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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Sünden eines Engels, Joachim Hausen
Joachim Hausen

Sünden eines Engels



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Ich seufzte. Ich wimmerte. Ich schluchzte. Mein Herzlein schmerzte. Mein Herzlein weinte.


Ganz fest drückte ich Paula an mich. Tränenverschleiert blickte ich in die ozeangrünen Augen meiner Stoffpuppe. Meine Oma hatte sie mir im Januar zum siebten Geburtstag geschenkt. »Sieh mal, Ari«, hatte sie gesagt. »Sie besitzt deine Augenfarbe.«


Die Nacht griff durchs Fenster. Ich sah zu der altmodischen Uhr auf dem Nachttisch. »Fast zehn«, murmelte ich. »Morgen ist Sonntag, da kann ich ausschlafen.« Ich rutschte in sitzende Position und stopfte mir das Kissen hinter den Rücken. Ich küsste Paula auf den dunkelroten Wollmund, drehte sie um, faltete ihre Hände und legte meine darüber. »Lieber Gott, wo bist du?«, flüsterte ich. »Warum hilfst du mir nicht? Mach endlich, dass die bösen Männer nicht mehr kommen. Der glatzköpfige Dicke riecht immer eklig nach Schweiß und der lange Dürre stinkt aus dem Mund – puh.«


Ich schüttelte mich und betete weiter: »Lieber Gott, warum bestraft du die garstigen Männer nicht? Lass sie doch einfach sterben, dann … dann können sie mir da … da unten und hinten nicht mehr wehtun.«


Ich schluchzte auf. »Du bist allmächtig und kannst Wunder vollbringen … sagt meine Oma immer … und die Lehrerin sagt das auch. Ich bin doch nur ein kleines Mädchen, ein Kind, und Oma sagt, Kinder stehen unter besonderem Schutz von Jesus und Gott. Also – warum schmeißt du keine Blitze auf die widerlichen Männer? Oma meint, du kannst das.«


Ich nahm ein Papiertaschentuch, wischte die Tränen ab und putzte die Nase. »Warum willst du mir nicht helfen? Bin ich ein böses Mädchen?«


Ich seufzte. »Wenn du die schrecklichen Männer nicht bestrafen kannst, dann mach wenigstens, dass Mama und Papa mich wieder lieb haben.« Tränen schossen mir in die Augen.


Drei Wochen nach meinem achten Geburtstag kam zum ersten Mal Kevin, der Dicke, in mein Zimmer. Am Samstag in der Woche darauf musste ich die Scheußlichkeiten von George, dem Dürren, ertragen.


Ekelhaft. Grässlich. Abscheulich.


Ich seufzte und trocknete die Tränen. »Seit dieser Zeit bekomme ich von Mama und Papa keinen Gutenachtkuss mehr. Papa liest mir auch nicht mehr aus Büchern vor.«


Ich schluchzte. Ich schüttelte mich. »Ab Montag wird alles noch viel, viel schlimmer. Dann beginnen die Sommerferien, und da … da quält mich der Dicke mittwochs und der Dürre samstags.«


Voller Inbrunst betete ich weiter: »Lieber Gott, wenn du die bösen Männer nicht sterben lassen kannst – dann mach, dass ich sterbe. Das wirst du doch können. Ich bin nur ein kleines hilfloses Mädchen. Ich komme dann in den Himmel, denn ich bin ja noch ein Kind. Alle Kinder kommen in den Himmel. Dort gibt es nur gute Menschen, keine Monster.«


Ich rutschte tiefer, ordnete das Kissen und drehte mich mit dem Rücken zur Nachttischlampe. Ich bettete die Puppe neben mich und legte einen Arm um sie. »Wir müssen jetzt schlafen, Paula«, flüsterte ich. Ich streichelte ihr über das seidige Haar, genauso tiefschwarz und glänzend wie meines. »Ich muss das Licht anlassen, du weißt ja, dass ich sonst nicht einschlafen kann.«


Ich öffnete die Augen und zuckte zusammen. Gier funkelte in den Schweinsaugen des Dicken. Er stand neben mir und streckte mir sein ekelhaftes Ding hin. Mit feuchten Wurstfingern streichelte er mich zwischen den Beinen. »Hier, nimm ihn in den Mund, meine Süße«, flüsterte er. »Das macht dir doch auch Spaß, ich weiß das, obwohl du immer dein Gesicht verziehst.«


Ich riss die Augen auf. Schreiend schoss ich hoch. Ich schnaufte. Ich keuchte – kein Dicker! Stöhnend sank ich schweißnass zurück. Mein Herzlein raste. »Gott sei Dank!«, krächzte ich. »Nur ein Albtraum.« Ich schielte zur Uhr. Mitternacht. Ich presste Paula an mich und streichelte sie.


 


Endlich. Endlich lagen die ersten Ferienwochen hinter mir, in denen ich mittwochs unter dem dicken Scheusal und samstags unter dem dürren Ungeheuer gelitten hatte.


Mein Vater flog mich mit seinem zweimotorigen Flugzeug nach Glendale in Arizona. Ich verbrachte im Haus meiner Oma Christina die restlichen Ferien. Ihr Ehemann hatte sie vor drei Jahren verlassen und seine junge Sekretärin geheiratet. Oma hatte ihren Mädchennamen Nikiforou wieder angenommen.


Trotz der dortigen Gluttage erschien mir diese Zeit wie im Paradies … leider zu kurz, viel, viel zu kurz.


Mit Herzdrücken kehrte ich in den Alltag nach Kalifornien zurück. Wir wohnten in einer prachtvollen Villa im nobelsten Viertel der Hauptstadt Sacramento. Meine Eltern waren stinkreich. Mein 38-jähriger Vater – er hieß Donald und maß 1,88 Meter – besaß zwei Firmen und Beteiligungen an weiteren. Außerdem hatte er im Frühsommer von seinem Vater ein Haus in San Diego, Aktien und Bargeld geerbt. Seine Eltern waren bei einem Verkehrsunfall auf der Fahrt nach Las Vegas gestorben.


Opa hatte mir 100.000 Dollar vererbt, die sein Anwalt bis zu meinem 18. Geburtstag für mich verwaltete.


Oma kam im Kindesalter mit ihrem Vater aus Piräus. Die Eltern meiner Mutter stammten aus Athen.


 


Ich besaß alles, was sich ein Mädchen meines Alters wünschte – außer Elternliebe und Seelenfrieden. 


 


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