern? Ich denke, er ist mit dem Tito voll ausgelastet."


„Er schreibt an einer Zauberoper. Also, eigentlich an einem Märchen. Am Anfang wird ein Prinz von drei Damen vor einer Schlange gerettet, dann tritt die Königin der Nacht auf ..."


„So ein Quatsch!", ereiferte sich Pergen, „der Mann hat eine Geschmacksverirrung nach der anderen. Erst letztes Jahr diese unmoralische Oper Cosi fan tutte! Kann der sich nicht mal würdigere Themen aussuchen?"


„Und wenn das alles nur vorgetäuscht ist? Vielleicht geht es um etwas ganz anderes. Euer Gnaden wissen vermutlich nicht, wer das Libretto geschrieben hat: sein Logenbruder Schikaneder. Da sind doch aufklärerische Ideen zu erwarten."


„Pah! Ein Prinz, der sich von drei Frauen retten lässt, so ein Blödsinn."


„Ich werde mich auf jeden Fall noch genauer über den Inhalt erkundigen."


„Tu das, tu das", murmelte Pergen geistesabwesend, bereits wieder in eine Akte vertieft.


 


Saron betrat das Café Taroni am Graben und sah sich um. Er hatte Glück, Hofdemel saß tatsächlich in einer Ecke allein am Tisch. Als er näher kam, sah er, dass er im „Zeitgeist" las, einer Zeitschrift, die von Gemmingen herausbrachte und die inzwischen verboten war. Von Gemmingen war einige Jahre Meister vom Stuhl in der Loge „Zur gekrönten Hoffnung" gewesen, ein paar Mal unter polizeiliche Überwachung gestellt worden und nun seit einiger Zeit aus Wien verschwunden. Saron wusste, warum. Dieser Mensch hatte permanent Kanzelreden von Klerikern kritisiert, so etwas lässt sich die Kirche nicht gefallen. Sogar unter Joseph II. war das etwas zu weit gegangen. Saron trat auf Hofdemel zu und fragte, ob er sich kurz zu ihm setzen dürfe. Hofdemel sah auf, runzelte die Stirn, nickte aber dann. Saron ließ sich neben ihm auf dem roten Plüschsofa nieder und meinte süffisant: „Sie lesen ja verbotene Schriften."


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