Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Krimi Thriller > Sünden eines Ehepaares
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Sünden eines Ehepaares, Joachim Hausen
Joachim Hausen

Sünden eines Ehepaares



Bewertung:
(8)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
275
Dieses Buch jetzt kaufen bei:
Drucken Empfehlen

Ich bin ein hinterhältiges Biest. Mit diesen scheußlichen Worten bezeichnen mich die gleichaltrigen und älteren Mädchen am Albertus-Magnus-Gymnasium. Das Geschnatter der blöden Gänse interessiert mich nicht. Juckt mich nicht. Langweilt mich. Blanker Neid.


Die Jungs nennen mich geiles Biest. Stört mich nicht im Geringsten. Ich bin weder das eine noch das andere.


Ich bin das zweitschönste Mädchen an dieser Lehranstalt, jedenfalls behauptet das die Mehrheit. Mein Papa sagt oft, ich sei die Hübscheste links des Rheins. Mutter meint, er solle mich nicht so verwöhnen.


Papa flüsterte mir einmal zu: »Deine Mutter ist ein bisschen eifersüchtig.« Das machte mich mächtig stolz. Sie ist nämlich trotz ihrer 40 Jahre eine attraktive Frau.


Die Jungs vergöttern mich. Auch diejenigen, die ich bisher nicht beglückte. Halt! Nein. Ich bin keine geile Schlampe, die für jeden Kerl die Beine spreizt. Mitnichten. Obwohl fast 17, bin ich noch Jungfrau und diesen Zustand will ich bis ins 19. Lebensjahr retten.


 


Sechs Wochen nach dem 16. Geburtstag, machte ich zum ersten Mal einen Jungen an – mit Herzklopfen und trockenem Mund. Natürlich agierte ich derart pfiffig, sodass er glaubte, mich zu verführen. Ich lockte den 17-Jährigen in einen nahen Wald, ein Kinderspiel. Wir tauschten ein paar Küsse aus. Ich ließ ihn meine blanken Brüste bewundern, streicheln und küssen. Ich blies ihm einen — und wie! An den Tagen darauf zeigte ich ihm die kalte Schulter, wie man so schön sagt. Thema erledigt.


Im gleichen Jahr behandelte ich weitere fünf Jungs auf ähnliche Art und Weise. Drei davon durften mich mit dem Mund befriedigen, wobei ich allerdings mit der Hand nachhelfen musste.


 


Meine letzte Beute schleppte ich am vergangenen Samstag ab. Trüber Tag. 16 Grad. Störte mich nicht und Michael erst recht nicht. Wir standen hinter einer Fichtenschonung am Stamm einer Kiefer und küssten uns. Der Typ besaß kaum Erfahrung — im Gegensatz zu mir. Ich griff ihm in den Schritt, schob meinen dünnen Pulli unter der offenen Windjacke hoch, öffnete die Bluse und präsentierte dem hechelnden Knaben die Brüste. BH trug ich heute keinen. Der Typ glotzte, als sehe er ein Alien.


»Jetzt streichele sie endlich«, flüsterte ich, »und küsse sie, oder soll ich hier erfrieren?«


Etwas tollpatschig und zitternd legte er los. Erregend. Ich öffnete seinen Gürtel, die Jeans, den Reißverschluss und befreite den Penis. »Nicht übel«, murmelte ich und startete meine Handarbeit.


Michael keuchte und stöhnte. Ich drückte ihn mit dem Rücken an den harzigen Baumstamm, kniete mich vor ihn und bearbeitete das Ding mit dem Mund. Seine Augen quollen hervor. Nach kurzer Zeit schüttelte er sich. Ich erschrak. Der Depp brüllte und röhrte wie ein Hirsch in der Brunft.


Ich stand auf, trank aus der mitgeführten Flasche Cola ein paar Schlucke und steckte zwei Pfefferminzbonbons in den Mund. Ich ordnete meine Klamotten, er seine. Mit Cola, Speichel und einem Papiertaschentuch entfernte ich die Reste des glutroten Lippenstifts. Ende des Manövers.


Wie üblich ignorierte ich den Kerl in den Pausen und natürlich auch nach Unterrichtsende.


Heute fasste ich ein weiteres Manöverziel ins Auge, einen hochgewachsenen, muskulösen 19-Jährigen aus der letzten Klasse, der erste dieses Kalibers.


Ich weiß, ich weiß, jeder fragt sich jetzt, warum ich, ein hübsches, wohlerzogenes Mädchen aus anständigem Haus, solch unsittliche, total unanständige Sachen treibe. Einfache Antwort. Wie sagt mein Papa oft: »Übung macht den Meister.« Genau, lieber Papa. Ich bin eine heranwachsende Frau. In acht, neun Jahren will ich mir einen blendend aussehenden Mann mit einem Haufen Kohle an Land ziehen. Natürlich nicht aus diesem miesen Kaff.


Um mein Ziel zu erreichen, kann ich doch nicht, wie ein dummes, einfallsloses und unerfahrenes Gör daherkommen. Ein Unding. Unmöglich. Ich will mich zu einer in allen Lebenslagen erfahrenen Frau entwickeln, besonders in Liebesdingen. Darin sollte mich keine andere Frau in den Schatten stellen.


Das leuchtet garantiert jedem ein.


Um meinen Auserwählten nicht nur zu umgarnen, seine Liebe zu entflammen und ihn auf ein Standesamt zu schleppen, sondern auch über Jahre hinaus an mich zu fesseln, muss ich überlegt und strategisch vorgehen. Da darf ich nichts dem Zufall überlassen.


Da ich glücklicherweise eine Frau bin, brauche ich einen Mann nicht mit Geld oder Macht anzulocken. Ich verfüge über andere Waffen, natürliche Waffen — die Waffen einer Frau.


Jetzt nähern wir uns dem entscheidenden Punkt. Sehen wir uns einen Trupp Elitesoldaten an. Die fielen ja nicht einfach so vom Himmel. Sie genossen eine umfassende Ausbildung. Schön. Doch das genügt nicht. Soldaten benötigen Waffen, Waffensysteme und gründliche Schulungen daran. Aber nicht nur das. Die Truppe muss die Waffen erproben und — immens wichtig — mit ihnen üben und nochmals üben.


Sieht jetzt jeder klar? Ich bin ein Waffensystem namens Frau. Aussehen und Auftreten stellen die Passivwaffen dar. Damit kann man allerdings die Schlacht nicht gewinnen. Man weckt mit ihnen zunächst das Interesse des angepeilten Ziels. Nach einer gewissen Zeit geht man zum Angriff über. Die Offensivwaffen einer Frau heißen: Hände, Mund, Brüste, Hintern und Muschi, so nenne ich jetzt mal politisch unkorrekt das weibliche Geschlechtsteil – brr, klinische Bezeichnung.


Genau wie eine Elitetruppe muss ich diese Waffen pflegen, trainieren, erproben, koordinieren und ihre Anwendung sinnvoll, das heißt, durchschlagend planen. Um volle Effektivität und Fertigkeit zu erlangen, müssen die Soldaten – und ich – Manöver abhalten.


Leuchtet sicherlich jedem ein.


 


 


                                                    2


 


Samstag, 20. April 2002. 17. Geburtstag der Marie Rose Meyer – schrecklicher Familienname, finde ich jedenfalls.


Am frühen Nachmittag besuchten uns Mutters Eltern, Oma Paula und Opa Paul. Lustige Namenskombination, nicht wahr? Sie küssten und herzten mich. Mein 66-jähriger Opa nannte mich immer seinen ganzen Stolz, die beste, intelligenteste und schönste Enkeltochter der Welt. Sie schenkten mir 200 Euro. Die gleiche Summe hatte ich von den Eltern vorm Frühstück bekommen. Komisches Geld, aber was soll’s. Kann man nicht ändern. Hübsche Scheine.


Die Großeltern wohnten in einem Haus in Schafbrücke, einem östlich gelegenen Ortsteil unserer Landeshauptstadt Saarbrücken. Falls es niemand weiß, die liegt im Saarland, dicht an der französischen Grenze. Die Stadt, genauer gesagt, die Altstadt, lohnt echt einen Besuch. Französisches Flair, vor allem die Lokale und Kneipen betreffend. Leckeres Essen. Klasse Bier. Na ja, Marie Rose, jetzt reicht’s aber. Treibst da kostenlose Werbung.


Entschuldigung! Vergaß zu erwähnen, wo ich mit den Eltern lebte. Die, knapp 40.000 Einwohner zählende, Stadt heißt St. Ingbert, eine Mittelstadt mit eigenem Autokennzeichen, und liegt ungefähr 14 Kilometer östlich vom Haus meiner Großeltern. Früher gab es hier eine Brauerei namens Becker, die 1998 an die Karlsberg Brauerei im benachbarten Homburg verkauft wurde. Das 42 m hohe ehemalige Sudhaus, Beckerturm genannt, bildet eines der Wahrzeichen der Stadt. Nette Fußgängerzone. Ein Kino mit zwei Sälen. Ein paar ansprechende Kneipen und Restaurants.


Die Eltern besaßen im sogenannten Südviertel ein Einfamilienhaus, einen Bungalow, wie man diese Dinger nennt. Ruhige Wohngegend. Praktisch tot.


 


Meine Geburtstagsfeier, falls man die Zusammenkunft so nennen will, verlief wie üblich. Jeder, auch ich, schlürfte ein Glas Champagner. Später fielen alle über die zwei von Mutter gebackenen Kuchen her und tranken Kaffee. Ich hasse Geburtstagspartys mit Eltern und Verwandten.


Adrett hergerichtet, verabschiedete ich mich gegen 18:00 Uhr von den Großeltern. Papas Eltern starben im letzten Jahr bei einem Autounfall auf einer Landstraße im Schwarzwald. Mein Papa und seine ältere Schwester, mit einem Amerikaner verheiratet und bei Phoenix in Arizona lebend, hatten das Haus der Verunglückten, Wertpapiere, Gold und massenhaft Geld geerbt, wie Mutter sich ausgedrückt hatte. Mir hinterließen sie 40.000 Euro, über die ich allerdings erst nach dem 18. Geburtstag verfügen konnte. Fand ich total scheiße.


Papa lieferte mich in der Innenstadt ab. Ich traf Saskia, eine Klassenkameradin – die einzige echte Freundin. Viele Jugendliche nannten das Mädchen hässliche Ente, typisch grausames Verhalten Heranwachsender.


Saskia besaß ein rundes Gesicht, sanfte braune Augen und eine lustige Stupsnase. Dünne Lippen. Leise Stimme. Wangen, die an ein Backenhörnchen erinnerten. Blonde Strähnen durchzogen ihr dunkelbraunes Haar. Schmale Schultern. Annehmbarer Busen. Speckige Finger an kleinen Patschhänden, wie ich diese intern bezeichne. Taille – na ja, ging gerade so durch. Die Hüften – ziemlich breit, zu breit. Ausladender Hintern. Feiste Oberschenkel. Einer der hohlköpfigen Jungs meiner Klasse sagte einmal: »Die sieht aus wie ein laufendes Dreieck.«


Mich störte das nicht. Saskia war ein angenehmes Mädchen, nie laut, nie frech, gutmütig, hilfsbereit, intelligent, nicht affektiert, kaum geschminkt. Sie hatte sogar einen Freund, einen 19-Jährigen aus der letzten Klasse, das muss man sich mal vorstellen! Den hoch aufgeschossenen dünnen Kerl mit der schwarzen Hornbrille auf der spitzen Nase konnte man nicht mit Adonis bezeichnen. Egal. Saskia sagte, sie sei total verknallt. Ich gönnte es ihr.


Natürlich hätte ich den Typen mühelos verführen und ihr ausspannen können. Machte ich aber nicht, bin schließlich ein liebes, anständiges, ein wohlerzogenes Mädchen.


Überrascht stellte ich fest, dass Saskia vorm Kino ohne ihren Lover wartete. »Wo ist Carolus?«, wollte ich wissen. Absonderlicher Name, oder?


Sie lächelte. »Liegt krank im Bett. Hat sich wohl vorgestern Abend im Wald etwas eingefangen. Es war nämlich lausig kalt im Auto.«


Der Typ besaß einen alten Peugeot 205.


Ich riss die Augen auf. »Ihr hattet Sex in seiner Klapperkiste?«


»Na klar. Dachtest du, wir fahren zum Händchenhalten in den Wald?«


»Ach du heilige Scheiße!«, stieß ich hervor. »Hat er dich entjungfert?«


Sie verdrehte die Augen. »Natürlich nicht, bin doch nicht blöde. Diese Sache erledigte vor zwei Wochen selbst.«


Ich schlug eine Hand vor den Mund. »Wieso und wie?«


Saskia kicherte. »An jenem Abend gingen meine Eltern auf eine Geburtstagsparty. Nachmittags besuchte ich meine Schwester. Du kennst Ariane doch, sie wohnt nur 100 Meter von unserem Haus entfernt.«


Ich nickte. »Ich sah sie ein paar Mal in der Stadt. Sieht supertoll aus, immer topp angezogen und geschminkt.«


»Also, Ariane schenkte mir einen Dildo und gab mir Ratschläge. Sie ist 22 und kennt sich aus. Sie sagte, dass ich völlig richtig handele. Die Entjungferung durch einen Jungen sei total unbefriedigend. Sie muss es wissen, sie erlebte das ja mit 17.«


Ich schnaufte wie ein Pferd. »Komm, schlendern wir ein bisschen umher und erzähl mir diese aufregende Geschichte.«


»Einfache Sache, Marie Rose. Eine Stunde nachdem die Eltern das Haus verlassen hatten, ging ich in ihr Schlafzimmer. In einer Kommodenschublade schnappte ich unter den Socken und Unterhosen meines Vaters einen der fünf dort versteckten Sexfilme.« Sie kicherte erneut. »Ich hatte die Dinger bereits vor Monaten entdeckt. In meinem Zimmer zog ich mich aus und startete die DVD auf dem Computer. Ich legte mich mit Kissen im Rücken ins Bett. Saugeiler Film. Ich streichelte die Brüste und massierte die Musch. Erregende Sache. Den Dildo beträufelte ich mit Babyöl und führte ihn behutsam ein, bis ich einen Widerstand spürte.«


Ich staunte. Die unscheinbare Saskia. Nicht zu fassen.


Wir hielten vor einem Modegeschäft inne. Meine Freundin beugte sich vor und flüsterte: »Während mich der Höhepunkt in die Luft jagte, schob ich das Ding kurzerhand tief rein.«


Ich schüttelte mich.


Sie grinste und fuhr fort: »Kurzer Schmerz. Wenig Blut. Natürlich hatte ich zuvor zwei zusammengefaltete Uraltshirts auf einer Plastikfolie untergelegt. Die Dinger stopfte ich zuunterst in den Mülleimer. Entjungferung erledigt. Solltest du auch machen.«


»Mein lieber Schwan«, sagte ich, »du bist ja supercool. Ich finde das echt klasse.«


Lachend und plaudernd spazierten wir zum Restaurant Da Vinci in der Poststraße. Wir aßen Pizza. Saskia trank eine Cola, ich Mineralwasser. Ich zahlte. Wir eilten ins Kino. Nach Ende des Films eilten wir auf den Parkplatz um die Ecke. Papa wartete bereits. Er setzte Saskia vor ihrem Elternhaus ab, einem Reihenhaus in der Helmut-Becker-Straße, einer Seitenstraße der Albert-Weisgerber-Allee. Die Allee trägt den Namen eines Malers und Grafikers, der ein umfangreiches Werk hinterließ. Er wurde am 21. 04. 1878 in meiner Heimatstadt geboren. Leider fiel er im Mai 1915 einer schrecklichen Bestie zum Opfer, die man Erster Weltkrieg nennt. Er diente mit dem Ungeheuer Adolf Hitler im selben Regiment.


 


 


                                                         3


 


Samstags lud mich Papa kurz vor 18:00 Uhr vor Saskias Haus ab. Sie feierte ihren, vor zwei Tagen stattgefundenen, 17. Geburtstag. Außer mir hatte sie ihren Freund und die Schwester eingeladen.


Der korpulenten Mutter überreichte ich einen Strauß weißer Tulpen, den meine Mutter aus Saarbrücken mitgebracht hatte. Sie arbeitete dienstags bis samstags in der Kosmetikabteilung bei Karstadt, allerdings nur bis 14:00 Uhr. Hobbymäßig, wie sie immer sagte und damit sie unter Leute komme.


»Wo ist dein Papa?«, fragte ich Saskia, nachdem ich ihr zwei Musik-CDs und den neuesten Thriller ihres Lieblingsautors, überreicht hatte.


»Der ist geflüchtet. Geht mit einem Freund ins Restaurant essen und anschließend veranstalten sie eine Kneipentour.«


Carolus saß im Wohnzimmer in einem Sessel. Ich begrüßte ihn mit Handschlag und Wangenküsschen, üblich im Saarland.


Minuten später trudelte Ariane ein. Sie sah super aus. Das nachtschwarze Haar trug sie im praktischen Pagenschnitt. Topp geschminkt.


Aus den Lautsprechern der Stereoanlage drang Saskias Musik. Jeder schlürfte ein Glas Champagner. Wir plauderten. Die Mutter rief zum Essen. Wir setzten uns im integrierten Esszimmer an den Holztisch mit grünweiß gestreifter Tischdecke. Es gab Fondue mit zwei Sorten Fleisch, Flûtes, das heißt, französisches Stangenbrot, und massenhaft Salate. Die Mutter und Carolus tranken Bier, wir Mädchen französischen Chardonnay. Wasser und Cola gab es ebenfalls. Die Nachspeise löste Begeisterung aus: Vanilleeis mit heißen Himbeeren und Schlagsahne.


Nach dem Essen verschwand die Mutter in der Küche. Saskia rief zum Tanz auf. Carolus tanzte mit Ariane und mir jeweils zwei Runden, natürlich nur auf flotte Rhythmen. Seine Freundin und er klammerten sich während einiger Schmusesongs aneinander.


Die ungefähr gleich große Ariane und ich setzten uns an den Esstisch. Ich blickte ins Schwarzbraun ihrer Augen. Ich beugte mich vor und flüsterte: »Hör mal. Deine Schwester erzählte mir die Sache mit diesem ... äh ... Dildo. Könntest du ... ich meine, ich gebe dir Geld und du kaufst mir einen. Ich darf ja noch nicht in diese Läden. Würdest du das für mich tun?« Ich lehnte mich zurück.


Sie winkte ab. »Komm doch einfach morgen Nachmittag gegen drei bei mir vorbei. Ich schenke dir einen. Wir Frauen müssen zusammenhalten.« Sie zog den Kopf ein bisschen ein und kicherte.


Ich strahlte. »Danke. Mach ich. Ich bringe Kuchen mit, von Mutter gebacken. Du kochst Kaffee.«


»Prima, Marie Rose. Ich liebe selbst gebackene Kuchen. Kann so etwas allerdings nicht, totale Niete.« Wir lachten.


Gegen 22:00 Uhr klingelte es. Papa. Ich sank auf den Beifahrersitz. Blaue Augen streichelten mein Gesicht. Lächelnd gab er mir einen Streifen Kaugummi. »Hier, Kleines, und hauch deine Mutter nicht an. Du weißt, dass sie herumtobt, wenn du Alkohol getrunken hast.«


»Danke, Papa.« Ach, wie ich ihn liebte!


Am Sonntag betrat ich um 14:45 Uhr die Küche. Dezenter Lippenstift. Frisur: Pferdeschwanz. Klamotten: dunkelblaues Baumwollkleid mit weißen Knöpfen vorne, zwei Handbreit über den Knien endend. Schwarze Slipper. Dunkelrote Windjacke. Umgehängte rehbraune Lederhandtasche.


Mutter fixierte mich. »Gehst du weg?«


»Ja. Ich fahre mit dem Rad zu Saskia. Morgen gibt es eine Mathearbeit. Wir müssen etwas üben.«


»Was mach ich jetzt mit dem Kuchen, den ich gebacken habe, deinem Lieblingskuchen?«


Ich winkte ab. »Gib mir vier Stücke mit. Ich trinke mit Saskia Kaffee.«


Sie verdrehte die Augen, schnitt die Stücke ab, packte sie in Alufolie und gab sie mir. »Sei bitte um sechs zu Hause. Ich möchte, dass du mir beim Kochen hilfst.«


»Kein Problem, Mama. Bin pünktlich. Ich helf dir gerne. Macht mir Spaß. Danke für den Kuchen.«


Ich stopfte das Kuchenpaket – mit dunkler Schokolade überzogener Marmorkuchen – in die Handtasche, verabschiedete mich von Papa und verließ das Haus. Mein Mountainbike lehnte an der Hauswand unter dem Dach des Carports, in dem Mutters silbergrauer VW-Polo parkte. Papas Auto, ein weißer BMW X 5, stand in der Garage. Er leitete in Saarbrücken eine Anwaltskanzlei mit zwei angestellten Anwälten.


Ariane wohnte in einem der Mehrfamilienhäuser in der Slevogtstraße, nur wenige Minuten Fahrzeit. Über Slevogt weiß ich nur, dass die Mutter des Grafikers und Malers Max Slevogt aus Saarbrücken stammte und er 1932 starb.


Ich klingelte, etwas aufgeregt. Eine ungeschminkte Frau in einem weißen Kittel und Slipper öffnete. Ich staunte.


Sie lächelte. »Ungewohnter Anblick, was? Sonntags bringe ich immer die Wohnung auf Vordermann und bügele. Komm rein.«


Ich gab ihr das Folienpaket. »Der versprochene Kuchen.«


»Danke, Marie Rose. Wie willst du den Kaffee?«


»Nicht allzu stark und mit Milch und Zucker.«


»Genau wie ich. Setz dich ins Esszimmer. Tisch ist gedeckt.«


Wir ließen uns Kaffee und Kuchen schmecken. Anschließend schaute mich Ariane mit einem merkwürdigen Augenausdruck an. »Komm mit. Ich gebe dir das Lustspielzeug.«


Wir kicherten. Im Schlafzimmer öffnete sie die Schublade eines Nachttisches und präsentierte mir den Dildo. Ich schluckte. Ich schnappte das durchsichtige Ding, das leichte Wellen aufwies und eine Einkerbung vor einer flachen ovalen Scheibe?


»Tolle Sache«, sagte sie und klärte mich auf. Wir lachten.


»Danke«, sagte ich mit belegter Stimme.


Ariane sah mich an. Sah ich da lustvolles Funkeln im Dunkel ihrer Augen?


Sie räusperte sich. »Ich schlage vor, dass ich diese Arbeit für dich übernehme. Ich kenne mich aus, habe das bereits einmal gemacht. Daneben werde ich dich derart toll verwöhnen, sodass du überhaupt nichts mitbekommst.«


Ich fühlte, dass mein Gesicht rot anlief. Ich schluckte. »Äh ... du meinst – jetzt sofort?«


Sie strahlte. »Klar. Dann hast du die Sache hinter dir.«


Ich runzelte die Stirn. Warum nicht? Ariane ist eine versierte Frau und – und es ein bisschen mit ihr zu treiben und Spaß zu haben, schadet garantiert nicht. Außerdem hatte ich bereits mit dem Gedanken gespielt, Sex mit einem Mädchen zu machen. Schließlich kann ein Mensch, eine Frau nie genug Erfahrungen sammeln.


Ich nickte. »In Ordnung. Bin mächtig gespannt.«


Die Verführung flüsterte mir ins Ohr: »Du wirst es nicht bereuen. Vertraue mir.«


Herzklopfen. Dezenter Gehirnaufruhr. Lust kroch über die Nervenbahnen. Eine Minute später lag ich nackt im Bett. Mein Hintern ruhte auf einem Kissen, auf dem ein dreifach gefaltetes rotes Badetuch lag. Eine nackte Ariane kniete sich neben mich. Ich bewunderte ihre üppigen Brüste.


Sie küsste mich – mit Zungenschlängeln. Sehr angenehm. Sie beherrschte das vorzüglich, weitaus besser als die Jungs, die ich bisher ausprobiert hatte. Ich revanchierte mich. Zungenspiele. Heiße Küsse. Glühende Küsse. Leidenschaftliche Küsse. Eine warme Hand streichelte meine Brüste. Gierige Küsse.


Keuchend lösten wir uns. Wir sahen uns in die Augen – tief in die Augen. »Du küsst supertoll«, krächzte ich.


Ariane lächelte. Sie massierte die Brüste und küsste sie. Lippen und Zunge ließen die Nerven glühen. Lustflammen im Gehirn. Herrlich! Echt heiß!


Die Wonne- und Lustgefühle erlebten eine rasante Steigerung. Eine warme feste Hand schmeichelte sich zwischen meine Oberschenkel. Erregung überschwemmte mich. Ich stöhnte. Ich keuchte. Ich wand mich hin und her.


Die Lustwellen verebbten. Ich sah nach unten. Mit dem Dildo in einer Hand legte sich Ariane zwischen die Beine. Sie sah mich an. Blitze im Schwarzbraun. »Das war die Vorspeise«, sagte sie mit rauer Stimme. »Jetzt serviere ich den Hauptgang.«


Lustflirren im Kopf. Nervenvibrieren. Herzpochen.


Ein heißer Mund verwöhnte mich. Wunderbar. Eine heiße Zunge schlängelte überall umher. Echt super!


Lippen und Zunge riefen wundersame Gefühle hervor. Nie zuvor erlebt. Die Gefühlswogen schlugen höher. Ich zitterte. Ich bebte. Aufquellende Wollust. Scharfe Sache.


Ich fühlte das kühle Sexspielzeug. Ich spürte einen Widerstand. Der heiße Mund ließ mich in Lust baden.


Unerwartet – ich driftete weg – wohin? Ins Schlaraffenland der Gefühle, der Genüsse. Ich sah nie Gesehenes. Ich hörte nie Gehörtes. Ich roch nie Gerochenes. Keine Frage – ich taumelte durch das Paradies der Lust. Ich schaute auf ein azurblaues Meer. Eine Welle, eine Riesenwelle, rauschte heran. Ich empfand null Angst. Sanft packte mich die warme Woge, hob mich hoch, höher, immer höher, bis in den Himmel, über den Himmel hinaus. Etwas in dieser Lustwelle stieß gegen mich. Ich zuckte leicht. Vorbei. Ich trieb auf Lustkaskaden in ein buntes Sternenmeer. Fantastisch! Die Sterne versprühten zu Fünkchen und ich – ich löste mich auf. Der echte Wahnsinn!


Ein Schrei riss mich in die Wirklichkeit. Mein Schrei.


Atemlosigkeit. Gefühlswirrwarr. Leichtigkeit.


Ich öffnete die Augen. Ich sah nach unten – in das lächelnde Gesicht einer Frau – ach ja, Ariane. Hatte sie völlig vergessen.


Sie kniete sich neben meinen Oberkörper und küsste mich zärtlich. Ich sah in ihre Augen. Lustglitzern in dunklen Teichen. »Na, Marie Rose, Wunderbares erlebt?«


»Großer Gott!«, sagte ich mit matter Stimme. »Nie zuvor Ähnliches genossen. Paradiesisch.«


»Na, na, das war doch nur ein normaler Orgasmus, forciert durch das Lustspielzeug.« Sie lachte.


Ich riss die Augen auf. »Äh ... die Sache mit der … der Entjungferung ...?«


Sie winkte ab. »Erledigt. Hast du etwas gemerkt?«


Ich runzelte die Stirn. »Nicht bewusst. Einmal glaubte ich, einen kurzen Stoß zu spüren, aber ...« Ich zuckte mit den Schultern. »Jetzt auch egal. Vorbei.«


Ariane nickte. »Willst du das Ergebnis sehen?«


»Klar.«


Sie zerrte das Badetuch unter meinem Hintern hervor und zeigte es mir. Ein paar dunkle feuchte Flecken. »Das ist alles?«


»Ja, Liebes.«


»Unglaublich«, brummte ich und sah sie an. »Wo ist der Dildo?«


»Im Tuch. Ich wasche ihn später.«


Ich, Marie Rose, mit dem schrecklichen Familienname Meyer, hatte elegant, und dazu noch lustvoll, das leidige Problem Entjungferung gelöst.


Ariane warf das Badetuch auf den Fußboden und beugte den Oberkörper über mich. Sie sah mir ins Gesicht. Sehnsucht in den Augen. »Bitte ... bitte verwöhne mich auch. Ich bin total heiß.«


Ich zog ihren Kopf heran und küsste sie innig. Ich rutschte zur Seite. Sie warf sich auf den Rücken und stopfte zwei Kissen unter den Po.


Ich kniete mich neben sie und flüsterte: »Ich werde dich für deine wundervolle Tat belohnen.« Ich ließ Lippen und Zunge über die Brüste wandern.


»Oh, o wie gut, das macht mich kirre«, wisperte sie.


Ich begann mit der Verwöhnarbeit.


»Ja, ja, herrlich! Hör bloß nicht auf!«, flüsterte sie keuchend.


Ich hörte nicht auf.


Ariane wimmerte. Ariane gurrte. Ariane schnaubte.


Ich hielt inne und blickte sie an. Glückseliges Schimmern in verschleierten Augen. Sie flüsterte: »Nimm aus der Schublade die beiden Dildos.«


Ich schnappte sie. Ich schob mich zwischen Arianes Beine. Heftiges Keuchen. Jammern. Schnaufen.


Ariane stöhnte. »Gott, o Gott, tut das gut!« Sie krallte die Finger ins Laken. Vielfältige Lustgeräusche.


Mit Lippen und Zunge spielte ich mit ihr, mal sanft, mal fest, mal langsam, mal schnell. Strampeln. Aufbäumen. Erdbeben schienen sie zu schütteln. Sie zitterte und zuckte.


Erregung überfiel mich. Ariane schrie nur noch.


Hände packten meinen Kopf. Sie wand sich hin und her. Sie girrte. Sie stöhnte. Sie hechelte. »Ja, ja, jaaa!« Körperspannung. Schütteln. Erschlaffung.


Ich wartete ein bisschen. Ich kroch zurück.


Sie seufzte. Ich ebenfalls. Ich legte mich neben sie. Wir umarmten und küssten uns. Sie lächelte. Ich sah in ihre Augen. Schimmerte da Zufriedenheit, Glückseligkeit? Ja, keine Frage.


»Gütiger Gott, Ariane«, sagte ich mit heiserer Stimme. »Du gingst ja ab wie deine Namensvetterin, diese Weltraumrakete der ESA.«


Wir lachten uns halb tot.


Ich räusperte mich. »Sag mal ... äh ... bist du lesbisch?«


Die Weltraumrakete kicherte. »Nein. Bisexuell.«


»Allmächtiger!«, stieß ich hervor. »Wieso denn das?«


Sie zuckte mit den Schultern. »Wenn ich harten, gierigen oder schnellen Sex will, zerre ich einen Kerl ins Bett. Möchte ich zärtlichen, lang andauernden, genussvolleren Sex, bevorzuge ich eine Frau, daneben besitzt sie den ästhetischeren Körper.«


Ich staunte. »Eines weiß ich jetzt mit 100-prozentiger Sicherheit«, flüsterte ich. »Ich werde immer den vorhin erlebten supertollen Gefühlen hinterher rennen, will sie und noch bedeutend berauschendere genießen, egal ob durch Mann oder Frau.«


Ariane strich mir übers Haar. »Falls du in nächster Zeit Lustanwandlungen verspürst, die du nicht selbst befriedigen kannst oder willst und du keinen Kerl abschleppen willst, ruf einfach an. Du weißt jetzt, dass ich sonntags meistens zu Hause bin.« Sie beugte sich vor. »Und außerdem – du hast mich voll und total befriedigt. Hätte das nie geglaubt. Überhaupt nicht wie eine Anfängerin. Du bist ein Naturtalent, Marie Rose.«


Wir kicherten. Beschwingt sprang ich aus dem Bett. »Geh du ins Bad«, sagte sie. »Direkt gegenüber.«


Ich duschte und zog mich an. Ariane, in einen weißen Bademantel gehüllt, gab mir in einem Gästehandtuch meinen Dildo. »Hier, einsatzbereit.«


Wir lachten. Verabschiedung mit einem süßen Kuss. Wie auf Engelsflügeln fuhr ich heim.


Kurz nach sechs streckte ich den Kopf durch die stets offene grüne Glasschiebetür der Küche. »Komme gleich, Mama. Zieh mich noch um.«


In dunkelblauer Jogginghose, einem roten Sweatshirt und Pantoletten betrat ich die Küche. Mutter sah mich an. »Matheprobleme gelöst?«


»Ja. Außerordentlich zufriedenstellend.«


»Da bin ich mal auf deine Note gespannt.« Sie deutete auf das Schweinefilet, das auf einem Holzschneidebrett lag. »Enthäuten und in dicke Scheiben schneiden. Anschließend machst du die Marinade für den Bohnensalat.«


»Ja, Mama.« Ich schnappte das Messer. Zu Mutters Zufriedenheit erledigte ich die Arbeiten. Sie erklärte mir die Zubereitung einer anständigen Soße. Wir verteilten das Fleisch, Salzkartoffeln, Makkaroni und die Soße auf vorgewärmten Tellern.


Wir speisten mit Genuss und tranken einen französischen Sauvignon Blanc. Ich aß mehr als üblich – Nachwehen der kleinen Sexorgie. Ich fühlte mich zufrieden, glücklich – befriedigt. Redete auch mehr als sonst.


Mutter fixierte mich. »Was ist los, Marie Rose? Du bist so redselig. Hast du einen Freund? Wie alt ist er? Ist er ein Mitschüler?«


Papa grinste. Ich verdrehte die Augen. »Nein, Mama. Ich bin auch ohne einen Jungen glücklich.«


Mutter schüttelte den Kopf. Papa lächelte mich an. »Mein Kleines hat noch Zeit, um sich zu verlieben. Es denkt zuerst an die Schule, will ein vorzeigbares Abitur abliefern. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Außerdem will es noch ein paar Jährchen bei seinem Vater bleiben.«


Ich blickte ihm in die Augen. »Genau, Papa.«


Mutter schnaufte. »Du und deine Tochter, Jochen. Du hast doch nur Angst, dass sie uns auf Knall und Fall verlässt. Du bist eifersüchtig auf die Jungs, die sie einmal anschleppen wird. Ich weiß über die Vater-Tochter-Beziehung Bescheid.«


Papa lächelte. »Martha, Martha, ich glaube, du bist auf unsere Tochter eifersüchtig. Siehst Konkurrenz in ihr. Ich kenne die Mutter-Tochter-Beziehung.«


Ich kicherte. »Jetzt streitet euch doch nicht. Ich habe euch beide lieb. Und was einen Jungen betrifft – ich glaube, hier in diesem Kaff finde ich sowieso keinen, der mir gefällt. Falls ich mich wirklich verlieben sollte, heißt das nicht, dass ich sofort ausziehen werde.«


»Na siehst du, Martha. Kein Grund zur Aufregung.«


Mutter brummte nur.


Wir räumten den runden Glastisch ab. Sie und ich brachten die Küche auf Vordermann, wie man so schön sagt.


Wir sahen uns im Fernsehen einen Krimi an. Ein paar Minuten später gab ich den Eltern einen Gutenachtkuss und eilte in mein Zimmer. Nackt tappte ich mit dem Dildo ins Badezimmer. Ich wusch Hände und Gesicht, ließ die elektrische Zahnbürste arbeiten und spülte mit Mundwasser.


Stirnrunzelnd betrachtete ich das durchsichtige Ding. Vor den inneren Augen zogen einige Szenen des Nachmittags vorüber. Lendenklopfen. Ich schloss die Tür und schob den Hocker vor die, dem Spiegel gegenüberliegende, Glaswand der Dusche, setzte mich darauf und lehnte mit dem Rücken gegen das kühle Glas. Mit der Linken streichelte ich die Brüste. Die rechte Hand brachte mich in Fahrt. Ich stöhnte.


Mit Massageöl beträufelte ich das Lustspielzeugs. Ich masturbierte, wie man diese Tätigkeit korrekt bezeichnet. Keinerlei Schmerz. Wollustschauer. Irrsinnsgefühle. Echt krass. Toll. Ich schnaufte. Fasziniert beobachtete ich im Spiegel das Lustspiel der blonden Schönheit. Hinreißend. Klasse. Die Augenlider des Spiegelmädchens flatterten. Es keuchte und prustete. Rosafarbene Haut im Gesicht und auf dem Busenansatz. Wir bebten. Ich lächelte, das Mädchen im Spiegel ebenfalls. »Berauschende Sache«, sagte es. »Das Schärfste, was wir uns je selbst verschafften.«


»Ja«, flüsterte ich mit matter Stimme. »Allerdings kein Vergleich mit den Genüssen, die ich mit Ariane erlebte.«


Die Spiegelschönheit nickte.


Ich wusch Unterleib und Dildo. In meinem Zimmer schob ich die wandhohe Schiebetür des Kleiderschranks auf, stellte mich auf die Zweistufenleiter und nahm eine Schuhschachtel mit Haarspangen, Haargummis und Modeschmuck vom Regal. Ein Etikett mit entsprechender Beschriftung klebte auf der Vorderseite. Den ins Tuch gewickelten Dildo verstaute ich darunter. Ich wusste, dass Mutter ab und zu mein Zimmer durchforstet.


Im Bett wälzte ich mich hin und her. Vielerlei Gedanken schossen mir durch den Kopf. Einen hielt ich fest und beäugte ihn von allen Seiten.


»Prima, Marie Rose«, sagte ich zu mir. »Das Manöver mit Andreas blasen wir ab. Unnötige Energievergeudung. Mir kann er sowieso nichts bieten. Ich kenne jetzt meinen Körper, weiß, wie er auf entsprechende Zärtlichkeiten reagiert, weiß, welche Hochgefühle ich erleben kann. Da brauche ich kein tollpatschiges Fummeln eines Kerls, der nach kurzer Zeit kommt. Ich befasse mich ab sofort mit meinem Hauptplan, der entscheidenden Schlacht, für deren Gelingen ich all die Arbeit und Manöver veranstaltete. Ich kenne jetzt die Strategie, die ich anwenden muss, um einen großartigen Sieg zu feiern, der mich seit drei Monaten lockt.«


Zufrieden driftete ich ins Schlafmeer.


 


 


                                                   4


 


Die Mathearbeit bereitete mir keine Probleme. Es handelte sich um Geometrieaufgaben.


Das Schlachtfeld, das ich zu beackern gedachte, hieß Sascha. Ein 22-jähriger Student der Medizin, ein schlanker Mann von 1,80 Meter. Breite Schultern. Schmale Hüften. Knackarsch. Dunkles Lockenhaar. Grünbraune Augen. Attraktiv. Einziger und unverzeihlicher Fehler: die Liaison mit der superschönen, superintelligenten, superhochnäsigen Karola. Das konnte, durfte, das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen. Gewann ich die Schlacht, wusste ich mit absoluter Gewissheit, dass mir kein Mann im Sonnensystem widerstehen kann – na ja, glaubte ich jedenfalls.


Scheißegal, wie die Operation enden wird, diese Erfahrung würde mein Leben bereichern. Papa sagte oft: »Ein Mensch kann nie genug Erfahrungen sammeln.« Genau, lieber Papa.


Zunächst hieß es, Aufklärung zu betreiben, unabdingbare Voraussetzung, eine Schlacht zu gewinnen. Der Kriegsgott lächelte mir. Der Typ wohnte bei seinen Eltern in Sengscheid, einem St. Ingberter Ortsteil nahe der A 6.


Ich erlangte Wissenswertes durch zwei Schüler der letzten Klasse und die Nachrichtenquelle Saskia. Der Typ traf sich dienstags und freitags ab 17:00 Uhr und an den Wochenenden mit dieser Karola. Mittwochs besuchte er mit einem Kumpel ab 18:00 Uhr Die Schmidd, eine angesagte Musik- und Grillkneipe in der Poststraße.


 


Mittwoch, 8. Mai. Ohne lästige Fragerei lieferte mich Papa ein paar Minuten nach sechs vor dem Lokal ab. Ich sagte: »Ich ruf dich an, wenn du mich abholen kannst.«


Er lächelte. »Denk daran, Kleines – nicht nach zehn.«


»Klar, Papa, nochmals Danke.«


An diesem warmen Tag trug ich eine helle Windjacke, eine langärmelige dunkelgrüne Seidenbluse, einen sandfarbenen Rock, hauteng und zwei Handbreit über den Knien endend, und Pumps mit hohen Absätzen in der Farbe der Bluse. Umgehängte Handtasche. Das Haar schimmerte in einem Zopf. Lippen und Fingernägel glänzten blutrot. Übliche Waffentechnik.


Bevor ich die Kneipe betrat, öffnete ich zwei weitere Knöpfe der Bluse. Ich rückte den Busen in Position, die Waffe des heutigen Tages. Die Superschönheit Karola besaß zwar ebenfalls einen Busen, aber etwas kleiner.


Drinnen – wenig Gäste. Das Schlachtenziel Sascha saß an der Theke. Ich runzelte die Stirn. Sein Kumpel Bernd, ein stämmiger Kerl mit rostrotem Kurzhaarschnitt, verabschiedete sich von ihm. Der Typ stapfte an mir vorbei und – starrte dümmlich grinsend in meinen Ausschnitt.


Mit wiegenden Schritten und verführerischem Lächeln – alles vorm Spiegel x-mal geübt – steuerte ich den Barhocker neben meiner geplanten Beute an. Ich setzte die rauchige Stimme ein. »Hallo, Sascha, darf ich hier Platz nehmen?«


Wir hatten uns bisher ein paar Mal gesehen und gegrüßt, er stets in Karolas Begleitung.


Seine Blicke huschten in den Ausschnitt und senkten sich in meine Augen. »Ja gerne ... äh, wie heißt du noch?«


»Marie Rose.« Ich reichte ihm die Rechte. Er schüttelte sie. Männlicher Händedruck.


Er lachte. Sympathisch. »Ja natürlich. Total vergessen. Ewig nicht gesehen. Du siehst blendend aus.«


»Danke«, hauchte ich, »du ebenfalls.«


Ich platzierte mich auf dem Hocker, dabei das Hinterteil vorteilhaft einsetzend. Er riskierte einen Blick darauf. Karolas Hintern konnte meinem das Wasser nicht reichen – fanden jedenfalls ich und einige Jungs.


Mit Herzjubel fragte ich: »Warum geht dein Freund?«


Grinsen. »Muss seine Schwester retten. Die steht mit leerem Tank irgendwo in der Botanik.«


Wir lachten. Ich bestellte ein Mineralwasser.


Sascha prostete mir mit Weizenbier zu. Wir tranken.


Ich setzte mich schräg. Ich legte den linken Arm auf den Tresen und hob den Busen ein wenig an.


Lächeln. Blick auf die Pracht, danach in meine Augen. »Bist du verabredet?«


»Nein. Die Eltern kommen erst gegen neun nach Hause und ich will etwas essen. Soll ja ordentlich hier sein.«


»Klar, schmeckt prima. Ich esse nachher ebenfalls.«


Ich schenkte ihm einen verführerischen Augenaufschlag.


Sascha seufzte und fasste meine linke Hand. »Komm, setzen wie uns an einen Tisch, ist bequemer.«


Ich leerte das Glas und orderte ein kleines Pils. Wir nahmen in einer Ecke Platz. Das Bier kam. Ich prostete meinem isolierten Ziel zu. Ich sah ihm tief in die Augen. Wir unterhielten uns angeregt. Mehrheitlich ließ ich ihn reden.


Wir studierten die Speisekarten. Ich bestellte Tortellini indischer Art, er ein Rumpsteak mit Bratkartoffeln. Angenehme Atmosphäre. Lockere Unterhaltung. Er schien von mir angetan. Er lobte mein Aussehen und das Parfum. Das Zeug von Kenzo hatte ja auch einen Haufen Geld gekostet, trotz der Prozente, die Mutter bekommen hatte. Ich lobte das Essen und seinen männlichen Körperbau. Er strahlte.


Die Zeit flog. Ich schielte auf meine schlichte Armbanduhr. Sascha sah mir in die Augen. »Musst du schon gehen?«


»Gleich. Ich rufe Vater an. Er holt mich um zehn ab.«


Er grinste. »Sag ihm, er kann weiter fernsehen. Ich fahre dich nach Hause.«


Herzhüpfer. »Danke Sascha, sehr lieb von dir.«


Er rief die Bedienung. Ich nahm seinen Arm. »Ich bezahle meine Rechnung.«


Er lächelte – irgendwie liebevoll. »Nichts da. Ich übernehme das. Du hast mich vor einem langweiligen Abend gerettet.«


Ich widersprach nicht – bin ja nicht bescheuert. Jedes Mädchen hätte garantiert ebenso gehandelt.


Vorm Lokal rief ich Papa an. Er meinte, es sei sicherer, wenn er mich abhole. Ich setzte die Tochter-Vater-Beziehung ein und erhielt die Transportgenehmigung in Saschas Auto. Super gelöst, oder?


Mein Chauffeur sah mir in die Augen. »Und? Tobte er?«


Ich lachte. »Nein. Er hofft, dass du mich nicht entführst oder anderen Unsinn mit mir anstellst. Ich musste ihm deinen Namen nennen. Schlimm?«


Er winkte ab. »Kein Problem. Sei froh, dass du solch einen fürsorglichen Vater hast.«


Wir stiegen in Saschas 3er-BMW, der in der Nähe parkte. Ich dirigierte ihn in unsere Straße, ließ ihn aber zwei Häuser vorher anhalten. Die Borduhr zeigte 21:59.


Ich nahm seine Rechte. »Danke für die sichere Heimfahrt und Speis und Trank.«


Er brummte.


Ich beugte mich zu ihm, gewährte ihm ungehinderte Einblicke in den Ausschnitt und küsste ihn zart auf den Mund – sehr zart, sehr unschuldig.


Der Schlag traf mich.


Seine Zunge schlängelte zwischen meinen Lippen. Herzvibrieren. Ich ließ meine Zunge antworten. Vordringen in seinen Mund. Er revanchierte sich. Ein süßer Kuss, zärtlich und doch betörend.


Wir lösten uns. Blicke versenken. Lächeln.


»Aufregend, Marie Rose«, sagte er mit rauer Stimme. »Da kann einem schwindelig werden.«


»Ja. Sehr lieblich. Gefiel mir. Könnte man ausbauen.«


Er grinste. »Ein Angebot zu einem Treffen?«


»Falls du möchtest – gerne.«


Wir verabredeten uns für Montag 17:00 Uhr – vor unserem Haus. Ich hauchte ihm einen Kuss auf den Mund und stieg aus, dabei kokett das Hinterteil drehend.


Ich betrat das Wohnzimmer, natürlich mit geschlossener Bluse. Mutter fixierte mich. »Marie Rose, wieso weiß ich nichts von einem Rendezvous mit einem jungen Mann?«


Ich verdrehte die Augen. »Aber Mama, das war doch gar nicht geplant. Ich wollte eine Klassenkameradin treffen. Sie sagte wegen Kopfschmerzen ab. Im Lokal traf ich Sascha. Ich kenne den Typen flüchtig. Er saß mit einem Freund an der Theke. Wir unterhielten uns nett und aßen etwas. Sascha fuhr mich nach Hause. Er wohnt in Sengscheid. Ende des Berichts.«


»Aha. Da bin ich ja beruhigt.« Mutter trank von ihrem Wasser und sah zum Fernseher.


Ich blickte Papa an. Er zwinkerte mir zu. Mein Papa, der beste der Welt! Ich verteilte Gutenachtküsschen und eilte in mein Zimmer.


Erfolgreicher Beginn des Feldzuges Sascha. Tadellose Arbeit des Spähtrupps. Der Opfer ist gestellt, das Schlachtfeld bereitet. Was soll da noch schief gehen? Ich feierte den Erfolg mit einem wunderhübschen Orgasmus – mit Dildo. Die Ereignisse hielt ich im Tagebuch fest.


Die restliche Woche huschte wie ein ICE an mir vorbei.


 


Sonntags wälzte ich mich mit Ariane gegen 16:00 Uhr in ihrem Bett. Ich verschaffte ihr – in Zusammenarbeit mit den Sexspielzeugen – ein paar rauschhafte Höhepunkte, wie sie mir hinterher ins Ohr flüsterte.


Sie fiel über mich her. Das Vorspiel ließ mich glühen. Doch nicht zu vergleichen mit den anschließenden Wonnen. Sie hatte mir zusätzlich einen kleineren Dildo gekauft. Schwelgen in unvergleichlichen Hochgenüssen. Ich durchstreifte das Paradies der Wollust und schleuderte ein paar Mal über die Lustgipfel, wie sich Ariane oft ausdrückte. Märchenhaft. Spitze. Fetzig.


Keuchend lagen wir uns in den Armen. »Du bist eine Sexgöttin«, flüsterte ich immer noch atemlos.


Die Göttin kicherte. »Und du eine Lustbombe, weitaus explosiver als diese Ariane-Rakete.«


Wir prusteten los.


Gelungener Sonntag. Beglückend. Berauschend. Top Event.


Mit der Neuerwerbung in der Handtasche fuhr ich beschwingt nach Hause.


Abends hielt ich die Wonnestunden im Tagebuch fest.


Montag, 13. Mai. Teil zwei des Feldzuges Sascha. Pünktlich bestieg ich – ohne kreisenden Hintern – den schwarzen BMW. Wir begrüßten uns mit Handschlag. Ich wusste, dass Mutter am Küchenfenster stand und uns argwöhnisch beobachtete. Ich hatte mich korrekt vom Abendessen abgemeldet.


»Hübsches Haus«, stellte er fest. »Ruhiges Viertel.«


»Ja. Tote Hose.« Wir lachten uns schief – fast.


In Saarbrücken schlenderten wir durch die Altstadt und bestaunten in Alt-Saarbrücken die Ludwigskirche, deren Grundstein 1762 gelegt wurde. Der nach den Plänen von Friedrich Joachim Stengel im August 1775 eingeweihte Sakralbau stellt eine der bedeutendsten evangelischen barocken Kirchenbauten Deutschlands dar.


Ab und zu berührte ich Saschas Unterarm oder die Hand. Gegen halb sieben nahmen wir in der ersten Etage des Restaurants Michelangelo Platz. »Hier gibt es köstliche Pizza«, erklärte mein Begleiter. »Im Holzofen gebacken.«


»Klasse, die schmecken am besten.«


Jeder trank ein Glas Montepulciano und Mineralwasser. Prima Pizza. Prima Wein.


Wir plauderten, scherzten und lachten. Nicht übel der Kerl, dachte ich. Charmant, intelligent, belesen, viel zu schade für die dusselige Kuh Karola.


Kavaliersmäßig zahlte er die Rechnung.


Zur Verdauung spazierten wir durch die verkehrsfreie Bahnhofstraße. Schaufensterbummel. Gelungener Abend. Fehlte noch der erfolgreiche Abschluss des heutigen Manövers.


Im Auto hauchte ich Sascha einen Kuss auf den Mund. »Danke für die Einladung. Du bist sehr sympathisch. Selten einen so netten Abend erlebt.«


Er lächelte. »Selten eine so charmante Begleiterin zum Essen ausgeführt. Du bist nicht nur intelligent, sondern auch äußerst attraktiv.«


»Danke, mein Lieber.«


Um ein Manöver erfolgreich abzuschließen, muss man beherzt angreifen und, enorm wichtig, die Initiative nicht verlieren. »Verlass die Autobahn bitte über die Ausfahrt St. Ingbert-Mitte«, sagte ich mit sanfter Stimme auf der Grumbachtalbrücke.


Er fragte nicht, warum. Er tat es.


Ich dirigierte ihn auf den Parkplatz des Edeka Marktes, der direkt am Verkehrskreisel an der Autobahnausfahrt liegt. Er stoppte auf einer der jetzt leeren Parkflächen. Der BMW schwieg. Ich blickte Sascha tief in die Augen. Herzklopfen.


Ich küsste ihn auf die Nasenspitze und fest auf den Mund. Erfolgreiche Taktik. Er schnallte sich los. Ich ebenfalls. Er nahm mich in die Arme. Zärtlicher Kuss. Ich erwiderte ihn – lustvoll. Ich ließ die Rückenlehne etwas zurückgleiten. Ich legte die linke Hand auf seinen Oberschenkel. Ich forcierte die Küsse, gestaltete sie leidenschaftlich. Der Typ ging voll ab.


Ich spürte Saschas Finger auf meinem Busen. Gelungener Schachzug. Ich reckte den Oberkörper vor. Intensives Busenstreicheln. Die Hand fuhr in den klaffenden Ausschnitt der dunkelroten Seidenbluse und massierte die rechte Brust. Ich öffnete weitere Knöpfe. Die linke Brust bekam ebenfalls Streicheleinheiten. Hitzestau in Kopf und Lenden.


»Bitte lass sie aus ihrem Gefängnis«, flüsterte ich. »Sie sehnen sich nach Zärtlichkeiten.«


Geschickt streifte er den BH hoch.


Der Kerl besaß Erfahrung, keine Frage. Kreisende Zunge. Erregendes Knabbern. Meine Muschi forderte energisch eine Lustbehandlung. Ich beachtete sie nicht.


Mit der Rechten packte ich Sascha im Schritt. Stramme Wölbung unter Jeansstoff. Er keuchte. Taktik erfolgreich. Manöver gelungen.


Er tastete zwischen die bestrumpften Oberschenkel. Jetzt ist aber Feierabend! Ich will mich ja nicht so einfach erobern lassen. Der Typ muss ordentlich zappeln, sich fiebernd nach mir sehnen. Gier nach Sex macht blind – wie die Liebe. Und ich, Marie Rose, mit dem schrecklichen Familiennamen Meyer, ich brauchte einen blinden Sascha.


Ich hielt seine Hand fest und sah ihm in die Augen. »Nicht hier und heute. Zu unsicher und unbequem. Ich will kein schnelles Bumsen im Auto. Ich will dich genießen, voll und ganz und – dich total verwöhnen – demnächst.«


Der Kerl hechelte wie ein Bluthund. »Wann, du ... du aufregendes, du heißes Mädchen.«


Brillantes Voranschreiten der Operation Sascha. Ich ordnete BH und Bluse.


Er setzte sich aufrecht, seufzte und sah mich an. »Wann sehen wir uns?«


Ich runzelte die Stirn, als müsse ich nachdenken. »Am Donnerstag gegen 17:00 Uhr?«


Lächeln. »Passt mir prima. Ich freue mich riesig.«


Klar doch, dachte ich. Morgen legst du die superdoofe Karola flach und am Mittwoch triffst du dich mit Bernd.


»Ich ebenfalls.«


Er startete den Motor.


»Warte«, sagte ich. »Ich male noch die Lippen an.«


Er lachte. »Du denkst an alles. Raffiniert.«


Klar bin ich raffiniert und nicht nur das. Das wird er bald feststellen.


Kurz nach zehn begrüßte ich die Eltern im Wohnzimmer. Mutter musterte mich von Kopf bis Fuß. »Na, Liebes. Netten Abend verbracht?«


»Ja, Mama. Bummel in Saarbrücken gemacht. Pizza gegessen. Ein Glas Rotwein getrunken. Keine heißen Küsse. Keine Fummelei im Auto. Zum Abschied Wangenküsse.«


Sie rollte die Augen. »So genau wollte ich das gar nicht wissen.«


»Doch, Mama, genau das willst du wissen!«


Sie schnaufte.


Papa mischte sich ein. »Meine Damen – kein Zickenkrieg.«


Mutter funkelte ihn an. »Und du bist am besten still. Ich rede mit meiner Tochter. Du hältst ihr ja immer bei, egal, was sie tut und treibt. Nachher fällst du aus allen Wolken, wenn sie schwanger daherkommt.«


Papa prustete. »Aber, Martha. Erstens ist sie unsere Tochter. Zweitens ist sie nicht so blöd, sich in diese Situation zu manövrieren. Außerdem hat sie sich und uns versprochen, ihre Jungfräulichkeit bis mindestens zu ihrem 18. Geburtstag zu bewahren. Ich glaube und vertraue ihr. Du solltest das ebenfalls tun.«


Mutter ruderte zurück. »Ich habe ja nicht behauptet, dass sie in den nächsten Wochen ... äh ... Verkehr haben wird. Wollte sie ja nur an ihr Versprechen erinnern, vor einer beschissenen Situation bewahren.«


»Jetzt reg dich ab, Martha. Lass sie ihre Liebelei genießen. Wir waren auch mal jung und erlebten Ähnliches. Du weißt, dass man Jugendliche in diesem Alter nicht zu sehr bevormunden, ihnen nicht alles verbieten soll. Total kontraproduktiv. Da reagieren sie nur aufsässig und veranstalten unüberlegt genau das Gegenteil, und zwar aus reinem Trotz. Das wollen wir doch nicht, oder?«


»Natürlich nicht. Trotzdem soll sie sich demnächst die Pille verschreiben lassen. Sicher ist sicher. Sie kann leicht in eine Situation rutschen, die sie eigentlich nicht will. Wäre nicht die Erste.«


Widerstand in mir. Ich stampfte mit einem Fuß auf. »Ich schlucke jetzt noch keine Scheißpillen. Ich werde mein Versprechen halten. Ich möchte über das Thema nicht mehr reden. Ich weiß ja gar nicht, ob ich mich in Sascha verliebe. Das ist total offen. Ja, er gefällt mir und ist sympathisch, deshalb werde ich jedoch nicht sofort mit ihm ins Bett hüpfen. Da wird noch viel Wasser die Saar runterfließen – falls es überhaupt dazu kommt.« Ich schnaufte.


Mutter hob die Hände. »Reg dich ab, Marie Rose. War ja nicht so gemeint.« Sie sah mir in die Augen. »Übrigens, dieser Sascha scheint ja ein netter und anständiger Kerl zu sein. Studiert Medizin in Saarbrücken. Wohnt bei den Eltern in einem beeindruckenden Haus. Der Vater ist Arzt in der Uniklinik Homburg. Die Mutter, für meinen Geschmack etwas zu aufgetakelt, leitet dort eine Abteilung der Verwaltung. Reiche Leute. Wäre eine tolle Partie – falls es dazu kommt.«


Ich kochte. »Du ... du hast mir nachspioniert? Nicht zu fassen. Unglaublich.«


Mutter öffnete den Mund.


Papa ließ sie nicht zu Wort kommen. »Deine Mutter ist unschuldig, Kleines. Ich zog einige Erkundungen über Sascha und die Familie ein. Wir wollen wissen, mit wem unsere Tochter verkehrt und in wen sie sich eventuell verliebt. Falls du einmal Kinder bekommen solltest, wirst du ebenso handeln, glaube mir. Das hat nichts mit Misstrauen oder Spionage zu tun, reine Information.« Er lächelte mich an.


Ich schluckte und winkte ab. »Na gut, ich glaube euch. Muss jetzt ins Bett.«


Mutter grunzte und starrte in den Fernseher. Papa nickte.


Artig verteilte ich Gutenachtküsschen. Papa strich mir übers Haar und flüsterte mir ins Ohr: »Ich liebe dich, Kleines. Ich glaube und vertraue dir. Egal, was es auch sein mag, du kannst mit allen Problemen zu mir kommen.«


Lieber Papa. Ich gab ihm einen Extrakuss und entschwand in mein Zimmer. Bevor ich duschte, feierte ich den Tagessieg, indem ich mich durch die Lustspielzeuge und rechte Hand in das Eldorado der Glückseligkeit entführen ließ, ein weiterer Ausdruck von Ariane. Zauberhaft.


Ich stand auf und musterte den Hocker. »Muss mir einen bequemen Stuhl kaufen.« Ich betrachtete das Spiegelmädchen. Es grinste und sagte: »Ich gratuliere dir zu deinem heutigen Sieg, Marie Rose, mit dem schrecklichen Familiennamen Meyer, glänzendes Timing. Jetzt glaube ich an den Endsieg.«


»Ich ebenfalls. Danach veranstalten wir mit Champagner eine rauschende Orgie, nur Ariane, du und ich.«


Die Spiegelschönheit nickte. »Genau.«


 


Mit Bauchkribbeln überstand ich am Donnerstag die Stunden bis zum Rendezvous. Vorm Haus stieg ich zu einem strahlenden Sascha ins Auto. Wir fuhren zum Würzbacher Weiher und umrundeten ihn plaudernd – Hand in Hand. Der BMW transportierte uns ins Barockstädtchen Blieskastel. Echt sehenswert. Tolle Lokale.


Küsschen nach dem Aussteigen. Im Anschluss an einen Rundgang schlenderten wir zum Restaurant Beim Patrick, eine empfehlenswerte Lokalität. Küsschen, bevor wir eintraten.


Voller Vorfreude und prickelnden Nerven verleibte ich mir ein Rumpsteak mit Bratkartoffeln und gemischtem Salat ein. Ich trank ein Weizenbier. Sascha schloss sich an. Angeregtes Plaudern. Verliebte Blicke. Wie üblich standen drei Knöpfe meiner blauen Baumwollbluse offen. Schwarzer Spitzen-BH – äußerst knapp. Schmunzelnd starrte mein Operationsziel oftmals auf die Busenpracht. Taktische Vorbereitung. Gegner in die gewünschte Richtung locken.


Sascha trank abschließend eine Cola, ich ein Mineralwasser. Er zahlte. Finanzierte meine Operation.


Wir marschierten zum Auto. Küsschen, bevor wir einstiegen. Ich schielte auf die Citizen Armbanduhr aus Titan, die mir Papa vorgestern geschenkt hatte – einfach so. Lieber Papa. 20:24 Uhr. Voll im Zeitplan.


Knapp 20 Minuten später passierten wir die Einmündung der Straße, die nach Reichenbrunn führt, einem winzigen Ortsteil von St. Ingbert. Augenkontakt. Ich deutete nach vorne. Sascha nickte lächelnd. Etwa 800 Meter weiter bog er rechts auf den Waldparkplatz, rund einen Kilometer von meinem Elternhaus entfernt. Kein anderes Auto. Um diese Uhrzeit schlichen auch keine Spaziergänger durch den Wald.


Vorgeplänkel. Wangen streicheln. Umarmungen. Zärtliche Küsse. Attacke! Heiße Küsse. Wilde Küsse. Gierige Küsse. Bluse komplett öffnen. Busenwaffe zum Einsatz bringen. Wollüstiges Tanzen von Saschas Händen, Lippen und Zunge. Lendenklopfen. Herzvibrieren. Nervenflirren. Toll. Herrlich. Erregend.


Zweiter Vorstoß. Ich rutschte ein wenig vor. Rock hochschieben. Nein, ich trug keine Strumpfhose. Sündiges schwarzes Spitzenhöschen mit Minidreieck. »Streichele mich da unten«, wisperte ich. »Ich sehne mich total danach. Lass mich fliegen.«


Lustflirren in Saschas Augen. Plötzlich – Stirnrunzeln. »Bist ... äh ... bist du noch Jungfrau?«


»Im technischen Sinn nicht mehr«, flüsterte ich. »Habe die Angelegenheit selbst bereinigt. Einen Jungen ließ ich nie ran. Du darfst der Erste sein, der mich beglückt.«


Er hechelte wie eine Rotte Jagdhunde. Sascha hatte es echt drauf. Geschickt, erregend, aufpeitschend verwöhnte er mich. Zum Verrücktwerden. Herzrotieren. Gehirnbrennen. Nervenglühen. Ich flog tatsächlich – durch den Garten der Wollust. Dieser Ausdruck stammte ebenfalls von Ariane. Der Orgasmus überrollte mich wie ein Kampfpanzer. Zu kurz, viel zu kurz.


Umarmung. Auffressende Küsse. Der Kerl wusste, was Frauen beglückt. Wie die träge Dünung eines Paradiesmeeres wogte mich ein zweiter Höhepunkt hin und her. Echt krass! Traumhaft! Saustark!


Er lächelte mich an. Inniger Kuss.


Endkampf. Ich fackelte nicht lange. Ich öffnete seinen Gürtel, die Jeans, riss den Reißverschluss herunter und schob Hose und Slip nach unten. Ein Prachtexemplar sprang mir entgegen. Na, das versprach ja totalen Genuss.


Sascha ließ die Rückenlehne ein Stück zurückgleiten.


Entscheidender Angriff. Ich packte das Prunkstück mit der Rechten und begann mit ihr und dem Mund die Verwöhnarbeit – offenbar gekonnt. Schnaufen, Schnauben und Prusten, das einer Herde Nilpferde zur Ehre gereicht hätte. Spürbare Schauer jagten durch meinen Sascha. Jammern, Keuchen, Stöhnen. Wunderbar. Klein-Sascha vibrierte. Ich hielt inne. Groß-Sascha hechelte und gab merkwürdige Geräusche von sich. Ich hob den Kopf und sah ihm in die Augen. »Ich glaube, ich höre auf«, wisperte ich. »Du stirbst sonst.«


Er wimmerte wie ein Kleinkind. »Wenn du aufhörst, sterbe ich tatsächlich«, krächzte er. »Mach bloß weiter.«


Ich machte weiter, und wie. Er strampelte. Seine Hände flatterten. Der Unterleib hob sich. Erstickende Geräusche. Ein heiserer Schrei. Explosion. Ehrensache. Vorbereitung auf die Entscheidungsschlacht. Sascha würde ab sofort an mir dranbleiben wie Chrom an einem Wasserhahn.


Ich klimperte mit den Lidern und flüsterte: »Gut so?«


Nie erwartete Reaktion. Er verdrehte die Augen. Er umarmte mich, küsste mein Gesicht ab und stammelte Unverständliches. Irre, total irre. Er löste sich von mir. Sah ich Tränen in seinen Augen schimmern? Unmöglich!


»Gütiger Gott, Marie Rose!«, krächzte er. »Du ... du hast mir einen Wunschtraum erfüllt. Du siehst mich aufgelöst, aber ... aber glücklich, wahnsinnig glücklich. Nie, nie erwartete ich, dass du mir einen derartigen Hochgenuss bereitest. Ich schwebte in elysischen Gefilden.«


Ich schüttelte mich – innerlich. Das gibt es ja gar nicht. Ein 22-Jähriger flippt aus, wenn man ihm mal ordentlich einen bläst. Kaum zu glauben.


»Äh ... Sascha«, sagte ich und unterdrückte ein Frohlocken. »Du und Karola, ihr seid doch schon lange ein Paar. Das hat sie mit dir bestimmt des Öfteren gemacht. Eine völlig normale Sache zwischen Liebenden.«


Er schien betrübt. Er seufzte und sah mir in die Augen. »Karola stammt aus einer streng gläubigen katholischen Familie. In den ersten zwei Monaten unserer Beziehung durfte ich zweimal in ihrem Mund kommen. Sie sagte, das sei total unmoralisch, außerdem ekele sie sich davor. Später gab es nur noch sechsmal Oralverkehr, allerdings mit einem Ende in Papiertaschentüchern.«


Ich freute mich – riesig – den Endsieg vor Augen.


 


 


                                                         5


 


Montags traf ich mich erneut mit Sascha. Schlendern in Saarbrücken durch die, seit 1978 bestehende, Fußgängerzone und über den St. Johanner Markt. Mit zahlreichen Boutiquen, Läden, Kneipen, Bistros und Restaurants schlägt dort das Herz des städtischen Lebens. Sollte sich jeder mal gönnen.


Im Schatten des barocken Marktbrunnens, 1759 von Friedrich Joachim Stengel entworfen, küssten wir uns. Nachahmenswert – für Verliebte.


Fahrt in den südlich gelegenen Stadtteil St. Arnual auf der anderen Saarseite. Essen in dem Lokal am Tabaksweiher, einem beliebten Ausflugsziel. Empfehle ich wärmstens.


Geile Fingerspiele und Blaskonzert auf dem gleichen Parkplatz wie letzte Woche. Der Kerl spielte mir voll in die Karten, wie man zu sagen pflegt.


 


Ohne Widerstand ließ ich mich am 23. Mai, einem Donnerstag, um 15:00 Uhr in seine geschmackvolle Einliegerwohnung im mondänen Bungalow der Eltern locken. Pferdeschwanzfrisur. Topp geschminkt.


Minuten später wälzte sich die nackte Gymnasiastin Marie Rose mit dem nackten Studenten Sascha im Bett. Nach einem scharfen Vorspiel durfte er mich beglücken. Der erste Mann in meinem Leben. Eine echt hinreißende Angelegenheit – hätte ich nicht gedacht – so ein quicklebendiger heißer Glücklichmacher. Da werde ich wohl nie genug davon bekommen können. Jauchzend taumelte ich in einem Wollustrausch. Super. Mein Kriegsziel erlebte schnaubend, zitternd und stammelnd seinen Orgasmus – natürlich mit Kondom, da kannte ich kein Erbarmen.


Verschwitzt lagen wir uns in den Armen. Wir flüsterten Liebesworte, er deutlich mehr als ich, klar doch, ich liebte ihn ja nicht. Wir tranken Cola, plauderten und alberten.


Ich rüstete zum finalen Gefecht. Fachfraulich hauchte ich Klein-Sascha pralles Leben ein. Funktionierte tadellos.


Der große Sascha brachte mich voll in Fahrt. Glutküsse.


Ich blickte ihm in die Augen und flüsterte: »Ich werde dir jetzt den Himmel auf Erden bereiten und dich in meinem zweiten Lustgarten wandern lassen.« Typischer Ariane-Spruch.


Sascha keuchte. Er schüttelte sich. »Leg los, du … du superscharfes Mädchen«, krächzte er.


Ich kniete mich breitbeinig hin und wandte den Kopf. Lüsterner Augenaufschlag – tausendfach geübt. Einsatz der rauchigen Stimme. »Verwöhne die Paradiese und – anschließend darfst du dich austoben – ohne Gummi.«


Er riss die Augen auf. Er grunzte, schien sprachlos. Sascha schärfte meine Waffen. Ich gurrte, seufzte und ächzte.


Er hielt inne und wisperte: »Darf ich jetzt?«


»Gleich.« Ich wandte mich zum Bettrand, griff in die offene Handtasche, die ich direkt vorm Bett abgestellt hatte. Ich präsentierte ihm den durchsichtigen Dildo.


Er schluckte und grinste. »Liebste Marie Rose, du bist ja auf alles vorbereitet, da staune ich nur so.«


Sollte er auch. Ich kicherte und kniete mich erneut in Position. »Leg los, mein scharfer Hengst«, sagte ich mit rauer Stimme.


Der scharfe Hengst wieherte und legte los.


Ich hielt den Atem an. Ich gurrte. Ich stöhnte. Ich wand mich.


Schnaubender Sascha. »O Gott, tut das gut!«, wisperte er. »Himmlisch. Grandios. Super.«


Auf den linken Ellbogen gestützt, beglückte ich mich zusätzlich. Göttlich. Lava in den Adern. Rausch im Gehirn.


Keuchen, Stöhnen und Wimmern erfüllten das Schlafzimmer. Sascha gebärdete sich wie entfesselt.


Die Springflut des Höhepunktes schleuderte mich in bisher unerreichte Höhen, jagte mich über den Mount Everest der Lust. Fetzig. Super. Irre geil.


»O Gott!«, rief Sascha. »Ich kann nicht mehr, kann mich nicht mehr halten! Ich zerfließe.« Er schrie nur noch.


Sekunden später tobte ein Erdbeben in mir. Glitzersterne im Kopf. Nervenflirren. Totale Befriedigung in Gehirn, Herz und Seele. Ermattet, aber voll zufrieden, ließ ich mich auf den Bauch plumpsen.


Sascha legte sich neben mich. Ich drehte mich zu ihm. Noch nie sah ich im Gesicht eines Menschen derartige Glückseligkeit. Der Kerl schien weggetreten. Er streichelte meine Wangen und sah mir in die Augen. »Allerliebste Marie Rose«, hauchte er. »Du bist eine Liebesgöttin. Ich liebe dich, liebe dich tief – abgöttisch.«


Ich lächelte. »Danke, Liebling.« Triumphales Tanzen von Gehirn und Herz. Operation Sascha gelungen. Endsieg in Reichweite.


Der Schwerverliebte küsste mich zärtlich auf den Mund und flüsterte: »Du führtest mich ins wahrhaftige Paradies. Ein weiterer Wunschtraum ging in Erfüllung. Noch nie erlebte, empfand ich solche Wonnen. Ein betäubender Liebesrausch.«


»Jetzt übertreibst du aber, Sascha«, sagte ich mit normaler Stimmlage. »Mit Karola hast du sicher Ähnliches getrieben.«


Er winkte ab. »Einmal wagte ich einen derartigen Vorstoß. Totaler Fehlschlag. Sie äußerte sich regelrecht entsetzt. Nie, niemals im Leben werde sie solchen Schweinkram mitmachen. Das sei doch eine Todsünde, von Gott überhaupt nicht vorgesehen.«


Ich kicherte und strich ihm durchs verschwitzte Haar. »Armer, abgewiesener Sascha.«


Er winkte erneut ab, abfällig, wie mir schien, umarmte mich und flüsterte Liebesworte.


 


Ich schielte auf meine Uhr. »Muss los«, brummte ich. »Versprach Mutter beim Kochen zu helfen.«


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



Anzeige

Anzeige

© 2008 - 2018 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 2 secs