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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Sonnenanker, Stefanie Maria Schneider
Stefanie Maria Schneider

Sonnenanker



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Sechs Augenpaare in ernsten Gesichtern verfolgten jede Bewe-gung von Victor Jerez, Peter Sedan und Isabel Amaro. Sie sahen, wie Peter Sedan einen Stein betrachtete und an der dünnen Gras-nabe kratzte. Der Kameramann hatte gute Arbeit geleistet. Es fiel kein Wort in dem kleinen Konferenzraum. „Kann mir einer sagen, was die dort tun?“ Der Bergbauminister blickte in die Runde, welche ihm eine Antwort schuldig blieb. „Für mich sieht das aus, als suchten sie nach etwas.“ Sein untrüglicher Instinkt sagte ihm, dass was er hier sah, Probleme mit sich bringen werde. Ein dünner, hagerer Mann mit faltigem Gesicht und Hakennase zu seiner Rechten ergriff als erster das Wort. „Auf jeden Fall haben sie dort nichts verloren, einen Tag nach der Explosion.“ „Aber es ist weit davon entfernt, es gehört nicht zur Mine“, warf der Sekretär des Bergbauministers ein, der sich unter den anderen, die höherrangig waren als er, als besonders klug hervor tun wollte. Der Bergbauminister wischte seinen Einwand mit einer Handbewegung beiseite, was er mit einem säuerlichen Gesicht registrierte. „Das macht nichts. Ricardo hat Recht, Jerez hat dort nichts zu suchen. Außerdem sollen dort die neuen Schlammbecken der Peruvian Goldmines entstehen.“ Der hakennasige, den der Bergbauminister zitierte, befürchtete er werde sich um die Sache kümmern müssen, was Arbeit bedeutete, die er nicht unbedingt schätzte und versuchte deshalb, seine Aussage zu relativieren. „Arbeitete Jerez nicht für die Mine? Vielleicht sind es nur Geologen, die für Arno Wolf etwas untersuchen?“ Der Sekretär hatte sich mittlerweile wieder fünf Zentimeter mehr zwischen seine hängenden Schultern zurückgezogen und entschloss sich, nichts mehr zu sagen. Der Bergbauminister gab nicht so einfach auf. „Das ist abgeschlossen.“ „Ich dachte, die neue Mine kommt nicht?“ „Momentan nicht. Wir warten die Wahl ab. Das weiß aber dieser Jerez vermutlich nicht.“ „Wer sind die anderen?“ „Das werden wir noch herausfinden.“ Es klopfte an der Tür und ein anderer Mitarbeiter des Bergbauministers blickte herein. „Entschuldigen Sie die Störung. Peruvian Goldmines hat gerade angerufen, ob wir Bodenuntersuchungen starten? Ihre Sicherheitsleute meldeten drei Geologen auf dem Weg zum geplanten Erweiterungsgelände. Señor Summer bittet eiligst um Rückruf.“ Der Bergbauminister wunderte sich, warum der Anruf des Minenleiters nicht bei ihm gelandet war, doch dann fiel ihm ein, dass er sein Telefon während des Meetings auf den Mitarbeiter umge-stellt hatte. Der wusste nichts von dem gerade gesehenen Video und fragte sich, ob er mit seiner Störung einen Fehler begangen hatte, als er in die überraschten Gesichter blickte. Ricardo fasste sich als erster wieder und komplimentierte den Störenfried mit ei-nem „Wir rufen zurück, danke“, schnellstens hinaus. „Was sagen wir? Dass wir nicht wissen, was Jerez dort macht?“, wandte er sich an seinen Chef. „Auf jeden Fall machen wir keine Bodenuntersuchungen dort.“ Der Bergbauminister griff entschlossen zum Telefon und bedeu-tete seinem Sekretär mit einem Kopfnicken, dass er dieses Gespräch ohne ihn führen wollte. Der verließ schweigend den Raum, ohne den hakennasigen Ricardo eines Blickes zu würdigen, der natürlich bleiben durfte. Bill Summer, der Minen-Manager, hob sofort ab. Die Missstimmung über den verhängten Ausbaustopp lag wie ein schwarzes Tuch über dem Gespräch mit dem Bergbauminister. Bill Summers kühle Stimme ließ keinen Zweifel daran, dass die Minengesellschaft in dem Ministerium den Schuldigen sah, wie der neben Summer stehende Arno Wolf wohlwollend zur Kenntnis nahm. „Drei Geologen waren für längere Zeit im Erweiterungsgelände gewesen. Sie hatten gegenüber den Sicherheitsleuten behauptet, in unserem Auftrag unterwegs zu sein. Was nicht stimmt. Ich gehe davon aus, dass Sie über die Angelegenheit Bescheid wissen. Was haben die Leute dort vor?“ „Ihr Anruf ist unserem zuvorgekommen. Wir wissen nicht, was diese Leute dort tun. Was wir aber wissen ist, dass Victor Jerez dabei war. Er ist Geologe, aber auch ein führender Kopf in der Widerstandsbewegung.“ „Was soll der Widerstand dort, wo nichts ist und vorerst wohl auch nichts sein wird“, entgegnete Summer mit von Zynismus getränkter Stimme. „Außerdem kennen wir Jerez, er hat mit seinen Studenten in unserem Auftrag den Boden im Erweiterungsgebiet analysiert.“ Ricardo, der über den Lautsprecher mitgehört hatte, zuckte verständnislos die Schultern. Wenn der Bergbauminister überrascht war, ließ er es sich nicht anmerken. „Dass Jerez für Sie tätig war, wussten wir nicht. Dann scheint ja wohl alles in Ordnung zu sein.“ „Jerez hatte von uns keinen Auftrag mehr, die Sache war been-det. Es war ein Deutscher dabei, Peter Sedan.“ „Wir kennen keinen Peter Sedan.“ Wolf riss Summer den Hörer aus der Hand. „Sie sollten Herrn Sedan kennen. Sedan ist Archäologe und Amerikanologe. Berühmt für seine Entdeckung am Machu Picchu, hoch gelobt von der peruanischen Regierung. Sogar ich weiß das“, dass er es erst vor wenigen Minuten im Internet recherchiert hatte, behielt Wolf für sich. „Jetzt erzählen Sie mir nicht, sie kennen ihn nicht. Sagen Sie uns endlich, was das soll! Was macht dieser Sedan bei meiner Mine!“ Seine zornige Stimme schallte durchs Telefon. „Señor Wolf, glauben Sie uns, wir wissen von nichts. Wir sollten zusammen herausfinden, was es damit auf sich hat?“ „Ich will nichts herausfinden, sondern möglichst schnell die Mine erweitern. Schaffen Sie die Genehmigung heran und sehen Sie zu, dass dieser Sedan dort oben nicht mehr auftaucht.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, legte er auf.


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