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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Tote Diamanten, Birgit Krohn
Birgit Krohn

Tote Diamanten



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Die Nacht wird dicker, und die Krähe fliegt dem




dohlen-vollen Gehölze zu; alle guten Tag-Geschöpfe


fangen an zu nicken und einzuschlummern, indess


dass die schwarzen Hausgenossen der Nacht auf


ihren Raub ausgehen.




 


William Shakespeare, Macbeth (3-3)


 


Marc O'Sullivan saß in seine Gedanken vertieft bei


Henry an der Bar. Wie fast jeden Abend schüttete


er sich Unmengen von Bourbon in die Kehle. Er hatte


Zeit, viel Zeit. Mit einer leisen Verachtung schaute er sich


selbst im Spiegel oberhalb des Regals an, in dem die


Flaschen gestapelt wurden. Der Zahn der Zeit nagte


schon an seinem Äußeren, erste tiefe Falten gruben sich


um seine dunkelgrünen Augen. Marc war erst 48 Jahre


alt, aber als gottverdammter Bulle, der er war, zeichneten


sich die unermüdlichen Überstunden, Nachtschichten


und Fast Food unwiderruflich in seinem Gesicht ab. Jetzt,


da er sein eigenes Spiegelbild betrachtete, kam er sich wie


sechzig vor und kurz vor der Pensionierung. 25 Jahre war


er schon beim CID, dem Criminal Investigation


Department in London tätig, eine unabhängige Abteilung


der Metropolitan Police.


 


Derzeit trug er den Dienstgrad des Detective Chief


Inspector oder kurz: DCI. Dass Marc letztes Jahr nicht


zum Detective Superintendent befördert wurde, lag an


diesem ungelösten Fall. Er hatte bis zu dem Zeitpunkt


jeden erdenklichen Fall gelöst. Hatte Serienmörder,


Vergewaltiger und sonstiges Gesindel zur Strecke


gebracht und verurteilen lassen. Nur dieser eine Fall, der


ihn noch ein Jahr danach nicht in Ruhe ließ, wurde nicht


aufgeklärt. Der große Marc O'Sullivan, hoch gelobt vom


Londoner Bürgermeister und dem Commissioner, hatte


versagt. Scheiße, wie konnte das nur geschehen? Marc


zermarterte sich jeden Abend aufs Neue sein Gehirn, aber


er fand keine Lösung. Er brauchte seit geraumer Zeit


Unmengen von Alkohol, um ruhig schlafen zu können.


Bourbon. Mit Eis. Ohne Eis. Egal, Hauptsache in rauen


Mengen.


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